Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1933)
- Date
- 1933-06-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4. Der jüdische Arbeiter 23. Juni 1933 meinschaft beteiligt sich: a) die großen jüdischen Gemeinden und Gemeindeorganisationen. b) Die großen jüdischen Sozialinstitutionen und Kolonie sationsgesellschaften (Joint Distribution Committee, Ica, Al- Jiance usw.). Während die ordentlichen Budgets sowohl dieser Ge¬ Gemeinden wie dieser Institutionen und Gesellschaften — so bedeutend sie an sich sein mögen — derart konstruiert sind, daß es schwer möglich scheint, ihnen alljährlich große Barbeträge für Siedlungsarbeiten in Palästina zu entziehen, •erscheint es durchaus mögliich, diese Körperschaften zu veranlassen, an einer solchen Kreditgemeinschaft mit einer Quotenbürgschaft teilzunehmen. Diese Kreditgemeinschaft muß dann, was technisch durchaus möglich ist, auf dem Weg über die Banken für die Anleihegarantie verwendbar gemacht werden. Die Einberufung einer Finanzkonferenz durch die Jewish Agency unter Beteiligung aller dieser Faktoren — der Großgemeinden, des Joint und der anderen wichtigen Organisationen —, der ein detaillierter Plan einer Kreditgemeinschaft für Palästina und einer von der Mandatarregierung gestützten internationalen Anleihe vorgelegt werden soll, gehört zu den ersten vorbereitenden Organisationsaufgaben auf dem Wege zur Durchführung des Anl/eiheplanes. * , . .. i '. ' Eine der unumgänglichen Voraussetzungen dafür ist eine . Stelle in unserer Wirtschafts-Exekutive, die sich mit dem Problem der Finanzierung befaßt. An ihre Spitze gehören •Männer, die geschäftliche. Kaltblütigkeit, praktische Erfahrung in finanzieller Arbeit mit großer konstruktiver Phantasie und Begeisterung für die schöpferische Verwirklichung des Zionismus verbinden. Schon aus dem hier Gesagten ergeben sich Dutzende von. außerordentlich wichtigen Arbeitsaufgaben für eine solche Stelle. Täglich drängen sich neue auf, die hier nicht einmal angedeutet worden sind und oft nur die führende und koordinierende Hand brauchen, um fruchtbar zu werden. In den letzten Monaten sind in größerem Maßstabe fertige Orangenbojaren in nichtjüdischer Hand, die eben beginnen Frucht zu tragen, zum Kauf angeboten worden. Es ist möglich, sie zu kaufen, zu parzellieren und unter Umgehung der sechs Jahre Wartezeit an jüdische kleinere und mittlere Reflektanten, zu verkaufen.'Eine reine Fi- •nanzierungsaufgabe, die zugleich lohnend und nationalkolonisatorisch ungewöhnlich wichtig wäre! Gewisse ausländische Versicherungs-Geseilschaften schlagen uns vor, gegen eine organisierte Versicherungs-Aktion die Hälfte des Policenwertes sofort für Baukredite zur Verfügung zu stellen, unter der Voraussetzung, das die Hypothekenbank diese Kredite garantiert. Wenn diese Transaktion verlohnt, eine reine Koordinierungsaufgabe! Worum es sich aber im wesentlichen handelt, ist natürlich, sich nicht an eine Unzahl von möglichen Transaktionen zu verzetteln, sondern vor allem die großen Linien unseres finanziellen Aktionsplanes im Auge zu behalten und planmäßig zu verfolgen. Vergessen wir nicht für einen Augenblick, daß die kolonisatorische Verwirklichung des Zionismus in ein Zettalter der weltwirtschaftlichen Entwicklung gestellt ist, das diurch gewaltige finanzielle Organisationen gekennzeichnet ist, das Zeitalter der großen Trustst, das Zeitalter der Kreditgemeinschaft der deutschen Industrien, das Zeitalter der europäischen Reparationsbank, das Zeitalter des russischen Fünfjahrplanes. Wohl kann sich der Zionismus mit all diesen Riesengebilden moderner