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Der Jüdische Arbeiter · 1932-11-07 · Heft 20 (7.11.1932) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 20 (7.11.1932)
Date
1932-11-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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9d& ff fta fBdfeefi* Arbeftcn Fünfzehn Jahre Sowjetrußland Sowjetrußlatnd begeht die Feier seines fünfiehnjährigen Bestandes in einem Zeitpunkte, ftt Wekhenf Sieh def Kapitalismus immer mehr und, mehr in innere Widersprüche ^verstrickt, und Not und Elend ins Unermeßliche steigert, die Planwirtschaft in Rußland aber, trotz erheblicher Schwierigkeiten, gigant: :!.:! Fortschritte aufweist. An dieser Tat* sache zerschellen alle Theorien und Phrasen der bürgerlichen Politiker und Soldschreiber über die schöpferische Kraft des Kapitalismus und den wirklichkeitsfremden Sozialismus. Das verleiht dem gewaltigen Aufbauplane in Rußland seine große Bedeutung für den Sozialismus des Weltproletariats. .Mögen wichtige grundsätzliche und taktische Differenzen uns von den Sowjetmenschen und den kommunistischen Parteien aller Länder trennen, der Aufbau Sowjetrußlands im Zeitpunkte des kapitalistischen Chaos in allen Ländern der Welt, zeugt für den schöpferischen, aufbauenden Oeist de« Sozialismus, der schöpferischen Tat des russischen Pro letariats. Klassenkampf In Palästina Revisionistische Streikbrecher an der Arbeit. — Gruß an das Arbeitende Palästina.? Was in den letzten Wochen in Jerusalem und Tel Aviv vor sich ging, ist Klasse nka mpf in seiner ,,mo' dernsten", für die soziale Entwicklung des letzten Jahr zehnte sehr charakteristischen Form. Klassenkampf, provoziert vom Kapitalismus und gestützt auf organisierte Banden fa schistischer Streikbrecher, die die Schändlichkeit ihres Handwerks mit dem verlogenen und billigen Pathos nationalisti scher Phraseologie zu verwischen suchen. Eine Gruppe jüdischer Bauunternehmer in Tel Aviv und der Biskurt-Fabrikant Frumin in Jerusalemhaben in öffentlichen 1 Proklamationen erklärt, sie werden künftighin keine Arbeiter beschäftigen, die der „Histadruth", der ge werkschaftlichen Repräsentanz der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, und dem „Hapoel Hamisrachi" angehören. Na türlich konnte die „Histadruth" auf eine derart freche Pro vokation nur eine einzige Antwort erteilen: Streik! Und nun traten die revisionistischen und „betarischen" (Brith Trumpeldor) Streikbrecher auf d«n Plan. Dieses Häuflein von revisionistischer Phraseologie irregeführter Arbeiter^ konn te es mit seinem nationalen und sozialen Oewissen ver einigen, unter Schutz arabischer und britischer Polizeiorgane Streikbrecherarbeit zu leisten. v Es ist nicht das erste und einzige Mal, daß sich der Revisionismus mit dem Kapitalismus gegen die vitalsten Interessen des arbeitenden Palästinas verbindet. So oft es •zu Arbeitskonflikten kommt, sind die revisionistischen und 'die betarischen' Arbeiter zur Stelle, um der organisierten jüdischen Arbeiterschaft in den Rücken zu fallen, was nicht bloß Hochverrat an der Arbeiterschaft, sondern auch Hoch- •verrat am Zionismus ist, am selben Zionismus, in dessen 'Namen sie diesen Hochverrat begehen. Denn eines ist heute -ßchori klar und unzweifelhaft: Nur die organisierte jüdische Arbeiterschaft - kann und wird den Zionismus verwirklichen ilind Palästina aufbauen. Die; jüdische Arbeiterschaft ist die •Trägerin des nationalen Aufbauwiilens und der. nationalen Aufbauaxbeit. -Der jüdische Mittelstand und das jüdische Privatkapital, als deren Beschützer sich die Revisionisten aufspielen, kommen nur dann nach Palästina, wenn der jüdische Arbeiter den, Weg für sie geebnet und das Land aufnahmsfähig