Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V.b. b. Erscheint jeden Freitag JODISCHE ARBEITER Organ der Vereinigten zionistisdi^sozialistisdien Bi^itcropganisation Peale Zion — HifaibOufh in Oestcppei* Redaktion und Administration: Wien, II, Bluminiergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganjjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 21. Juli 1933 NA 29. Uekertwalf Segen Jei» Steg In Salatlina StevisSemsfc»i ve«««iicli!e«itl geschlagen Tel-Awiw, 18. Juli. Montag, den 17. Juli fanden in ganz Palästina die Wahlen zum Zionistenkongreß statt. Vorläufig sind bloß die Wahlresultate aus den Städten Tel Aviv, Jerusalem und Haifa bekannt. Von den 39.652 Wahlberechtigten übten 34.600 — also 87 Prozent — ihr Wahlrecht aus. 1600 Stimmen, sind, noch zweifelhaft und stehen noch zur Entscheidung. Von den 33.000 Stimmen sind 21.100 für die Arbeiter- -partei abgegeben worden. Außerdem erzielte die Liste der jemenitischen Arbeiter, die der Histadruth angeschlossen sind, 820 Stimmen. Insgesamt erzielte also die Arbeiterpartei 22.000 Stimmen, d. s. 66 Prozent aller Stimmen. Bei den letzten Wahlen im Jahre 1931 erhielt die Arbeiterliste in denselben 3 Städten 8350 oder 49.1 Prozent aliler Stimmen. Die Revisionisten erhielten: Gruppe Jabotinsky 3862 und Großmann-Gruppe 250, also insgesamt 4112 Stimmen oder 12,5 Prozent gegen 20,1 Prozent, die sie in denselben 3 Städten bei den Wahlen erzielten. Die Revisionisten haben somit fast die Hälfte ihrer Stimmen eingebüßt. Die Allgemeinen Zionisten erhielten 2000 Stimmen oder 6 Prozent gegen 9,1 Prozent bei den letzten Wahlen. Ferner erhielten Misrachi 1300, „Hapoel Hamisrachi" 2115 und bürgerliche Jemeniten an die lT)00 Stimmen. Zu bemerken ist, daß. diese Resultate aus den drei Festungen der Arbeitergegner stammen. Die noch ausstehendien Berichte aus den Kolonien und Arbeitersiedlungen werden naturgemäß das Resultat für die Arbeiterschaft noch günstiger gestalten. Palästina gibt 50 Mandate. Interessant ist das Resultat aus Haifa. Die Arbeiter erhielten 76 Prozent, die Revisionisten bloß 6 Prozent aller Stimmen. Der ^e*en«lat»ea*i«]*i Soeben wurde der Bericht des Landentwicklungsdirektors für Palästina veröffentlicht. Die erklärte Politik der Regierung, heißt es im Freneh-Berieht, zielt auf eine dichtere Siedlung der gegenwärtigen; und künftigen Bevölkerung Palästinas ab. Dichtere Siedlung bedeutet höher entwickelte Landwirtschaft; d. h. Uebergang von der Kultur im Preise tiefstehender Produkte zu rentablerem Obstbau, wie Citrus- und Bananenkultur;. Milchwirtschaft, Viehzucht, Geflügel- und Eierproduktion. Von vornherein erscheinen diese Ziele bewunderungswürdig, doch darf Idealismus nicht blind sein für das schwere Risiko, das mit solcher Politik verbunden •ist. Theoretisch soll bei Zuteilung von kleinen Parzellen zu 7tya Acres (30 Dunam) jeder Landwirt die Möglichkeit haben, ein Drittel dieses Areals oder etwas weniger für Citrus-, Bananen- und Gemüsebau zu verwenden, der übrige Teil des Grundstücks soll mit Getreide- und Futterpflanzen bestellt werden. Selbstverständlich kann, auch die Frage der Absatzmärkte, ein wesentlicher Begleitumstand ..resp. eine Folgeerscheinung großer Entwicklungspläne nicht außer Acht gelassen werden. Die Ansiedhing landloser Araber, heißt es im Bericht weiter, deren Ansprüche anerkannt wurden, mag denjenigen, die durch die Vorstellung von Kolonistenpionieren auf weiten jungfräulichen Ländereien irregeführt werden, als eine einfache Sache erscheinen. Aber man kann einen Beduinenstamm nicht unter Fellachen ansiedeln. In einer solchen Gegend würden Terrorismus oder Boykott oder beides zusammen an der: Tagesordnung sein. Meiner Meinung nach muß der Staat, der die Zuteilung des Landes, auf dem der Kolonist, Araber oder Jude, angesiedelt werden soll, vornimmt, die Kontrolle über diese Ländereien behalten und es nicht zulassen, daß eine dritte Partei sich zwischen ihn und den Nutznießer einschalte. Jeder Siedler auf Regierungsboden, heißt es im French- Bericht, solle „Regierungspächter" bleiben, d. h. nur im Falle bestimmter Verfehlungen gegenüber dem Bodeneigentümer aus seinem Besitz entfernt werden können, und nicht berechtigt sein, seinen