Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Universitätsbibliothek ffcien,!* Il,b»b« Orfion Her Vereinigen iionistisch-^^ in OsrerrelcH Redaktion und Administration: Wien II., Blumauergasse I — Postscheckkonto Nr. 17.878 Tschechosl. Redaktion: Brünn, Kpli§t$ Ij99 Tel. 35.398, Postscheckkonto Brünn Nr. 100.(45 Bezugspreis: ganzjährig S 12-—, halbjährig Einzelne Nummer 30 Groschen IQ, Jahrgang Wien, 27. iänner 1933 Nr. 4 S585 Die neue Äera pCr JfldcMtaß lD PCHSlOnCM Wie«, 22. Jänner 1933. r; Wir dürfen mit Sicherheit behaupten, daß m 'die wiener Kultüsgemeinde ein neuer .Geist eingezogen ist. Die ersten Sitzungen, die abgehalten, die ersten Mäßnahmen, die getroffen wurden, berechtigen diese Behauptung voll und ganz. Wer den widerlichen Verhandlungen, die. der Konstituierung des Kultusvprstandes vor 4 Jahren vorangegangen §ind, beigewohnt hat, wird tiefe Genugtuung darüber empfinden, daß diesmal, nach. der Niederlage der „Nichtnationalen", die Konstituierung so glatt vor sich ging. Es, kam hiebei deutlich zum Ausdrucke, daß sich die Zionisten entschlossen haben, es mit ihrer Verantwortung für das Schicksal der Gemeinde ernst zu machen. Allerdings haben Unsere sozialistischen Mandatare Ihnen eindeutig mitgeteilt, daß ihnen eine andere Einstellung unverständlich wäre. Die Rede des neugewählten Präsidenten war eine ehrliche und verantwortungsbewußte Stellungnahme, zu den Aufgaben der - Gemeinde jm . Sinno> desv natibriaibewußten, sozialen und demokratischen Programms. Präsident Dr. Friedmann sprach von der Notwendigkeit der Einführung des allgemeinen "Wahlrechtes, von der Dringlichkeit zeitgemäßer Kultur- und Erziehungsarbeit ■für. die Jugend, von der hohen Bedeutung des Palästinawerkes und nicht zu allerletzt von den gesteigerten Aufga- 1«$$ .ajuf d£m-$ej$ete. -,^er sozisgen -pjljfc: AwmMMt Ä''4fe W^ife Amtes für jüdische Arbeitsfragen ankündigte. Nach der Rede des PJääidßiv tjen erfolgte die- Einbringung '" eines Ifringlichkeitsantrages unserer Und der zionistischen Mandatare, betreffend die Ein|tihryng des' fillgeme^en, 'gl$c$$n und direkten Wahlrechtes und ein weiterer Antrag des Klubs unserer Genossen,, den sechzigsten Geburtstag Bialiks zu elyVerh In der Sitzung yom 16. Jänner gelangte der Dringlichkeitsantrag für das allgemeine Wahlrecht zur Annahme und wurde zwecks Durchführung der $tatutenkommissipn zugewiesen. Die Obmannstelle der Statutonkommissiqn besetzten wir mit Gen. Dr. Glanz, wodurch wir uns die Gewähr verschafften, daß dieser Antrag unverfälscht und zeitgerecht seiner Erledigung zugeführt W^en wird. Bei der Wahl der Kommissionen sicherten wir uns ausgiebigen Einfluß, auf die für uns wichtigsten Arbeitsgebiete. "Dr. Glivh? wurde in das Arertre,terfeoliegium, welches die wichtigste exekutive Punktion in der Gemeinde hat, gewählt. Wir erhielten Man- 4ate in allen Kommissionen, mit Ausnahme jener für Kultus,' weil che wir grundsätzlich nicht beschikk e n. In der Birsorgekommissipn haben wir zwei von U Mitgliedern, wobei m& noch zugesichert wurde, daß einer unserer Vertreter mit der Gründung und Leitung des Arbeitsamtes betraut werben wird,; Eine Tragikomödie spielte sich bef der' Abstirnniung ies Wahjrechtsantrages ab. Die „Union" blieb sich treu jmd gab eine schriftliche- Erklärung gegen das allgemeine Wahlrecht ab. Sie will also^ auch künftighin das Reaktionäre m der Kultüsgemeinde repräsentieren. Schwere antisemitische Aussciirellunaen in Czernowitz Czernowitz, 20. Januar. (J. T.. Ä.) Czernowitz mit seiner jüdischen Bevölkerung von mehr als 50.000 war am 19. Januar von morgens bis abend der. Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen Cuzastudenten, die die jüdische Bevölkerung terrorisieren wollten, und •jüdischen', ßtudenten, die sich den antisemitischen Angreifern entgegenstellten. Anlaß zu den Ausschreitungen der Cuzisten gab ein Prozeß gegen neun, junge Juden, die sich angeblich kommunistischer Propaganda schuldig machten. Unter den. Angeklagten befand, sich auch die junge Studentin Pqlia Vaschcautzianu, genannt Natascha,* die in der Untersuchungshaft grausamsten Polterungen ausgesetzt war. Schon kurz nach Beginn des Prozesses versuchten nationalistische . Studenten, Anhänger des Antisemitenführers Cuza, in Massen gewaltsam in den Gerichtssal einzudringen. Polizei, linterstützt von Gendarmerie, drängte die Studenten zurück., Als 'dann bekannt wurde, daß der Prozeß auf deii. .26. Januar,.yeTta^^ur,do^'l fp'rÄueften siah:' '<ütfer * autfsemitiscnen / Studenten zu einem Monstre-Zug, der* in die Richtung der Universität und des jüdischen Ifationalhauses zog. .Auf cjem Wege wurden jüdische Passanten überfallen und niedergeschlagen. Jüdisohe Studenten stellten sich zum Schutze $er abgegriffenen Juden den Angreifern entgegen, um sie an wetteren Terrorakten zu verhindern. Es tcam zu einem schweren Zusammenstoß zwischen cuzistiscl\en und jüdischen Studenten, wobei sich die beiden^ st^reitenden Parteien mit Ziegeistemen, und Holzstöcken bewarfen. Es gab auf beiden Seiten eine Anzahl Verletzte.. Öas jüdische Mitglied des Stadtrates . Dr. Ros,enzweig, der zwischen den Parteien zu vermitteln versuchte, wurde ebenfalls erbeblich verletzt.1. **""' Nach einer kurzen Ruhepause erneuerten sich die ^samm^nst^file, als die antisemitischen ^fiidenten vor den jjtedaktiotien „Vorwärts^ '(sozialistisch) ^nd „Czernowitzer Morgenblatt" (fortsqhrj^Gji) dfinjbnstii^r.leri u£d/ f$flejüm jüdischa Passanten hiederscnlugen. Auch hier leisteten jüdische Studenten und andere junge Juden energische Gegenwehr. JSs gajb au$ beiden Seiten Verletzte. Schwerverletzt wurden zwei Cuzastudenten und der jüdische Beamte Hasenfratz'. Erst spät am Abend trat Ruhe ein. Palastrevolution der Revisionisten Die Leitung ist zu wenig radlhal Jerusalem, 17. Januar. (J. T. A.) Der Parteirat der Zionisten-Revisionisten Palästinas,"der in Jerusalem im Beisein 7on Meer Grossman, Vizepräsidenten der Union der Zionisten-Revisionisten und Leiter des Londoner Büros der Exekutive der Union, getagt hat, nahm nach einer sehr bewegten Debatte eine Reihe Beschlüsse an, die deutlich zeigen, daß die palästinensischen Revisionisten in ihrer großen Mehrheit nicht hinter der Londoner revisionistischen Exekutive stehen, sondern den radikaleren Standpunkt Jabotin,skys , teilen. Der Parteirat sprach sich dahin aus, daß ein politisches Büro der Revisionisten in Palästina erst dann errichtet werden jBolley wenn Jabotinsky. nach Genf 'übersiedelt sein und die Kontrolle %4*4;r..Jü.e. g.e'.s<aiai e-, p.o ü t i£ c:h o.. A r b e i t der R e v i s i on i st[Sn übernommen haben wird. Ferner wurde beschlossen, daß nur solche Personen führende Positionen in der revisionistischen Bewegung einnehmen dürfen, die das Primat der revisionistischen Disziplin, wie es von Jafrotinsky gefordert w i r d, a n e r k e n n e h/ Der Parteirat, beschloß, jabotinsky in seiner Genfer Tätigkeit finanziell zu unterstützen. .. v . .«.».• .,, . . .. 'v Die Winschaifstfragödie der lüden in Polen . * . f - %, . .. ■;*«><*: .rt > .T-* Marschau, 23. Jänner (J. T. A.). Die vom Voi^ini^e^KomitVf'a^lc«, zipiiiatische^ Organisationen Polens "veirib&ruifenö ' Wirtschaftskonferenz hat' n. a. die folgende Entschließung; gefaßt:' . 'Seit -Diner Reihe vtyi Jahipn verschlimmert'"sich' 'die Wirtschaftslage der Juden in Polan progressiiv. Naben den allgemeinen Splitischen und wirtsoliajtliohen Ursachen hat je v"e r ri i 9 h te n de W1 rt sc h af t s? pplitik der Regierung und der sozialen Paktoren die Widerstandskraft der Juden gebrochen uind ihre Kräfte erschöpft. Die heutige Krisis stößt das gesamte polnische.* Judentum jn den Abgrund/Yölljgor Verarmung. Der jttdis,chen Jugend ist der Weg zu ßiltlung, Arbeit und. Erwerb, versperrt. Erbitterung u^d Verzweiflung bem^chtigp sich iiniupr mehr der breiteren Qcluchtqh cjes Rfthuschen Judeutum§; dies wir4 dazu '^u^nutzt, dje J#eu pcijit^cH WMWfflffWPW^PPPP Zu ihnen gehört auch der „SQzialdemokrat" 'Di*. 'Feldsberg, der sich in der Wahlbewegung nicht genug tun konnte, uns den Kommunismus vorzuwerfen. Ein Sozialdemokrat gegen das allgemeine Wahlrecht! Das darf man sich wohl nur noch im jüdischen Leben gestatten. Und die „Werktätigen"! Wir erfahren aus giltinformierter Quelle, daß sie entschlossen waren, unter formellen Ausreden dem Wabb'e.ehts.afltrage <üe Dringlichkeit gänzlich zu versagen, im letzteu Momente ahftr entschieden sie sich, nur gegen das IHuenwahlrecht zu stimmen. M\\ spzialdenipkratis,aher Bezirksrat spricht gegeii das Frauenwahlrecht im roten Wien! Tragikomödie, des jüdischen Lebeiis, ' Der sozialdemokratische Bezirksrat begnügte sich aber nicht mit dem Spre-* eben und Stimmen gp?en (Ins Frau^n- WaWreent.ii. W e^c^digtfi s^ n^h Yör der „Union^, die soeben ihren reaktionären Charakter nochmals bekundet haltte, daß seine Gruppe in der *^V"ahlreclitsfrsfge mit ihr niqht ganz -kpufiorni vorgehen könne, daß aber die -'„Werktätigen^ sonst mit der ,,Union" „durch dick und. dünn" gehen würden. " Wir sind uns •tfyer dje §Qliwierigkeiten unseres Kampfes in der Kult nsgemeinde vollkommen klär. Wir haben einerseits die Aufgabe, der verrä,teris.c.hen Taktik der „Werktätigen" die Spitze au' bieten und andererseits die größten Anstrengungen zu n^ache,n, um im Sinne unseres, frpgramms "djp Ge-, rneinde zu .demokratisieren und angesichts der furchtbaren^ Wirtschaftsnot die soziale Tätigkeit der Gemeinde auszugestalten. Da der Wille vorhanden