Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 19 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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D* JODISCHE ARBEITER Organ der Vereinigten zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitachduth in Österreich Erscheint jeden zweiten Freitag ' ' Redaktion.und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 19. Wien, 21. Oktöber 1932. Rosa-gelb-schwarze Mandatenversicherungsgesßllschaf t Schmählicher Verrat der „Werktätigen". \ Seit einigen Wochen kursierten in Wien harti näckig Gerüchte über Verhandlungen zwischen der „Union" und den „Werktätigen Juden" bezüglich]' einer gerrTeinsamen Liste zu den bevorstehenden Kul-. tuswahlen. Wir wußten genauer als andere, daß: 'den „Werktätigen" das Sichern von Mandaten für alle, ihre Prätendenten wichtiger ist als ihr Programm, als ihre sogenannte sozialistische Ueberzeugung, und ihre Verpflichtung, die jüdische Gemeinde im demokrati-: sehen und sozialen Geiste auszugestalten, aber wir konnten nicht annehmen, daß: sie sich' nicht scheuem werden, einen Wahlpakt mit den Vertretern der jüdischen Plutokratie und der schwärzestem intolerantesten Orthodoxie zu schließen'. Wir dachten< daß) sie zumindest auf die Gesinnung und die Gefühle ihren Anhänger Rücksicht nehmen werden, wenn auch' die „Führer" der „Werktätigen" solche Hemmungen' nicht kennen sollten. " - Nun "steht es 'heute einwandfrei fest, daß( das Unglaubliche doch' geschehen ist: die .rosaL jWerktätigjen'-' haben e\nen Pakt über -eine gemein-/ same' Wahlliste ' mit 'den gelben,' (zum: Teile äuclij schwarzgelben) jüdischen' Plutokraten der „Union",,' welcher auch die schwarzen Vertreter der reaktionären-, •orthodoxen „Agudah" angehören, abgeschlossen. Die Einzelheiten dieses Paktes sind noch nicht genau« Genossen, Genossinnen und Freunde! Wir stehen vor einem . schweren . Wahlkampfe, Die jüdische Bevölkerung ist durch die wirtschaftliche Notlage furchtbar niedergeschlagen, es besteht die. Gefahr, daß sie deshalb den Kultuswahlen das nötige Interesse nicht entgegenbringen .wird. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, um die j ü d i's.che B evö lkeru ng au f z u r ü 11e 1 n, um sie von der großen Bedeutung des Kämpfest um die Macht in der Kultusgveniein.de zu überzeugen.. Wir werden einen Aufklärungskampf zu führen haben für unser Programm, und gegen die jüdische? Plutokratie. Dieser Kam pf erfordert den Aufwand aller vorhandenen Energien; die Mobilisierung aller Kräfte und die Sicherung eines großen Wah'lfonds. Wir wenden uns deshalb' an; euch1 mit der Aufforderung: Stellet euch in den' nächsten Wochen zur Verfügung für Wahl Werbearbeit! Spendet und sammelt unaufhörlich1 für unseren Wahlfonds! ' Wir wissen, welchen schweren Existenzkampf jeder heutzutage führen muß, wir erwarten aber, daß ihr imstande seid, die Bedeutung dieses Wahlkampfes zu würdigen und daher keine Opfer scheuen werdet. Wir. sind auf uns -allein angewiesen, deshalb heißt es: Jeder tue mit! Jeder spende nach Maßgabe seiner L eis tu ngs kraft! Für das Präsidium der Zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitachduth: Mendel Singer, Dr. Ad. Bernay, Saul Weinreb. An unsere Abonnenten. Wir ersuchen die Abonnenten, ' ihre rückständigen Abonnementsgebühren zu begleichen, um diel Ausgestaltung unseres Blattes fortsetzen zu können.', Die Administration. bekannt, sie können ja auch nicht von Bedeutung sein. Entscheidend ist, daß