Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 13 (2.7.1932)
- Date
- 1932-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. QER............ Organ der Verelnigteit 2ionistlsch-9ozialittlechen Arbeiterorganisation Poale Zlon—Hitachduth in Österreich Erscheiiit jeden iwtlten Freitag Redaktion und Admfnletratien: Wii«, II., SI8»ii»«f|tt*e 1 - Perteeneekkonte Nr. 17.878/ Btzugsprel«: gtnzjihrlg S 4.80, halbjährig 8 Z50 > Einzelne Nummer 20 Groicbw Nr. 13. ¥ Wien» 2.J|üH 1932. 9. Jahrgang. Gruß an Dawid Pinsky! Auf seiner Rückreise aus Palästina wird. Dawid Pinsky, der als Dramatiker wie als Romanschriftsteller, als Publizist wie als Erzähler, zu den bedeutendsten Repräsentanten der jiddischen Literatur zählt, einige Tage Gast des jüdischen Wien sein. " Wir haben bereits, anläßlich' seines 60. Jubir läums, seine. Stellung in der jiddischen Literatur und im sozialen wie nationalen Kampf der jüdischen Ar^ beiterbewegung in Amerika skizziert. Mit der Schilderung' des jüdischen Arbeiterlebens beginnend, hat Pinskys literarisches Schaffen immer weitere. Bezirke des jüdischen Lebens erfaßt, von der Gegenwart in die . Vergangenheit abschwenkend, und wieder zur Gegenwart zurückkehrend, von der engen Novelle zum konfliktgewaltigen Schicksalsdrama und zum weitgespannten1 Roman — schürfte Pinsky tief und breit, wuchs seine dichterische Persönlichkeit, schärfte sich sein Blick für die Probleme des jüdischen Lebens, und mit; ihnen schwellte an sein rein formales Können1 zu jener Vollendunlg des künstlerischen Bildes, zu jener Treffsicherheit-der Charakteristik, zu jener konu densierten und konzentrierten Knappheit des Ausdrucks, die ihn zu jenen: Gipfeln des dichterischen Schaffens ninarigetragen haben, die nur von wenigen Auserwählten erreicht werden. Die Palästinareise PinskyS ist kein Zufall, steht er Goch seiT^Jä'fir lüffd 'Ta^5'im Kämpf; für dem sozialistischem Zionismus, 'hat er doch1 in; Amerika', als Mitglied der Poale Zion", -unermüdlich für das arbeitende Palästina in Wort und Schrift geworben wn'd gekämpft. Seine Palästina-Reise ist also die folgerichtigste Vollendunlg und Krönung seines 60jährigen literarischen Schaffens. Und wenn wir heute erfahL ren, daß Pinsky, feinfühlig wie er schon einmal ist, vom neuen Werden in Palästina begeistert und künstlerisch dermaßen angeregt wurde, daß. er in Palä-i stina ein neues Drama aus dem jüdischen'Arbeiterleben in den1 Kwuzoth und Kibuzim geschaffen hat, so können wir nur ihm und u n s zu diesem neuen1 Werk aufs herzlichste beglückwünschen. Die Tage, da Dawid-Pinsky unter uns weilen wird, werden dem jüdischen Wien und hoffentlich auch' dem Gast selbst, Fest- und Freudentage sein und bleiben. , , S. D. "•■ Anläßlich der Anwesenheit Dawid Pinskys in Wien, werden von unserer Organisation gemeinsam mit der Liga für das arbeitende Palästina, größere Veranstaltungen vorbereitet. Näheres in den Tageszeitungen und auf Plakaten. Politische Notizen Durchstreichen und weitergehen! Der French-Bericht ist bereits überreicht wor- 'den. Der Geist dieses Berichtes dürfte sieb den Berichten 'und Büchern, die wir seit Jahren über funa ergehen ließen, würdig anpassen. All diese Berichte und Bücher der Diener des britischen Imperialismus! solltenlüns nur bekunden, daß der Zionismus, die Befreiuwgsidee eines Volkes;und\der Aufbau seines; Landes, in das Konzept der auf Unterdrückung und) Raub eingestellten Bürokratie nicht paßt. Damit müßr ten wir luns abfinden. Es besteht aber leider die Gefahr, daß die Erbitterung, die dieser Bericht hervorrufen wird1, der müßige Kampf der verschiedenen Gruppen im Zionismus um Schuld un!d Verantwortung, uns alle von der Konzentrierung auf die' produktive Arbeit in! Palästina ablenken wird. Diese Gefahr ist viel grö^ ißer als der Inhalt des French-ßerich'tes, da erfahrungsgemäß nicht die Machwerke der Kolonialbeam1ten, sondern die Arbeit im Lande., den Juden, wie den Arabern und aller Welt veranschaulicht, daß der Zionismus allen nur Segen, Fortschritt und Freiheit bringt. Dieser Gefahr des French'-Berichtes müß:- ten wir vor allem begegnen. Da der Inhalt 'dieses! Berichtes, wie allgemein behauptet wird, gegen uns gerichtet ist, müssen wir gingen -ihn: protestieren, wir dürfen uns aber an unserer Arbeit auch nicht für einen Moment behindern' lassen. ( Die Parole der führeheten Organe sollte lauten: Durchstreichen und weitergehen! Lord Passfield wird in Moskau" gefeiert. Es ist wahrlich' nichts', besonderes mehr, wenni man berichtet, daß in Mosfeau die verschiedenen reaktionären Diktatoren des Örients und die Vertreter der bürgerlichen Regierungen und der führenden Parteiendes Bürgertums der: anderen Länder gefeiert werden. Ihnen ist ja alldas bestattet. Im ih'ren Händen wird ja alles zu einem Werkzeug für die Revolution. Deshalb wäre es auch nicht zu verwundern, wenn sie Lord Paßfield, der noch vor kurzem jedem Kommunistender Inbegriff des britischen Imperialish mus, des Sozialfaschismus .' war, in Moskau feiern würden. 