Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 11 (3.6.1932)
- Date
- 1932-06-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Universität* bibliotnek Üb jüdische Arbeiter Organ der Vereinigte^zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitachduth in Österreich J . Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, iL, Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Wien, 3. Jutti 1932. 9. Jahrgang. Nr. 11. Politische Notizen Auf diese Worte müssen Taten folgen. Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Intern nationale nahm in ihrer letzten Sitzung zur Kriegs,- g'efahr im Fernen Osten Stellung und faßte hieben Beschlüsse, die an sozialistischer Konsequenz Lindl Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Es wurden Maßnahmen beschlossen, wie Japan gezwungen werden soll, Schanghai bedingungslos sofort zu räumen. Ueber die Versuche der japanischen Militaristen, Sowjetrußland in einen Krieg zu verwickeln',1 heißt es dann: Die Arbeiter werden sich mit der Verteidigung der Sowjetunion solidarisch erklären, falls sie angegriffen wird und das Attentat auf den Frieden anprangern. Sie werden jedem Uebergreifen des Krieges auf andere Länder entgegentreten, ebenso wie sie sich jedem Versuch widersetzen werden, andere Länder in den Krieg .gegen Sowjetrußland einzubeziehen. Falls Sowjetrußland gezwungen sein sollte, sich gegen •einen Angriff zu verteidigen, rechnet die SAI darauf, daß alle ihr angeschlossenen Parteien, die ihre Tätigkeit innerhalb der Grenzen der Sowjetunion entfalten, sich gemäß den in der Berliner Resolution gegebenen Richtlinien verhalten und. sich jeder separatistischen und aufrührerischen Handlung widersetzen, die zur Lähmung 4er Verteidigung Rußlands gegen einen japanischen Angriff führen müßte. Die SAI stellt überdies fest,' daß die Verteidigung der Sowjetunion um so besser gesichert sein wird, je mehr die Politik der Regierung der Sowjetunion allen sozialistischen Kräften des Landes die aktive Teilnahme an der Verteidigung der russischen Revolution ermöglichen wird. Zu den1 Gefahren eines neuen europäischen Krieges .überhaupt wird in folgenden Worten5 Stellung ^genommen: Für die Sozialisten aller Länder wird es sich im Falle eines neuen Krieges darum handeln, nicht allein die Interessen der verschiedenen Völker, sondern zugleich die Interessen der Arbeiterklasse und der gesamten Menschheit zu verteidigen. Alle Einzelaufgaben müssen den Zielen des internationalen Sozialismus untergeordnet werden,, die gleichbedeutend sind mit den Interessen des Friedens. Wenn der Krieg trotz allen Versuchen, ihn zu verhindern, dennoch ausbrechen sollte, so wird es erste Pflicht der davon berührten Parteien sein, alle ihre Anstrengungen darauf zu lenken, eine einheitliche internationale Politik der Arbeiterklasse im Kampfe für den Frieden zu sichern. Diesen eindeutigen Worten ist wirklich nichts^; hinzuzufügen. Auf diese Worte müßten nur Taten folgen. Die Nazi trainieren für den Pogrom. Ihren Einzug in den Wiener Gerneinderat' feierten die Nazi durch einen Ueberfall auf die kleinen jüdischen Geschäftsleute in der Judengasse. In den1 folgenden Tagen wiederholten sie diese Ueberfälle.; An der Salztorbrücke 'griff ein nationalsozialistischer;. Messerheld einen jüdischen' Arbeiter an und verletzte, ihn erheblich. Wie wir also sehen, haben1 die Haken-* 'kreuzler ohne große 'Mühe das „raffende jüdisch«* Kapital" ausfindig gemacht und es angegriffen ..