Mannheim
Compact Memory

Der Jüdische Arbeiter · 1932-06-17 · Heft 12 (17.6.1932) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 12 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2641551-2641644-2641655--542-2642537
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Der jfldisehte Arttdtef Aus aller Welt (Kurzberichte aus dem jüdischen Leben) Vereinigte Staaten, Ein Komitee zur Untersuchung der Wirtschaftslage der amerikanischen Juden wurde anläßlich des vor kurzem stattgefundenen Tagung des amerikanischen Jüdischen Kongresses gebildet, Diese Kongreßtagung war der Erörterung der Wirtschaftslage der jüdischen Bevölkerung in USA. in Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise gewidmet. Der Vorsitzende Dr. B. Deutsch führte aus: 1908 bis 1928 seien mehr als eine Million Juden nach Amerika eingewandert, die sich auf die Kleiderfabrikation und einige wenige andere Berufe konzentriert und so einen abnormalen Zustand geschaffen haben, dessen Folgen sich in der Wirtschaftskrise zeigen. Eine wirtschaftliche Umschichtung tut not. Prof. Winkler von der New York Universität wies nach, daß sich vom amerikanischen Riesenkapital höchstens 3/i Billionen Dollars in jüdischen Händen befinden. Zweieinhalb Millionen Dollar beschloß das amerikanische Joint Distribution Comitee in diesem Jahre aufzubringen, damit das Minimalprogramm sozialer Hilfe durchgeführt werden kann. Dieses Minimalprogramm wurde auf Grund des vom europäischen Direktor des Joint Dr. B. Kahn vorgelegten Berichtes ausgearbeitet. Dieser Bericht stellt die Lage der Juden in gewissen mittel- und osteuropäischen Ländern als ,;an Panik grenzend" dar. Eine jüdische Weltkoniferenz soll für Juli 1932 nach Genf einberufen werden. Dies der Beschluß einer Beratung, die vom amerikanischen Jüdischen Kongreß einberufen und von 10 jüdischen Organisationen aus allen Teilen der USA. und 100 jüdischen Organisationen Newyorks beschickt wurde. 50.000 jüdische Arbeitslose gibt es in Chicagol Diese Erklärung gab S. A .Goldshmith auf der 32. Jahrestagung der „Jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften in Chikago" ab, deren Präsident er ist. Im Jahre 1931, erzählte er, gab es einen Tag, an dem 20.950 jüdische Personen durch diese Gesellschaft betreut worden sind. Die wohltätigen Leistungen haben sich 1931 gegenüber 1930 um 100 Prozent, gegenüber 1929 um 200 Prozent erhöht. Das Budget von 1931 weist ein Defizit von 166.128 Dollar auf. Zur Deckung des außerordentlichen Bedürfnisses im Jahre 1932 wird die Gesellschaft eine zusätzliche Summe von 500.000 Dollar benötigen. In den Jahren 1921 bis 1930 sind unter insgesamt 4,107.209 Einwanderern 339.054 Juden in die Vereinigten Staaten gekommen. Von den im gleichen Jahrzehnt aus den USA ausgewiesenen 92.157 Personen waren 1756 Juden. Nur 9 Prozent der deportierten Juden haben sich kriminelle Aide zuschulden kommen lassen. Aus Palästina 35 Prozent aller Stimmen vermochte die Jüdische Ar: beiterparlei bei den vor wenigen Tagen stattgefundenen Gemeinderatswahlen in Tel Aviv auf sich zu vereinigen. An die 12 Listen standen zur Wahl, der Hauptkampf spielte sich zwischen der Arbeiterliste und der Disengoff-Partei ab. Hundert Wahlversammlungen wurden in den letzten Tagen abgehalten. Von den 15 Stadtratssitzen errangen che Arbeiter f ünf, die von Bürgermeister Dizengoff geführte Liste dre die Liste der Polnischen Juden zwei, die Hausbesitzer, die Sephardim, die Misrachi, die Revisionisten und die Kleinhändler je einen Sitz. Die Revisionisten hatten bis jetzt zwei Vertreter. .Die Ackerbausteuer, die in Form von „Maaser" (ein Zehntel vom Ertrag) eingehoben zu werden pflegte, wurde von der