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Der Jüdische Arbeiter · 1932-05-13 · Heft 10 (13.5.1932) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 10 (13.5.1932)
Date
1932-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Q^^^d^feg;;;j^i>e^..............t„ „_ ■•■««•■««■•MtfMlMMMNMrtMMMMMaMMNB^mM^ idfs^ nt(rtte>TJitiwKU^ lang (mit einer zwteltatigett UnierbrethÖh!g);'üi!l endlich Sein „ÜrteiP 'zu erhäiten, daß er für drei' jähre fläch Kern arit' „Weißen Meere" verbannt sei; ÖMVöhl das Klima iri sefhetfi Verbannungsort unerhört' streng ist, bekam ef vöh def 0.''^rÜ."--kejflW Wittterkleidltngf ünd es bedürfte erst def Bemühung seiner Moskauer Genossen, ürri einen Wärmer! Mäntel zu bekommen. 5 andere Genossen, die während des Hungerstreiks des Gen. Lang arretiert wurden^ sind -zweimal in den Hüngerstreik getreten um ihr „Urteil" zu. erfahren. 2« Tääehkent. Zwei Genössen (Mann und Frau), dte von >def Verbänttühg in Käsakstaft nach Taschkent ge» bracht wurden, um dort weitere 3 jahfe zu büßen, Sind Ende 1931 arretiert worden, ohne daß man ihnen den Grund angegeben hätte. Sie haben infolgedessen den Hungerstreik erklärt. Die Resultate sind noch unbekannt. (Das Mitteilungsblatt enthält noch eirt langes Verzeichnis von Genossen Und Genossinnen die nach den verschiedensten Winkeln verbannt wurden* und andere) die in den Kerkern schmachten. Wir können aber diese Fülle von Namen und Tatsachen aus Raummangel nicht bringen. Hingegen werden wir zwei überaus interessante Briefe verbannter Genossen in der nächsten Nummer veröffentlichen.) Elieser Steinbarg. Dem jüdischen Kinde ist sein größter Freund', sein größter lebender Dichter entrissen worden; In Czernowitz ist Elieser Steinbarg gestorben... Steinbarg? Viele Assoziationen wird dieser Name bei unseren Lesern kaum wecken. Denn der Kreis derer, die ihn1 kennen, ist nicht weit gezogen, noch' engen aber der Kreis derer, die seine Bedeutung für die jiddische Literatur und darüber hinaus für die lebendig jiddische Kultur voll ermessen können. En war der „Lamed Wuwnik" der jiddischen Literatur, der unbekannte und unerkannte Heilige, der, abgewandt von allem Trubel, in aller Einsamkeit einem großen Ideal, einer großen Liebe, lebt. Und seine große Liebe galt dem jüdischen Kinde, für das er Gedichte schuf von wunderbarer Kindlichkeit, von: einer Schönheit, die in ihrer kindlichen Einfachheit und Naivität einen Funsen von Genialität in sieb haben1. Zwei große Kinderdichter hat die jiddische, Literatur und beide haben etwas von der Einmalige keit des Genies an sich': Schalom Alejehern und Elieser Steinbarg. Man muß nur seine Fibel gesehen haben, die er. vor fahren in Czernowitz herausgab; eine Fibel, ein ABC-Buch für Kinder und dochi — ejne Dichtung) an der Erwachsene ihre Freude haben können. Steinbarg ist der Typus des „reinen Dichters", wie ihn die deutsche Klassik' versteht Die Lust anr Fabulieren ist bei keinem jiddischen' Dichter derart; ausgeprägt wie bei Steinbarg. Seine Tierfabeln haben ihm das Attribut „Der jiddische Lafontaine'' eingebracht. Derartige Vergleiche sind immer ^efähdichi uixd womöglich zu meiden, aber wenn damit die nie versiegende Phantasie, die Einfühlunigsfähigkeit in eine wesentlich andere Geisteswelt — die der Tiere und die oft tiefe Weisheit, die den Clou der Tierfabel bildet — wenn diese Eigenschaften Steinbargs mit diesem Vergleich herausgestrichen werden sollen, dann besteht er zu Recht. In seinen Dichtungen! für Kinder, Fabeln und