Boden zu verkaufen oder dauernd zu übertragen. Die Befolgung des vom Jüdischen Nationalfonds auf seinen Ländereien befolgten Prinzips werde es verhindern, daß jemals ein unter den Auspizien der Regierung angesiedelter Araber oder Jude „landlos" werde. Für die Ansiedlung von „Staatspächtern" schlägt French zweierlei Methoden, je nachdem es sich um „dislozierte" Araber oder um Juden handle, vor. Jene müßten als „Söhne des Bodens" auf dem Lande „ihrer Heimat" augesiedelt werden und Haus, Wirtschaft und Inventar erhalten, wähnend es bei jüdischen Einwanderern genüge, ihnen zu angemessenen Bedingungen das Niederlassungsrecht zu verkaufen. Die Siedler mit Wohngelegenheiten und Wirtschaftsmitteln zu versorgen, solle wie bisher den jüdischen Orr gankationen überlassen bleiben. (!) Der einzige Unterschied, meint French, sei der, daß die Regierung vom Araber nach .entsprechender Zeit „sicherlich" alle ihre Auslagen rückerstattet bekommen wird, während sie vom jüdischen. Siedler nur den Preis des entwickelten Bodens erhalten wird; den von ihnen vorgestreckten Teil) der Ansiedlungs^ kosten müßten die jüdischen Körperschaften eintreiben. Gegen» Verkäufe überschüssigen Bodens arabischer Großgrundbesitzer an Juden, Verkäufe, die, wie er zugibt, in manchen arabischen Kreisen nicht ungern gesehen werden, wendet sich French mit der Begründung, .'daß solche mit der Gefahr der Erstarkung der Großbetriebe auf Kostert der kleinen Besitzer, die vollständig und dauernd vott ihrem Boden verdrängt werden würden, verbunden seien. Dieser Gefahr müsse durch ein Grundstücksübertragungsgesetz vorgebeugt werden. Ein solches Gesetz bedeute keineswegs „Unterbindung weiterer Bodenkäufe durch Juden", sondern nur Kontrolle von Bodenverteilung und -Übertragung während der auf mehrere Jahre sich erstreckenden Durchführung eines Siedlung« planes. Zur Frage, wie geschlossene Siedlung von Juden entsprechend der Politik der englischen Regierung erleichtert werden könnte, führt French aus: Die einzigen für dichtere Siedlung möglicherweise geeigneten Gebiete, d. h. solche, von denen man weiß, daß sie bewässerbar sind, sind a) Teile der Küstenebene, b) Beisan, c) rfuleh und d) ein Teil des Jordantals. Ein weiteres derartiges Gebiet könnte der Beerscheba-Distrikt werden, wenn die jetzt vorgenommenen Probebohrungen das Vorhandensein von Grundwasser in genügender Menge zur Anlage artesischer Brunnen ergebet! sollten. Die Gefahr eines Zusammenbruches der Citrus-Industrie in Palästina muß vorausgesehen und mit größter Wachsamkeit ferngehalten werden, um so mehr, als kein Beweis vorhanden ist, daß die Citrus-Kultur durch einen anderen rentablen Wirtschaftszweig ersetzt werden könnte, sobald ihr dier Boden entzogen würde. Die übrigen Gebiete könnten, die technische Möglichkeit ihrer Bewässerung und damit ihre Fähigkeit, rentable Ernten zu produzieren, vorausgesetzt, die Wiederansiedlung landloser Araber und die Kolonisierung einwandfreier Juden durch allmähliche, eine Reihe von Jahren erfordernde Entwicklung ermöglichen; damit würde der Druck auf die westlichen Teile Palästinas erleichtert werden. Die In Frage kommenden Gebiete liegen abseits von den lokalen Märkten und die Siedler müßten sich unter allen Umständen in erster Reihe auf auswärtige Märkte für den Absatz ihrer Produkte stützen. Die Forderung nach baldiger Reorganisierung der bestehenden Siedlung im Beisan- und Huleh-Gebiet und nach Neukolonisierung der einzigen großen Gebiete im Lande, nämlich derjenigen im Jordantal, gründet sich auf höchst optimistische Erwartungen. Mit vielleicht verzeihlicher Blindheit gegenüber den Möglichkeiten wird angenommen, daß die berühmte Jaffa-Orange und die Paläsitina-Grape-Fruits in unbeschränktem Ausmaße, gleichgültig unter welchem Klima, gezogen werden können und daß der Ausbreitung ihrer Kultur automatisch eine Erschließung zur Aufnahmeunbegrenzter Mengen dieser Früchte geeigneter auswärtiger Märkte folgen wird. Diese Auffassung ist-"meiner Meinung nach irrig. Bezüglich '-unmittelbarer Hilfe für jüdische Organisationen in der Koionisationsarheit muß daran erinnert werden, daß diese Körperschaften zugegebenermaßen über 40.000 Dunam Bodenreserven haben, die noch kolonisiert werden