Regierung mit Rücksicht auf die bevorstehende schlechte Ernte auf 7i/2 Prozent reduziert. Gleichzeitig damit hat die Regierung den Gouverneuren das Recht eingeräumt, in dringenden Fällen die Steuer noch tiefer zu reduzieren Dr. Bernhard Hauser, ehemaliges Mitglied des jüdischen Parlamentsklubs in Polen, jetziger polnischer Handelsattache in "Palästina, wurde von der polnischen Regierung zum Leiter des zu schaffenden polnischen Konsulates in Palästina ernannt. Der Haifa-Hafen wird im Frühjahr 1933 eröffnet. Seine Einweihung wird in Gegenwart des Prince of Wales, der arabischen Herrscher und der europäischen Kommissare der Nachbarstaaten vor sich gehen. Zehn Juden vertreten als Konsuln auswärtige Länder in Palästina. Bürgermeister Dizengoff ist belgischer, van Vriesland holländischer, Dr. S. Rosenbaum litauischer, Rokach rumänischer, Tadros norwegischer, Litwinski estnische^ Scheloüsch bulgarischer, Rosenfeld belgischer und jetzt Doktor Hausner polnischer Konsul. Das Urteil im Mordprozeß Stahl-Zohar wurde gefällt. Der ältere der beiden Mörder, der 20jährige Raschid Abu Sulman, wurde wegen Teilnahme am Doppelmord zu 15 Jahren Gefängnis und zur Zahlung einer Entschädigung von 20 Pfund an die Familie des Frl. Salia Zohar-Goldstein verurteilt. Die Familie des Johannan Stahl erhob keinen Anspruch auf Entschädigung. Der zweite Angeklagte, der 17jährige Sahib Abu Sulman, wurde wegen Minderjährigkeit freigesprochen. Anläßlich der Gründung der ersten Kolonie ehemaliger jüdischer Legionäre fand ein Weiheakt statt, in dessen Mittelpunkt die Pflanzung des ersten Baumes auf dem Boden der Kolonie stand. Der K. K. L. hat 1650 Dunam des Wadi-Hawareth-Bodens zur Ansiedlung von 100 Legionären gegeben. Mehrere in der Nähe der Kolonie lebende Beduinen begrüßten ihre neuen Nachbarn und sprachen die Hoffnung aus, daß das Siedlungswerk zum Wohle auch der nichtjüdischen Nachbarn ausschlagen werde. Der älteste Legionär spendete 100 Pfund zur Grabung eines Brunnens, Es werde Licht! Das elektrische Großkraftwerk in Abadieh, am Zusammenfluß des Jarmuk mit dem Jordan, dessen Errichtung durch Rutenberg 41/2 Jahre beanspruchte und wobei 600 jüdische und arabische Arbeiter beschäftigt waren, wurde ani 10. Juni vom High Cömissioner bei Anwesenheit des Emirs Abdullah von Transjordänien, des britischen Residenten in Transjordanien, zahlreicher hoher Regierungsbeamter und Vertreter der jüdischen Körperschaften, eröffnet. Der High Cömissioner huldigte in seiner Ansprache der Bedeutung des Werkes und der Persönlichkeit seines Schöpfers. Die jetzige Betriebsanlage ist vorläufig 2ur Erzeugung von jährlich 12 Millionen Einheiten eingerichtet, kann aber im Bedarfsfälle seine Leistung bis auf 65 Millionen Einheiten steigern. Infolge Raummangels mußten die Rubriken: „Aus aller Welt" und „Aus Palästina" eingeschränkt werden. Eine Erläuterung des „Maschomer Haiair" Auf die Notiz: Eine Warnung an die Adresse des „Haschomer Hazair", welche im „Jüd. Arb." Nr. 11 veröffentlicht wurde, erhielten wir eine Zuschrift der Bundesleitung „Haschomer Hazair", welche wir hier fast wörtlich veröffentlichen. Wir haben bloß einige sachlich belanglose Sätze gestrichen, die mit dem Niveau unseres Blattes, wie auch mit dem der Bundesleitung unvereinbar sind. Die Zuschrift lautet: „In der letzten Nummer des „Jüd. Arbeiter" erschien sowohl unter den Politischen Notizen als auch in einem Briefe aus Deutschland die Nachricht, daß zwei Mitglieder unserer Weltbewegung in Deutschland bei der Präsidentenwahl für Hitler gestimmt haben. Daran schlössen sich einige Bemerkungen über die Erziehungsarbeit des „Haschomer Hazair'-' und die Folgen des Antisozialismus und Kommunismus