* Die Nazi haben das Training für den Pogrom er-i Öffnet.; , Bezeichnend ist, daß sich die Juden in allen diesen Fällen zur Wehr gesetzt haben! und den Raufbolden bewiesen, daß sie nicht nur auf die PoliizqÄ angewiesen .sind. Die verläßliche Polizei hat auch! jedes Mal nach geschehener Tat eingegriffen und die; insultierten Juden, die sieh zur Wehr, gesetzt haben — verhaftet. Die jüdische Bevölkerung! ist entschlossen, nicht untätig den räuberischen Ueberfällen der Haken-, kreuzler zuzusehen. Das beweisen uns die ersten! Ueberfälle. Wir werden uns wehren! Eine Warnung an die Adresse des „Haschomer Hazair". In Deutschland haben bei den letzten Wählern des Reichspräsidenten Mitglieder des „Haschomer Hazair", dem Beispiele mancher kommunistischer Gruppen folgend, für Hitler gestimmt. Das ist das Resultat der Erziehungsarbeit dieser Jugend, die ani „Radikalismus" niemals genug haben kann. Dahin führt der Antisozialismus und der „Kommunismus" des „Haschomer Hazair" (Kibuz Arzj): In Deutschland in einer Front mit dem Großkapital für Hitler, in Palästina geben sie die Reserven ab für jene „kommunistischen Klassenkämpfer", die in denselben! Worten, wie die Leute des Mufti, zu Judenpogromen) hetzen. Haben diese Jugenderzieher noch immer nicht erkannt, wohin ihr Weg führt? ' Wer übt Brunnenvergiftung? Unsere „Radikalen Zionisten" beklagen sich darüber, daß wir den pathologischen Haß( ihres Blattes gegen die organisierte Arbeiterschaft und die Sozialdemokratie als solchen erkannt und bezeichnet haben. Sie sind darüber ungehalten, daß unser Blatt (nebenbei: „Der jüdische Arbeiter" ist nicht mehr Organ der Poale Zion, sondern der, Vereinigten Partei Poale Zion—Hitachduth) den Brunnen vergiftet... Mit der Partei der „Radikalen" ist wirklich nicht leicht zu polemisieren. In ihref Brust wohnen, ach, zwei Seelen! Die eine ist arbeitenfreundlich, sozialistelt, ohne sich für eine sozialistische Partei entschließen] zu können, während die anderie'/ vom Flaß. gegen Arbeiterschaft und Sozialdemokratie erfüllt ist.. Nun. Montag, den 6. Juni. 1932, 8 Uhr abends, Borochowheim, II., Blumauergasse 1 Vortrag Referent: Herr Adolf Böhm. Thema: „Jachin" und die Mittelstandskolonisation in Palästina. Anschließend Aussprache. wollte es der Zufall, daß zur Zeit der letzten Wiener Gemeinderatswahlen die sozialistische Seele in Palä^ stina weilte und die arbeiterfeimdliche sich hier nach1 Belieben austoben konnte. Es freut uns sehr, daß der JArbeiterfreundliche" bei den Radikalen unser Blatt mit Interesse verfolgt, wir würden 'ihm aber empfehlen, die Nummern seines Parteiblattes nachzulesen, die während seiner Abwesenheit erschienen sind. Er wird dann die Quelle der „Brunnenvergiftung" leichti. (entdecken können. Die Malversatiönen in der Wiener Kultusgemeinde. Der Leiter der Material Verwaltung der Wiener Kultusgemeinde, Herr Max Popper, hat sich schwere; Malversationen zuschulden kommen lassen. Der Stand der gerichtlichen Untersuchung erlaubt nicht, den Fall ausführlich zu besprechen. Das ist auch der Grund> warum die Kultusgemeinde selbst die jüdische Oeffentlichkeit über diesen traurigen Fall bis jetzt 'nicht informiert hat. Einige Bemerkungen dürfen wir aber .wohl machen: Die in der OeffentliChkeit verbreiteten' Gerüchte über die Höhe des Betrages der Malversation scheinen übertrieben zu sein. Es empfiehlt sich! überhaupt, die jGerüchtemac'h'er und alle jene Elemente, die stets mit der Aufwühlung eines Drecksl an die Oberfläche gelangen, mit Vorsicht zu behandeln. Seit dem Einzug .der Sozialisten in; die Wienert Kültusgemeinde, haben , sie vor der Omnipotenzj 'und Selbstherrlichkeit der lobereu Beamten gewarnt.