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Der Jüdische Arbeiter · 1932-10-07 · Heft 18 (7.10.1932) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 18 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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dek jüdische Arbeiter Organ der Vereinigten zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitachduth in Österreich Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, iL, Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen ^■BMBBBMMMMMMgMeBBMaBgBagMMMWBMM^MBMMB»«^^ i i ——^ Nr. 18. Wien, 7. Oktober 1932. 9. Jahrgang. Eine blutige Generalprobe des Hakenkreuzes in Wien Vom 28."September bis 2. Oktober tagte in Wien der Gauparteita? der Nationalsozialisten. Ein Parteitag der Nationalsozialisten befaßt sich1 nicht mit theoretischen oder politischen Fragen. Das Programm der Haken kreuzler ist unabänderlich', die politischen! Losungen' kommen von oben, also wozu das viele Schwatzen? Ein Parteitag ist den Hakenkreuzlern nur eine Gelegenheit, Radau zu machen und Ueberfälle zu Inszenieren1. Das haben sie auch in > reichlichem, Aus-" maß getan. . Sie haben einen Ueberfall auf ein Ger werkschaftshaus "und auf ein kleines Bethäus organisiert, sie haben leine wüste Balgerei im Wienen Gemeinderat inszeniert, sie haben, jüdisch aussehende; Menschen auf den Straßen attackiert. Die Jünger Hitlers in Oesterreich haben: eindeutig bewiesen* was sie sind. . Aber auch' die Wiener Polizei ■ hat in diesen; Tag;en eindeutig bewiesen, daß. auf sie kein Verlaßi Ist. In vielen Fällen von : Anrempelungen der Pash santen durch Hakenkreuzler sah1 die Polizei -.untätig] zu. .Beim. Ueberfall auf das (jewerks.chaftshaus unidi auf das Bethaus hat sich die Polizei offen auf diei Seite der Hakenkreuzjer geschlagen. Wenn also die) Ausschreitungen!- der ,Nazis: keinen .;größeren' Unifang angenommen, keine1 großen; Opfer verursacht haben, ist es weniger der 'Polizei, als d e n A.b.iw elh r -i aktionen der Arbeiterschaft und .der jüdischen Jugend zu danken. Die Lehre dieser, Generalprobe? Die Nazis sind eine Macht in Wien, wenn sie; auch nur zum kleinen Teile Arbeitet in ihrer Mittej haben; ihr Um und Auf sind Anrempelungen un'dl Ueberfälle auf Andersgesinnte, insbesondere auf Juden. Die Macht des Staates bietet keinen Sch'utzi vor diesen organisierten Raufbolden. O r gan i s i er ter S e 1 bs ts c h u t z is t d as ei n- :zige Mittel. Die Kultuswahlen im Zeichen des Kampfes um das allgemeine Wahlrecht Das bisherige, Parteienmachtverhältnis im Kultusvorstand machte eine grundlegende Wahlrechtsänderung unmöglich. Noch immer hätte die wah'lrechts- :feindliche „Union" die Hälfte aller Mandate und; konnte so die Entscheidung auf weitere vier Jahre ^Hinausschieben. Und beim Ablauf dieser Wahlperiode zeigte es sich, daß die „Union" der neuerlichen Entscheidung der Wählerschaft, die unter Forderung der Beseitigung des Wahl im rechtes herbeigeführt werden wird, möglichst lange ausweichen will. Sie versuchte, eine Verschiebung der Kultuswahlen durch' 'Parteienvereinb'arung zu erreichen. Demgegenüber verblieben wir Sozialisten auf unserem Standpunkt, daß wir das Wahlunrecht nicht verlängern lassen dürfen, und ohne Wahlreform die Mandatsperiode auch nicht um einen Tag erstreckt werden dürfe. Ihr Glück mit einer offenen Abstimmung im Vorstand versuchend, unterlag die „Union". Die Wahlen mußten ausgeschrie^ ben werden. Am 4. Dezember 1932 finden also die Kultusri wählen statt, die