Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1933)
- Date
- 1933-01-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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«;ir4w*»wMiott,Ä . fluik'' * D« »• Erscheint jeden Freitag Organ der Vereinigten zionistisch Sozialist Ischen Arneiterorganisafion Poale Zlonmtachdulh in Österreich Redaktion und Administration: Wien II., Blumauergasse I — Postscheckkonto Nr. 17.878 Tschechosl. Redaktion: Brünn, Koliätö 19, Tel. 35.398, Postscheckkonto Brünn Nr. 100.145 Bezugspreis: ganzjährig S 12-—, halbjährig S 6 — Einzelne Nummer 30 Groschen 10. Jahrgang Wien, 20. Jänner 1933 Nr. 3 ^cjüdi^^cu mnmmmmmmnmmmi § Ungarisches Judentum proletarisfert. Wie <ler Präsident der Budaipester Jüdischen,Gemeinde, Samuel Stern, in einer Repräsentanz- Sitzung berichtete,' hat die: Gemeinde 57.207 steuerzahlencie Mitglieder und 1,200.000 Pengö Stouereingänge. 5800 Mitglieder' wurden wegen gänzlicher Verarmung aus der Liste der Steuerzahler gestrichen. Der Steuernachlaß betrug 408.000 Pengö. \ ' ., i? Theodor Lessing jüdischer Sozialist. Theo, dor Les&ing (Hannover) .erklärte m einem öffentlichen Vortrag .in Berlin über das Thema, ..Woher kommt.-der- Antisemitismus*. daß er Mitglied . der , zionistiscJi-sozialistischen Vereinigung in Deutschland sei. , . § Kommunistischer Numerus Clausus. Wie sieh jetztfeststellen läßt, sind der General-- Reinigung in der kommunistichen -Partei, Rußlands hauptsachlich Juden zum Opfer gefaüen. Von den Ausgeschlossenen sind 15% * Juden,, und nur 4% Nichtjuden. Von den 2000.000 Mitgliedern der Partei > sind 75.000• Juden. § , Vor dem hebräischen Weltkongreß. In Wärschau fand eine große Kundgebung der HebräisteiT statt, die als Auftakt zu der in Po-, len vor sich gehenden Aktion für den bevorstehenden hebräischenv Weltkongreß gedacht war. Prof. Dr. SeMg. 'Brodeifefey sprach Uber die Bedeutung des von den- Brit „Iwrit. Olamit proklamierten - hebräischen Weltkongresses, der sichmit der Lösung der lebenswichtigen Fragen der hebräischen 'Kulturtätigkeit, befassen und nach, innen wie mach' außen die Kraft der das Volk zusammenhaltenden" hebräischen Sprache d^umehtiereoi Sioll. , — ...Tn Lettlands hat die Arbeit für den Brit Iwrit; Olamit und tden; hebräischen,. Weltkongreß einen neuen Aufschwung gekommen. Ein Komitee "bereitet einen Aufruf an dj'e Juden Lettlands znr Teilnahme an der hebräischen KulHirtewegung und dem ersten hebräischen Weltkongreß ^t>r. § Ritualmordlegende in Lettland. Im Verlauf einer vom Allgemeinen Angestellten-Ver-' hand im Hause des Jüdischen Klubs zu Riga abgehaltenen Silvesterveranstaltung wurde der Polizist Jan Riekstins. der an der Feier teilnahm, durch einen Revolverschuß getötet. Es wurde festgestellt, daß der Schuß unversehens losginsr, als ein jüdischer Teilnehmer der Feier, Abraham Neustadt, mit einem Revolver spielte. Die Zeitung .,Centra Balss". das offizielle Organ der Demokratischen Zentrumspartea, eine der verbreitetsten Zeitungen Rigas, berichtete über diesen Zwischenfall in einer Weise.' daß beim Leser der Eindruck erweckt werden konnte, es handle piioh um ein^n jüdischen Ritualmord. Die letflindische Regierung erließ eine offizielle Mitteilung, die eine Darstellung des Vorfall» am Silvesterabend enthält und zu der Schlußfolgerung kommt, daß dlie Erschießung Riekstins auf - einen tragischen Zufall zurückzuführen igt. Der Hauptsohriftloiter des Regierunssorsans „Centra Balss" erklärt, daß der Bericht mit der Ritualmordbeschuldttgun^ gegen die Juden ohne sein Wissen in der Zeitung erschien, und daß er diese Beschuldigung im Namen der Zeitung öffentlich zurückziehe. (In der Tschechoslowakei hat die Regierung in einem ähnlich „begründeten" Ritual-Fall keine Erklärung abgegeben. (Anm. d. Red.) § Jüdische Auswanderung . aus Saloniki. Senator Achille Oaleyras, früherer Generalgouverneur von Saloniki, führt in einer Artikelserie aus. durch die Niederlassung von 120.000 