Gleichnissen besteht Steinbargs einzigartige Bedeutung für die jiddische Literatur. Die Jubüäums-Aktion des Keren Kajemeth. Der Keren Kajemeth ist ein Dreißiger geworden. — Er wuchs mit seinen Aufgaben und gab als erster die Möglichkeit, die nationalen Mizvvoth zu betätigen. Aus einem Bodenfonds wurde er zum sozialen Gewissen der zionistischen Bewegung, zur Institution, die dem an materiellen Mitteln armen, aber an geistigen und moralischen Werten überreichen jungen jüdischen Menschen ein Stück jüdisches Vaterland gibt oder in Aussicht stellt. Der Keren Kajemeth wurde zum Fonde der Jugend und der Erwachsenen, für die Zionismus Aufbau des jüdischen Volkes im Lande seiner Heimat bedeutet. Aufbau — durch unaufhörliche, von keinen äußeren Ereignissen zerstörbare bauende — wörtlich — Arbeit. Das Keren-Kajemeth-Jubiläum gab in Oesterreich allen denen, die,guten Willens sind, Gelegenheit, ihre Liebe für den Fonds durch Taten zu beweisen. Es gelang daher in dieser schweren Zeit bisher S 11.000 aufzubringen. Ein kleines Komitee, für welches unsere Chawerim 80 Prozent stellten, leitete die Arbeit und es gelang, eine große Anzahl von Menschen für die Aktion zu aktivieren. Sie ist noch nicht zur Gänze abgeschlossen. Es soll hervorgehoben werden, daß sich die WIZO als solche — die Leitung und die Bezirksgruppen — mit Hingabe in die Arbeit gestürzt hat. Es ist dies natürlich, denn sie ist ein großer bedeutender Faktor des wirklichen Aufbaues; erwirbt sie sich doch das bereits sichtbar werdende historische Verdienst, die jüdische Frau bei ihrem Ringen nun einen aktiven Anteil bei der Schaffung des Am-Owed, mit allen Kräften zu fördern. Die WIZO brachte S 1300.— auf, unsere Organisation ca. S 700.— (das übernommene Kontingent beträgt S 1000), von den zion. Bezirks-Sektionen brachten VUl./IX. S 700.—, der Prate'f S 344.— auf. Die Leistung unserer Organisation könnte, bei Heranziehung weiterer Mitarbeiter, bedeutend erhöht Werden. Für den Palästirta-Arbeits-Fojfids. In Ostgalizien absolviert Genosse Juris mit großem Er* folg eine Werbeaktion für den „Palästina-Arbeiter^Fonds"* Auch In Bielitz wurde eine große Aktion für den P. A. F. und für die „Liga für das arbeitende Palästina" eröffnet. „Von Verheissung zur Verwirklichung". Unter diesem Titel erscheint ein sehr umfangreiches Buch von Gen\ S. Kaplansky irt jiddischer Sprache. Der Bund enthält sowohl Aufsätze aus früheren Jahren, als auch die sehr aufschlußreiche Antwort auf den Simpson- Bericht Der Band, 25 Druckbögen, dürfte Dollar 1.50 kosten* Der Subskriptionspreis beträgt Zloty 7. Bestellungen sind zu richten an Ing. A. Reiß, Warszawa, Skrzynka Pocztowa 941. Unsere 1. Maifeier. Der Aufmarsch. Unsere heutige 1. Maifeier verlief besonders imposant. Das Gefühl des sozialistischen Sieges am 24. April und das Bewußtsein, zu diesem Siege mit Einsatz aller Kraft beigetragen zu haben, gab unserer Feier besondere Weihe. Hat doch der Nazi-Führer Frauenfeld am Vorabend des 1. Mai in einer riesigen Naziversammlung am Karlsplatz erklärt, die „Poale Zion" hätten die Sozialdemokratie gerettet, indem sie an alle Wiener Juden die Losung ausgegeben haben, nur sozialdemokratisch zu wählen. Und da bekanntlich die Wiener Juden, auch die jüdischen Großkapitalisten, sich dem Diktat der „Poale Zion" unbedingt, ohne Murren und Widersprechen fügen — na, haben .sie die Sozialdemokraten gerettet. Wenn auch diese demagogische Lüge allzu grob aufgelegt ist, um nicht gleich in ihrer Absicht durchschaut