Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 13 (2.7.1932)
- Date
- 1932-07-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2641551-2641644-2641656--547-2642543- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 D6f jikH9Gh<fl AfWfef Der 8. Nationalftäten-Korigreß Der 8. Nationalitäten-Kongreß, auf dem 40 Millionen Minderheiten, darunter 5 Millionen Juden in 8 europäischen Staaten vertreten waren, fand in Wien zwischen dem 29. Juni und dem 1. Juli statt. Leo Mozkin, Führer der jüdischen Gruppe und Mitglied des. Kongfeß-Präsidiufrts, begrüßte den Kongreß namens der jüdischen Minderheiten, er verwies darauf, daß die Vertreter def jüdischen Minderheiten bei Ab Schluß des Weitkrieges auf den verschiedensten intematio nalen Konferenzen steh für die Minderheitenfrage eingesetzt Haben, da es kein rein jüdisches, sondern ein allgemeines Problem ist, und wenn in einem Lande heute die jüdische Minderheit bedrückt wird, äo können die anderen Minder heiten versichert sein, daß morgen ihnen auch dasselbe Los beschieden sein wird. Zum Schluß übermittelte er Grüße und Eindrücke aus Palastina, wo er vor kurzem war und wo er den wahren Nationalismus an der Arbeit sah. Um sich grundsatzlichen Fragen widmen zu können, wurden alle Einzelfragen ausgeschlossen! die Beratungen konzentrieren sich um die zwei Hauptreferäte: Die Gültigkeit der Minderheiten-Schutzverträge im europäischen Raum und die Petitionen der Minderheiten und deren Behandlung vom Völkerbund. Ring des ,Jüd. Arbeitet41 Genosse JVten'del Siifü'gef spurtetet S 2.— für den „jÄ Arbeiter" unld1 ruft folgende Genossen; und Freunde auf, ebenfalls zu spenden: Dr. Schärf, Dr. Josef Seiler, Dr. Emil Gaster, Dr. M. Schächter, Ruth Weiß, Sabine Weiner, Chaje Salitry, Amaljie Krochmal, Samuel Lackstein, Frieda Kermisch, Charlotte Zelnik, Dr. Viktor Roseaifeld, Dr. J. Körner, Alter Tiäbermann.. Genosse Josef Münzer spendet S 2.— fund ruft folgende Genossen iun:d Freunde auf, einen Betrag zu spenden: Dr. Isak Teich, Dr. Lipa Kantor, Hirsch Weinles, Dr. Benjamin Doli, Dr. Juda Blankstein, Karli Lederer, Adolf Horowitz, Uscher Tischler, Dora Schwarz. Herr Dr. Leo Goldhammer beantwortet die Aufforderung des Gen. Dr. Tartakower und spendet S 5.—. Herr Ignatz Müller beantwortet die Aufforderung des Herrn Dr. Maier Pais und spendet S 2.— Frau Haber-Hellmer beantwortet die Aufforderung der Gen. Regina Kretschmer und spendet S 2.—. Gen. Salomon R u d z k y beantwortet die Aufforderung des Gen. Silberherz und spendet S 2.—. Ein Beitrag zu den Folgen der y/- -it. -.-.'.-'< '.M-v,- V^..,?*»'« -ir ^n* '~Jt >■ m^ii '■ ~- "V Erziehungsmethode des Haschomer Hazair Die Anklage Ben Gurions über die Vorfälle In Ness Zionah. ~ Die Verurteilung der Urheber durch das Gerücht der Arbeiterorganisation. In den zwei vorhergehenden Nummern unseres Blattes haben wir uns mit den Folgen der antisozialdemokratischen, korrimunistelndjen Erziehungsmethode des „Haschomer Hazair" befaßt. Unsere offene und freimütige Warnung hat große Aufregung in den leitenden Kreisen des „Haschomer Hazair" in Wien und in Warschau hervorgerufen. Es ist selbstverständlich, daß wir noch immer daran glauben, es wird uns gelungen, die Leitung des „H. H." von ihrem irrigen Weg abbringen. Das war der Sinn der Aussprache über den Erziehungsweg des „H. H.", welche Montag, den 20. Juni im Wiener. Borochow-Heim durchgeführt wurde. Auf das Referat des Mitgliedes der Hauptleitung des H.H. Judex . folgte eine Debatte, an welcher sich Singer, Lubianiker, Halbem Gold und Miriam beteiligten. Ober diese sehr interessante Aussprache, die bis 1 Uhr nachts