gemacht hat. Derr jüdische Arbeiter ist im Gegensatz zum jüdischen Kapitalisten vom nationalen Verantwortungsgefühl tief durchdrungen, was die Krisenjahre deutlich bewiesen haben., In den Jahren 1927—1931 wollte das jüdische Privat- , kapital nichts von Palästina hpren, weil dort kein Profit zu erzielenwar, die organisierte Arbeiterschaft aber, hat trotz Arbeitslosigkeit und trotz Krise unablässig neue Arbeitereinwanderung gefordert . . . Wer also den traurigen Mut aufbringt, der organisierten jüdischen Arbeiterschaft in den Rücken zu fallen, um ihre Kraft zu schwächen, begeht Verrat am Zionismus, an der Zukunft der Nation. Der Revisionismus ist konsequent: bis nun war er bloß in seiner Auf f assu ng faschistisch und arbeiterfeindlich, jetzt versucht er dieselbe in die Tat umzusetzen; Auch der „Betar" ist konsequent. In Polen hat er sich in den Dienst der faschistischen Diktatur gestellt: in Polen wird den Betarim militärische Ausbildung von Seiten aktiver polnischer Offiziere, und mit Regierungswaffen zuteil; in Polen ist der Betar Mitglied der „Przygotowanie Woyskowe" —• einer faschistischen Wehrformation, die von der Regierung organisiert und unterhalten wird; in Polen steht der Betar im Dienste des Faschismus und in Palästina im Dienste des'Kapitalismus. Es ist ein gerader Weg, der gekennzeichnet ist durch den giftigsten Haß gegenüber der organisierten palästinensischen Arbeiterschaft und gegenüber all dem, was progressiven und sozialistischen Charakter trägt. Das schändliche Streikbrechertum der Revisionisten und Betarim hat in Palästina und in der Galuth die hellste Empörung ausgelöst. Die „Vereinigten amerikanischen Gewerkschaften" haben den Streikbrechern ihre Verachtung und den mutigen Streikenden ihre Sympathie ausgedrückt. In Polen haben alle zionistisch-sozialistischen Organisationen einen gemeinsamen flammenden Protest gegen die verbrechet rischen Handlungen der Revisionisten veröffentlicht. Auch wir senden unseren kämpfenden Brüdern an der palästinensi» sehen Front Grüße der Solidarität, Sympathie und höchste Anerkennung in ihrem schweren Kampf für den Sieg des Arbeitenden Palästina! s, D, Revisionistisch-KomtttüttiStischer Bund- Die gutinfofmierte Londoner „Jewish Chronicte" meldet "aus Sofia, daß die Ziönistische Organisation Bulgariens dreizehn Revisionisten, unter ihnen 2 bekannte Revisionisten» führer, aus ihren Reihen ausgeschlossen habe, da sie an« läßlich der Stadtratswahlen in Sofia die Liste der Kommunisten gegen die der Allgemeinen Zionisten unterstützt haben. ,J i \ i-i Verhaftung der Leitung der KP. in Palästina Die Polizei hob in Jerusalem die Zentrale der Kommunistischen Partei Palästinas aus, die auch in den Nachbarlandern Organisationen unterhielt. Hunderte von Dokumenten in hebräischer und arabischer Sprache wurden dabei entdeckt, darunter auch ein genaues Arbeitsprogramm für die Monate Oktober-November und genaue Belehrungen über die Wühlarbeit in den Arbeiterorganisationen und insbesondere in den Kibuzim des „Haschomer Hazair". Ist das noch sozialistisch? Der Verrait der „W. J." an dem Sozialismus, gegen den die sozialdemokratische Partei nichts einzuwenden hat, wenn sie auch für ihn die Verantwortung nicht übernehmen will, hat insbesondere unter den jüngeren Genossen die hellste Empörung hervorgerufen. Im folgenden kommt diese Empörung zum Ausdrucke. Entwas Ungeheuerliches ist geschehen, was die jüdische und die sozialistische Oeffentlichkeit noch gar nicht richtig erfaßt hat: Sozialdemokratische Juden, Funktionäre der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs, kandidieren gemeinsam mit den Vertretern des bourgeoisen, des liberalen Judentums auf einer Liste zu den