Auflegung der Wählerlisten1 wird am 11. Oktober 1932 erfolgen. Vorher beschloß der Kultusvorstand die winzigen Aenderungen der Wahlordnung, die in den jahrelangen Beratungen der Statutenkommission1 einhellig beschlossen werden konnten. Bescheiden genug ist das Zugeständnis, das die herrschende Gruppe der jüdischen Bevölkerung rnacht, es läuft im wesentlichen; darauf hinaus, daßdes Wahlrechtes nicht verlustig wird, wer in den; etzten drei Jahren wenigstens einmal die Kultus-* »teuer entrichtet hat. Kein Abrücken von dem Grundsatz, daß das Wahlrecht von der Steuerleistung ablängig gemacht wird. In der Sitzung des Kultusvorstandes vom 19. September d. J. gab Vorsteher Dr. Glanz anläßlich der. \nnahme dieser geringfügigen Aenderungen die Erklärung der sozialistischen Mari'datare ab, daß dies selben nach wie vor in der Beseitigung des WahH unrechtes ihre Hauptaufgabe sehten1.' Diesmal habe die Wählerschaft ihre Entscheidung zu fällen, da die derzeitigen Machtverhältnisse in, der Kultusgemeinde eine parlamentarische Erledigung der Wahlrech'tsfräge nicht ermöglichten. ' . •' Alle. Parteien . rüsten nun zum. Kultuswahlkampf. Wir jüdischen Sozialisten, Träger aller Forderungen,, die die jüdische Gemeindearbeit der letzten Jahm befruchtet haben, wollen den'- Wah'lkampf• zur Entscheidung der . breiten Massen, .über das Wahlrecht gestalten.' Unser Programm ist wie seit acht Jahren] auf die Beseitigung des. Wahlunrechtes aufgebaut.. Alle übrigen der Not der jüdischen! Bevölkerung und, der Sicherung. ihrer Lebenisinteressen entsprechenden! Forderungen!, haben zur. Voraussetzung, daß,' der Gesamtwille in dieser Gemeinde richtig gebildet' wird. Die Verfälschung des Gemeinwiliens1 durch däs: Zerisuswahlrecht muß vor allem aufhören,- dann: erst wird:, der Wille' .der . Mehrhüt: der Bevölkerung die. jüdische Gem'einfdle gestalten können.. Und die Bildung einer demokratischen Mehrheit im Kultusv'ortus.yorstähd erfordert die Beseitigung der Vorherrschaft der wahlrech'tsfeindlich'en Gruppe der „Union". Nur eine breite Welle der. Aufklärung der Bevölkerung, hur intensive Arbeit bis;zum Wahltage kann dieses Ziel verwirklich sin Vir/^daß 'X^ihllMm^'-siäs um. "Gänzegeführt werden müssen. 'Und der Kampf um das .allgemeine. Wahlrecht "ging stets auf das Ganze. Er soll auch hier die'jüdische Bevölkerung politisch reifer machen! und der Demokratie in der jüdischen Gemeinde den Weg bahnen. r. g. Genossen, Genossinnen und Freunde! Wir stehen vor einem schweren Wahlkampfe. Die jüdische;-Bevölkerung ist .durch die wirtschafte liehe Notlage furchtbar niedergeschlagen, es1 besteht die Gefahr, daß sie deshalb den Kultuswahlen das nötige Interesse nicht entgegenbringen wird. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, um die jüdisch'e Bevölkerung aufzurütteln', um sie von der großen Bedeutung des Kampfes um» die Macht in der Kultusgemeinde zu"überzeugen. Wir werden einen Aufklärurigskampf zu führen haben für unser Programm, und gegen die jüdisch'e Plutokratie. Dieser Kam pf erfordert den Auf wand aller vorhandenen Energien, die Mobi-> lisierung aller Kräfte und die Sicherung eines großen Wahlfonds.