Weltwirtschaft niemals messen; will er aber in ihrer Welt wirken und schaffen, so muß er ihre Methoden und Möglichkeiten seinen Erfordernissen anzupassen verstehen. zt" ^ÄL* Ätr^ Trauerkundgebung für Arlosoroff in Wien In einer großen Massenversammlung hat das zionistisch-sozialistische Nvlen seiner Trauer über den tragischen Tod des Führers unserer Bewegung, des Genossem Chaim Arlosoroff, Ausdruck verheilen'. Das Bild der Versammlung entsprach ihrem Anlaß: tiefe Erschütterung sprach aus dem Antlitz eines jeden Einzelnen, beifallos, in tiefster Stille verharrend, hörten die Massen die Trauerreden an. Nach* kurzen Begrüßung v oj ter. erteilte der Vorsitzende! Gen. Dr. Bernay dem Genossen Dr. Tartakower das Wort, der uns das Bild Arlosoroffs als eines Kämpfers für die einige und mächtige zionistische Organisation vermittelte. Genossin Dr. Martha Hoffmann sprach vom Arlosoroffs Persönlichkeit, die in; sich die vollkommene Beherrschung der politisch-ökonomischen Probleme des Zionismus und das Geheimnis des Erfolges vereinigte. Genosse Mendel Singer sprach vom Zentralem der Persönlichkeit Arlosoroffs, von1 seinem konstruktiven Geist, der sein gesamtes zionistisches Wirkern bestimmte, von der zionistisch-sozialistischen Synthese, die für jede Stellungnahme Arlosoroffs dem Ausgangspunkt bildete. Wie ein Beben ging es. durch die Versammlung,-, als Singer der Versammlung mitteilte, daß ein Revisionist der Mörder war, daß der Revisionismus für diese verruchte Untat verantwortlich ist und es bedurfte wirklich des Hinweises auf den Aufruf der Histadruth,' um die aufsteigenden1 Rachegefühle der Massen zu unterdrücken. Genosse Dr. Sokal zerstörte in geißelnden Worten die Legende von der Außerwcähltheit des Judentums: auch wir haben unseren bestialischen Faschismus, 'der den Arbeiter,- organisationen und den Arbeiterführern: ans Leben! geht. Man fühlte, wie die Redner mit Tränen kämpfen, man sah im der Versammlung schluchzende Männer und Frauen'. „Nicht vergessen", dieser Kampfruf, mit welchem Genosse Dr. Bernlay die Versammlung schloß, sprach das aus, was die Massen fühlten; das „Techesaknah" der Jugend klang wie der Schwur, alles daran zu setzen, um dem bestialischen jüdischem Faschismus bis auf seine Wurzeini zu vernichten. zum angeführten Datum nicht abgeliefert werden, müssen bezahlt werden. . Haltet die Termine genau ein! Nützet die letzten Tage für eine Schekel-Werbetätigkeit aus! Zur Jragikomik der Assimilation Die „Gleichschaltung" einer jüdischen Gemeinde. iGenosse Arlosorow teilte in seiineni Wahrnehmungen, tuid Beobachtungen im Hitler-DentschlancL u. a. folgerndes' mit: In dier Jüdischen Gemeinde! der Stadt Chemnitz, die yicyp, den Nazi-Banditen viel zu leidem hatte, stellte der Vertrete^ des Bundes jüdischer Frontsoldaten den Antrag, die Jüdische Gemeinde gleichzuschalten. Was verstand! er darunter? Alle Ostjudein und alle poKtis!chj veaidächtigen und national unverläßlichen Elemente, wie Kommunisten, Sozialdemokraten und Zionistem aus der Gemeinde ausschließen!. Es verblieben! dann nur die deutschmational .gesinnten Juden und die Geimein|cfe wäre gleichgeschaltet. Der Antrag wurde eingebracht und im Hitler-Deutschlaoiid traute sich niemand gegen dieisen Antrag aufzutreten, er wmväe zun Genehmigung an die Hauptleitung der jüdi- 6'ohian Gemeinden Deutschlands gewiesen. Auch dort große Verlegenheit, dort ist man sich auch, übeoi die Folgen der Annahme eines solchen Antrages klar. Einer der ausgeschalteten jüdischen' Anwälte half nun über diese; Verlegenheit hinweg, indem er die Hauptleitung für unzuständig erklärt. Der