- Unsere Warnlungen blieben unbeachtet. In einen Körperschaft aber, in welcher . solcher Zustand herrscht, reißt leicht eine Kontrollosigkeit unten den Allgewaltigen ein. Die Leitung der Kultusgemeinde sollte aus; diesem' Falle die richtige Lehre ziehen. Gedenket des Paläitina*Arbeiter«Fonds Beteiligt Euch an der Aktion für den Palästina-Arbeiter-Fonds Genossen! Entrichtet den Schekel! Wir hatten vor kurzem Gelegenheit, aus dem 'Munde des Genossen Locker zu hören, welche Bedeutung der Schekel-Aktion im gegenwärtigen Zeitpunkte zukommt. Wir appellieren deshalb an alle Genossen und Freunde, daß sie den Schekel entrichten. In den nächsten Tagen werden, Vertrauensmänner unserer Organisation an alle Genossen herantreten: und sie zur Zahlung des Schekels auffordern. Wir erwarten, daß man den Vertrauensmännern die Arbeit erleichtern wird. Zahlet den Schekel und werbet für ihn! •: Die Poale-Zion in der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Der „Bund" wird von unserem Vertreter abgefertigt An der Sitzung der Exekutive der Sozialistischen - Arbeiter-Internationale, welche am IQ. und .20. Mai in Zürich stattfand, nahm als Vertreter der Poale-Zion Gen. M. Jarbluni teil. , Ein /maskierter Angriff des „Bund". In der Debatte über, den Bericht befaßte sich der Vertreter des „Bund", Gen. Ehrlich, u. a. auch mit Palästina und Zionismus. Er meinte, daß'im Berichte über Palästina" nur von Zionistenkongreß, Jüdischer Agentur und Muselmanischen Kongreß die Rede ist. Ist der Internationale die zionistische Bourgeoisie, die plutokratische Agentur, oder die jüdische Arbeiterschaft angeschlossen, fragte Ehrlich mit vorgetäuschter Naivität: Unsere Erwiderung. Gen. Jarblum erwiderte darauf Ehrlich ungefähr folgendes: Gen. Ehrlich sprach seine Verwunderung darüber aus, daß im Sekretariatsberichte über Palästina nur von Zionistenkongreß, Jüdischer Agentur und Muselmanischem Kongreß gesprochen wird, nicht aber über die jüdische Arbeiterschaft. Ich wundere mich ebenfalls darüber, aber ich nehme an, daß dieser Vorwurf nicht das Sekretariat, sondern zumindest zum großen Teile uns trifft. Seit dem Wiener Kongreß haben wir dem Sekretariate keine Informationen, keine Daten über unsere Tätigkeit mitgeteilt. Unsere Genossen in Palästina stehen mitten im Kampfe, bauen und schaffen, sind mit täglichen Sorgen und Schwierigkeiten überhäuft. Sie werden von der Arbeit derart in Anspruch genommen, daß sie nicht dazukommen, einen Tätigkeitsbericht abzufassen. Das sollte aber nicht sein und ich werde mich bemühen, daß künftighin das Sekretariat informiert1 werde über all das, was den Gen. Ehrlich so sehr interessiert. Zum Berichte des Sekretariats will ich nur hinzufügen: Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas hatte seit dem Wiener Kongreß viele Kämpfe durchzufechten und die Erfolge dieser Kämpfe können uns mit Stolz erfüllen. Es ist ihr gelungen, die reaktionären Faschisten und die kommunistischen Elemente zurückzudrängen. Die sozialistische Arbeiterpartei in Palästina baut täglich ihre Position aus. Das konnten wir aus den verschiedenen Wahlergebnissen der letzten Zeit ersehen, wie auch aus der positiven Arbeit der Organisation. Es gibt nicht viele Parteien, die sich in einer derartigen gefestigten Position befinden, trotz der vielen Schwierigkeiten und Hindernisse.; In der Frage der Beziehungen zu den Arabern kann man den jüdischen Arbeitern keinen .Vorwurf machen, Sie sind vom ernsten Willen durchdrungen, die arabischen, Arbeiter zu organisieren, ihnen behilflich zu sein im Kampfe gegen die feudalen, reaktionären Elemente, die sich um, den Muselmanischen Kongreß sammeln. Es darf nicht übersehen werden, unter welchen schwierigen Bedingungen und unter welchen Menschen unsere Genossen die sozialistische. Propaganda entfalten müssen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen können sich deshalb erst nach einiger Zeit einstellen. Auf jeden Fall hat die jüdische Arbeiterschaft in Palästina berechtigten Anspruch auf begeisternde Zustimmung seitens aller Sozialisten für die wichtige Arbeit, die sie für die Sache des Sozialismus leistet. Der „Bund" und die internationale Solidarität Da von der internationalen Solidarität des Proletariats die Rede ist, will ich die Aufmerksamkeit des Sekretariats auf einen sehr betrüblichen Fall lenken. Ich las in bürger*