Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 15 (12.8.1932)
- Date
- 1932-08-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite '4 Der jfiidisohie Arftelter In dieser Trostlosigkeit ist die feierliche Eröffnung des „Borochow-Heims" der Warschauer Poale-Zion — die Frucht jahrelanger angestrengter Arbeit, ein muteinflößender Licht punkt mit hoffnungsvollen Perspektiven für die Zukunft, Auf der einen Seite Zertrümmerung und Vernichtung alter, schwer errungener Positionen und auf der anderen Seite neue Konzentration, neuer Aufbau, neues Schaffen. Jüdische Weltkonferenz und Poale-Zion (Eine Stellungnahme.) Der Weltverband Poale-Zion' wird an der Genfer Konferenz zur Vorbereitung eines Jüdischen Weltkongresses nicht teilnehmen.. Dies schon aus dem Grunde, weil er dazu nicht eingeladen wurde; aber auch die Art, wie diese Konferenz vorbereitet wurde, macht eine Teilnahme unmöglich. Die Poale-Zion hat eine absolut positive Stellung zu dem Gedanken eines Jüdischen Weltkongresses und hat sich immer durch ihre prominentesten. Führer für seine Einberufung eingesetzt. Es wurde dabei aber immer von der Voraussetzung ausgegangen, daß dieser Kongreß nach vollkommen demokratischen Prinzipiell' organisiert sein, und vorher ein Programm seiner Aufgaben festgestellt sein muß. Beide Vorbedingungen sind diesmal unerfüllt geblieben und wie es scheint, sollen sie auch in der Zukunft unberücksichtigt bleiben. Zwei der maßgebendsten Parteien des Weltverbandes Poale-Zion, die polnische und die amerikanische Partei, haben gegenüber dem Jüdischen. Weltkongreß eine negative Stellung eingenommen. Aehnlkh ist die Stellungnahme des Jüdisch-nationalen Arbeiterverbandes in Amerika. Sehr charakteristisch für die Stimmung der Partei in Amerika sind die Ausführungen« von L. Segall, Generalsekretär des Jüd.-nat. Arbeiterverbandes (Jüdischer Kämpfer Nr. 9 v. 1. 7.) über den Amerikanisch-Jüdischen und den Jüdischen WeK-Kongreß: i „In dem Falle des Amerikanasch-Jüdischen Kongresses ist das Wort „Kongreß" aber irreführend, es ist ein Wort, das Hoffnungen weckt, die sich nie erfüllen werden. Dieses Wort ist nicht nur für die Außenwelt irreführend, sondern noch mehr für die Juden selbst. Denn ein Kongreß, der sich teilweise aus Personen zusammensetzt, die sich selbst gewählt hatten, der keine Beteiligung breiter Volksschichten aufzuweisen hat und der in seiner Tätigkeit die lebendigen nationalistischen und jüdischen Kultur-Probleme nicht berücksichtigt — ein solcher Kongreß kann den jüdischen Massen nichts bieten ... ... Gerade deshalb, weil der Gedanke des Jüdischen Weltkongresses von uns so tief und; leidenschaftlich empfunden und vertreten wurde, weil mit seiner Verwirklichung unsere großen nationalen Perspektiven verbunden sind, — gerade deshalb «irriittert uns die seltsame Eile, die in diesem Fall entwickelt .wird. Uns irritiert auch die Körperschaft, die sich das Ziel steckte, die große jüdische Weltbewegung ins Leben zu rufen . . ." f B. Zuckermann, ein führendes Mitglied der Poale- Zion-Partei in Amerika, beteiligt sich an der Konferenz, aber nicht im Namen der Partei ,sondern als Mitglied des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses. Auch J. Sprinzak vertritt den Waad Leum/i und nicht die Arbeiterpartei Palästinas. Sonst werden keine maßgebenden Mitglieder der Poale-Zion an der Konlerenz teilnehmen. Aus Palästina Tagung des landwirtschaftlichen Rates. Am 17. Juli fand die Tagung des landwirtschaftlichen Rates statt. Es referierten Genosse Schkolmitz über die bisherigen Ergebnisse der Kolonisationstätiigkeit, Genosse Schreiber über die Betriebsgenossenschaft Nir, Genosse Harzfekl über das Problem der Kolonisation der Tausend. Es wurden 200 Familien zur Ansiedlung zugelassen. Genosse Golomb erstattete einen Bericht über die „Lage in den Kolonien und die Aufgaben