bei der ersten- Gelegenheit, die reaktionär-plutokratische Mehrheit der jüdischen Gemeinde zu Falle zti bringen, die „Werktätigen" Verrat ■ an ihrer eigenen Sache üben und den ärgsten Feinden der Demokratie im jüdischen Leben Schützendienste leisten. Es ist vollkommen gleichgültig, welche Zugeständnisse und Zusicherungen die arg bedrängte „Union" den „Werktätigen" gemacht hat. Es mag sein, daß hüben; wie drüben Gesinnungslosigkeit den Ausschlag gab. Wichtig ist nur, wie die arbeitende jüdische Bevölkerung, die sozialistischen Juden über diesen unerhörten Verrat denken. Wir können und wollen daran picht glauben, daß unsere jüdischen Wähler noch nicht reif genug sind, •um: den „Werktätigen" zu beweisen, daß; für gesinnungslose Mandatsjäger in der jüdischen Gemeinde kein Platz ist. Wir sind überzeugt, daß der schmähliche Verrat der „Werktätigen"; von allen gesinnungstreuen Juden gebührend beantwortet werden wird. ,.- Die rosa-gelb-schwarze Man datenversicherungs-. gesellschäft wirdsich überzeugen, daßi die jüdischen Wähler auf Verrat und Gesinnungslosigkeit'"'entsprechend zu reagieren weiß. Wahltag ist Zahltag! Verbrecherische Provokationen Aus-Palästina berichtet man uns: ■■ , ■■ In'Tel-Aviv haben einige Unternehmer beschlossen, freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter nicht zu' beschäftigen. In diese. Fabriken sind nun Mitglieder 'der 'Revisionisten eingetreten, die -unter dem Schutze der Polizei arbeiten. Auch in der Fabrik Frumin, wo .gestreikt wird, sind Revisioiniistiqn als? Streikbrecher aufgenommen worden, die unter dem Schutze der Polizei arbeiten. Aus diesem Grunde ist es in den letzten Tagen zu Zusammenstößen zwischen den Arbeitern und den Revisionisten gekommen, in welchen die Polizei eingriff und einige Beteiligte verhaftete. . Unter der jüdischen Arbeiterschaft herrscht große Aufregung, Aehnliche Zusammenstöße kamen in Jerusalem und Haifa vor, wo es auch1 zahlreiche Schwerverletzte gab. Diese Nachrichten werden nicht * verfehlen, in weiten Kreisen verantwortlicher Zionisten die größte Empörung hervorzurufen. Die jüdische Arbeiterschaft und ihre Organisation in Palästina haben sich: als der wichtigste Grundpfeiler des Palästinawerkes erwiesen. In Zeiten wirtschaftlichen Aufstiegs, .wie in solchen vorübergehender Stagnation, in der Verteidigung der errungenen Positionen gegen Peinde von außen, wie im Schaffen neuer Bollwerke für das! jüdische Palästina. In Erfüllung dieser ungeheuer schwierigen und verantwortlichen Aufgabe hat die organisierte jüdische Arbeiterschaft verbrecherischiei Provokationen und Artgriffe der jüdischen Agenten Moskaus abzuwehren, die vor keinem Mittel scheuen, um die „HistadruthV, den Grundpfeiler des arbeitenden'Palästina zu erschüttern. In dieser auf die Vernichtung des Palästinawerkes abzielende Tätigkeit erhalten 'die jüdischen Kommunisten Schützenhilfe von den Revisionisten, den Vertretern des .„reinen Zionismus". Seit einem Jahre windet sich der Revisionismus in völliger Ratlosigkeit, die eine Folge seiner unfruchtbaren und unverantwortlichen negativen Politik ist. Der innere Streit zerfrißt die revisioniistische Bewegung, jene Teile und führenden Menschen, die noch1 einen Rest von Verantwortungsgefühl für das Palästinawerk und die zionistische Weltorganisation be- 9. Jahrgang. 