Kultusgemeindewahlen. Die Liste nennt sich Nichtnationale Liste (Nicht: anti und erinnert verflucht leicht an die hohlen Namen antimarxistisch usw.) und wird von der „Union der deutschösterreichischen Juden" und der „Vereinigung werktätiger Juden" gebildet. Was sich da an Würdelosigkeit, an Mahdatsjägerei und sozialistischem Ungeist breitgemacht hat, ist doch etwas, was die sozialdemokratische Partei mehr angeht als sie es selbst glaubt. Man bedenke, Sozialisten, Sozialdemokraten vereinigen sich mit Kapitalisten, wenn auch innerhalb der jüdischen Religionsgesellschaft, wie das Organ der Partei die Kultusgemeinde bezeichnet, mit den Vertretern des jüdischen Bankkapiitals, die die sozialdemokratische Partei täglich m fulminanten Anklagereden im Parlament geißelt und bekämpft, auf einem Programm. Und mit den Vertretern .dieser Klasse vereinigen sich im gemeinsamen Kampfe dieselben werktätigen Juden, die, wie das Parteiorgan schreibt, „bei politischen Wahlen für die Sozialdemokratie Propaganda macht", damit die große, mächtige Partei im Parlament gegen alle Attacken, die gegen das allgemeine Wahlrecht von bürgerlicher und faschistischer Seite geritten werden, abwehrt und es unversehrt erhält. Aber solche Widersprüche zwischen sozialistischem Geiste und sozialistischem Handeln in der Kultusgemeinde gegen sozialistischem Geist und sozialistischem Tun im Parlament dürfen der großen sozialdemokratischen Partei nicht gleichgültig" sein. Sie darf es nicht dulden, daß Parteifunktionäre in einer Körperschaft, und mag sie eine Religionsgemeinschaft sein, auf die die. Partei keine Ingerenz nehmen will, Taten setzen, die unvereinbar sind, mit den Grundsätzen der Partei, unvereinbar sind mit dem Geiste des Soziallsmus. Wir dürfen nicht eher ruhen, bis wir diesem Pseudo- Sozialismus die Maske vom Gesichte gerissen haben, bis wir die gesamte Parteiöffentlichkeit von diesem schändlichen Verrat am Sozialismus informiert haben werden. Dehn es ist noch etwas anderes, mit einer bürgerlichen Gruppe in einer Körperschaft in eine Regierungskoalition einzugehen als sich mit Haut und Haaren dieser erzreaktionären bürgerlichen Gruppe zu verschreiben und mit ihr auf einem gemeinsamen Programm vor die Wähler zu treten. Die „Sozialistische Liste", von wahrhaftem sozialistischen Geiste beseelt, wird mit Leichtigkeit den Kampf gegen diese „Nicht"nationale Liste aufnehmen. Es wird ihr ein Leichtes sein, die jüdischen sozialistischen Massen aus ihrer Indifferenz gegenüber der Kultusgemeinde herauszureißen, um nicht zuzulassen, daß der Sozialismus so verraten werde. Wer wahrhaft für das allgemeine Wahlrecht, für die Demokratisierung der sozialen Fürsorge und der Verwaltung ist, der muß die „Sozialistische Liste" wählen, denn nur sie kann die Interessen der arbeitenden Bevölkerung wirksam vertreten und niemals das liberale Großjudentum. Die „Sozialistische Liste" ist die einzige, die ihren so* zialen Charakter und ihr soziales Programm rein und schlicht auf ihre Fahne geschrieben hat. Sie glaubt auch, daß Sozialisten immer und überall für die Unantastbarkeit der sozialistischen Idee im Interesse des internationalen Sozialismus eintreten müssen. Hinter dieser „Sozialistischen Liste" stehen neben de; „Vereinigung sozialistischer Juden" die Vereinigten Arbeiterparteien Poale Zion-Hitachduth, die bei politischen Kämpfen, nicht nur „für die Sozialdemokratie Propaganda gemacht", sondern die bei den politischen Kämp» fen, der sozialdemokratischen Partei ihren ganzen Organisationsapparat zur Verfügung gestellt hat und mit dem Einsatz aller ihrer nicht unbeträchtlichen Kräften mitgewirkt hat. Diese „Sozialistische Liste" kämpft aber auch für die Umwandlung der