Verband der Jüdischen Gemeinden in SachseU ist in dieser Frage kompetent. . . . Wie trostlos ist doch die Tragikoinik, die in diesem Nachäffen der Assimilation steckt! Liga für das arbeitende Palästina. Infolge des tragischen Todes Chaim Arlosoroffs wurde das Gartenfest, das am 24. ds. hätte stattfinden sollen, abgesagt. Für gelöste Karten wird da9 Geld rückerstattet. (II., Blumauergasse 1.) Sperrtet fflp unseren Wahlfonös! Wir stehen vor einem Kampf zum Zionistenkorigresse, der über die Gestaltung des Aufbauwerkes in Palästina auf Jahre hinaus entscheiden wird. Für eine erfolgreiche Führung dieses Kampfes sind erhebliche Geldmittel erforderlich, über welche unsere Organisation leider nicht verfügt. Wir müssen uns deshalb an unsere Genossen mit der Aufforderung wenden: Spendet für unseren W a h If o ii ds! In den nächsten Tagen werden unsere Genossen von Vertrauensmännern aufgesucht werden, um Spenden für den Wahlfonds einzuheben. Wir ersuchen, an der Aufbringung des Wahrfonds nach Kräften mitzuwirken. Leitung der Wahlaktion zum Zionistenkongreß. Lebensversicherungs-Geselfschaft PHÖNIX Aus dem Jahresberichte 1931: Verstcherungsbestano Prämien- und Minsen- Einnahmen Garantiemittei Auszahlungen an die Versicherten S 2.746,000.000- „ 182.O0U.000-— „ 472,ouout0'- 42.500.UOO-— Tätigkeitsgebiet: Oesterreich Oeuisehes Keicn rscäectiosltivikisctie uepuniik, Belaien Holland, Frankreich, spa uen, Italien, Ungarn, Holen tuto- ■»Idvien, rtulearlen, Griechenland. Kumanien, faia> stlna. Syrien. Tfirkei. Tunis unö Aegypten Die Wahlen zum XVIII. Zionistenkongreß In Oesterreich finden die Wahlen zum XVIII. Zionistenkongreß Donnerstag, den 6. Juli, von 5 bis 10 Uhr abends statt. Die Wahlinstruktionen und die Wahllokale werden in der nächsten Nummer mitgeteilt werden. . Die Hauptwahlleitung. Genossen und Freunde! Die Wahlagitation zum XVIII. Zionisten kongresse muß mit größter Energie aufgenommen werden. Stellet euch zur Verfügung! Von Samstag, den 17. bis Mittwoch, den 21. Juni (mit Ausnahme von Sonntag) hält unsere SchekelundWahlkommission von 6—10 Uhr abends Sprechstunden ab. AAle arbeitswilligen Genossen und Freunde werden aufgefordert, sich zu melden. Montag, den 19. Juni letzter Termin für die Schekel- Abrechnung. Schekel, die am 19. nicht verrechnet werden, können für die Erwerbung des, Stimmrechtes nicht mehr berücksichtigt werden. Unverkaufte Schekel-Blocks, die bis NACH PALASTINA Beratung, SPEZIALVERKEHRE Uebersiedtungen, Reisegepäk, Güterbeförderung, Fahrkartenbesorgung. Intern. Speditions- und Informationsdienst Hans Neusser & Walter Philipp Wien, III., Radetzkystr. 6. Tel. U-13-3-61. Jüd.Kinder-Ferienheim Herrmann In herrlichster GehirgsUage, Nähe Graz. Der idealste Ferienaufenthalt für Kinder von 6—14 Jahren. Beginn: 3. Juli bis 12. September Anfragen: Lehrer Herrmann, Graz, Sparbersbachgasse 14, Der Transport der Wiener Kinder erfolgt am 3. Juli. JLxntliche Verlautbarung-en der Israel. JCultusgemeinde Wien Kundmachung betreffend die Errichtung von Müijainim für die hohem Fejiertage. 1. Der Vorstand beabsichtigt für den gegenwärtigen Bedarf an temporären Bethäusern durch eigene Maßnahmen yorzusorgen, beziehungsweise durch die Tempelvereine Vorsorgen zu lassen. Demgemäß wird die Kultusgemeinde nur in Fällen in welchen ein tatsächlicher Bedarf vorhanden ist die Genehmigung für ein temporäres Bethaus an andere Vereine und nur ausnahmsweise an Private erteilen. 2. Im Sinne des § 80 des Germeindestatutes ist vor Miete eines Lokales und vor Einschreiten um die behördliche Genehmigung der Bewilligung des Kultusvorstandes einzuholen. 