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Der Jüdische Arbeiter · 1933-03-31 · Heft 13 (31.3.1933) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 13 (31.3.1933)
Date
1933-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V,. 1^ ... # D# P* *Ä"ÄtWb1^* nt leden ffttag Orßan der vereinigen zlonlsfIsen sozialistischen ArDeHeroröäniSöHon Poa!e zlon-nilachda«i In Osterrelcn Redaktion und Administration: Wien IL, Blumauergasse I Postscheckkonto Nr. 17,878 Tschechosl. Redaktion: Brilnn, KolSStd 19, Tel. 35.398, Postscheckkonto Brünn Nr. (00,(45 Einzelne Nunmi0r *3O Groschen Bezugspreis: ganzjährig 9!2v-> halbjährig S 6- 10. Jahrgang Wien, 31. März 1933 Nr. 13 Was nicht dementiert werden Kann: Der Lebenskampf der deutschen Joden Tatsachen sprechen: Auch weiter schutzhaft Totschlag und Numerus Nullus Schnlzhiift Berlin, 25. März (J. T. A.), „Berliner Börsen-Courier" meldet, daß in der vergangenen Nacht in Augsburg 22 Personen iin Schutzhaft genommen wurden, unter ihnen~~der Direktor des ersten Kaufhauses der . Stadt Gebrüder Lan- sowie der Sekretär des Augsburger Stadttheaters, Nora. In Braunschweig wurde, wie die „Berrliner Illustrierte Nachtausgabe" meldet, der Chefarzt Dr. Levi,. genannt Lewald. festgenommen. - In Berlin wurde Dr. Friedeberger, das Schächtea i boten. \ Gestörte Gerichtsverhandlungen Würtemberg verliehe jüdischen Mitgliedsfirmen aus dem x Geraer Einzelhiandelsverbänd ausgeschlossen werden. In der Begründung hea Antrages heißt es, daß es sich nioht Berlin, 26. März (J. T. A.). Die „Vos- Um eine kleinliche Konkurrenzaussische Zeitung" meldet aus Gleiwitz: Schließung handle; nicht den Menschen „Im Grleiwitzer Amts-: und Landgericht wolle man treffen, sondern das System. -u T5 ^gab es am Freitag erhebliche Tumiüte. Der deutsche Mittelstand wehre sich gedauer, Gift, ferner die jüdischen Rechts- Eine größere Zahl junger Burschen gen das,-was ihm wesensfremd sei." Er anwälte Dr. Neumark und Dr. Dreifuß, drang in aas Gerichtsgebäude ein und müsse den Beweis erbringen, daß man «nwi« dpr «pwtii.r rifiS Ano-shnrp-flr mißhandelte.mehrere jüdisch« Kechtsansich darüberklär geworden seij'wohin wälte. Der 70 jährige Justizrat Kochmann wurde ins Gesieht geschlagen,- andere Anwälte mit Faustschlägen traktiert. Eine jüdische Assessorih wurde von Justizbeamten in Schutzhaft genommen. Die er politisch gehöre' und was schaftlich notwendig habe. er wirt- \ einer 4er Geschäftsführer des^bulato- Gerichtsverhandlungen mußten, unter brochen werden. Polizei besetzte schließlich das Gebäude, um weitere Störungen zu verhindern." Die akademische Intelligenz.... riums des Verbandes der Krankenkassen Berlins, in Schutzhaft genommen. und - Totschläge In Wuppertal-Elberfeld fiel der 26 jäh-' rige Oswald Läufer» reinem RevolvernAtrtentat zum. Opfer. Lauf er war gerade aus der Schutzhaft entlassen worden, als ihn vor der .Eingangstür seines Eltern1 häuses drei -Schüsse niederstreckten. Lauf er war unbewafften. Der Täter ist Keine jüdischen Richter München, 26. März. (J. T. A.) Der Kommisar für das bayrische Justizministerium, Dr. Frank, hat folgende Bekanntmachung erlassen: Die in der por litischen Neuordnung zum Ausdruck gekommene Volksmeinung macht es erforderlich, daß Richter j ü! d i - scher Abstammung nicht .^r!iß,^^r^(J:;X,A,).,Der ^Völkische meAr-mifde.r Ha ndh<a-bun gv>dar ßitnaf rechfcspfilege und der D i s z i p 1 i n @> r g e r i c h t s b a r ld e i t befaßt werden und daß Staatsanwälte und Amtswälte jüdischer Abstammung nicht mehr als. Vertreter der Anklage in Gerichtssitzungen tätig seih werden. Beobachter« bringt 'einen »Aufruf des natio nalsozialistischen deutschen Ärztebundes«: ■».:.■ Es gibt wohl kaum einen Beruf, der für Größe und Zukunft der Nation so bedeutungsvoll ist wie der ärztliche; aber keiner ist auch so verjudet wie er und so hoffnungslos in volksfremdes Denken hinein- , , ,, . n t)„„^ii.