4500 Zertifikate Für das Halbjahr Oktober 1932 bis März 1933 hat die Zionistische Exekutive um die" Bewilligung von 6750 Einreisezertifikate für Palästina angesucht. , Diese Zahl wurde auf Grund der voraussichtlichen! Arbeitsmöglichkeiten in diesem Zeitabschnitte ermittelt. Die Palästina-Regierung-, hat aber nur 4500 Zertifikate bewilligt. Das ist gewiß bedauerlich, da sich) unsere Körperschaften, die. den Bedarf an Arbeitskräften ermitteln, der' Verantwortung, die sie hiebei' übernehmen, voll bewußt sind, und "ihren Vorschlag gewissenhaft prüfen. Es ist also bedauerlich, daß, die von der Exekutive verlangte Zahl von Zertifikaten! reduziert wurde, und dadurch Tausende von Juden1, die in Ost und West' auf eine Einreiseinöglichken] nach Palästina warten, ihre durch trostlose wirtschaftliche 'Not besonders erschwerte Wartezeit werden* verlängern müssen. . ■ Es soll aber hervorgehoben und anerkannt werden, daß 4500 Zertifikate die Höchstzahl aller büsi jetzt für die. Dauer eines Halbjahres gewährten: Einreisebewilliglungen darstellt. Wenn man bedenkt, daßj im ■ vorigen- Jahre für denselben Zeitabschnitt nun 300 Zertifikate bewilligt wurden, wird man gewahr, , wie günstig sich die Lage'im Palästina gestaltet. Diese günstige Wendung in. Palästina ist Vornehmlich auf die ununterbrochenen erfolgreichen: •B.ejtnüi-1'ungen um die Kräftigung .der ^Wirtschaft des; Landes, 'an welcher auch die. verschiedentlichen ünsi" feindlichen Berichte■ ..zuschänden werden. Gewiß, die! geschickte Führung des politischen' Departements.den Zionistischen Exekutive durch' ...Genossen Arlosorow,,, und das Verständnis, ' welches djar Oberkoinmissari dem Palästinaaufbaue entgegenbringt, erleichtern die! Auswertung der günstigen wirtschaftlichen. Lage, ab'en am Anfang stand immer und steht auch' jetzt — die! Aufbauarbeit. ' ■ Wir gehören nicht zu den ,,leichten Zionisten",. wir dürfen uns. deshalb mit diesleim Erfolg! nicht zufrieden geben. Wir müssen uns vielmehr dessierv bewüßt sein, daß 'dieser Fortschritt uns neue Verpflichtungen auferlegt. Wachsende Einwanderungsn möglichkeiten bedingen Steigerung der Kolonisationsifonds, Intensivierung; der Hachscharah', Ausbau .'des1 „Hechaluz". , ■ Palästina wird immer mehr 'und mehr aufnafomsfähig für hunderttausende unserer Brüder, die Arbeit und ein Heim suchen. Die Lösung der.Judenfraget durch den Zionismus rückt näher .heran. Das rnüßttei uns die Verpflichtung auferlegen, u n s e r e z i on in s t i sc h e Tat zu vervielfachen. Die Zahl von[ 4500 Zertifikaten darf nicht einen Gipfel, sondern nur eine kleine Etappe auf dem Wege unseres grandiosen Aufbauwerkes bilden. « Am Anfang unseres Werkes stand immer und steht auch heute die Tat. Vereinigte zion.-sozial. Arbeiterorganisation ■_. Poale Zion:—Hitachduth. Dienstag, den 25, Oktober 1932, findet im unserem Heime, IL, Blumauergasse 1, pünktlich um 8 Uhr abends, eine Mitglieder-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: , "1. Was haben unsere Vertreter, in der ■ Kultus-, gemeinde geleistet? Referent: Gen. Mendel Singer. 2. Sinn und Inhalt des Kampfes um die Macht! in der Jüdischen Gemeinde. Referent: Gen. Dr. Rudolf Glanz. V Die Organisationsleitiung. . sitzen, kehren den Revisionisten den Rücken. In ihrer Ohnmacht irgend eine fruchtbare Tat in undfür Palästina zu setzen, stürzen sie sich mit Vehemenz}- auf die Störung der Aufbau-Abwehrarbeit der■■ jüdischen Arbeiterschaft. 1 Wenn es noch ein zionistisches Gewissen gibt, müßte es sich jetzt aufraffen} um' d g egen d i e s e;u n ve r a n t wo r 11 i e h en P r o-- vokationen eindeutig und e/iergiseh' Stellung nehmen.