Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1933)
- Date
- 1933-05-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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^ff^ V.b.b. Erscheint jeden f reltag Organ der Vereinigen zionistisch sozialistischen ArbeiterorHaiilsaflon Poale Zion - nifcichduth In Österreich Redaktion und Administration: Wien II., Blümauergasse I — Postscheckkonto Nr. 17.878 Tschechosl. Redaktion: Brünn, KoliätS 19, Tel. 35.398, Postscheckkonto Brünn Nr. 100.145 Bezugspreis: ganzjährig S 12'—, halbjährig S 6-— iifizelne Nummer 30 Groschen ■üaaüi 10. Jahrgang Wien, 12. Mai 1933 Nr. IT die Tore Palästinas! Protest gegen die Beschränkung der Arbeiterejftiwanderung Jerusalem, 7. Mai. (J. T. A.) In ganz Palästina haben öffentliche und Vereinsversammlungen stattgefunden, in denen gegen die Verkleinerung der Arbeiterschedule durch die Palästinaregierung Protest erhohen wurde. Eine in Jerusalem abgehaltene Massenversammlung, die vom Jerusalemer jüdischen Arbeiterrat einberufen worden war, faßte eine Entschließung, in der gesagt wird, die Versammlung protestiere gegen die Ungerechtigkeit der Regierung gegenüber der jüdischen Arbeitereinwanderung. Das Land im allgemeinen und die jüdischen Unternehmungen im besonderen benötigten dringend einen großen Arbeiterzustrom. Massen von Juden in ier Diaspora, die unter wirtschaftlicher Not und antisemitischer Bedrückung eiden, dringen auf ihr Recht, nach Paästina einzuwandern, und gerade in die ier Zeit habe die Regierung die Einwanderung beschränkt, sie enthalte so leutschen Juden eine Zufluchtsstätte ror, lege der jüdischen Entwicklung in Palästina ein schweres Hindernis in den Weg und gefährde die Stellung der jüdischen Arbeit, Die Versammlung richte an die jüdischen Massen die Aufforderung, sich in einem: mächtigen Ruf nach Öffnung der Tore des Landes zu vereinigen. Die palästinensische Schweiz Ein neuer Badeort eröffnet Jerusalem, 7. Mai. (J. T. A.) Am To- •en Meev wird gegenwärtig" ein Ba.demd Kurort angelegt, dessen erste öf- :entliche Einrichtungen, ein großes Restaurant am Seeufer mit Badeanstalt, soeben in Anwesenheit von Vertretern ier Behörden und Interessenten jüdischer und . arabischer Gesellschaften!eierlich eröffnet wurden. Von der Re- 2,'ierimoin Jerusalem waren der stellvertretende erste Sekretär Nurok, der Direktor des Departements für öffentliche Arbeiten Pudsey und der Direktor des Einwanderungs-Departements Hyamson erschienen. Der Vorsitzende der Kallia Se-aside and Healtli Resort Ltd., Major ]\ G. Tulloch, hielt eine Ansprache, in äer er erklärte, man habe für den neuen Badeort den Namen Kallia, in Anlehnung a,n die altarabische Bezeichnung für Pottasche,(Kali) gewählt, um einerseits aufden Kalireichtum des Toten Meeres hinzuweisen, andererseits an -die Blütezeit der arabischen Kultur im 8, und 9. Jahrhundert zu erinnern, eine Äeit, in der sich jüdischer und arabischer Geist vereinigten und durch ihre (Schluß.auf Seite 2.) Zionistische Büros in Berlin geschlossen Eine neue Kolonie der Bne Benjamin Warschau, 8. Mai. (ITA.) Erst jetzt wird bekannt, daß die Büros der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Berlin, die bereits vor mehreren Wochen Gegenstand einer ergebnislos verlaufenen Durchsuchung waren, auf behördlichen Befehl durch 5 Tage gesperrt waren und erst nach schwierigen Interventionen wieder geöffnet werden konnten. Uber die Gründe dieser vorübergehenden Schließung, die bis nun streng geheim gehalten wurde, ist bisher nichts bekannt geworden. Jerusalem, 7. Mai. (J. T. A.) Die Hanotaja-Gesellschaft hat einen Vertrag mit einer Gruppe von Kapitalisten aus England und anderen Ländern, die 40.000 Pifund in Bodenkäufen investieren wollen, abgeschlossen. Dieses Kapital ist zum Erwerb des Bodens für eine neue Kolonie der Organisation Bne Benjamin bestimmt. Die neue Siedlung", die fünfte der von Bne Benjamin gegründeten Kolonien, wird zu Ehren des Vorsitzenden des palästinensischen Kolonistenverbands Mosche Smilanskv Kfar Mosche genannt werden. ¥. orflenflicher Parteitag der Poale lioii In der C. $ R. Der 5. ordentliche Parteitag der Poale Zion findet in der Zeit vom 3. bis 5. Juni in Mähr. Ostran statt. Tagesordnung. Samstag, 3. Juni, 20*30 Uhr Polnisches Haus FEIERLICHE ERÖFFNUNGSKUND¬ GEBUNG Eröffnung und r,Was gibt Begrüßungen, uns Palästina?" (Referent: Dr. Chaim Arlosoroff, Vorsitzender d. Palästina-Exekutive der Zionistischen Weltorganisation.) „Probleme der jüdischen Arbeiterschaft." (Mendl Singer, Wien, Mitglied des Welt-Verbandsbüros.) ,,Die nationalen Fonds in unserer Zeit." Referent: Dr. Hugo Herrmann. „Die Aufgaben der Poale Zion in der Tschechoslowakei," (Dr. Elieser Schächter.) 