des Haschomer Hazair. Ebenso wurde die Behauptung aufgestellt, daß der Haschomer Hazair die Reserve für die kommunistischen Klassenkämpfer im Lande stelle. Wir stellen dazu folgendes fest: Es entspricht nicht den Tatsachen, daß irgend ein Mitglied unserer Bewegung Hitler gewählt habe. Das Mitglied der deutschen Poale Zion Dr. H. Berger, der als erster diese Nachricht verbreitete, hat nicht die elementare Pflicht in sich gefühlt, bevor er mit dieser Nachricht herausrückte, sich an die deutsche Bundesleitung zu wenden, damit diese die Richtigkeit der Behauptung nachprüfen könne, sondern hat sofort diese Nachricht in die weite Oeffentlichkeit gebracht. Die deutsche Bundesleitung hat sofort nach Bekanntwerden dieser Nachricht eine eingehende Untersuchung angestellt, wobei es sich herausstellte, daß kein Mitglied des Haschomer Hazair Hitler gewählt habe. Wir überlassen es der zion.-soz. Öeffentlkhkeit diese Vorgehen des Herrn Dr. H. Berger zu qualifizieren. Was nun die Bemerkungen über den Antisozialismus und Kommunismus des „Haschomer-Hazair" anbelangt, so ist es unserer Meinung mehr als etwas gewagt, Ablehnung des Reformismus, der Sozialdemokratie als Weg der Arbeiterbewegung mit Antisozialismus gleichzusetzen (und gerade nach den letzten Ereignissen in Deutschland) und noch gewagter mit Kommunismus. Würden weite Kreise der arbeitenden Palästinafront lieber etwas mehr Vertrautheit mit der Haschmer- Hazairbewegung suchen, etwas mehr ihre Zeitungen lesen, statt begierig jede Nachricht zu verbreiten, mit der man dieser immer stärker werdenden Bewegung eins am Zeug flicken kann, würde man nicht dazu kommen, solche gewagte Behauptungen aufzustellen. Wir leugnen nicht, daß Mitglieder des Haschomer-Hazair im Lande zu den Kommunisten übergegangen sind. Aber davon bis zur Behauptung, der „Haschomer-Hazair" bilde die" Reserve für die P. K. P. ist dennoch etwas weil Was würde man sagen, wenn wir behaupten würden, daß Gordoniah, die Bachruth (die Jugend der Partei), die Chugim (eine Jugendbewegung, die der Partei nahesteht), Reserven der P. K. P. seien, weil auch aus ihnen Menschen in der letzten Zeit zu den Kommunisten übergegangen sind. Gegen den Haschomer-Hazair wird eine Hetzkampagne in der ganzen Welt geführt. Beginnend mit den Revisionisten, über die Misrachi, die Anstoß an unser Kaschruth nehmen, bis zu den allgemeinen Zionisten. Die größte zion. soz. Jugendbewegung, die in einer Reihe von Ländern ganz allein den Chaluz stellt, in den anderen fast überall der größte Teil ist, soll zerschmettert werden. Ihr konsequenter zionistischer, chaluzischer Weg, ihre Erziehungsarbeit, die Tausende und Abertausende jüd. junge Menschen aus den Krallen der Assimilation gerissen hat, nicht die Tatsache, daß sie die stärkste Kraft der hebr. Bewegung ist, halten die obenerwähnten Kreise von ihrer Zerstörungsarbeit ab. Denn der Haschomer Hazair will nicht und kann nicht von seinem konsequenten sozialistischen Weg abweichen und deswegen muß er bekämpft werden. Wir glauben aber nicht, daß es Aufgabe des „jüd. Arbeiter" ist, hier in die Front der „Neuen Welt" Strickers einzuschwenken. wie sich Genosse Berger zum Dementi des „Haschomer Häzäif" äußern wird. 1 Ich will gestehen, daß mich diese Nachficht keinesfalls überrascht hat. Ich habe solche Erscheinungen seit langer Zeit für möglich gehalten. Und zwar aus demselben Grunde, auf welchen in der erwähnten Notiz bereits hirtgewiesen wurde. In der Erziehung des „Haschomer Hazair" bildet die extreme Ablehnung der Sozialdemokratie eines der wichtigsten Elemente. Der Gruppe in Wien genügte das allein, um an der Vereinigung der zionistisch-sozialistischen Kräfte nicht