griechischen Flüchtlingen aus Kleinaaien in Saloniki sei die Stadlt so überfüllit, daß sie ihre Bevölkerung nicht mehr ernähren kann. Insbesondere mache sich eine Abwanderung der alteingesessenen Juden Salonikis bemerkbar. -Im Jahre 1932 haben 2000 Juden Saloniki verlassen und sich meist nach Palästina gewandt. Die . Auswanderung werde 1933 voraussichtlich noch größeren Ulmfang annehmen. Rune und Wohlstand In Palästina. — Sonderbesirebungen der Agudah finden helne Gegenliebe zu - haben und „die Sektenfragen derweil zurückzustellen". ' : Genf, 16. Januar (J. T. A.). Wie der Ita-Vertreter aus zuv.erläßiger Quelle^ erfährt^ sind die von der Mandatskommission des Völkerbundes in ihrer 22. Session gefaßten Konklusionen betreffend Palästina, die der nächsten Sitzung des Völke'rbundsrates unterbreitet werden sollen, kurz und vorsichtig formuliert'. In ihnen wird erklärt: Die Kommission nimmt Kenntnis von den Erklärungen der Mahdatarmacht hinsichtlich ihres Programms einer konstruktiven Politik in Palästina. Obwo hl dies'es Programm e i nig er maßen präzisiert ist, geht au s d e n E r k?l ärungen de r Mandat ar macht dennoch h e r v o r, daß si e die V o r b e reitungsp eriode noch nicht für beendet hält. Unter diesen Umständen hält es die Kommission für verfrüht, . schon heute ihre Meinung , über die Orientierung, die die Politik der Mandatarmacht nach der Krise von 1929 eingeschlagen und mit der sich die Kommission in ihrer Session i. J. 1930 beschäftigt hat, zum-Ausdruck e zu .bringen; Die-Mandatskommission stellt fest,, daß im Hinblick auf die von der Regierung zur Wahrung von Ruhe und Ordnung ergriffenen Maß-, nahmen und auf die außerordentlichr günstige Wirtschaftslage des Landes das Jahr 1931, für .Palästina eine Periode von Ruhe. und Wohlstand gewesen. Die Konklusionen tler Mandatskommission .^enthalten auch Bemerkungen, betreffend zwei spezielle Fragen: ,E i nsetzung; einer : Kommission durch die .Palästina-Regierung z\u m St u d i ü m de r F r a g e des Arbeit e r s c h u t z e s und. Feststellung eines Mindestalters für Heiratsfähigkeit. Die Mandatskommission hat sich alicru ausführlich mit der Petition der Agudas Jisroel um Anerkennung ihrer palästinensischen Gemeindeofganisatioii als souverän und außerhalb der Knesseth Jisrael stehend befaßt. Sie wies darauf hin, daß im Rahmen des Gesetzes betreffend Knesseth Jisrael der orthodoxen Richtung im Judentum die Möglichkeit gegeben ist, sich als eine autonome Gemeinde zu organisieren und betonte, die Regierung habe den Wunsch, es immer nur mit einer «inh e i 11 i c h e n. j ü d i s c h e n G e m e i nd e o r g a n i s a t i o n, die alle jüdischen Einwohner des Landes umfaßt, zu tun Waad leumi zahlt 102.000 Pfund Jerusalem, 16. Januar. (J.T.A.) Der Waad Leumi, der im November * 1932 Verwaltung und Kontrolle betreffend das Netz der hebräischen Schulen Palästinas von der Jewish Agency, der bisher diese Schulen unterstanden, übernommen hat, hat in seiner soeben abgehaltenen Sitzung das Budget für Sdnilen für das Jahr 1933 in Höhe von 102.000 Pfund angenommen. Hierin ist der Regierungszuschuss in Höhe von 20 000 Pfund eingescbloßen. Die Regierung Palästinas hat der Übertragung der Verwaltung des Netzes hebräischen Schulen von der Jewish Agency auf den Waad Leumi offiziell 4 zugestimmt und verfügt, daß der Regierungszuschuß für die hebräischen, Schulen in Höhe von 20.000 Pfimd jährlich nunmehr dem Ünterrichsausschuß des Waad Leumi übermittelt werde. W-^K y ' V ^fe»v /" '*'s«. .'■*>•; J David Lloyd George, der in diesen Tagen «einen. 70. Geburtstag feierte, ist der Führer jenes britischen Kabi-' netts gewesen, das, die Balfour-Deklafation.. gab und in der Konferenz von San Remo das Mandat über * Palästina - erhielt. Berühmt ist. seih -Ausspinicih ^zu Dr. Weizmanh : nach den Palästina-Sitzung der ■ Konferenz von San. Remo: „Wir haben Euch den .Start gegeben,, an Euch ist es numi, das Rennen tax machen." Silbersfrclf des Antisemitismus in franKreich Die .Ationlique" ist der Juden wegen untergegangen Paris, 15. Januar. (J.T.A.)