Kultusgemeinde aus einer Religionsgen , iu» schaft in eine echte Volksgemeinde, in der ein Geist der . sozialen Freiheit wehen soll, jeher Freiheit, die auf der ganzen Welt vom Sozialismus erkämpft wird. Darum auf zum Kampfe für unsere sozialdemokratisches „Freiheit"! ~ . W. S. Eine erfreuliche Mitteilung Der Band ausgewählter Schriften Ber Borochows iö deutscher Sprache, den Gen. # Mendel Singer redigiert, erscheint gegen Ende des Monats November. Dieser fast 400 Seiten .starke Band enthält das Wesenf*' liehe der Werke unseres großen Führers, wie auch eine biographische Skizze aus der Feder des Vaters unseres' verstorbenen Führers und Beiträge von J. Ben-Zwi, S. Kai*,' plansky und Sch. Her. Dieser Band, der unter dem Namen „Sozialismus und' Zionismus, eine Synthese" erscheint, kostet in Ganzleinen auf dem Wege der Subskription S 7. Subskriptionen werden noch bis 20. November ange* nommen. , . . / Im Buchhandel wird der Band S 8.50 koStenV 4 Bestellungen sind zu richten an:, „Der Jüdische Arbeiter", Wien, IL, Blumauergasse I, „Bund jüdischer Frontsoldaten4* Seit einigen" Monaten besteht in Wien ein „Bund! jüdischer Frontsoldaten", der lediglich dem Zwecke der Abwehr feindseliger Angriffe auf die jüdische Gen meinschaft dienen will. Der Bund will nicht Instru* ment irgendeiner Partei sein; und ist auch gegen! niemand gerichtet. Er will nur die Funktionen eines jüdischen Selbstschutzes erfüllen. Wie wir feststellen konnten, erfreut sich diesd junge Organisation einer allgemeinen Beliebtheit unter} allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Wiensjj Für unseren Kibuz in Rischon TZion Genossen und Genossinnen I Im Sinne des Beschlusses der OeneralversammW lung leitet die Partei eine Aktion für unseren Kibus* in Rischon l'Zion ein. 5 Dunam Boden müssen fürj unseren' Kibbuz gekauft werden, das heißt zirka 9Q| englische Pfund müssen aufgebracht werden! ' Genossen, in der nächsteh Zeit werden Organirö sationsmitglieder an euch herantreten. Gebet, wag] im euren Kräften steht, spendet reichlich. Es handelif sich um Existenz und Zukunft unserer jungen Oen] nossen in Erez Israel. ■ / Mendi Singer. Abraham Bloch1. Dr. Wu Scfrorr*) nHHBBB | Jonah Reissmann gestorben | Sonntag, den 30. Oktober trugen wir den wunder-r vollen Volksschauspieler Jonah Reissmannzu Grabe, Mit Jonah Reissmann schied aus unserer Mitte den" letzte Schauspieler des jüdischen Theaters in Wierup der wohl der älteren Generation angehörte; aber] so viel an echtem, natürlichem Talent besaß, daßl! er in jeder Rolle das Publikum fesselte und ergötztej Reissmann war ein Charakterdarsteller großen For-f rriats. Er kreierte unzählige Rollen und war in vielem/ vorbildlich für die jüdischen Schauspieler seiner Zdtf Jonah Reissmann, verdient, daß wir ihm ein ehren* des Andenken bewahren. Infolge der Fülle des Wahlmaterials mußte ein Teil der Aufsätze und der ständigen Rubriken filr die nächsten Nummern zurückbleiben.!.iiiiiUi.!!HMiiiii.VHiiiinm,:.riiimi.:!.tfitiii»i: .iffiiHi.!!(iffM!ii>l!.iiiiii]i.!!rtrmftir:!*rti!ii»t%: Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1931 Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1931 Oarantlemlttel Ende 1931 Auszahlungen an ■ d. Versicherten i. J. 1931 S 2.746,000.000'— , 182,000.000'— , 472,000.000'— „ 42,500.000'-~ Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutschet Reich, Tschechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Fraimrelch, Spanten. Italien, Ungarn. Polen Juz)<!avlen. Bulgarien, Griechenland, Rumänien. Palältina, Syrien, Türkei, funls und AeRynt»- l'W^MIHIII^^^ '''^'IMIIM uuwuiifjuli &mmh:w*&h ntmwte mt vmmmm mmw? vm* mmh'wm*

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