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Der Jüdische Arbeiter · 1933-07-04 · Heft 27 (4.7.1933) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 27 (4.7.1933)
Date
1933-07-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. ri-ry-'m-ri-iM» Der jfidis che Ar bei t er. Suiten tti Hiller^Deutsdilcsticl U*?i+nr -KrT --.v. ^••vi:*,*r..V . Keine jüdischen Badeärzte In den Kurlisten. tit - dÄi Kurlisteft vieler deutscher Badeorte sind eine Reihe jüdischer Badeärzte gestrichen; worden, obwohl sie zur Kaseenpraxäs, zugelassen sind. Im Interesse der jüdischen Aerzte- und der jüdischen Patienten wird darauf hingewiesen, daß diese .Amte nicht etwa ihre Praxis eingestellt haben, sondern auch weiterhin in Anspruch genommen werden können. „Bitterster Kampf dem Artfremden." Im Rannten der akademischeat Woche der Technischen Hochschule Charlotten bürg sprach der Referent für Rassefrageh im Innenministerium Dr. Achim Gercke über die Aufgaben der Studentenschaft beim völkischen Aufbau. Er erklärte u. a.: „Erkennt man den Rassegedanken als Religiosität, als etwas Gottgewolltes an, so ist es unsere Aufgabe, dem einschleichenden Gift unseres Volkstums, dem Artfremden, den bittersten Kampf anzusagen. Nur das Volk kann sich für die Zukunft behaupten, das sich rein, gesund und kräftig erhält. Zwei Prinzipien können nur heute noch die Rasse formen: Die unbedingte Ausmerzung alles Rasseminderwertigen und die Auslese, die Herausstellung eines gesunden, kräftigen Ideals. Maßnahmen gegen einen judenfreundlichen Rechtsanwalt. In der letzten Stadtverordnetenversammlung in Tilsit wurde ein Dringldehkeiitsantrag angenommen, dem deutschnaitfonaten Rechtsanwalt und Notar Dr. Jacoby keine städtischen Reertfsaufträge mehr zu erteilen, weil er dadurch, daß er in einer Anwalltsversammlung das gegen einen/ jüdischen Rechtsanwalt erlassene Vertretungsverbot bedauerte, seine Ju denjreundlkhkeit zu erkennen gegeben habe. Auswanderung. Wie außerordentlich groß der Auswanderungsdrang un ter der jüdischen Bevölkerung Deutschlands ist, geht aus Aeußerungen hervor, die ein leitender Beamter der Gemein nützigen öffentlichen Auswanderungsberätungsstetle zu Berlin Plressevertwtern gegenüber machte. „Iii den zehn Jahren, dia ich hier diese Stelle leite", erklärte der Beamte, .„kann ich mich eines solchen An sturmes von AuswaindeTungsaspiranten nicht entsinnen. Es gibt Tage, wo man 80 Besucher und mehr zählt, von denen tityrz. 50 am gleichen Tage abgefertigt werden können; der Anmeldimgskalender ist auf Tage hinaus voll besetzt, und eine Auskunft ohne vorherige Anmeldung einzuholen, ist eÄfi Ding der Unmöglichkeit. Es mußte zur Bewältigung des starken PuhKkumsverkehrs sogar neues Personal eingestellt werden. Im Augenblick scheint der Höhepunkt erreicht zu sein, «Man zählt jetzt ungefähr das Fünffache der zu Be ratenden gegenüber der Zeit vor drei Monaten. Der HauptjM-pzeatsatz der Auswanderer sind Ntehtarier, die als Reise ziel Palästina erwählt haben. Stark ist auch die Auswanderung nach Prankreich, den Niederlanden, Spanien und England. :\?