3. Die Gesuche um die Bewilligung sind bis* längstens 30. Juni ü. J. im Einreichungsprotokoile der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, zu überreichen. Es wird ausdrücklich aufmerksam gemacht, daß später einlangende Gesuche nicht angenommen werden. Auf nicht entsprechend belegte Gesuche wird keine" Rücksicht genommen. / 4. Privatpersonen, die um Bewilligung eines Minjans ansuchen, haben entsprechende Nachweise über Charakter, Moralität usw. bezüglich der zu verwendenden Vorbeter (Namen derselben sind im Gesuche anzugeben) und auch den Nachweis über deren Befähigung zu erbringen. 5. An weibliche Personen wird weder direkt noch indirekt eine Bewilligung erteilt. 6. Die als Betlokale einzurichtenden Räume müssen sich für diesen Zweck vollkommen eignen und ist die schriftliche Zustimmung des Vermieters sowie des Hauseigentümers zur diesfälligen Verwendung beizubringen. 7. Wohnungen und andere Lokale dürfen nur dann zur Abhaltung des Gottesdienstes verwendet werden, wenn sie vollkommen ausgeräumt sind und an den Festtagen ausschließlich für den erwähnten Zweck benützt werden. 8. Für Lokale, in welchen während des Jahres Veranstaltungen stattfinden, deren Tendenz unvereinbar ist. mit einer Stätte, an weicher ein Gottesdienst abgehalten werden soll, wird eine Bewilligung nicht erteilt. 9. Die Errichtung eines temporären Betlokales in der Nähe von ständigen Bethäusern wird in der Regei nicht bewilligt. 10. Die Bewilligung gilt nur für die einschreitende Partei und ist somit nicht übertragbar. Im Uebertretungafalle wird die erteilte Bewilligung sofort zurückgezogen und die Behörden werden gleichzeitig hievon verständigt. j 11. Ein Ankauf von Betsitzen seitens der Kultusgemeinde ist nicht zu gewärtigen. \2. Die Bewilligung wird den Betlokalinhabern nur unter der Bedingung erteilt, daß dieselben der Kultusgemeinde für unbemittelte Personen (Männer und Frauen) zusammen den zehnten Teil, der von der Behörde genehmigten numerierten Sitzplätze unentgeltlich bis längstens 6. September d. J. zur Verfügung stellen und als Kultusgebühr 10 Prozent des Briittoerlöses aus dem Verkaufe der Betsitze an die Hauptkassa der Israelitischen Kultusgemeinde Wien abführen. 13. Unmittelbar nach den hohen Feiertagen ist an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien ein Verzeichnis der beim Aufrufen zur Thora erfolgten Spenden mit Namen und Adresse des Spenders sowie genauer Bezeichnung des Zweckes einzusenden. 14. Zur Sicherstellung der Einhaltung dieser Verpflichtung sowie aller für die Erteilung der Bewilligung zur Errichtung eines temporären Bethauses gestellten Bedingungen ist eine Kaution zu erlegen, welche bei Nichteinhaltung auch nur einer dieser Verpflichtungen für wohltätige Zwecke der Kultusgemeinde verfällt. Die zu leistende Kaution, welche in Bargeld zu erlegen ist, wird mit S 20.— bis S 200.— bemessen. 15. Der Text einer etwa beabsichtigten Annoncierung oder Plakatierung ist dem Gesuche zur Genehmigung anzuschließen. Eine Ankündigung, welche der Würde einer Betveranstaltung widerspricht, ist unstatthaft und hat zur Folge, daß die erteilte Bewilligung rückgängig gemacht wird. Es ist Pflicht einer jeden Partei, für eine entsprechende Polizeiaufsicht auf eigene Kosten zu sorgen. Alls „Hausandachten" werden nur jene gottesdienstlichen Uebungen anerkannt, welche ohne jegliches Entgelt und lediglich Familienangehörigen zugänglich sind. Wien, im Juni 1933. Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Jonas Jungermann, Maschinenbauer, Wien, XX, MeWemannstr. 19. — Druck: „Adria", Wien, II, Taborstr. 52 b.