*Die m Paris erscheinende jiddische Tageszei-, tung „Tog" befaßt sich im Leitartikel mit der Kampagne antisemitischer Zeitungen vom Schläge . „Action Francaise" .gegen den francösjschen Marineminister Leon Meyer, dem diese Zeitungen die Schuld an der Brandkatastrophe jdes Ri'esen-Luxusdampfers „Atiantique" zuschreiben und. dabei auf sein Judentum anspielen. Diese Blätter, schreibt ' „Tog", haben zwar schon führenden Politikern der Linken, wie etwa dem Führer der französischen Sozialisten Leon Blum, ihre jüdische Abstammung vorgeworfen, hie aber wa,gten' sie sich an hohe Regierungsbeamte heran, um ihnen wegen ihrer jüdischen Abstammung die Eignung zur Bekleidung ihrer Ämter abzusprechen. Die antisemitischen Zeitungen schrei' ben, es sei eine Gefahr für das Land, daß ein- Jude eine so hohe Position -einnimmt; sie fordern ferner, daß zwei Mitglieder der Kommission zur Untersuchung der Ursachen der „Atlantique"-Katastrophe; aus der Kommission zurückgezogen werden, weil sie Juden sind. Sie erzählen,, es hätten sich verdächtige Personen . auf der „Atiantique" während der Katastrophe aufgehalten, wofür der jüdische Marineminister und seine Glaubensgenossen verantwortlich wären. 400 ramtlien brcllos 400aii-, mit Danizig, 15. Januar. (J.T.A.) Mehr als im Territorium des Fre'staates Danzig sässige Handwerker-Familien aus Polen über 2000 Seelen, in der Mehrzahl Juden, sind dadurch' in eine verzweifelte Lage geraten, daß das Danziger Polizeipräsidium eine Be-' Stimmung getroffen hat, daß nur-, solche; Handwerker ein Recht haben, ihr Gewerbe auszuüben, die bis zum Jahre 1926 ihre» Handwerkerpatente bekommen haben. . Das Polizeipräsidium beruft sieh darauf, daß 1926 das Patentgesebz in Polen in Geltung gekommen;st und zieht nicht in Betracht, daß die betroffenen Handwerker erst nach dem Jahre 1926 sich in Danizig angesiedelt haben. Auf eine Eingabe der in ihrer Ex'stenz bedrohten 400 Handwerker befaßt sich das Donzüiger Verwaitungsgericht gegenwärtig mit . dem Fall. .§ Ein Jude, der viel miterlebte. In dem Städtchen Mord, bei Sjedlec .(Polen) verstarb im Alter von 107 Jahren der jüdische Bürger Jizohak Kaplan. Kaplan wußte noch Erlebnisse aus dem polnischen Aufstand i. J. 1831V den er aüis Kind! miterlebte, zu erzählen. § Judentum und Weltfriedensbewegung. Die Bukarester jüdische Wochenschrift „Rena&terea noastra" hat sich an eine Reihe führender Männer des europäischen > Geisteslebens mit dem Ersuchen gewandt, sich über die Rolle" des Judentums in der : Weltfriedensbewegung zu äußern. Die Rundfrage wurde u. a. von Max Brod, Graf Ooudenhove-KaJergi, dem Führer der Pan-Europa-Bewegung, von Prof. Simon Dubnow, Edmend FJeg, dein in Paris lebenden rumänischen Schriftsteller Fürst Greoiiano, Heinrich Mann, Andre Maurois^ Eugen Relgiß, Karl Anton Prinz Ronan, Felix Salten,- Freiherr von Schönaich, Bernard Shaw, dem berühmten Soziologen der Sorbonne Andrö Siegfried,, Henri Tones, Jakob Wasisermann und Stefan Zweig beantwortet. Zionistisch-sozialistische Arbeiterorganisation Poale Zlon^Hitachdiwth, Wien II., Blumauergiasse Nr. 1 ~ Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der Weltbewegung Poale Zion und zum Ahdenken an den verstorbenen Führer unserej Bewegung Ber Borochow veranstalten wir Sonntag, den 22. Jänner 1933, pUnktlich halb 8 Uhr abends im Festsaal der gastgewerblichen Arbeiterschaft, Wien IV,; Treitlstraße 3 (nächst dem Karlsplatz) eine FESTAKADEMIE 1 r Prof, Dr. Max Adler spricht Uber: Sinn der Sozialistischen Internationale — Dr» Sa«! Sokal spricht über: Unsere Weltbewegung und ihr Führer — Im künstlerischen Teil wirken mit: Chor des jüdischen Gesangvereines. Kapellmeister Israel Brandmann mit seinem Quartett. Jehu^ Karten zum Preise von S 1*50 bis § 5ssind im Sekretariate, II., Blümauergasse 1, und bei unseren Vertrauensmännern zu haben.