'Warum dem „sozialistischen Lord" versagen, was dem Enver Pascha so reichlich zuteil! wurde! ,. ... v( ( Aber, nach dem Berichte ■ einer englischen Wochenschrift, soll man Paßfield in Moskau als Feind des Zionismus „gefeiert,haben. Wer-also des Zionisk Klassenkampf auf Sdte des Bürgertums üt Palästtna..; Wie oft hält lüns das „nationale'.' Büwrtüml vor, daß wir durch den internationalen Klassenkampf Verrat an unserem" Volke begehen! Den! .Mrger- . liehen aber ist es erlaubt, gemeinsam mit ihrem Klas^ sengenossera ihre Interessen zu wahren1. Wir lesen im1 .„Dawar", daß vor kurzem in Jerusalem Beran tungen gepflogen wurden zwischen den jüdischen und! arabischen Hausbesitzern, um gemeinsam gegen; die? Steuermaßnahmen der . Städteverwaltunjüen Stellung zu inehmen. Dem Bürgertum ist also der Klassenkampf gemeinsam mit den Genossen der anderen Nation gestattet, bei der Arbeiterschaft nennt man! ihn — nationalen Verrat. Doppelte Moral! .; Amerika, du hast es nicht besser! Wie lange ist es her, daß allen von, der Not! betroffenen Menschen in Europa der Wohlstand in Amerika Ideal und Wunschtraum war. Was bedeutete bis vor kurzem insbesondere ,uns Juden dieser „reiche Onkel". Nun mehren sich in der letzten Zeit die; Nachrichten über den .furchtbaren wirtschaftliche^ Niedergang der Juden in den, Vereinigten Staaten. iiiiiiuiiiiffüiiTTiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiTiiiiiiiiiii! Vereinigte zion.-soz.- Arbeiterorganisation Poale Zion*Hitächduthv Donnerstag, den 7. Juli 1932, am Konstantinhügel, II., Prater Hauptällee GARTEN FEST mit reichhaltigem Programm Jazzkapelle / Künstlerische Vorführungen / Juxpost / Tombola Beginn präzise 8 Uhr abends /">■'.. . ■ . Karten ä S 2,50; <Studenten u. Jugendlidie Ermäßigung) bei allen Vertrauensmännern, im Arbeiterheim II., Blumauerg, 1 u. an der Abendkassa mus Feind, ist den Kommunisten, besonders deri jüdischen Freurid. .; Ist das nicht politische Perversität? Farbstein und Newman haben P^lästuia verlassen. Einen großen Änlaul:1 nahmen .die Herren Farrii stein, .und Newrnan',.. umc^g/Mittelstandskolonisatiojrf in Palästina zu fördern. Sie glaubten scheinbar wirklich daran, daß. nur das Unverständnis der Zionistir' stischen Exekutive wd die angebliche Gegnerscha'fjl der Arbleiterschaft daran scMd ^sind1,' daß die Mittelstandskölonisatibn die erwünschten Fortschritte nicht' aufweist. Beide Herren "sind, nun mit vielen Plänen, ins Land 'gekommen: mn'd'häberf es jetzt un|verrichu teter Dinge verlassen. Wir haben keinen^ Gi*ttjnd,: zu frohlocken, den Arbeiterschaft ist jeder jücTe, der ins Lan'd kommt, um dort zu arbeiten oder dort sein Kapital zu inK vestieren, willkommen. :Wir|^glauben> nur feststellen zu1 dürfen, daß beide BeVr< ••«••■• Wonnen haben, cuV Sqhwk Mittelstandskolonisation sin'< suchen. Wir werden uns s____________w _____ .., _____ man sie finden und .überwinden1 wird. Aus dem politischen Kampfe. im Zioilismus sollte die Frage ausscheiden. Sie ist ein.-sacjpches, ernstes Problem, insbesondere angesichts der Lage der Juden in der Wirtschaftskrise. sdie Ueberzeugurtg g6gkeiten für eine .große Ü*an anderen Stellen zu 'aufrichtig freuen, wenn1 Führende Männer denken ernstlich', daran, Juden, von den Städten" aufs. Land, zur Landwirtschaft zu leiten,, da die Läge in den Städten völlig tröstlos . ist. Der Bankrott des Kapitalismus macht auch1 vor den Toreni. des Landes mit den unbegrenzten Möglichkeiten , nicht halt, und auch dort scheinein die Judeni infolge ihren ungesunden wirtschaftlichen Struktur unter der Krise am meisten zu leiden. Amerika, du hast es nicht besser! An unsere Abonnenten! Diejenigen Abonnenten, welche die Bezugsgebühr für das Jahr 1932 noch nicht bezahlt haben,! werden nochmals ersucht» die Ueberweisung auf unser Postspar« kassen-Kto. B-17,878 vorzunehmen