sollen. Die jüdischen Behörden sind der Meinung, daß- Beihilfe bei Konsolidierung oder Ameliorierung bestehender oder in Gründung befindlicher Kolonien keine richtige Verwendungsart des Entwicklungsfonds darstellen würde. Die Jewish Agency glaubt, daß, wenn der Entwicklungsfonds überhaupt zu direkter Kolonisation verwendet werden soll, dies durch Errichtung neuer Siedlungen geschehen solle. Was jüdische Siedlungen betrifft, so stimme ich dieser Meinung bei. Ein Eingreifen der Regierung in dis innere Wirtschaft bestehender oder in Errichtung befindlicher Kolonien wäre von jedem Gesichtspunkt aus unerwünscht. o\«ifroo«*t clei» Sxel*qM|fi*)*> Die Zionistische Exekutive veröffentlichte unmittelbar nach dem Erscheinen des Berichtes folgende Antwort: Die Exekutive, heißt es in dem Brief, sieht sich genötigt, zu erklären, daß sie in der im French-Bericht dargelegten Politik nicht die Aufstellung eines Planes erblicken kann, wie er anscheinend von der Regierung Seiner Majestät in Aussicht genommen war, als in dem am 13. Februar 1931 an Dr. Weizmann gerichteten Brief des Ministerpräsidenten Bezug genommen wurde auf „die umfangreichen Ziele der Entwicklung, die die Regierung Seiner Majestät als das wirksamste Mittet zur Förderung der Errichtung eines Nationalheims für die Juden erachtet. Die Berichte Mr. Frenchs scheinen auf falschen Voraussetzungen zu beruhen. Sie gehen fortwährend von Befürchtungen statt von Tatsachen aus. Sie sind ihn' ganzen in konstruktiver Hinsicht steril und gehen gründllich fehl in ihren Vorschlägen betreffend eine restriktive Gesetzgebung. Sie sind auf der trügerischen Annahme aufgebaut, daß eine die jüdische Initiative in Fesseln legende Politik denjenigen, der eine solche Politik vertritt, der Pflicht enthebe, positive Wege -und Methoden für die Förderung von Juden oder Arabern aufzuzeigen. Die unterzeichnete Exekutive ist daher zu dem Schlüsse genötigt, daß diese Berichte nicht als Grundlage einer Land-, und Entwicltlungspolitik in Palästina, bei deren Durchführung zu kooperieren die Jewish Agency in der Lage wäre, akzeptiert werden können. Die erste und ernsteste Prämisse der Berichte Mr. Frenchs, die auch die Grundlage der Kontroverse in den letzten Jahren war, ist die von der angeblichen beträchtlichen Verdrängung arabischer Bauern infolge Uebergangei ihres Bodens in -'jüdische Hände. Man sollte dessen ein-: gedenk sein, daß diese Frage nicht als ein bloßes wirt-i aohaftlicbes ProMem, sondern als «ine sflhwere politische; und soziale Gefahr hingestellt worden ist, eine Gefahr, ders letzten Endes die Unruhen im Lande, die in den Ausschreitungen des Jahres 1929 ihren Höhepunkt fänden, zuzuschreiben seien. Diese Anklage nimmt einen hervorragenden Platz im Bericht der Shaw-Kommission ein, deren Mehrheit der Meinung war, „es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß eine Fortsetzung und mehr noch eine Beschleunigung des Prozesses, der zum Entstehen einer großen unzufriedenen landlosen Klasse führt, mit schwerer Gefahr für das Land verbunden sei". Seither ist die Behauptung, es sei in Palästina ein „landloses Proletariat" von Arabern vorhanden, entstanden infolge Verdrängung durch die Juden, verdammt zur Vagabondage und Ellend, aus der Diskussion über die Lage in Palästina nicht mehr verschwunden. So wurde die zionistische Bewegung beschuldigt, die Schicksalsgestaltung des jüdischen, Volkes auf Kosten der Wohlfahrt der michtjüdischen Bevölkerung Palästinas zu versuchen. Die Entfernung von etwa 500 Weidenutzbereehtigten und Bauern in einem Zeitraum von zwölf Jahren seit Einsetzung der britischen Verwaltung in Palästina oder durchschnittlich 50 Familien im Jahre kann keineswegs als Ausdruck jenes ominösen Prozesses betrachtet werden, der in den angeführten Dokumenten beschrieben oder angedeutet wird. Selbst wenn Mr. Frenchs ursprüngliche Annahme einer Zahl von 1000 bis 2000 „dislozierten" Arabern sich als richtig erwiesen hätte — was nicht der Fall war — so hätte die Lage keine wesentliche Aenderung erfahren. Reise zum XVIII. Zionistenkongreß Die Wgfför i*«? wtmitwfc P*W»*to* vmn*m** e?ne Reise nßch?m%mm XVJiii J\w\*tvnkpn&p&. Vormerkungen und Anmeldungen 7 — 9 Uhr abds. II., Blumaitergatse 1.