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Der Jüdische Arbeiter · 1932-10-07 · Heft 18 (7.10.1932) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 18 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite:;* Der jfldfedre: tebdtet teuer Ast — verhaßter Klassenkampf. So ist auch das Techsaknah-Lied von Bialik zu einem Klassenkampflied ge* stempelt worden, da es Chaluzhn, ■ Arbeiter und arbeiterfrcundliche Ziönisteh auf dem deutschen Zionistentag gesungen haben. Die Kenntnis des Textes und des Autors eines der populärsten hebräischen Lieder gehört nicht zu den Obliegenheiten unserer „Hundertprozentigen". Wir aiber reihen das Techsaknah-Ued und seinen Autor gerne in die jüdische Arbeiterklasse ein. Uns bleiben beide lieb und wertvoll Aus aller Welt (Kurzberichte aus dem jüdischen Leben) Ueberfall auf jüdische Abgeordnete In der rumänischen Kammer. In der Sitzung des rumänischen Parlaments am 26. September griffen die antisemitischen Abgeordneten Robu und Adam die jüdischen Abgeordneten Dr. Ebner und Dr. Landau tätlich an. Der attackierte Dr. Landau verprügelte seinen Oegner Adam tüchtig. Der Präsident der Kammer sprach sein Bedauern über diese unwürdigen Vorfälle aus und veranlaßte den sofortigen Zusammentritt der Disziplinarkommission. Diese beschloß nach kurzer Beratung dem Plenum den Ausschluß von Robu und Adam für zehn Sitzungstage vorzuschlagen. Die Zalil der Juden in Marokko. Nach der offiziellen französischen Statistik leben in Marokko fast 150.000 Juden, u. zw. 107.613 Seelen, die im französischen. Marokko gebürtig sind, 5—6000 Ausländer und mehr als 20.000 Juden leben in der neutralen Zone Tanglr und Marokko. Die größten jüdischen Siedlungspunktc sind: Casablanca (20.000), Eis (11.500), Miens (7445), Mugador (5468) und Rabarth» (4218). Der ewige Wanderstab. Sechzig jüdische Familien haben in den letzten Tagen infolge der Wirtschaftskrise Kuba verlassen. Die Einwanderung nach Kuba hat völlig aufgehört. Die1 ^meisten Auswanderer begeben sich nach Panama, wo die wirtschaftliche Lage , der Juden günstiger sein, soll. In Panama leben zurzeit 2500 Juden, die fast alle in der Textiii- und Schuhindustrie beschäftigt sind. Russische Bauern stecken eine jüdische Siedlung in Brand. Der „Oktober" (Mimsk) berichtet, daß die landwirtschaftliche kollektive jüdische Siedlung „Freie Arbeit" in der Nähe von Hemel, durch benachbarte russische Bauern in Brand gesteckt wurde. Der Brand verursachte großen Schaden. Sechzig verdächtige Bauern wurden verhaftet. - Organisatorischer Verfall des „Bund" in Amerika. : . Der „Wecker", das- Organ der Bundisten in; dien Vereinigten Staate©., wandte sieh! in:, einem Aufruf ah seine Anhänger inuiiUntei^tützung,>da er. sonst sgezwungen' wäre;' 6'ein Erscheinen einzustellen. Bei dieser (felegehheit stellte e& aiohf heraus, daß nicht, nurdas Organ, sondern; die gesamte Leitung des Verbandes am Ende ihres Lateins angelangt ist. Wehmütig wird'in einem offiziellen Artikel festgestellt, daß zur Zeit, als der Sozialismus in Amerika im. Erstarkenbegriffen ist,. in den- Beihten des „Bund" Gleichgültigkeit und Nachlasisigkeit herrschen'. Die jüdischen Schulen in Biro-Bidjaii vor der Sperre. Im Moslcauer „Eines-" vom 15. September1 wird', berichtet, daß die jüdischen Schulen in Biro-Bidjau vor. der, Spen-e stehen. Es sind weder- Schlügebaude, noch Lehrer, noch Lehrbücher vorhanden. Vor einem Jahre1 noch be->' schloß man den Bau eines Schulgebäudes für 350 Schüler, es' ist aber nichts gemacht , worden. Das .Lehrerseminar in, Weißrußland vers'prach Lehrer zu schicken, bis jetzt kam aber kein einziger. Die Zeitung warnt vor der Gefahr der Zerstörung des Erziehungswesens in Biro-Bidjau. Vortrag fiber die Juden in Rußland Dr. Peller verteidigt die Verfolgung unserer Genossen und