zu werden, ist es doch eine uns mit Stolz und Freude erfüllende Tatsache, daß durch die aufopfernde Arbeit unserer Jugendlichen — besonders im Sprengel Gr. Sperlgasse — so manche Stimme dem Sozialismus erobert wurde. Wir — und insbesondere unsere Jugendlichen — hatten also vollen Grund, am 1. Mai auch unsern Sieg zu feiern und unser geschlossener Zug war auch viel imposanter als in den früheren Jahren. Die zahlreichen herzlichen Begrüßungen aus den Reihen der Zuschauer zeugten von Sympathie und Anerkennung. Die Transparente „Es lebe das arbeitende Palästina" in hebräischer und deutscher Sprache weckten das Interesse der sozialdemokratischen Massen für das sozialistische Palästina und so gestaltete sich unser Zug zu einer imposanten Demonstration für den proletarischen Zionismus und das sozialistische Palästina. Zu bedauern und schärfstens zu tadeln ist die Gleichgültigkeit vieler älterer Genossen, die aus dem einen oder andern Grunde zu Hause oder unter den Zuschauern geblieben sind. Mehr Disziplin wäre am Platze! Die künstlerische Maifeier. Ein reichhaltiges Programm und. gelungene Ausführung, boten unsern Genossen, die den Festsaal des Hotel Post bis aufs letzte Plätzchen füllten, einen erlesenen künstlerischen Genuß. Der Sprechchor der JSAJ eröffnete die Veranstaltung, worauf dann Gen. Ringel haupt vom Politischen Kabarett drei revolutionäre Dichtungen zum Vortrag brächte. Besonders wirkungsvoll war das wunderschöne, tiefempfundene Gedicht „Drei Minuten" von Kurt Tuchelsky — eines der stärksten Antikriegs-Dichtungen der revolutionären deutschen Lyrik. Viel Beifall löste der Klaviervortrag der Konzertmeisterin, Frl. Gärtner aus, die besonders im zweiten Teil klaviertechnisch sehr gelungen waren. Die Festrede hielt Gen. Mendel Singer. Von der politischen und weltwirtschaftlichen Situation ausgehend ,umriß er in wenigen Worten den Niedergang des Kapitalismus, kam dann auf die allgemeine augenblickliche Judenlage zu sprechen, um auf die Lage im Zionismus und Palästina näher einzugehen. Beifall und allgemeine Zustimmung fand die von Gen. Singer erwähnte Tatsache, daß letztens die arabischen Hafenarbeiter Palästinas nur mit Hilfe-der Jüdischen Arbeiterorganisation einen Streik gewinnen konnten ,nachdem sie von der nationalarabischen Arbeiterorganisation, die den Interessen der arabischen Arbeitgeber dient, verraten wurden. Der palästinensische Konzertsänger H. S. Urstein sang mit schöner Stimme drei hebräische Lieder, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden. Die Klavierbegleitung besorgte Kapellmeister Ernst Glaser in ausgezeichneter Weise. Der Sprechchor der JSAJ unter der vorzüglichen Leitung des Genossen Willi Hirschhorn brachte ein Werk Tollers zur Aufführung, welches die Zuhörer fesselte und zu begeisterndem Beifall hinriß. Die Arbeit an dem Sprechchor verdient fortgesetzt zu werden. In revolutionärer Festesstimmung wurde die schöne Maifeier mit dem Absingen der „Internationale" geschlossen. Planmäßige Arbeit unserer Organisation. Das Organisationsreferat hat beschlossen, auf ein engeres Zusammenarbeiten aller Chawerirn hinzuarbeiten. Unsere Organisation hat große Aufgaben zu erfüllen; sie wird es jedoch nur tun können, wenn Ordnung und Systematik in unsere Arbeit hineingetragen werden wird. Wiewohl der Sommer erfahrungsgemäß für Arbeiten im den Organisationen nicht sehr günstig ist, haben wir unstrotzdem entschlossen, die Arbeit systematisch fortzusetzen.. Diese wird von zvvei Grundsätzen