} _*) 1 * *\ )') „hi derm der jud« kein Mensch?1* f In Kopenhagen g^tiejA^Frite^ Kortli€r als Shylock im „Kaufmann von Venedig'*. Bei der b^rönmteii Stelle: „Ist denn der Jude kein^Mkfasükrt .Habe ich nicht Augen, Hände* Fusse, Gedanken und Crefühle wie jeder andere" brach bei offener Bühne demonstrativer Beifall 'aus, '4:. Jufo 1933. Die indischen Arbeiter organisieren sich. Der im Janre 1926 gegründeite Bund der jüdischen Ax^e^nchmer in Berlin hat sich im Hinblick auf die nach der Gleichschaltung aller Gewerkschaften für jüdische Arbeiter bestehende Unmöglichkeit, ihren bisherigfen BerufscÄ^a^a&onen anzugehören, die Aufgabe gestellt, die jüdiscraSQi Arliefiniiehmer' zu sammeln und ihnen eine Interessenvertretung zu bietend Zu diesem Zweck mußte eine Umorganisiearung des Bundes vorgenommen werden, für die die polizeiliche Erlaubnis bereits gegeben wurde. Nunmehr wendet sich der Bund an die jüdische Oeffeniüiichkeiit in einem Aufruf, in dem es u. a. heißt: „Wir werden uns besonders an die jüdischen Arbeitnehmer selbst. Sie müssen sich zusammenschließen, sie können ihr und ihrer Kollegen Schicksal nur durch tätige Zusammenarbeit gestalten. Wir rufen sie auf, sich vollzählig zu organisieren, um ale Kräfüe verfügbar zu machen." Mit Rücksicht auf das Hitler-Regime will sich der Bund auf die,, Tätigkeit der Selbsthilfe beschränken und lehnt den Charakter einer Gewerkschaft ab. Wahlorte außerhalb Wiens Amstetten. Erlauf, Gaming, Isper, Kematen, Kemmeibach, St. Leonhard, Scheibbs, Wandhofen a. d. Ybbs, Wieselburg, Sarmingstein, St. Peter i. Aü, Marbach, Pöchiarn, Oed, Purgstail, Möchling, Ruprechtsdiorf. Baden. Heiligenkreuz, Vöslau, Josefsthal, Ebreichsdorf, Mitterndorf, Velm-Neuhof. Deutsch-Kreutz. Lackenbach, Kaisersdorf, Webersdorf, Oberpul'lendorf, Güssing, Oberwart, Rechnitz, Rabnitz, Kobersdorf. Eisenstadt. Hornstein, Andau, Frauenkirchhen, Gattendorf. Gmirnden. Ischl, Goisern, Ebensee. Graz. Groß-Enzersdorf. Deutsch-Wagram. Innsbruck. Dornbirn. Judenburg. Klosterneuburg. Klagenfurt. St. Veit a. d. Glan, Spital. Krems. Tulln. Leoben. Linz. Grein, Kleinmünchen, Wels. Mattersburg. Petsching, Sauerbrunn, Kobersdorf. Mödling. Atzgersdorf, Brunn a. Geb., Erlaa, Hinterbrühl, Liesing, Perchtoldsdorf, Sulz, Gießhübl, Rodaun. Neunkirchen. Gloggnjtz, Ternitz. Salzburg. St. Pölten. Herzogenburg, Persenbeug, Schönau, Spatzen, Unter-Radeiberg, Türnitz, Loosdorf. Stockerau. Korneuburg, Hadersdorf, Miistelbach, Laa a. d. Thaya, Hollabrunn, Zwettl. Wr.-Neastadt. PiimkafeW, Katzelsdorf, Bruckneudorf, Bruck a. d. Lertha. VW ,v mit, daß "die airill&ei^flscfie ^Or^iüiB^äBoa ^Lettlands yot kürzeW Flugblätter judenfeindlichen Inhalts von einem Aeroplan aus über Riga *äbwerfeil.4yß,/ *!: ' * - 5' n; . \ Der Minister antwortete, die jüdische. Bevölkerung möge versichert sein, daß er keinerlei judenfeiridlfche Hetze zulassen und-...für die Skherheit der; Juden ebenso Sorge tragen #ird, wie für die Sicherheit ällef übrigen Bürger des Landes. Bald nach dier Unterredung erließ der Innenminister einen Befehl, in dem die Verteilung von Flugblättern jeder Art in den Straßen von Riga verboten wird. Außerordentliche Konferenz der English Zionist Federation. In London fand eine hauptsächlich zum Zwecke der Wahl von Delegierten zum 18. Zionistenkongreß einberufene außerordentliche Delegiertenkonferenz der English Zionist Federation statt. Die Führung der von der Konferenz gewählten Delegation zum 18. Zionistenkongreß hat Dr. Chaim Waizmann übernommen. Die Tagung wurde mit einer Trauerkundgebung für Dr. Arlosoroff eingeleitet. Der Leiter des Berliner jüdischen Museums zum Direktor des Museums in Tel-Awiw ernannt. Dr. Karl Schwarz, der bisherige Leiter