der Arbeitergesellschaft". Der Wille der Konferenz fand in einer Reihe von Resolutionen seinen Ausdruck. Von der geplanten arabischen Universität in Jerusalem. Das vom panislamitiischen Kongreß eingesetzte Komitee für die Organisierung einer muselmanischen Universität in Jerusalem hat' beschlossen, folgende drei Fakultäten an der geplanten Universität zu errichten: eine theologische Fakultät für 600 Hörer, eine technische Abteilung für 200 Hörer und eine medizinische Fakultät für 300 Hörer. Ein britischer Jude aus Palästina deportiert. Schalom David Danoch, ein Jude britischer Staatsangehörigkeit, der vor sechs Jahren nach Palästina gekommen und vor drei Monaten wegen Störung der öffentlichen Ordnung vom Jaffaer Gericht zu Gefängnis und nachträglicher Landesverweisung verurteilt worden' war, ist dieser Tage, ungeachtet . der zu seinen Gunsten von der Jewish Agency unternommenen Interventionen, aus Palästina deportiert worden. Allgemeine VersJcherungs-Gesellschaft Phönix. Die Generalversammlung der Gesellschaft fand unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Hans Mauthner am 27. Juli 1. J. statt. Die Prmäteneinnahnje der Gesellschaft im Jahre 1931 erreichte S 62,191.827.90, die Schäden (bezahlte und reservierte) erforderten S 36,023.303.79. Der Reingewinn beträgt S 461.083.69 und wird zur Gänze auf neue Rechnung vorgetragen. Die Generalversammlung beschloß die Wiederwahl der Herren Emile Darier, Kommerzialrat Dr. Julius Hochapfel, Direktor Robert Dr. Hollub und Präsident Dr. Guido Hößiinger sowie die Neuwahl des Herrn Stephan Karpeles-Schenker. Die Kooptierung des Herrn Baurat h. c. Ing. Erich Heller wurde bestätigt (Entgeltlich.) Palästinensische Kriminalstatistik. Einer soeben veröffent lichten polizeilichen Statistik zufolge, wurden im. Jahre 1931 in Palästina 124 Morde begangen, von denen 110 Gegenstand gerichtlicher Verhandlungen waren. Bezalel-Schule in Jerusalem wird im September wieder eröffnet. Das Kuratorium der „Pro-Bezalel-Gesellschaft" hat beschlossen, zu Beginn des kommenden Lehrjahres, im September d. J., die vor einigen Jahren wegen Mangels an Mitteln geschlossene Bezalel-Kunstschule wieder zu eröffnen, Dieser Beschluß hat in weiten Kreisen Palästinas große Zufriedenheit ausgelöst. Entwicklung der Arbeitererziehungsanstalten. Folgende Zahlen geben ein Bild des Erziehungswerkes der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas: Jahre Schule Kindergärten Schüler Lehrer 1923 7 8 153 15 1925 10 14 453 34 1927 12 26 908 61 1929 13 29 1290 72 1931 21 43 1S5S 102 1932 25 44 2206 110 Gan Javneh — eine neue Kolonie. Die New-Yorker Achusa errichtet jetzt im Orangengürtel eine neue Kolonie; 400 Dunam sind bereits bearbeitet. Unsete Genossen Markus und Samuel Leitner haben durch das Ableben ihres Vaters einen großen Verlust erlitten. Organisation und JUd. Arbeiter drücken ihnen das tiefste Beileid aus. Aus dem jüdischen Leben In Polen wurde am 24. Juli die Konferenz der Schulkulturorganisation eröffnet. Von der unter ausschließlich bundistischem Einfluß stehenden „jüdischen Schulorganisation" hat sich die Wilnaer Gruppe abgespalten. In Wien findet am 28. August die revisionistische Weltkonferenz statt. In Mähren und Schlesien ist laut den Ergebnissen der Volkszählung 1931 die Zahl der Personen jüdischer Nationalität von 18.016 im Jahre 1921 auf 17.069 im Jahre 1931 zurückgegangen. Ursachen des Rückganges: Geburtenverminderung, erhöhte Sterblichkeit und Taufbewegung. 