1. Sitzung. Sonntag, 4. Juni, 9 Uhr vormittags: 1. Konstituierung des Präsidiums und der einzelnen Kommissionen. 2. Bl e r i c h t e der Exekutive: Politischer Bericht. S. Kessler. Finanzbericht. Dr. Adolf Grünfeld. Organisationsfragen!. Schächter, Presse: rl Baum. a) b) Dr. E. d) i t z u n g. Sonntag, 4. Ji 114*30 nachmittags. Generaldebatte. . 3. Sitzung. Montag, 5. Juni 8*30 Uhr morgens. 1. Fortsetzung der Generaldebatte. 2. „Jugendaufgaben und Partei." Referent: Willy Rosenzweig. 4. Debatte. 4. Sitzung. Montag, 5. Juni, 14 Uhr. 1. Fortsetzung der Debatte. 2. Resolutionen. 3. Wahl der Exekutive und des Parteirates. GEMÜTLICHE ZUSAMMENKUNFT. Sonntag, den 4. Juni 21 Uhr abends findet eine gemütliche Zusammenkunft zwischen den Ostrauer Genossen und den auswärtigen Delegierten statt. Das genaue Programm wird noch bekannt gegeben. Die Arbeits Sitzungen finden in den Räumen der Ostrauer Jüdischen Gemeinde statt. Delegiertenkarten werden vom Parteisekretariat zugestellt. G a s t k a r t e n, die zur Teilnahme am Parteitag berechtigen, werden zürn Preise von Kß 6*— ausgegeben. Anfragen bezüglich Gastkarten, Quartieren und Verpflegung sind an Gen. Hans Grün berger, M. Ostrava, Hviezdoslavova 44, zu richten. Konferenzbericht. Der Bericht der Exekutive und einzelne Referate, sowie statistisches Material werden zum Parteitag herausgegeben werden. Dienstag, 16. Mai, 20 Uhr, Grosser DOPZ-Saal Prof. Or. Theodor LESSING (Hannover) spricht Uber Wer nimmt das Steuer? Hinter den Grenzen der Tschechoslowakei haben sich in den letzten. Monaten so entscheidende Veränderungen vollzogen, daß die Entwicklung im Inneren dieses Staates selbst nur noch in zweiter Linie politisches Interesse weckte. Und doch sollten wir alles daran setzen, die Aufmerksamkeit für die politische und wirtschaftliche Problematik der CSR wachzuhalten, mit der unöer; der Juden Schicksal, sehr eng verknüpft ist. Unter dem Druck von außen, in der Athmosphäre politischer und ökonomischer Krise in Mitteleuropa haben sich bei uns im Wesentlichen zwei Tendenzen herausgebildet: Einmal wurden die Lebensbedingungen in unerhörter Weise verschärft, die Absatzkrise ist gestiegen und mit ihr (von Saisonschwankungen abgesehen) die Arbeitslosigkeit. 700.000 Arbeitsdose 'an einer Bevölkerung von 14 Millionen bedeutet, daß bei einem Durchschnitt von 4 Köpfen pro Familie j e d e fü n f t e ihres Erna hrer s oer a übt ist — wobei der Umstand gar nicht berücksichtigt wird, daß jene 700.000 nur die r e g"i s t r i e r t e, Arbeitslosenarmee darstellen. Die ökonomische Krise von innen und der Druck der Reaktion von außen haben anderseits zu einer politischen Auflockerung und Rechtsradikalisierung geführt. Sie ist bei der deutschen Minder*- heit insbesondere Nordböhmens und Südmährens erschreckend wirksam. Aber auch im tschechischen Lager verbreitet sich die Pest fascistischer Gedankengänge in verdächtigem Tempo un$ wird von einem primitiven Nationalismus der tschechischen Bürgerparteien skrupellos hochgefüttert. Die jüdische Gemeinschaft der Tschechoslowakei hat an dieser Entwicklung der Dinge engsten Anteil. Auf w i r ts c h a f 11 i c h e m Gebiet vor allem hat der Pauperisierungsprozeß sein Werk getan, hat die soziale Struktur der etwa 400.000 köpfigen jüdischen Familie entscheidend verändert. Vor der jüdischen Jugend steht das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Ob es sich nun um akademische oder kaufmännische Berufe, um Ärzte; Angestellte, Staatsbeamte oder Hausierer handelt: Nirgend mehr ist Platz, öffentliche Ämter werden von Juden zwar nicht gesäubert, aber kein Jude, der nicht schon da war, gelangt in eine Staats- oder Kommunalstellimg. Es ist also berechtigt, wenn man die ökonomische Zukunft dieser Jugend in den schwärzesten Farben sieht. Und die Gegenwart der älteren Generation? Diejenigen unter den Kaufleuten, Gewerbetreibenden und Handwerkern, Vertretern und Angestellten, die noch nicht in den großen Friedhof der Weltwirtschaftskrise eingingen, werden in der allernächsten Zeit ihr Schicksal erleiden. Ra- Was wird aus den luden? BmnnHranBBBn^^ Eintrittskarten in der Buchhandlung C. Winkler, Rennergasse 2, Foto-Expreß Typos-Passage, Rennergasse, ferner an der Garderobe des Cafe Esplanade und im e retariat der Poale Zion, Kiosk 7/HI, Hoftrakt, Tel. 35.398. — Studentenkarten (gegen Legitimation) und Galeriekarten nur an der Abendkassa.