Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 11-12 (17.3.1933)
- Date
- 1933-03-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DER JÜDISCHE AB&EItER 17. März 1933 Ätf. Max Pilzer <WIen)i Die geistigen mm mm mä» des Ichnd Es bedarf keiner Rechtfertigung, vielmehr ist es die notwendige Selbstbesinnung auf eiue geistesgeschichtliche Ehtwick* long, deren Ergebnis die in unserem Blatte zum Ausdruck kommende Gedankenwelt ist, wenn wir uns klar zu werden versuchen, welche Kräfte es waren, die es ermöglichten, daß zwei in ihren. Ursprüngen trotz mancher Gemeinsamkeit ideologisch weltenweitferno Bewegungen zu einer einheitlichen Organisation vereinigt werden kannten. Es ist kein Zufall, daß die Namen der leuchtendstem Gestalten der politischen Bewegung des internationalen Sozialismus, der Name Lassales» Viktor Adlers und der Borochows untrennbar verbunden sind mit der historischen Leistung dieser Männer, die Arbeiter ihrer Länder und Völker zu einer politischen feheit vereinigt zu haben. Gewiß, wir wollen nicht in eine vormarxistische heroische Geschichtsauffassung zurückfallemi, und die Schaffung dier Einheitsfront innerhalb des deutschen, österreichischen und des territorialrstiseh orientierten jüdischen Proletariats als das 'Ureigenste und ausschließliche Werk dieser Männer betrachten. Es gilt, sich klar zum Bewußtsein zu bringen, daß die 'Herstellung der Einheit innerhalb einer gespaltenen Arbeiterbewegung zu den schwierigsten Aufgaben proletarischer Politik gehört, daß es immer und überall großer persönlicher Leistungen und tiefgehender sozialer Umwälzungen bedurft hat; .^enn.' ' die geschichtlich notwendige einheitsetzencie Tat gelingen sollte".' Tägliche" Erfahrung lehrt uns, daß die politische Kon- Icurrenz die bestehenden prinzipiellen Gegensätze vertieft;' je näher Parteien prinzipiell zueinanderstehen, je stärker sie auf ein sozial gleiches Reservoir zur Ergänzung und Erweiterung ihires Mitgliederstandes angewiesen sind, umi so! heftiger muß der Kampf zwischen ihnen toben, um so mehr legt jede Gruppe auf die Betonung der bestehenden' Differenzen Gewicht: Trotz dieser auch innerhalb des zionistischen Sozialismus bestehenden Schwierigkeiten ist die Vereinigung Wirklichkeit geworden, sie ist das Ergebnis jahrelangen ^e^tigen^',;'Äüige^'.\;d!er Vertrauensmänner beider linken.' •Flügelparteien" der zionisti-' sehen Bewegung, vor allem' aber stellt sie das Produkt objektiver, historischer Entwicklüngskräfte des jüdischen. Lebens dar. ,Jpie Hitächduth — um mit diesem Verfcmigungspartner zu beginnen — ist selbst aüs der Vereinigung zweier Organisationen entstanden; die sowohl ihrer Sozialen Strtiktur als auch ihrem Ideengehalt nach, überaus verschieden waren. Es sind! 'kaum, Ü Jahre her, daß die Hitächduth in Prag durch den Zusammenschluß des palästinenßfechen Hapoel-Häzäir und' der osteuropäisphen ^eire-Zipn.; gegründet wurde., und als Patin stand] an .ihrer Wiege die von Martin Buber und1 Gustav Landauer beeinflußte Gruppe deutscher und tschechischer Zionisten, D,ie Zeire-Zion war sozial und pojit^jh. .gesehen eine durchaus Wejnbürgorliphe Partei; .sie verneinte,,die Grundprinzipien der modernen Arbeiterbewegung, die''These vom'sozialen Antagonismus und Vtin 'der' miteraataonälen , Schicksalsgemein,- schaft der.yArbeiieriyalleri Völker schien ihr , ^^b-e»Rfalis; .,4eii' VßrnältniS'sen der „and«-. ren*'i Völker zu entsprechen'. Ihre Ideologie w^' d^r ^Volkssozialismiis*', der utopisch ge'nW'war,' eine sozialistische Politik nicht >•'*■.' V X1als.:)ausscnl.ießlich den ^proletarischen Klasseninteressen entsprechend zu betrachten, viölmehr das gesamte Volk als ihren möglichen Träger1 anzusehen. Trotz mancher Ähnlichkeit im Negativen wäre es falsch, den Eapoel-Hazair der Zeire-Zion gleichzustellen. Gewiß, auch der Hapoel-Hazair war „antimarxistisch", eingestellt; sein politisches Antlitz trug aber noch immer die marxistischer Weise den Klassenbegriff das Parteiwesen schlechthin als mechaüberspannt hat, und jede, auch die loseste mdseh, anorganisch und gemeinschaftsfremd Verbindung des proletarischen Zionismus verneinte. Der Einfluß Tolstois auf Gordon mit dem Bürgertum als Klassenverrat ist unverkennbar und es ist symptomatisch, brandmarkte. Die Abspaltung des kommudaß der jüdische Anarchist Gustav Lannistischen Flügels hat zur Abstoßung jener dauer und Martin Buber, der in sozialen Elemente geführt. Zwei Faktoren haben die Fragen Landauer Gefolgschaft leistete, poalezionistische Praxis immer mehr padem Hapoel-Hazair nahe standen. Schon lästinazugewandt gemacht. Die Poalelange vor Prag hat der Hapoel-Hazair seine Zion hat sich ' immer mit Recht eindeutypisch pioniermäßige Lebensform aufgetig zur Gegenwartsarbeit im Galuth begeben, wie jede anarchistische Bewegung kannt, —■ hier in einer Front mit den dean ihren inneren Widersprüchen scheitern mokratischen Zionisten Weizmann und muß. Die 3. AÜjah hat ihn zahlenmäßig ge- Buber stehend. Die Erringung der stärkt, und einer sozialen Wirklichkeit nationalen Autonomie im Osten schien Gegründet 1662 Lebeitsversicherimgs Gesellschaft Versicherungsbestand Ende 1931 . . . . Prämien- und Zinsen- Einnahmen 1. J. 1931 Gafantlemittel Ende 1931 . . . . Auszahlungen an die Versicherten i.J. 1931 S 2.746,000.000'— „ 182,000.000-— 472,000.000- 42,500.000'- TaftgheMsgeblef: Österreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik. Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Ägypten. konfrontiert, der gegenüber der apolitische vielen als die wichtigste politische Auf Geist, die Proklamierung einer neuen Argäbe, die Erhaltung des Judentums im beitsgesinnung, die Ausschließlichkeit der Galuth als realpolitisch mögliches Ziel einer auf Selbstverwirklichung gerichteten Pranationalem, Massenbewegung. Die sozialxis versagen mußte. Der Hapoel-Hazair wirtschaftliche Entwicklung des Judenmachte die Metamorphose zur Partei tums hi der Nachkriegszeit hat diesen durch, seinen Abschluß fand dieser Prozeß Hoffnungen in hohem Maße die Grundlage in Prag, wo er, als Partei unter Parteien entzogen, alle objektiven Untersuchungen den Weltverband Hitächduth begründet, der.'Lage der Juden im Osten zeugen vom__ Unter dem Gesichtspunkt des Ichud von rapiden Fortschreiten der Assimilation. Der ■—-■■--■-^^^^^^^^ Danzig bedeutet Prag einen wichtigen Fort- Gesundlingsprozeß der jüdischen Wirtschaft telligenz unter Führung Nathan Birnechritt: der anarchosozialistische Hapoelist — Rußland ausgenommen ■— gänzlich baums und Ghaim Shillovskys jene Hazair legt sich nun endgültig auf die abgerissein, es ist ein bewußter chauvinidenkwürdige Czernowitzer Konferenz Parteiform fest, die kleinbürgerliche Zeirestischer Protektionismus der ■ nationalen einberufen, die zum ersten Male die jü- Zion gelangt in eine feste Gemeinschaft Arbeit, der die Produktivierung der jüdi- Zügo jener Epoche, da er nicht