dauerte, werden wir noch berichten. Heute wollen wir über die Auswirkungen . der Erziehungsmethode des H. H. auf die Arbeit in Palästina berichten. Was hat sich in Ness Zionah ereignet? Im November 1931 beschloß die Organisation der landwirtschaftlichen Arbeiter (Merkas. Chaklai),, nach vorhergehenden Beratungen mit dem Arbeiterrat von „*Ness-Zionah" dorthin eine Gruppe des „Kibuz Hameuchad" auf Arbeit zu schicken. Am 20. Jänner 1932 kamen nach Ness Zionah die ersten Arbeiter dieser Gruppe. Hierauf berief die „Unke" Poale Zion eine Protestversammlung ein, die den Beschluß faßte, die Arbeiter zu den Arbeitsstätten nicht zuzulassen. Als Grund gaben sie an, daß durch diese Gruppe ansässige arabische Arbeiter und jüdische Arbeitslose verdrängt werden. Es wurde ein Aktionskomitee gewählt, welches diesen Beschluß in die Tat umzusetzen hatte. Es kam zu Zusammenstößen zwischen den Arbeitern des „Kibuz" und den Posten des „Aktionskomitees", Als aber die Arbeiterschaft von Ness Zionah die Arbeiter des Kibuz unter ihren Schutz nahm, war das Aktionskomitee gezwungen, seine Tätigkeit einzustellen. Die Exekutive der Arbeiterorganisation setzte an Ort und Stelle eine Untersuchungskommission ein, die nach Abführung einer öffentlichen Verhandlung der Exekutive die Verurteilung der Anstifter vorschlug, ihren Ausschluß aus der Organisation und das Verbot jeder Beteiligung an den Arbeiten der Arbeiterorganisation und ihrer Institutionen. Dieser Vorschlag wurde auch zum Beschlüsse erhoben. In der öffentlichen Verhandlung hielt Ben-Gurjon namens der Arbeiterorganisation die Anklagerede. Dieser Rede entnehmen wir (nach der Wiedergabe irn „Davar" vom 27. Mai) folgende Stellen: Aus der Anklagerede ' Bert-Gurions. '• „Die Ereignisse in Ness Zionah stehen fast beispiellos in der Geschichte der Arbeiterorganisation da. Sie können vielleicht in mancher Beziehung mit einer ähnlichen Begebenheit vor neun Jahren üt Tel-Awiw verglichen werden. Dort bildete sich ein »Organisationskomitee", bestehend* aus Kommunisten, „Linken" Poalezion und Fachmännern des Bauvereines, welches getragen war von zünftlerischen Tendenzen und sich zur Aufgabe setzte, den Einrichtungen der Arbeiterorganisation Konkurrenz zu bieten. Die Arbeiterorganisation hielt es für zweckmäßig, gegen das „Komitee" nichts zu unternehmen, in der Voraussicht, daß es in sich zusammenbrechen wird. Dem war auch so. Die Fachmänner finden wir heute unter den" Bauunternehmern In Tel-Awiw, die die organisierte Arbeiterschaft bekämpfen. Die „Linke" Poalezion und die Kommunisten haben sich gegenseitig Verrat vorgeworfen. Die meisten Mitglieder dieses »Ko* mitees" hat die Arbeiterschaft ausgestoßen, oder sie haben das Land Verlassen. ' Dal Verbrechen in Ness Zionah nahm wohl keinen so großen Umfang wie die „Aktion" des „Organisationskomitees" an, es übertrifft aber jenes an der offenen Absicht, die Grundlagen der Arbeiterorganisation zu untergraben. Die „Linke" Poalezion erklärte in ihrer Protestversammlung, daß. sie die Arbeiter des Kibuz zur Arbeit in der Kolonie nicht zulassen werde. „Alle Mittel sind erlaubt" erklärten die Mitglieder desj Aktionskomitees. Der „Ha&homef Hazair" und das „Aktionskomitee"« Aus welchen Mitgliedern bestand das Aktionskomitee? Es waren unter ihnen lauter „Gewesene'*, einstige Angehörige der Kibuzim des Haschomer Hazair: 11 vom Kibuz „Awodah", 7 vom Kibuz; „Haschomer Hazair", 6 vom Kibuz „Gimel-Daleth", von den 400 sonstigen Arbeitern in der Kolonie hat, bis aüf einen einzigen, der der „Lin- Lken" Poalezion angehört, :keiner an dieser „spontanen und elementaren Bewegung" teilgenommen. Die „Posten" des Komitees räumten erst den' Platz, als an Ort und Stelle zahlreiche Arbeiter aus der Kolonie erschienen, um die Arbeitsstätten der Arbeiter - des Kibuz unter ihren Schutz zu nehmen.";i Nach einer Schilderung, der verbrecherischen und verräterischen Tätigkeit der kommunistischen „Fraktion", die dem „Aktionskomitee" Ziel Und Richtung gab, setzte Ben- Gurjon fort: ' r r „Das Zentralkomitee der „Fraktion" veröffentlichte einen Aufruf, der den Ereignissen in Ness Zionah gewidmet war. Dort heißt, es, daß .zu-,einer, Zehy. als 40.000 '(0 Araber arbeitslos sind und die ^itfsichaft der Fellachen durch die zionistische Raubpolitik zerstört wird, will man die jüdische Einwanderung fortsetzen. Der Aufruf fordert zum Kampfe gegen die Eroberung der Xrbeit lind gegen die Einwanderung der Juden auf. " * -; .'.• v;j-r. Der Kampf, um das Röcht auf Arbeit im Lichte des „Hasfchomer Hazair". In Ness Zionah hörten wir zum ersten Male die entstellende Auslegung unseres, Kampf es um das Re-cht auf Arbeit, das bei uns „Eroberung der Arbeit" genannt wird. Die „Fraktion" wirft uns. vor, daß durch diesen Kampf das Lohnniveau des jüdischen Arbeiters gedrückt wird, um ihm zu ermöglichen, die Konkurrenz mit dem arabischen Arbeiter aufzunehmen. Das ist eine Böswilligkeit und eine Verleumdung der Arbeiterorganisation. Wahrheitsgemäß soll hier festgestellt werden, daß^ diese Entstellung unseres Kampfes um das Recht auf Arbeit nicht von der „Fraktion" erfunden wurde, der Führer 3er Kibuzim in Ness Zionah, denen die Beschuldigten-entstammen, M. Ornstein, schrieb in den „Blättern des Hastihomer Hazair" im Zusammenhange mit den Vorfällen in 'Ness Zionah wie folgt: „Die Erweiterung. des Bodens für jüdische Arbeit und die „Eroberung der Arbeit"' sind nicht das gleiche. Die Erweiterung des Bodens für1 die organisierte jüdische Arbeit ist eine Aufgabe; die'„Eroberung der Arbeit" aber ist eine jener Methoden, die sich .'direkt, oder mittelbar mit dem niedrigen Lohnniveau und der Senkung des Lebensstandards abfinden, die den jüdiscjieji Arbeiter zur Entartung, zur Schwächung, Desorganisation und Desertion verurteilt. Wenn auch die Losung von der" Eroberung der Arbeit in der Vergangenheit berechtigt gewesen sein mag, besagt noch nicht, daß diese Methode jiueh heute noch ihre Berechtigung hat." Ich kann mir; .eine niedrigere Verleumdung der Arbeiterbewegung Palästinas als diese „Auslegung" der Eroberung der Arbeit ka^um Renken. Nicht nur inPalästina, vielmehr in. allen Ländern d^er Diaspora führt der jüdische Arbeiter einen Kampf um d^s'Recht auf Arbeit. Der Redner weist hier auf den Kongreß, für das Recht , auf Arbeit hin, den der „Bund" in Warschau abgehalten hat Und auf den Prozeß der Verdrängung ^der jüdischen Arbeiter, aus der Nadelindustrie in Amerika und, setzt dann fort:;,Der jüdische Arbeiter in Palästina^erobert nicht nur, neue Arbeitspositionen, sondern günstigere Arbeitsbedingungen. Er hebt den Lebensstandard der Arbeiter und erkämpft Lohnerhöhungen. Die innere Schwierigkeit, mit welcher, der Kampf um die Eroberung der Arbeit verbunden ist, liegt ja gerade in der unbedingten Notwendigkeit für den jüdischen Arbeiter, gleichzeitig für bessere Lebensbedingungen kämpfen zu müssen. J Die Verhältnisse, in denen der arabische Arbeiter lebt, <ann der jüdische Arbeiter nicht akzeptieren. Hier handelt es sich auch nicht um di£ Verschiedenheit im Klassenbewußtsein. Die Unterschiede ' zwischen deutschen und ame* rikanlschen Arbeitern liegen nicht im Bewußtsein, nicht in der Organisation, sondern in der Verschiedenheit der Möglichkeiten und Bedürfnisse tief