des Jüdischen Museums in Berlin, ist zum Direktor des Museums in Tel-Awiw ernannt worden. Leben in Palästina Kundgebungen anläßlich des Jahrestages der Hinrichtung der nach den Augustunruhen 1929 verurteilten Araber. Anläßlich des Jahrestages der Hinrichtung der drei Araber, die nach dien Unruhen im August 1929 zum Tode verurteilt worden' waren, fand in Akko eine von den Istaklalisten veranstaltete Kundgebung statt, bei der aufreizende judenfeinidiliche Reden gehalten wurden. Nach Versammlungsschluß fand ein Zug zu dien Gräbern der Hingerichteten statt. Aus Nablus berichtet „Falastin", daß am Jahrestage der Hinrichtung die Schüler der arabischen Regierungs- und Privatschulen einen Proteststreik veranstalteten. Die arabischen Tageszeitungen sind mit Trauerrand erschienen. Die arabische Exekutive hat einen Aufruf erlassen, in dem die Hingerichiteten als „Symbol der Hingabe und des Unabhängigkeitsstrebens" und als „unsterbliche Kämpfer für die Freiheit" gefeiert werden. Auch die kommunistische Partei Palästinas hat einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie die Unruhen von 1929 als nationale Erhebung gegen Imperialismus und Zionismus verherrlicht. Das Verbot des Waffentragens erneuert. Die Palästiinaregierung hat abermals das von Zeit zu Zeit erneuerte Verbot des1 Waffentragens und von Ansammlungen in den Straßen kundgemacht. Gründung eines Nagel- und Drahtwerks in Palästina. Mit einem Kapital von zunächst 10.000 Pfund, das voll eingezahlt ist, wurde in Tew Awiw Anfang Juni die Barsalith Ltd. gegründet, deren Zweck die Erzeugung von Eisendraht, Nägeln, Sieben, Drahtnetzen und sonstigen Drahtwairen aller Art ist. Die Gesellschaft will mit ihrer Erzeugung den. gesamten Bedarf Palästinas an den fraglichen Erzeugnissen decken. Versuch der Organisierung des palästinensischen Kleinhandels. Der Direktor der mittelbar und unmittelbar über 300 Detailgeschäfte in Deutschland betreibenden „Verkaufsorganisation" Dr. Hans Singer trifft am 26. Juni in Jaffa ein, um mit Vertretern der palästinensischen Industrie Besprechungen darüber abzuhalten, inwieweit durch einen neuzeitlich organisierten Kleinhandel im Lande der Absatz von Gebrauchsartikeln des täglichen Bedarfs, die von der palästinensischen Industrie hergestellt werden, gehoben werden könnte. Die Brandstifter vom Balfour-Wald. Im Zusammenhang mit dem Brand im Baifour-Waid wurden zwei etwa 13jährige arabische Knaben unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. Die Zahl der beim jüngsten Bramd im BaMousr-Wald. vernichteten Bäume beträgt 3000, nicht 20.000, wie manche Zeitungen berichtet haben. „Nir" spendet 1000 Pfund für deutsche Einwanderer. In einigen Kibbuzim deutscher Juden läßt man Familienangehörige aus Deutschland nachkommen. „Nir" hat zu diesem Zweck 1000 Pfund gespendet. Ein Semester jüdisches Volksheim Von Dr. W. S. Jüdisches Leben Der lettische Innenminister verbürgt sich für den Schutz der lettischen Juden. Die jüdischen Abgeordneten Duhm und Wittenberg haben dem Minister des Innern Miiberg ein Memorandum überreicht, in dem über die zunehmende antisemitische Propaganda in Lettland Beschwerde geführt wird. Die Abgeordneten teilten dem Innenminister bei dieser Gelegenheit Den wenigsten Juden Wiens dürfte es überhaupt bekannt sein, daß es ein jüdisches Volksheim in Wien gibt — und schon blickt dieses Volksheim auf das erste Semester seiner