eine polimit einer proletarischen Partei, deren Hesehen Massen in Mittel-und Osteuropa vertische Partei, sondern eine anarchogemonie sie anerkennt.und: deren Einfluß hindert, jaihre Ausstoßung aus schwer erkommunistische. Bewegung war, die sie sich bewußt unterstellt. Die Entwickrungenen wirtschaftlichen Positionen bedische Sprache als die Nationalsprache lung des jüdischen Aufbauwerkes in Paläwirkt. Diesem Passivum der .Nachkriegsunseres Volkes proklamiert hat. Die stina wird für die Ideologie und Praxis der bilamz der jüdischen Entwicklung steht das Stellung des Poalezionismus zur Spra- Hitachduth bestimmend; innerhalb des "Zioarbeitende Palästina mit seinen Schöpfunchenfrage gipfelte in der Überzeugung, nismus konsolidiert sich der bürgerliche geu und1 Möglichkeiten als wichtigstes daß eine wirkliche Masseneinwanderung Flügel, demgegenüber die kämpferische Aktivum gegenüber. Während im Osten nach Palästina dort den Sieg des Jüdi- Interessenvertretüng tagtägliche Notwendie strategische Basis für den Klassensehen über das Hebräische zur Folge digkeit wird. Diese geübte politische Prakämpf des jüdischen Proletariats immer haben werde. Ber Borochow träumte xis sehw.emimt alle Bedenken der Anerkenschmäler wird, weicht die soziale Struktur von einer jiddischen Universität in Jenung einer bewußten proletarischen des jüdischen Palästina, die berufliche rusalem... Nun kommt die jüdische Klassenpolitik gegenüber hinweg, macht Struktur der jüdischem Arbeiterschaft, in Einwanderung nach Palästina der vor-: die. Wirksamkeit des palästinensischen Erez von den bei allen normal lebenden kriegszeitlichen Emigration nach den Zweiges der Hitächduth zu einer proletari- Völkern bestehenden Gliederungen, kaum Vereinigten Staaten auch nicht nahe, sehen im marxistischen Sinmie, macht sie ab. Die Lebensnot der jüdischen Massen, und diesem Umstand ist es zuzurechimi Weltmaßstäbe reif zur Aufgabe der denen Palästina die einzige, wenn auch benen, daß es gelungen ist, die hebräische Illusion eines, friedlichen tolstojahischen grenzte Emigrationsmöglichkeit gibt, die Sprache zur dominierenden des neuen Sozialismus. 'Die vMen&ennung. einer selb: .Notwendigkeit,'innerhalb der zionistischen Jischuw zu erheben; In der Danziger ständigen Arbeiterpolitik in der Danziger Organisation für die Interessen der jüdi- Plattform ist die Gleichberechtigung sehen Arbeiterschaft einzutreten,'der Funkder beiden, Sprachen innerhalb, des tionswandel des Zionistenkongresses, der autonomen jüdischen Lebens prokla-v Plattform bildet schließlich nur dem; deklarativen Abschluß einer geübten , klassenbewußten Politik innerhalb der zionistinunmehr eine Körperschaft geworden ist, in miert worden. Die jüdische Kulturarbeit sehen Weltbewegung. . welcher um Sein oder Nichtsein der jüdischen unserer östlichen - Organisationen ist in Die Entwicklung des neuen Jischuws in v Arbeiterkolonisation gekämpf t werden muß, - dieser Plattform verankert, die natio- Palästina zur größten jüdischen Minorität in diese Elementartatsachen d. jüdischen Lebens nale .Bedeutung der jüdischen Sprache einein Staate, die Entstehung einer 40.000 der Gegenwart haben den Poale-Zionismus für die Erhaltung des jüdischen Volks- Menschen zählenden Arbeiterklasse ' ist inimer mehr in den Bereich der praktischen tums anerkannt. Andererseits,, hat die auch auf die innere Gestaltung der Poale- Kolonisationsarbeit und der zionistisch- Poale-Zion