„__gezogen worden. Jüdische Dozenten beherr- . TT - _ . - ..... unerkannt entkommen, Zur Bestattung schen d}e Lehrstühle der Medizin, entseelen Ebenso sind Handelsrichter jüdischer Jiatte sich ein unübersehbares Trauerdie Heilkunst und haben Generation um Ge- Abstammung möglichst nicht mehr zur wfnW TinmPTitliph ans phrisrliohen neration der jungen Ärzte mit mechanischem Dienstleistung heranzuziehen, geroige, namentnen aus cnrisuienen QeiSt. durchtränkt. ■ Jüdische »Kollegen«. setz- 8 Kreisen, auf dem jüdischen Friedhof einten sich .an die Spitze der Standesyereine Politik Und KUHSt o-pfnnrlPTi und der Ärztekammern; sie verfälschten ß Vo.Y. , « „ den ärztlichen Ehrbegriff und Mainz, 23. März (J. T. A.). Das Main- Der 48jährige jüdische Güter- und unte.rgruben arteigene Ethik und Viehhändler Otto Selz in Straubing wur- Moral, ihnen verdanken wir. daß händle- An Mi++m««v. „^„„v,^^ rischer Geist und unwürdige geschäftliche de am Mittwoch früh der vergangenen Einsteiiung sich immer mehr in unseren Rei- Woche von mehreren 'unbekannten hen breitmachen. Und das Ende dieser grauen- Männern aus dem Bett geholt, in ein tyite? Entwicklung ist die wirtschaftliche ~ , . , . , ' , Verelendung, das Absinken unseres Ansehens Auto gebracht und zwischen Mengkoim Volk und der immer geringer werdende f en und Wörth durch zwei Schüsse und Einfluß bei Staat und Behörden.... Es geht nicht an, daß der ärztliche Stand mitten in einem deutschen Deutschland eine jüdischfreimaurerische Enklave bildet! Deshalb, rufen wir heute die gesamte deutsche Ärzteschaft auf: Säubert die Führung unserer Organisationen, fegt alle hinweg, die die Zeichen der Zeit nicht ver¬ Wiesbaden, 28. März. (J. T. A) Der stehen wollen, macht unseren Stand in Leiamtliche Polizeibericht besagt: hmff und Geist wieder deutsch, so wie es In der Stadt ereignete sich eine Reihe Reich und Volk in die5*n Wochön ^worden Einschlagen des Schädels getötet. Über die Gründe der Tat und über die Täter herrscht noch völliges Dunkel. Zwischenfälle... zer Befreiungsdenkmal, die vom Bildhauer Benno Elkan geschaffene Riesenfigur eines erwachenden Weibes, wurde gemäß Beschluß des Ältestenrates der Stadtverordnetenversammlung von seinem Standort abtransportiert, nachdem es in letzter Zeit Angriffen rechtsgerichteter Kreise ausgesetzt war. von bedauerlichen Zwischenfällen. Mehrere Trupps junger Leute durchzogen die Stadt, erzwangen die Schließung jüdischer Geschäfte und m|ißhandelt en zum. Teil die Geschäftsinhaber. Auch jüdisch aussehende Passanten wurden belästigt und zum Teil mißhandelt. Die Polizei sorgte durch erhöhten Streifendienst für Aufreehterhaltung der Ordnung. schdehtverhot Karlsruhe, 26. März. (J. T. A.) Die badische kommisarische Regierung hat ein allgemeines Verbot des Schächtens erlassen, Berlin, 27. Äfärz. (J. T. A.) „Völkischer Beobachter" meldet aus Hamburg; »Wie wir erfahren, wird die Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe auch in Hamburg ein Schächtverbot erlassen, das in den allernächsten Tagen in Kraft treten wird. Stuttgart, 25. März, (J. T, A.) Das würtembergische Innnministerium hat sind.« Die fohle: Kündigung jüdischer Ärzte Berlin, 27.' März. (J. T. A.) Die „Frankfurter Zeitung" bertchtet: Im Rahmen der bekannten Personalver- YolKs- oder nellgionsgemelnde? eigenartiger Beschluß der Jüdischen Gemeinde Berlin Berlin, 29. März. (J. T. A.) Die Jüdische Gemeinde Berlin hat folgendes bekannt gegeben: Angesichts der ablehnenden Stellung des Judentums zu den kommunistischen Ideen, und der Bekämpfung aller Religionen, insbesondere auch des Judentums, durch den Kommunismus hat der Gemeindevorstand es stets für Änderungen innerhalb der Verwaltung selbstverständlich angesehen, daß kei- Groß-Berlins ist bei verschiedenen Bener seiner Beamten und Angestellten' zirksämtern einer Reihe von jüdischen dem Kommunismus angehört, Falls in Ärzten die Kündigung zugestellt worirgend einem Einzelfall fiese Annahme den. Der Staatskommisar für die Geschäfte des Bezirksbürgermeisters in Neukölln teilt mit, daß „im Rahmen der Säjuberungsaktion" -zwölf , jüdischen Ärzten das Beschäftigungsverhältnis gekündigt wordensei. Ferner ist «das nicht zutreffen sollte, erwartet der Gemeindevorstand von dem Betreffenden, daß er unverzüglich die Folgerungen ziehen und aus dem Pienste der Gemeinde ausscheiden wird. Der Gemeindevorstand weist darauf hin, daß er Dienstverhältnis von drei jüdischen selbst jeden Beamten und Angestellten Ärztinnen im städtischen Säuglings-und Mütterheim gelöst worden. Die Honhurrenten erledigt Gera-, 81. Män; (J. T. A.). Der EinzeL handelsverband Gera nahm gegen eine Stimme einen Antrag an, wonach sämt» rektor. unverzüglich aus dem Gemeindedienst entfernen wird, von dem ihm bekannt werden sollte, daß er dem Kommunismus angehört. Vorstarid der Jüdischen Gemeinde, gez. Dr. Breslauer, Verwaltungsdi- Die Saat geht auf Fast zur gleichen-Zeit, da in Petach Tikwah ein Brith TrumpeldorrMann einen Streikposten der Histädruth durch einen Messerstich schwer - verwundet, fegt im polnischen Kattöwitz Jabotinsky mit-einer Handbewegung die primitivsteh demokratischen Grundsätze hinweg, sägt die ^Leitung der Partei ab, ernennt sich selbst zum Düce, überträgt (streng nach dem Muster von Hitler und Göring) Kommissariate (!)'und führt so eine offenbar vorbedachte Aktion durch, die, selbst von; den Parteifreunden von gestern als j,Putseh" bezeichnet, steh durch einen Zynismus charakterisiert, der auch auf den Vorwand eines Reichstagsbrandes verzichten kann. Die Zeiten sind mehr als lebhaft und ah Sensationen besteht : wahrlich kein Mangel. Und doch fällt im jüdischen Leben, in diesem von schweren Krisen ger schüttelten Leben eines" auf eine harte Pröbe' gestellten'Volkes, trotz der vier len anderen Geschehnisse die Hirhrissigkeit dieses politischen Unternehmens auf. ' ' > ■ ' r Der Geist des Faszismus hält seinen Siegeszug durch Europa, sprengt die; Grenzen^ ■ ist ein zündender Funke, der von; Volk zu Volk springt, dasffalsche ■ Feuer einer nationalen Auflebung entfachend, a-n dem sich die Hungernden zusammendrängen, um von der großen Wärme des völkischen Rauschs zu genießen, da sie sonst nichts zu genießen Jaben. Wir Juden leben in Europa zwischen allen Völkern, haben keine Grenze als die unserer Eigenart, sind durch nichts vereint als durch den glühenden Haß vieler gegen uns, und die Gefahr, daß dieser Funke auch uns entzündet, ist groß. In unserer Geschichte hat es viele Assimilationen gegeben =-rdiese ist eine der gefährlichsten, und doch scheint es, daß. wir von ihr nicht verr schont bleiben werden. Schon ist die Flamme auch in unserer Mitte eingebror chen. (unterirdisch glomm sie schon lange) und schlägt empor, die Gefahr taghell beleuchtend. Der Putsch von Kattöwitz ist nicht nur eine innerzionistische Angelegen heit. Er muß alle Teile der jüdischen Welt interessieren, die heute auf das von unserer Bewegung geschaffene und getragene jüdische, Palästina, sieht, Er greift an die Grundfesten der Demokrat tie, die eine der unverbrüQhlichsten Stützen unserer zionistischen Bewegung ist und bleiben muß, einer Bewegung, die auf Freiwilligkeit, Mitverantwortung, Gesinnung und Meinungskarapf aufgebaut ist, einer . Bßwegung, die für ihr Volk nicht* nur physische Rettung lind ökonolische Normalisierung erkämpft, die ihm vielmehr a.uch ein neues Leben in ..geistiger Freiheit, in einer befreiten Gesellschaft geben wijl. Der innere Zusammenhang zwischen den Ereignissen im revisionistischen, kager und den Vorgängen, im Deuitebjjjand Hitlers liegt auf der Hand. Es ' scheint; banal, davon noch zu sprechen. Wenn wir es doch versuchen, geschieht dies, weil wir einen neuen Beweis für unsere (in manchen zionistischen Kreisen her strittene) Behauptung erbringen kön* nen, daß der auf primitivste kleinbüiv gerliche und nationalistische Instinkt© spekulierende ■ ftevisionisinus,. trQt&dem er sich in einer Periode seiner Entwicklung sogar als Hüter der Demokratie gegen das Eindringen plutokratischer

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