1921 bildeten noch die Juden Mähren-Schlesiens 0.586 Prozent der .Bevölkerung, heute aber nur 0.487 Prozent. Siebzig Prozent aller jüdischen Schüler in den tschechoslowakischen Schulen, bekennen sich zur jüdischen Nation. Bei der letzten Volkszählung haben sich bloß 53.86 Prozent der Juden zur jüdischen Nation bekannt. In Böhmen bekennen sich 20, in Mähren 50, in der Slowakei 60 Prozent, in Karpathorußland 98 Prozent aller jüdischen Schüler zur jüdischen Nation. Bei der Volkszählung bekannten sich in Böhmen 15.7, in Mähren-Schlesien 51, in der Slowakei 54.9, in Karpathorußland 87.3 Prozent aller Juden zur jüdischen Nation. In Italien haben die Mischehen derart überhand genommen, daß sie nach den Meinungen maßgebender jüdischitalienischer Kreise die Existenz des italienischen Judentums bedrohen. Unter 100 jüdischen Ehen kamen 33 Mischehen vor. Hingegen glaubt die römische Tageszeitung „II Tevere", daß gerade die Mischehe die Lösung der Judenfrage sei. In Saloniki wurden die 19 jüdischen. Soldaten, die unter Beschuldigung der. kommunistischen Propaganda vor einem Kriegsgericht standen, einstimmig freigesprochen. Rumänien. Die rumänische Regierung will die rumänisch-palästinensischen Handelsbeziehungen intensivieren. In einem Gespräch mit dem Bukarester ITA-Vertreter erklärte der Leiter des rumänischen Presseamtes, Unterstaatssekretär im Ministerpräsidium V. Tilea, die Regierung werde nach ihrer für Anfang August zu erwartenden. Umbildung ein Programm zur Intensivierung der rumänisch-palästinensischen Handelsbeziehungen aufstellen und durchführen. Mit diesen Arbeiten werden sich vor allen Dingen der Minister für Handel und Industrie Lugojeanu und der Unterstaatssekretär Tilea selbst, der sich bereits im Jahre 1930, als er für Rumänien den englisch-rumänischen Handelsvertrag unterzeichnete, von den zionistischen Instanzen Rumäniens Material über die Beziehungen zwischen Rumänien und Palästina geben ließ, befassen. Es sollen bessere Schiffsverbindungen zwischen Konstanza und Haifa hergestellt werden, der direkte Verkehr zwischen diesen beiden Häfen wird mindestens ein- bis zweimal monatlich durch rumänische Schiffe ermöglicht werden. Die ■ rumänische Regierung wird sich ferner bemühen, palästinensischen Waren große Transiterleichterungen auf rumänischem Gebiet zu sichern, und den durch Rumänien nach Palästina reisenden Emigranten aus Polen und anderen Ländern auf der Durchreise alle möglichen Erleichterungen gewähren. Die Frage einer besseren Vertretung Rumäniens in Palästina zur Wahrung seiner wirtschaftlichen Interessen und zur Ausgestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern soll eingehend studiert und einer baldigen Lösung zugeführt werden. „Wir wollen", erklärte Minister Tilea, „dort wieder anfangen, wo wir vor unserem Rücktritt im April 1931 in dieser Frage stehengeblieben sind." Die Jüdische Weltkonferenz wird am 14. August in Genf eröffnet. Als Tagungsort der auf Initiative des American Jewish Congreß einberufenen jüdischen Weltkonferenz wurde endgültig Genf bestimmt. Dem Wunsch vieler Delegierter entsprechend, wurde in letzter Zeit Zürich als Konferenzort in Betracht gezogen, es hat sich jedoch aus verschiedenen Gründen als wünschenswert und notwendig erwiesen, die Konferenz — wie ursprünglich beabsichtigt — nach Genf einzuberufen. Die Konferenz wird am 14. August eröffnet. Die Tagesordnung der Jüdischen Weltkonferenz »m-| faßt drei Punkte: 1. Berichte und Erörterung der Lage des jüdischen Volkes in den verschiedenen Ländern und Diskussion über zu ergreifende Maßnahmen zur Sicherung der jüdischen Rechte und Positionen. Für die wichtigsten Länder: Nordamerika, Rumänien, Deutschland,' Sowjetrußland und Palästina werden Spezialreferenten über die Lage berichten; für die übrigen Länder werden die jeweiligen Delegationen die Referenten bestimmen. 2. Referat und Diskussion, über die von Professor Guido Tedeschi angeregte internationale Konvention zur Diffamierung des Antisemitismus. 