Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1933)
- Date
- 1933-03-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 ÖM *JÜMsölE AitMEl^ß A Jte iöaä A. D. Gordön \u seinem 11. Todestag) -"-^V , i 1 i v< \ « », v V *i, / / s " "V v . ,/v"\ ' i*1 :s?!i»v! "^'.ViV t; i >t " i .* <^ v v V<tf\ Das Leben lind . das geistige Werk Aharon Dä^rid Gordöns sind beseelt von Einfachheit, Unbedingtheit, von der absoluten Reinheit und Wahrheit, die sie auszeichnen. Es ist etwas Gewaltiges, Ergreifendes, das aus ihnen zu allen, die eine lebendige Seele haben, spricht. Aber es genügt nicht in stummer Verehrung das Haupt vor dieser großen Menschengestalt zu neigen, sondern es gilt Herz und Hirn den Gedanken Gordons, die aus dem tiefsten Erlebnis des eigenen Ichs .und der Umwelt herausgewachsen sind, zu öffnen. Wir glauben, daß es an der Zeit ist, seinen Ideen, die nicht nur der zionistischen Bewegung und der jüdischen Jugend, sondern allen Menschen etwas zu sagen haben, die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Doch nicht allein um Anerkennung, um ein Lippenbekenntnis handelt es sich. Nichts widerspricht dem Geiste Gordons mehr als das, Welcher Zionist, z. B., bekennt sich nicht zum Prinzip der jüdischen Arbeit, oder wer anerkennt nicht die Bedeutung der hebräischen Sprache für die Renaissance des jüdischen Volkes? Aber wieviele verwirklichen es in ihrem Leben? Worauf es eben ankommt, istj nach der Erkenntnis, nach der Überzeugung zu handeln und zu leben. Und das ist das Große, das uns Gordon , durch sein Leben lehrt. Aus der Fülle der Gedanken Gordons soll hier ganz kurz einiges Allgemeines, ' Grundlegendes mitgeteilt werden. Was will der Zionismus, was suchen wir in Erez-Israel? Diese Frage stellte Gordon immer wieder sich selbst und den Anderen und er gab darauf die einfache, einzig richtige Antwort: die Erneuerung des jüdischen Volkes und des jüdischen Menschen durch Verwurzelung im Heimatböden, durch ein Leben produktiver, schöpferischer Selbstarbeit und durch Verbindung mit der Natur. Die Wiederbelebung des Kollektivums und die des Individuums, stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander. Eines ist ohne das Andere unmöglich. Solange die Einzelnen ihr Leben von Schmutz und Niedrigkeit nicht gereinigt, sich nicht zu einem Leben der Wahrheit und Gerechtigkeit, kurz zur Hagschamah-azmith, zur Selbstverwirklichung in jeder Beziehung durchgerungen haben, wirdes kein gesundes, natürliches und gerechtes nationales Leben geben. Und umgekehrt: wenn die Nation, oder die kollektive Persönlichkeit — wie Gordon sie nennt — ihre Beziehung zu den anderen Nationen nicht natürlicher, menschlicher gestalte^, wird sich auch der Einzelmensch zu E. M. ß. F.? -Groschen-Fonds!" einer höheren Stufe des Lebens nicht emporschwingen können. Wie sollte das auch mögiich sein, solange noch der Massenmord, der Kfieg, nicht nur als erlaubt, sondern sogar als Notwendigkeit im Interesse des Gesamtwofiles des Volkes angeseheil urid die4 aktives eifrige Teilnahme an ihm als Auszeichnung für den Einzelnen betrachtet wird? Dies ungefähr ist der Sinn des Gordonschen Sätzes: „W6nn das Volk äls Gesamtheit riiclit Mensch ist, kann es sluch der Einzelne