Tätigkeit zurück. Aus den Räumen IL, Blumauergasse 1, die ernst den Kommunisten Wiens als Vereinsheim dienten, hat eine Schar opferfreudiger Menschen unter ungeheuren Schwierigkeiten eine Heimstätte jüdischen Geistes und jüdischer Bildung geschaffen. Kurze, populäre Vorträge, künstlerische und gesellschaftliche Veranstaltungen haben das Programm des ersten, kurzen Semesters gebildet und eine große Zahl jüdischer Menschen zu jüdischer Arbeit vereinigt. Aus dem vor kurzem in der Kuratoriumssitzung gehauenen Bericht ergibt sich, daß 3 hebräische Kurse, u. zw. 2 Kurse für Anfänger und einer für Fortgeschrittene geschaffen und abgehalten werden.v Jeder dieser Kurse wird von je 20 Kursteilnehmern, besucht. Lerneifer und Fortschritte sind, vorbildlich. Leiter dieser Kurse äst S. Drechsler. Eine ganze Reihe von ausgezeichneiten Vorträgen, die durch die Referenten wie auch durch die Themen eine besonders jüdisch aktuelle Note erhielten, künstlerische Veranstaltungen, die einem neuen Kreis von Menschen eine Idee von jüdischer Musik vermittelten, zeugen von der volkshikmerischen Arbeit des jüdischen' Volksheimes. Folgende Vorträge wurden gehalten: Dr. Erwin Wexberg: „Die psychologischen Voraussetzungen des Antisemitismus", Oda Olberg: „Nationalsozialismus und Judenfrage"; Dr. Leo Goldhammer: „Aus dem phettoleben Bratislavas"; Dr. Franz Kpbler: „Judentum und Europa"; Dr. Grete Kardegg: „Palästina 1933". Vortrag , mit künstlerischen ■ Einlagen unter Mitwirkung von: Prof. Joachim Stutschewsky (Cello), Frau Marie Bernay (Gesang), Schulamith Silber (Violine), Prof. Dr. Martha Hof mann (Rezitation). An musikalischen Veranstaltungen wurden ferner ein Konzert jüdischer Musik veranstaltet, das von Künstlern des Vereines zur Förderung jüdischer Musik in; Wien bestritten wurde. Es wirkten mit: Israel Brandmann, Ljuba Lewitzka ü.'-"a. m., überdies ein Schubert-Mahler Liederabend. Eine Studienreise nach Bratislava auf einem Sonderdampfer fand viel Anklang bei den zahlreichen Mitreisenden. ' :; { | So sieht das Kuratorium des jüdischen Vollcsheims, dem die Herren Dr. Leo Goldhammer, Dr. Rudolf Glanz, Dr. Franz Kohler, Mendel Singer, I. Herschkowicz, S. Drechsler, Hermann Reiss, Dr. Wilhelm Schor und die Frauen Dora Schwarz, Maria Bernay und N. Salitry angehören, auf ein erfolgreiches Arbeits-Semester im jüdischen Volksheim zurück. Es werden bereits alle Vorbereitungen getroffen, um im nächsten Semester mit Herbstbeginn die Arbeit mit einem ausgewählten, auf Grund der Erfahrungen des letzten Semesters . ausgestatteten Programm zu beginnen, mit dem Ziel, aus dem jüdischen Volksheim eine Bildungsstätte für die jüdischen Massen zu schaffen. Amtliche "Verlautbarungen der Israel. Kultus gemeinde Wien Die Kleider-Stelle der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren Bekleidungsgegenständen jeder Art, Wäsche, Schuhe usw. für Männer, Frauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an die Fürsorge-Zentrale der isr, Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, Tel. U-25-5-85, welche die Abholung veranlaßt. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Z. 4364 ex 1933. Wien, 14. Juni 1933. Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortL Redakteur: Jonas Jungermann, Maschinenbauer, Wien, XX, Meldemannstr. 19. — Druck: „Adria", Wie», H, Taborstr. 52 b.

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