der hebräischen Sprache. In einem Vortragsabend der „Geserd'' in Wien spraclij Montag, dem 3. Oktober Dr. Ph. Sternberg, der einst m den Reihen unserer Bewegung stand, üben die Juden int Rußland. Der Referent wußte nichts als Eindrücke eines! Reisenden wiedei-zugeben. Was er über, die, Juden sagte — die Bedeutung des Kampfes der Sowjetmacht gegen den Antisemitismus, der Uebergang der Juden zur Fabriksarbeit, der Stand der jüdischen Siedlungen — .wa? nicht neu. Interessant ist bloß, daß der Referent die Existenz des Judentums in. Rußland sehr skeptisch beurteilt, er glaubt, daß esi dem Untergange geweiht sei. Der Referent bemühte sich, die Lage der Juden in Rußland objektiv zu beleuchten. Weniger objektiv ist der Leiter der ,,Geserd'1 Dr. Pellar. Er macht sich lächezlieh, wenn en den Kampf der jüdi-» sehen Kommunisten gegen Hebräisch damit begründen will, daß es die Sprache ist, in welcher das Haupt den Sowjetfeinde unter den Juden, Bialik, dichtet, und daher bildet Hebräisch eine Brücke zur Reaktion. Bialik hat das große Verbrechen" begangen, die jüdische Oeffentlichkeit auf die Dollarinquisition der Juden in Rußland aufmerksam; zu machen. Es diene Herrn Dr. Peiler zur Kenntnis, daß namhafte Arbeiterführer und sozialistische Schriftsteller in Amerika, die sowjetfreundlich sind, ebenfalls gegen! diese Schandtat protestiert haben. Bialik befindet sich also in guter Gesellschaft. Nicht weniger lächerlich ist die Begründung der Verfolgung des ,,Chaluz" und unserer Genossen in Rußland damit, da der Zionismus mit dem englischen Imperialismus. korrJoriert. Vielleicht könnte uns Dr. Peiler angeben, mit welchem der imperialistischen Staaten Sowjeorußland nicht korporieren möchte? Da man nicht allein in der Welt ist, muß man den realen Machtverhältnisisen Rechnung tragen'. Herr Dr. Peller weiß aber ganz genau, daß weder der" "Zionismus (Jabotinsky ist nicht mit der' Zionis(tische'n| Weltbewegung identisch), noch weniger die Chaluzhn und die Zionisten-S'&zialisten in Rußland die Stärkung des britischen Imperialismus verfolgen. Mögen essich die Herren vom ,,Geserd" merken: unsere in Rußland zu Tode ge-< marterten Genossen sind keine Feinde der Sowjetmacht, mani kann auch' keinem der Verurteilten, Verfolgten nachweisen, daß sie irgend etwas gegen die Macht unternommen hätten, sie werden nur wegen ihrer zionistischen Gesinnung in den Tod getrieben. Die Sowjetherrscher, die in der Frage der Bekämpfung des Antisemitismus und der Normalisierung der Wirt-, Schaftsstruktur der Juden Vorbildlichesgeleistet haben, laden durch die Verfolgung unserer Genossen eine Blutschuld auf sich, von welcher sie auch die .,Geserd" nicht reinwaschen wird. Im übrigen hat auch diese Versammlung der „Geserd" die Richtigkeit unserer- Einstellung bewiesen: die Beteuerung des Referenten, daß er Sozialdemokrat ist, nützt nicht, der Zweck ist: Propaganda für die Kommunisteny der Vortrag über die Juden war nur eine Staffage, wichtiger war die dann vom Stapel gelassene Propagandarede des Dr. Schönhof für den Kommunismus. . Die „Geserd" ist eine kommuni s tischliej Zelle und Sozialdemokraten d ü r f e n i liv. ni c ht angehören. Aus Palästina Die Pläne um den arabischen Staatenbund. Der „Falesttn" will wissen, daß der Zweck der Reise Feisals nach. Transjordanien u. a. die Gründung eines arabischen Staatenbundes ist, der einschließen soll: Irak, Chagas, Transjordanien (wenn möglich auch Jemen) und Syrien, welches aber vorher iri'feine Monarchie umgewandelt werden soll. Frankreich lehnt aber die Möglichkeit der Herstellung einer Monarchie ,in Syrien kategorisch ab. Unzufriedenheit mit 'der Arabischen Exekutive. In weiten Kreisen der Araber Palästinas herrscht eine große Unzufriedenheit über die Untätigkeit der Arabischen Exekutive auf poliiitischiem 