nicht sein/' Die Nation ist die natürliche, normale ^üsamöienfasSuhg der Individuen zur Gemeinschaft und sie ist das Bindeglied zwischen dem Einzelnen u. der Menschheit. Sie allein ist der Boden, auf dem der Mensch natürlich gedeiht und zu wahrem Menschentum emporwächst-_Es gibt keinen Sprung in die Menschheit, genau so wie in der Natur die einzelne Zelle nicht sprunghaft, sondern allmählich und stufenweise zu einem Organismus sich entwickelt. Das wahrhaft Nationale muß auch das sozial Gerechte in sich einschließen, denn sonst kann die Nation keine Dauer haben. Daher existiert für Gordön der Sozialismus als selbständiger Begriff nicht, weil eben die Nation für ihn der Inbegriff alles Schönen, Großen, Sozialen und Erhabenen ist. Das Hauptgewicht legt Gordon auf den Einzelnen, als den verantwortlichen Träger der Volksgemeinschaft. Auf seine Mitwirkung, auf seine Tat kommt es an. Wenn ich hier bin, ist alles hier?l sagt ein alter Ausspruch. Schließlich ist doch die Gesamtheit nichts anderes, als" die Summe aller Einzelnen. Viele der Gedanken Gordons sind Qemeingut der zionistischen Bewegung itii Allgemeinen und der zionistische Arbeitsbewegnng im Besonderen geworden, ohne daß man sich dessen bewußt ist. Aber die Gor doniah-Jugendbewegung hat sich Gordon als Lehrer und Weg-weiser auserkoren. Sie bemüht sich seine Lehre, wie er selbst es getan hat, in Leben zu verwandeln. Sie sammelt die jüdische Volksjugend, um sie zur chaluzischen Tat und zur Hagschamahazmith in Erez-Israel zu erziehen. Aharon. Schriftenreihe „Der neue Weg", nett 1 Soeben erschienen Den Locher: Was ist Poale Zionismus? Mit einem Vorwort Pr€l$ K€ 1*50 - Gute Ausstattung e Bestellungen gegen Voreinsendung des Betrages in Briefmarken bezw. Internationalen Postscheinen an Jttdlsch-sozlaldem.ilrbeMerpartel „POALE ZION". Brünn. KollSte 19 Samstag dm it. mm 8 Uhr aberids feierliche ERÖFFNUNG DES JÜDISCHEN VOLkSÜElMES, IL Blnmauergasse 1: An die Eröffnung schließt eine Pur iiti feie? mit darauffolgender Tanzunterhaltung an. Niedriger Eintrittspreis. Dienstag den 14. März um 8 Uhr abends im Jüdischen Volksheim, II. Blumauergasse 1, Große Karl Marx-Feier. Redner: Julius Braunthal und Mendel Singer. Anschließend Akademie. Kleiner Regiebeitrag. "Yflpm&cte Billige Gas-Keller. Dierechtsbürgerliche Presse in Deutschland macht Reklame für dien, gassicheren Kelle r, der für 60 Mark zu haben ist und schlägt vor, daß der Staat jeden Kellerbesitzer zwingt, diese 60 Mark zu zahlen, im Interesse der Volksgesundheit, der Industrieförderung und nicht zuletzt — des Inseratenteils, der von den die Keller gassichernden Firmen dann reichlich bedacht werden kann; Die Juden an der Verteurung der Schmalzpreise Schuld! Berlin, 19. Februar. (J. T. A.) „Der Angriff" versucht ' in seiner Ausgabe von Freitag Abend nachzuweisen, daß die Juden an dem niedrigen Kurs der Effekten und an der Verteuerung der Schmalzpreise die Schuld tragen. Würde ... man, schreibt „Angriff", die Liste der vereidigten Börsenmakler einsehen, so könnte man feststellen, daß bei gewissen jüdischen Banken seit dem 30. Januar planmäßig Mehrabgaben in Rentenwerten und auch in Aktien erfolgt sind. , In ähnlicher Weise, fährt „Angriff" fort, versucht