- Wir wenden uns deshalb an ieuch1 mit der Aufforderung: Stellet euch in de.it nächsten Wochen zur Verfügung für Wahl Werbearbeit! Spendet und sammelt unaufhörlich1 für unseren Wah'lfonds! Wir wissen, welchen schweren Existenzkampf jeder heutzutage führen muß, wir erwarten aber, daß| ihr imstande seid, die Bedeutung dieses Wahlkampfesi zu würdigen und daher keine Opfer scheuen werdet. Wir sind auf uns allein angewiesen, deshalb! heißte's: Jeder tue mit! Jeder spende nach Maßgabe seiner Leistungskraft! / Für das Präsidium der Zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitachduth: Mendel Singer, Dr. Ad. Bernay, Saul Weinreb. Genosse Locker in Palästina Genosse Berl Locker ist für einige Zeit na,ch Palästina gekommen. Er hielt bereits Konferenzen mit der Exekutive des Keren Hajessod ab und wurde vom Oberkommissär empfangen. Die SAL soll einen Weg bahnen! In einer Sitzung des' erweitertem Büros der Sch zialistischen Arbeiter-Internationale, welche am 27. und. 28.., September in Zürich1 stattfand, wurde über die internationale Lage'beraten und der Beschluß gefaßt,, der Exekutive vorzuschlagen, die Einberufung einer Internationalen Sozialistischen Konferenz in Aussicht , zu nehmen, die. die Methoden., des Kampfes1 der Arbeiterklasse um die Macht und die gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse behandeln soll.' In unserer raschlebigen Zeit: ist es unbedingt! notwendig; - in-rkurzen :Zeitabständen die beschlossenen politischen Richtlinien im Lichte der Ereignisse zuj überprüfen. Dieser Beschluß ist deshalb von großen Bedeutung und es wäre nur zu wünschen, daß diel Exekutive die Einberufung der Konferenz beschleunigen, soll. - Die Sozialistische Arbeiter-Internationale, als Vertreterin des klassenbewußten Weltprolatariats, ist berufen, den Weg aus dem Jammertale zu bahnen. Reinen Tisch mit den Revisionisten l Die Exekutive unserer Bruderparteiin Polenl ■vc4indte''-.si^ Forderung, von den Revisionisten zu verlangen, däßj' sie sich der Disziplin der Exekutive bedingungslos) unterwerfen sollen. Sollten sich die Revisionisten weigern, es' zu tun, wäre diese Angelegenheit vor' das) Kongreßgericht zu bringen. Bis zur Lösung diesen Frage soll die Anerkennung der Revisionisten als Föderation, wie die Reorganisierung der Palästinaämter und der anderen Institutionen aufgeschoben werden. Mittwoch, dem 12. Oktober 1932, um halb 8 Uhr, abends, in unserem Heime, Wien, IL, Blumauerffassä Nr. 1: Vollversammlung Tagesordnung: 1. Festsetzung der Kandidatenliste. 2. Was haben unsere Vertreter in der Kultusgemeinde geleistet? - Gen. Mendel Singer. 2. Sinn und Inhalt des Kampfes um die Macht in der. jüdischen Gemeinde. Gen. Dr. Rudolf Glanz. \ 3. Anträge und Allfälliges. Zu dieser Versammlung haben nur Mitglieder der Organisation Zutritt. Die Organisationsleiitung/ Der Leidensweg unserer Genossen in Rußland (Aus1 den •Mitteilungen der A-uslandsdelegation der zionistisch-sozialistischen Partei in U. d. S. S. R.) Die Hungerstreiks. Taschkent: Wir bringen hier einige Einzelheiten über den im Tas'chkenter Gefängnis ausgebmehenen Hungerstreik, an dem sich' 13 unseren Genoasen beteiligten und der, von einer kurzen Pause abgestohlen, 30 Tag© angehalten hat. Die Geschichte der sozialistischen Bewegung in Rußland, der esf an Leiden und Verfolgungen wahrlich nicht gefehlt hat, kann nur wenige Fälle aufweisen, die diesem Hungerstreike gleichkommen. Unsere Genossen! mußten von dieser gefährlichen Waffe Gebrauch machen, weil sie kein anderes Mittel hatten, die G. P. U. zu zwingen, ihren Forderungen nach elementarei- Gerechtigkeit, Genüge zu tun. Diese Genossen waren sich vollkommen klar darüber, was für eine gewagte Waffe ein Hungerstreik im allgemeinen' ist und besondex'3 im Jatoe 1932, da den von der G. P. U.

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