amerikanischen und der <feut*> schiÄ Wirtschaft. Def „Marxist" Ornstein abef übettfeht diese objektiven Tatsachen und betrachtet es lediglich, als Resultat ideologischer Differenzen. : Die jüdischen Arbeiter haben stets eine Erhöhung der UJhne herbeigeführt, In den Neunzigerjahren des 10. Jahrhunderts haben die arabischen Arbeiter 3^4, die judMeft Arbeiter gegen 6 Piaster täglich verdient; als wir' Vof. 25 Jahren in Petach Tikwah $ Piastef täglich verdienten,, erhielten die Araber 5—6 Piaster und da gegenwärtig die in def dritten Periode eingewanderten Arbeiter 20 Piaster^ täglich verdienen, erhält der Araber 1(M2 Piaster. Der Führer der „Fraktion", ein einstiger Schnief Ömsteins, hat bereits Wohl eirige&hen, daß die Auslegung; seines Lehrers falsch ist, da der jüdische Arbeiter stets eine Erhöhung der Löhne herbeigeführt hat, und er lehnt: den jüdischen Arbeiter und sein Recht auf Arbeit ab, auch wenn ef eine Lohnerhöhung herbeiführt. Nach der Lehre der „Fraktion" dürfte jedermann nach Palastina einwandern und dort .arbeiten, mit Ausschluß der Juden. Der Kampf um das fcecht auf Arbeit ist stets vött der gesamten Arbeiterschaft Palästinas, von allen Parteien — er zittert einen Aufruf def Poalezion In dieser Frage vom Jahre 1907 — geschlossen geführt worden, auch damalsalso, als. es noch keine Arbeiterpresse . im ' Lände gab und' die Erkenntnis noch nicht durchgedfühgen Wär, daß die' Eroberung der. Arbeit eine der Wichtigsten MissIOHeh der jüdischen sozialistischen Bewegung in Palästina ist." Hier haben wir also an der Hand der Wirklichkeitdes jüdischen Arbeiterlebens in Palästina wahrnehmen können, wohin die Erziehungsmethode des „Haöchomer Hazair" führt, sie mündet konsequent in die kommunistische „Fraktion", von welcher Beri-Ourjon in derselben Rede hadnwies, daß sie zu einer „Werbestelle für Pogrome an den Juden. Palästinas" geworden ist. Wir sind überzeugt, daß diese Resultate nicht in der Absicht der Führer des „Häsenomer Ha-, zair" gelegen sind. Deshalb haben wir den Aufklärungskampf aufgenommen, deshalb halten wir es für Unsere Pflicht, die Führer des H. H. vor der bisherigen Erziehungsmethode zu: warnen. Es befindet sich im Drück und erscheint demnächst?. Fyn Unsog zu Farwirklichung (Von der Vision zur Verwirklichung) Ein Band Schriften in jiddischer Sprache von S. Kapiansky Aus dem Inhalte: I. Jüdischer Sozialismus und Palästina. II. Die Judenfrage vor der Sozialistischen Internationale^ .III. England, Juden und Araber. IV. Probleme der Palästinakolonisation. Dieser Band wird 25 Druckbogen stark sein und nach dem Erscheinen etwa Dollar 1.50 kosten. Der Subskriptionspreis beträgt. S 7.—.; Nützet die günstige Gelegenheit der Subskription aus- und richtet sofort Bestellungen an „Der jüdische Arbeiter", Wien, IL, Blumauergasse 1. r Der „Jüdische Arbeiter" hat kein Reservekapital das wissen wohl alle Genossen, nichtsdestoweniger haben noch viele die Bezugsgebühr für 1932 nicht ' bezahlt. Wir fordern alle Genossen auf den Betrag unverzüglich zu überweisen, da der „Jtid* ' Arb." drückende Verpflichtungen hat» Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1930 Prämien- und Zinsen- Einnahmen i, J. 1930 Garantiemittel Ende 1930 Auszahlungen an d. Versicherten i. J. 1930 2.560 Millionen Schilling 150 „ 378 „ 35,5 , Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsche« Reicht Tschechotlovakifcbe Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Tflrkei, Tunis und Aegypten Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Pinkas Kornblüh, Student, Wien, II., Schiffmühlensfraße 45/8; — Druck; „Adria", Wien, II., Taborstraße 52b.