3. Frage der eventuellen Einberufung und Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses. Das Referat wird Doktor Stephan S. Wise, der Ehrenpräsident des American Jewish Congress, halten. Eine-Million-Groschen-Fonds (Der Jüdische Arbeiter — ein Wochenblatt.) Postsparkassenkonto A 148.875 (Dr. Bernay). Ausweis Nr. 2. (Abgeschlossen am 10. August 1932.) Es wurde vereinnahmt in Groschen: Listen: gesammelt durch Gen. J. Bickel: A. M. Nosspreis 100; Harmann 100; Sonnenschein 100; Kramer 100?. Frau N. Singer 100; Gold 100; Frau Teicher 100; Frau Jamenfeld 100; Weiß 100; J. Bitze! 200. Blocks: verkauft durch S. Halpern 400; Buchführer 300; D. Schall 100; P. Ungar 100.-. Listen und Blocks zusammen 2000 Groschen. Bisher ausgewiesen 1900 Groschen.. Insgesamt 3900 Groschen. Auf die Million Groschen fehlen hiemit 996.100 Gr- Montag, den 8. d. M. fand die konstituierende Sitzung, des Fondskomitees statt, dem die Genossen Bernhard, Buschführer, Gräber, Halpern, Imher, Singer und Tennenbaum angehören. Nächste Sitzung Montag, 15. d. M. Tagesordnung- Unsere Veranstaltung am 24. September. Ring des „Jüd. Arbeiter" Genosse Haberman.n beantwortet die Aufforderung des Gen. Singer, spendet S 5.— und fordert folgende Genossen und Freunde auf, den gleichen Betrag zu spenden: Dr. Ed. Broczyner, Dr. Karl Hahn, Moritz Klingenberg e r, David K1 d n g h o f e r, David, L e w i n, Dr. V. E». Po r des, Josef Stern, Dr. Ph. Sternberg, Samuel Strauß. Gen. Dr. Josef Seiler beantwortet die Aufforderung;, des Gen. Singer und spendet S 2.—. Gen. Sabine Wein er beantwortet die Aufforderung des Gen. Singer und spendet S 2.—. Lebensversicherungs-Gesellschaft Phönix. Die 49. ordentliche Generalversammlung ist kürzlich abgehalten worden. Der Versicherungsbestand Ende 1931 umfaßt 795.707 Poliizzen mit S 2,745.843.121.— versicherter Summe und S 2,915.638.— jährlicher Rente. Der Reinzuwachs gegenüber dem Vorjahre beträgt S 187,306.529— (7.3 Prozent) an Versicherungskapital und S 815.463.— (39 Prozent) an versicherter Jahresrente. Die Prämieneinnahme ist um S 27,040.326.84 (20.S Prozent) auf S 157,216.555.53 gestiegen. Die Erträgnisse der Kapitalsanlagen haben sich auf S 24,424.814.12 belaufen. Der Grundbesitz der Gesellschaft im Gesamtwerte von S 74,635.362.45 umfaßt S5 Realitäten. * Der Wertpapierbesitz beträgt S 214,101.623.35, wovon /S 202,752.585.95 amf festverzinsliche Anlagewerte und Schilling 11,349.037.40 auf Anteile von Notenbanken, diverse Aktien und Beteiligungen an Versicherungsanstalten entfallen. Die Hypothekardarlehen haben sich auf S 22,909.146.68 und die Darlehen auf eigene Polizzen auf S 42,024.253.81 erhöht. Die gesamten Gewährleistungsmittel der Gesellschaft betragen S 471,930.857.91. In der Generalversammlung ist beschlossen worden, den Versicherungsbestand der „Universale",, Allgemeine Versicherungsgesellschaft in Wien im Fusionswege zu übernehmen; desgleichen den österreichischen Versicherungsbestand der „Fortuna" Versicherungs-Aktiengesellschaft in Wien, die sich in Betriebsgemeinschaft mit der „Universale" befindet. Nach Abrechnung der an die Versicherten ausgeschütteten Gewinnanteile ergibt die Jahresrechnung einen Ueberschuß von S 774.931.17 (im Vorjahre S 758.508.02). Hieraus erhalten die Aktionäre 5 Prozent Dividende, das ist S 200.000.— (im. Vorjahre Sy2 Prozent), der Rest wird den Kapitalsreserven zugeführt, beziehungsweise auf neue Rechnung vorgetragen. (Entgeltlich.) Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1930 Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1930 Garantiemittel Ende 1930 Auszahlungen an d. Versicherten i. J. 1930 S 2.560,000.000'- , 150,000.000'- , 378,000.000'- „ 35,500.000'- Tatigkeltsgeblet: Oesterreich, Deutsche» Reich, Tscbechoslovakiscbe Republik, Belglea, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn Polen, lugoslavien. Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten, e^tröw, Verleger,Herausgeber w4 verantw«rr)fcher Redakteur: Pinkas Ktftibtäfc Student, Wien, II., StWftwWifcnstraüe 45/8. - Dreck; „A*m'S Wien, II., Tabtrstaße 52b.