'Gebiete. Die Unzufriedenheit kommt in der arabischen Presse stark zum Ausdrucke. Für eine Zollunion mit England. Vertreter der jüdischen Organisationen Palästinas hielten in Jerusalem eine "Versammlung ab und beschlossen,, eine Liga für Schaffung'einer ZoUuniom'zwisfchein Palästina und England zu gründen;«Dem Organi^taonjsfkömitee gehören an: Dr. Chajim Arlosoroff, Leiter dös1 politischen Departements der Exekutiye; der; Jewish!. Agancy in Palästina, je ein Vertreter, des ,Waad. Leurnh de$ Kolonisten-, und des jndu&trielh^^ Der „Keren Kajemeth" hat Recht behalten. In zwei Prozessen, die benachbarte' Araber gegen den Keren. Kajemeth bezüglich erworbenen'Bodens in Wädi Hawaritli angestrengt hatten, hat der Keren Kajemeth obsiegt. Neue jüdische Pardessim* Im Laufe der^ Sommersaision dieses' Jahres wurden! durch Juden nahezu" 10.000 Dunam neue Pardessim gepflanzt. Insgesamtwird die Fläche: der durch Juden im Laufe dieses Pflanzungsjahres neu angelegten Pardessim auf etwa 301000 Dunam" geschätzt. Einwanderung im August1 1932. Im Monat 'August wurden 727 neue .Immigranten registriert, außer 199 Personen, die als 'Touristen ins Land gekommen waren und im' August die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt im Lande erhielten. Von diesen insgesamt 926 Personen waren 795-* Juden, 115, Christen und 16 Mohammedaner. Unter den registrierten. Touristen waren 149 Juden und 42 Christen. Von den eingewanderten Juden (inkl. Touristen) waren 315 Männer, 272 Trauen, 127 Knaben und 81 Mädchen» unter 16 Jahren. Frecher Ueberfall auf der Straße nach Chaifa. Dienstag, den 21. September überfielen vier bewaffnete Araber ein voll besetztes Auto und verletzten zwei Arbeiten Dieser Ueberfall zeigt alle Merkmale detsi amerikanischen! Banditentums. Unter, den Juden herrscht eine große Erregung. Die Polizei leitete sofort Nachforschungen ein., Genosse Arlossorow sprach beim Referenten Hauptmann} Reiß vor, um ihn auf die Dringlichkeit der Herstellung der Sicherheit aufmerksam zu machen. , Die Arbeiterbank zahlt Dividende. In diesen Tagen fand die Jahresversammlung den Aktionäre der Bank Hapoalim (Arbeiterbauk) in Te'l-Avivt statt. Nach Uebergabe 'des Rechenschaftsberichtes: von selten der Leitung wurde die Jahresbilanz für 1931 bestätigt.! Bezüglich der Gewinnverteilung wurde beschlossen: 1. Den Gewinn von 1930 in1 Höhe von. 3598 Pfujt)(I zur Deckung zweifelhafter und verlorener Außenstände au beuützen; 2. den Gewinn von 1931 im Betrage von 4763 Pf und! in folgender Weise aufzuteilen: 500 Pfund den Inhabern) von eisten Aktien laut Vereinbarung auszuzahlen; 1259t Pfund Zahlung einer Dividende an die Inhaber der. reguläraal Aktien von 3 Prozent geg3ii Kupon Nr. 2; 1500 Pfund an den Reservefonds der Bank; 1503 Pfund werden aLs Gewinn auf das Jahr 1932 übertragen, worden. Die bürgerliche Mehrheit der Stadtverwaltung von tel-Aviv gegen die jüdische Nationalversammlung. Tel-Aviv als jüdische Stadt gehört der „Kneseth Jisrael" (Jüdische Nationalversammlung) .an. Die Mehrheit!, der Stadtverwaltung, die aus Bürgerlichen besteht, ist mit dem demokratischen Geist der „Kneseth" nicht einverstanden, sie hat deshalb beschlossen, sich von ihr loszulösen.! Uim das 2U erreichen, muß zumindest, der dritte r£ei\ der Einwohner diesen Antrag unterstützen. Die Arbeiterschaft hat unter den Juden Tel-Avivs eine Aktion gegen den Versuch der Schwächung der ,,Knesteth" eingeleitet. . Anleihe zur Konsolidierung einer Anzahl von Siedlungen. Das Keren-Hajessod-Komite in der Tschechoslowakei hat auf Veranlassung des Hauptbüros des Keren Hajes sod" und mit dessen Garantie eine Anleihe von 16.000 Pfunld aufgebracht, die zur Konsolidierung einer Anzahl bestimmter Siedlungen im Emek Jesreel verwandt werden soil. Im Zusammenhang mit der Aufbringung und Anlage