teilzunehmen. Durch diese Erziehung werden die Mitglieder des H. H. in die Arme der Kommunisten getrieben, insbesondere, wenn sie nicht nach Palästina gehen, oder wenn sie nach einiger Zeit von Arbeit im Lande dasselbe verlassen. Das ist meine Ueberzeugung, die auch durch gründliche Beobachtungen bekräftigt wurde. Wenn sie nun den Kommunistert irt die Arme fallen, liegt es im Bereiche der Möglichkeit, daß sie von jenen Gruppen mitgerissen werden, die für Hitler stimmen, in der irrigen Annahme, daß der Weg zur kommunistischen Diktatur über die Diktatur des Hakenkreuzes führe. 3. Ich kenne die Literatur des „Haschomer Hazair", ich weiß seine Verdienste in der jüdischen Jugend und in Palästina zu würdigen. Deshalb habe ich es auch als nötig; erachtet, vor den Gefahren ihrer Erziehungsmethode zu1 warnen. Wenn aber die Bundesleitung meint, daß das genügt, um sich eine dauernde Position zu sichern, so will ich nur auf die Gruppe Elkim im „Gdud" verweisen, die zweifellos in der jüdischen Jugend und in Palästina Respektables leistete und trotzdem zu einem zersetzenden Element in der Arbeiterschaft Palästinas geworden ist. Ihre Führer gingen zu den jüdischen Kommunisten nach Moskau. Wenn der H. H. sein „Kommunistein" nicht aufgeben wird und auch weiterhin außerhalb der politisch organisierten jüdischen Arbeiterschaft bleiben wird, ist sein Schicksal das der Elkim-Gruppe im „Gdud". 4. Die Bundesleitung irrt, wenn sie glaubt, durch den Beweis, daß auch von anderen zionist. Gruppen Menschen zum Kommunismus übergehen. Erstens, ist die Zahl der aus dem H. H. zu den Kommunisten Uebertretenen viel höher als die der anderen Gruppen, bei ihnen kann man fast von einer Massenerscheinung reden. Zweitens, und das ist das wesentliche, bei den" anderen Gruppen kann eine Beeinflussung äußerer Erscheinung und Ereignisse einen Uebertritt zu den Kommunisten bewirken, während er bei dem H. H. ein konsequentes Resultat seiner Erziehung ist, wenn wenn auch ungewollt. Das war der Sinn unserer warnenden Worte. Mendel Singer. Bücher-Eiitlauf „Welt yn Mensch", Gedichte von Malka Locker, Verlag Triangel, Paris. Dieser über 300 Seiten starke. Gedichtband, mit dem; Gen. Malka Locker in der jiddischen Literatur debütiert,, enthält an die 300 Gedichte, und wird vom amerikanischen jiddischen Literaturkritiker Chajim Liebermann eingeleitet. Eine ausführliche Besprechung folgt. Wo speist man im Sommer? Bei M. EILEN Vegetarisches Speisehaus 16., Unt. Augartertjtraße 13 Neu renoviert! Volkstümliche Preise! Eingang Förstergasse 7 Tel, A-49-3-1S Treffpunkt der jüdischen Jugend t Erklärung des Genossen Singer Ich bekenne mich als Autor der Notiz im „Jüd. Arbeiter", gegen die sich die Bundesleitung des „Haschömer Hazair" wendet und sehe mich gezwungen, folgendes zu erklären: 1. Die Nachricht über die Mitglieder der „Haschomer Hazair" in Deutschland, die für Hitler gestimmt haben sollen, stammt von Dr. H. Berger, dem führenden Genossen der Poale-Zion Deutschlands, der auch Korrespondent des „Dawar" ist. Einer Mitteilung von solcher Seite darf man selbstverständlich Glauben schenken. Es bleibt abzuwarten, Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1930 Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1930 Garantiemittel Ende 1930 Auszahlungen an d. Versicherten i. J. 1930 2.560 Millionen Schilling 150 „ 378 „ 35,5 Tätigkeitsgebiet; Oesterreich, Deutsches Reich, TschechoslovaWsche Republik, Belgien, Holland« Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Pinkas Kornbiqh, Student, Wien, II., Schiffmühlen straße 45/8. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstraße 52b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.