ist, wird sich aiHi clor Weg finden. Gegründet 1882 Lebensversicherung^ Gesellschaft , Versicherungsbestand Ende 1931 .... S 2.746,000.000-— Prämien- und Zinsen- Einnahmen l. j: 1931 „ 182,000.000-— Garantiemittel Ende 1931 .... „ 472,000.000-— Auszahlungen an die;^if|ig^frteny.:j;92[l „ 42,§p0.p0ft*— TaUffltelfsgfeblei: Österreich, Deutsches Reich, T8Chechpslowäkische Republik. Belgien, Holland,; Prankreicli;" SpanleK/'ltalienJ Ungarn, Polen,' Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Ägypten. und sozial zu demoralisieren. Das polnische Judentum! müsse seine sciiöpferischen ~un"d ethischen. Ka'äfte ...yereinip:eii ^zum .: JCampf. g-e^-en ^eine l^öilitik," die ~ auf d i e . £>.c h-Jtil? t e r'n d e r ,j ü d i s c h e n B e v ü 1 Je e r u"ri g immer s c h'w e r e r e S t e u e r l a s t e ii -vyälzt, qhne daß aus den Steuerertragnissen ein irgendwie nennenswerter Betrag, für die sozialen Bedürfnisse der jüdischen B,evölke-: rung verwendot wird. Es muß eine Gese^tz-: gebung erkUmpft werden, die der jüdischen Wirfeschaftss'tritktur gerecht' wird.' Die' jÜiiT sehen Bemühungen' auf "dem Gebiete der öö-V zialen Selbstiiilfö' müssen durch entspre> chende materielle Hilfe seitens der Regierimg und der Stadtverwaltungen, ermutigt* werden*'.; SohQlow zum Legislative Council Jerusalem, 2$. Januar. In ej^enH Qesjpiä'ch mit ^em Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur führte Nahum Sav kolöw aus: Bs" ist falsch anzunehmen,' daß nur die Ju^en es sind, die sich de*iv Sich^fung einer Legislative Assembly. in -Palästina.' widersetzen; viele der maßgebenden Männer in London sind der Ansicht, daß man einen Legislative (Council in dieser Epoche nicht durchpeitschen, sondern eiin System s.chri11weiser EtnltjjWicklung hei gleichzeitiger Durchführung praktischer Reformen vorzieilien solle. Manche Leute denken, nur die Extremisten unter den Juden seien gegen den geplanten Legislative Council; diese Älenschen hegen vielleicht die Jh-Wartung, (laß gQwisse Elemente unter den Juden wie unter den Arabern sich auf der Plattform eines Legislative Council ewigen l^önutop. Eine, solche Annahm^ tet vo11 kpmmß« iVr\ä< . . *' Enailsche Regierung unterstützt jüdische Wunsche In der rraöe der Vlerziasf un^en-ürbeltSTvoche London, XI. JHfin^r (J. T. Ä.), * Joint Foreign Cqmm^ttjöe' wandtß ßic|i an de?i eiigli^chen Arheitsininistier mit dein .Ersuchen,' bei' d«r voni ^m^rnöjtionalen Arbmtß^t eihf ne,rufefien Kqn%eriz ' z,ur Beliänqhing ■ ,4er FxhgQ t|er Vißr?4gstuaiden-Arbeitsw6che dahih zu wirken, d?fß. für den Fall, daß die 40 A'rr beitsstunderi der Woche nicht aiif fiinf, sondern auf secjjs Tage verteil^, werden sollten;: dem, zu erwartenden diesbezüglichen interna tiarialea' Äbkpmmen ein© Klausel' an^efügjj werde, 'wonach'' es den jüdischen ' i\rbeiter{i froiges^eillt" werden eolle, an Sabbaihtagpa de,r Arbeit fernzubleiben und die' ah', diesenj Tage versäumten Arbeitsstunden in den an.^ derpn fünf Arbeitstagen der Woche nachzuholen". Die Antwort des Ariböitemmisteriums lautete dahin, daß der Vertreter' der englischen Regierung au£ der Konferenz die jüdifoho Ansicht vertreten wird.