schon vor der Vereingung Zion nicht ohne Einfluß geblieben'. Nicht politischen Verantwortung hineingetrieben, das Primat des. Hebräischen in . Paläais ob die poalezionistische Bewegung es und seine geistige Physiognomie derjenistina bejaht, sich vor der palästinensinotwendig gehabt hätte; einen „Zionisiegen der Hitächduth angeglichen. sehen Wirklichkeit . der vollzogenen rungsprozeß" durchzumachen. In der Theo- Neben der dargestellten politischen Renaissance der hebräischen : Sprache rie dos Poalezionismus stand Palästina Angleichung darf a,uch die kulturpolibeugend.. , ' . ■ ,. immer an zentraler Stelle, die zionistitische, .Seit? des Ichud. nicht unter- Es. ist eine, der, wichtigsten, Thesen der sehe Verwirldichung ist ihm gleichbedeuschätzt werden, wie sie vor allem in der zionistischen Theorie, die uns lehrt, daß tendmit der Schaffung einer strategischen Sprachenfrage zum Ausdruck kommt, dem palästingnsischen Jischuw innerhalb^ Basis für den vollwertigen Klassenkampf Der Hapoel Hazair war seit seiner Entdes Weltjudentums eine Bedeutung zu- 1 '•__________l _____1 _ J__l____ - J ■ 1 1— ^_~--2 ^v"V«. i 1 ___ _^ ' 1___• . 1- J_'*__ j__rTV..l«™J__J 1——', lr rtiry\^Trt(f /Iia' ViOi -rtrr\£t'fvm\ «wKRnv lof nlci & r\-i n rv*« brach des Weltkriegs muß die geschiehtgegen' die jüdische Volkssprache wen- Wirkung dieser Domihaiuz des jüdischen liehe Wahrheit festgestellt werden? daß die det imd die Utopie der Ersetzung des Palästina, vor allem des arbeitendien Erez poalezionistischo Praxis von der konkreten Jüdischen, durch das Hebräische als Israel auf die gesäniite raoiüstis^-«ozialisti- Aiifbauarbeit relativ distanziert war, daß Umgangssprache im Galut 'als realpolisehe Bewegunges ist seine soziale, ökonoman die Kolonisation' in nicht geringem ' tisches Kulturziel betrachtet. Demmische und politische Wirklichkeit, die der Maße der Kompetenz des Bürgertums gegenüber hat sich die Poale-Zion mit inneren Entwicklung der beiden Weltverunterstellte, daß man, wie os Ber Boro- Recht immer als Vorkämpferin der weitbände die Richtung zur endlichen Verchow formuliert hat, sich eher zur Konliehen Kultur in jüdischer Sprache getrolle, als zur Initiative beim Aufbau fühlt, am Ausbau des jüdischen Schul- Palästinas berufen fühlte. Diese Einstelwesens führend mitgewirkt und heroilung wurde während des Krieges und unsehe Kämpfe um die öffentlich-rechtlimittelbar nach seiner Beendigung noch dache Anerkennung der jüdischen Sprache durch verstärkt, daß sich auch innerhalb geführt. Poalezionisten haben mit blindes Poalezionismus ein kommunistischer distischen Genossen und den Repräsen- Flüg'el konstituiert hat, der in vulgärtanten der volkstreuen ostjüdischen Ineinigung gegeben hat. Leset und verbreitet: aDer Jüdische Arbeiter* Lachen is gesund« OpRtojrim Heißen lachen Unter dieser Devise wird sich Jehuda Ehrenkranz vor seiner Abreise nach Palästina von uns in einem großen SCeOLEM»ALE)CHEM.ABEND verabschieden Sonntag den 26. März, Va8 Uhr abends im Offenbach-Saal, im Hause der gastgewerblichen Arbeiterschaft,.!Vv Tiertlstraße (nächst d. Karlsplatz). Karten zum Preise von 1—5 Schilling in unserem Sekretariate, II., Blumauergasse 1 zu haben. — Mit Rücksicht auf die rege Nachfrage empfehlen wir, sich rechtzeitig Karten zu sichern. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Pinkas Kornblüß,'-StudQnt, Wien, IL, Blumauergasse 1. v Druck der Mähr. Druckerei A.-G, Polygrafia in ßrünn.