man, die Bevölkerimg zum Hamstern von Schmalz anzuhalten, wodurch die Preise in die Höhe getrieben werden. Diese Erhöhungen werden dann so hingestellt, als ob sie auf die Maßnahmen der Regierung zurückzuführen seien. In Wirklichkeit beruhen sie auf der künstlich angeregten Hamsterung und auf der Mache jüdischer Händler, die diese Gelegenheit wieder einmal glauben zu ihrem Vorteil ausnützen zu können. X Jüdisch-iarabische Proletarierfront. In Nazareth fand vor einigen Wochen eine Versammlung arabischer Arbeiter statt, die den Beschluß faßte, in den ^Brith Poale Erez Israel" (Rahmenorganisation der jüdischen und arabischen Arbeiter) einzutreten. § 100 Semester def Kadifnah. Die akademische Verbmdurig Kadimah fti Wien, gegründet von Peres* Smolensky, Rüben Bierer, Kathan Birnbaum, M. T. Schfiierer tmd anderen, feiert in der ersten Aprilwoche ihr htündertsemöstfrges Stiftungsfest. Liga für das arbeitende Palästina. Donnerstag den 9. März 1933 um 9 Uhr abends findet im „Planetarium" am Praterstern eine Filmvorlführung statt. Zur Aufführung gelangt der Rene Ciaire Film „ES LEBE DIE FREIHEIT". Karten von —*70 Schilling in der Blumauerg. 1. Gegründet 1002 Lebensversicherungs- Gesellschaff Vfersicherungsbestand Ende 1931 . . . * Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1931 Garantiemittel Ende 1931 .... Auszahlungen an die Versicherten i.J.1931 S 2.746,000.000'— „ 182,000.000-— „ 472,000.000-— 42,500.000'— Tätigkeitsgebiet: Österreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien. Palästina, Syrien, Türkei, Tunis „und Ägypten- Soeben erschienen: Ber Borochow Soziaiismus und Zionismus Eine Synthese Ausgewählte Schriften, herausgegeben von Mendel Singer. Das grundlegende Werk vom jüdischen Sozialismus. Aus dem Inhalt: Die wirtschaftliche Entwicklung des jüdischen Volkes.—Die Klasseninteressen und die nationale Frage. — Die Grundlagen des Poalezioniqmus. — Umfang, Intensität und Erfolg des ökonomischen Kampfes der jüdischen Arbeiter. - Nationale Ohnmacht und nationale Selbsthilfe. — Wie kann der Verdrängung der jüdischen Arbeiter gesteuert werden? — Die Schwierigkeiten des Poalezionismus. — Die Moral des Klassenkampfes. — Zur sozialistischen Problematik. — Zur sozialen Revolution. — Dynamik und Zivilisation.— An der Wiege des sozialistischen Zionismus. — Erinnerungen an Ber Borochows Jugendzeit, von seinem Vater M. A. Borochow. — Borochow in der Geschichte unserer Bewegung, von S. Kaplansky. — Borochows Rückkehr nach Rußland, von Sch. Her. Der Band ist 400 Seiten stark, schön ausgeführt und mit Illustrationen versehen. Preis Schilling 9-50 — Kö 45'— in Ganzleinen excl. Porto. Zu beziehen durch: „Der Jüdische Arbeiter", Wien IL, Blumauergasse 1. „Der Neue Weg", Brünn, Koliäte 19. Poale Zion-Hifachdufh — Verband sozialistischer Juden Samstag den 4. März 1933 in Hübners Kursalon der Stadt Wien, I. Bez., Parkring 1, große Jazz: J. Geiger IE MIT TH Saaleröffnung 8 Uhr Karten im Vorverkauf S 2*50, an der Abendkassa S 3*-, bei allen Funktionaren und im Sekretariate, II., Blumauergasse 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Pinkas Kornblüh, Student, Wien, II., Blumauergasse 1, Druck der Mähr. Druckerei A.-G. Polygrafia in Brünn.