geleitet sein: 1. Pünktlichkeit und 2. Uebernahme von einigen Arbeiten, die jedoch tatsächlich durchgeführt werden sollen.. Als einen ersten und entscheidenden Schritt führen wir regelmäßige Zusammenkünfte unserer Chawerim ein. Diese werden an jedem zweiten Montag stattfinden,, welcher hiemit zum Tage unserer Organisation proklamiert wird. Alle Genossen müssen sich ihre Zeit so einrichten, daß sie diesen zweiten Montag für unsere Organisation reserviert halten. Die Montagsabende werden umfassen: 7 bis 8 Uhr Leitungssitzung, 8 bis 10 Uhr Bericht über die Vorgänge in Erez Israel und über die Neuerscheinungen der hebräischen Literatur. Nach diesem kurzen Bericht folgt ein aktuelles. Referat mit Aussprache. 10 bis 11 Uhr gemütliches Beisammensein der Chawerim. Hiebei werden ungezwungen hebräische und jüdische Lieder gesungen werden. Alle Veranstaltungen werden pünktlich beginnen, ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden. Ueber das von unserer Organisation in der Sommerzeit noch zu Leistende werden wir noch genauer berichten. Die nächsten Veranstaltungen: Montag, den 23. Mai, 8 Uhr abends, im eigenen Heim, IL, Blumauergasse 1: Dr. Willy Schorr: Bericht über meine Palästinareise. Montag, den 6. Juni, und Montag, den 20. Juni: An diesen beiden Abenden wird über „Mittelstandskolonisation und Jachin" und (wahrscheinlich) über „Haschomer-Hazair innerhalb der zion. Arbeiterbewegung" gesprochen werden. Protokoll der Verhandlungen des 17. Zionistenkongresses, Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931, herausgegeben vom Zentralbiiro der Zionistischen Organisation Londen, ist soeben erschienen. Den sechzehn bereits zur Tradition gehörenden Bänden schließt sich nun würdig der siebzehnte Band des Protokolles. an. Es ist dies ein stattliches Werk von mehr als 000 Seiten,, übersichtlich zusammengestellt und geschmackvoll gedruckt und gebunden. Das Buch enthält neben einem wörtlichen Bericht über die denkwürdigen Verhandlungen des Kongresses und der Jewish-Agency-Tagung eine Reihe von interessanten Materialien über Zusammensetzung, Einrichtung- und parlamentarische Gruppierung des Kongresses und eine systematische Zusammenstellung der gefaßten Beschlüsse und der vorgenommenen Wahlen. Das Protokoll bildet eine verläßliche Informationsquelle,, ein wichtiges Dokument zur Geschichte der zionistischen Bewegung und ein unentbehrliches Nachschlagebuch, das sich, in der Hand eines jeden am öffentlichen Leben interessierten. Juden und — selbstverständlich — in der Hand eines jeden Zionisten befinden muß. Das Protokoll ist auf starkem holzfreien Papier schört gedruckt und vornehm gebunden. Ein Exemplar kostet: in. Halbleinen 6 RM., in Ganzleinen 8 RM. Zu bezichen durch jede Buchhandlung, sowie gegen Voreinsendung des Betrages direkt vom Zentralbüro der Zionistischen Organisation, 77, Great Russell Street, London W. C. 1. Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1930 2.560 Millionen Schilling Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1930 150 „ „ Garantiemittel Ende 1930 378 „ „ Auszahlungen an d. Versicherten i. J. 1930 35,5 „ Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien» Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tuais und Aegypten eiftentumer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Pinkas Kornblüh. Student, Wien. IL, SchiffmühlenstraBe 45/8. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstraße 52b.

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