dieser Summe besuchten vor einigen Wochen die Herren! Dr. A. Weiner und Dr. Hugo Herrmann aus Brünn Erez1 Israel. Die inzwischen eingezahlten Gelder konnten aber infolge der in der Tschechoslowakei geltenden Ausfuhrbeschränkungen nicht hieher überwiesen werden. Nunmehr ist es dem Anleihekomite mit Unterstützung des Herrn, Dr. Angelo Goldstein, Abgeordneten im Tschechoslowakischen Parlament, gelungen, einen Modus für die Ueberweisung der Gelder zu finden. Em Treffen des „Hapoel". In den Halbfeiertagen des Sukoth findet in Tel-Aviv ein großes Treffen des Arbeitersportverbandes „Hapoel" statt. Das Programm enthält Uebungen und Wettkämpfe in allen Sportzweigen. Dr* Hissin gestorben. Einer der Führer der ersten Palästinazionäre „Bilu" Dr. Hissin ist im Alter von 67 Jahren in Tel-Awiw gestorben. Dr. Hissin erfreute sich' großer Beliebtheit. Am offe-* nen Grabe sprachen u. a. Bejn-Gurjön und Berl Katzen(-j elsohin. , .\ Borochows Schriften erscheinen nächsten Monat Die Schriften Ber Borochows erscheinen endgültig^ im Monat November. Wer den Band zum Subskriptionspreis von S 7.— erwerben will (nach dem Erscheinen wird der} Band S 8.50 kosten), muß sich beeilen. Bestellungen sind zu rich'teja an: „Der Jüdische Ar.-, beiter", Wien, IL, Blumauergasse 1. ' Tosereth Haarez. Die Liga für das arbeitende Palästina wendet sich an; alle Freunde i mit der Bitte, durch sie Palästinalahdespro-j dukte (Tosereth Haarez), wie Palästinaweine, Olivenöl-, Ho- •nig^ Seife (ab- November auch; Orangen) zu beziehen. - - Die bestellten' Waren werden . zugestellt. - Bestellungen, sind zu richtein' an-" die Liga', für das1 arbeitende Palästina, L, Jordahgasse 7, Zwischen 3'.und.-6 Uhr nachmittags .können, auch telephonisch (A-4£>-l-(17); Bestellungen entgegengenommen werden. Aus der Weltbewegung Das Verbandsbüro hat seine Tätigkeit bereits aufgenommen. In einem Rund^hreiben teilt das Büro des Weltverbandes Poale-Zion-Hitachduth, welches'sich in Warschau unter. Leitung der Genossen Reiß und Tartak'oweii konstituiert' hat, mit, daß es seine Arbeit bereits aufgenommen hat. In» der nächsten Zeit soll eine Enquete über den Stand' der Weltbewegung durchgeführt und ein: Manifest .am die jüdische Arbeiterschaft erlassen werden; 'in welchem auf die Notwendigkeit der Aktivierung der Kräftje, der Werbung neuer Mens.oh.en! hingewiesen werden; soll. Konferenz unserer Bruderpartei. Sonntag, den 16. Oktober wird in Tel-Aviv die. Konferenz unserer Bruderpartei in Palästina eröffnet. Die Vereinigung in Rumänien. In Ozemowitz traten die Vertreter der Pöale Zion und Zeire Zion (Hitachduth); zu einer Beratung zusammen, um im Sinne der Danzigetr Beschlüsse die Vereinigung: in Rumänien diu^chfeuführen. Es1 wurde die Gründimg einer vereinigten Partei in Rumänien auf der Grumdlage der Daniziger Einigungsformel beschlossen!. Eün den 22. und 23. Oktober ist nach Czernlowitz ein gemeinsamer Delegierten)- tag einberufen worden, der alle nioch offenen Fragen klären) und. die Konstituierung der einheitlichen Partei vornehmen soll. * Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1931 S 2.746,000.000-- Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1931 , 182,000.000'- Garantiemittel Ende 1931 , 472,000.000'— Auszahlungen an d. Versicherten i. J. 1931 „ 42,500.000-— Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deut«cne< Reich, Tfcchtchoslovakische Rei ublik, BeiKien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn Polen. Jug'SlavIen. Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, muls und Aegypten, ©flentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Pinkas Kornblüh, Student, Wien, IL, Schiff mühten straße 45/8. — Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstraße 52 b.

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