Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 10 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ös JÜDISCHE ARBEITER Organ der Vereinigten zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitächdttth in Österreich Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, I)., Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2-50 Einzelne Nummer 20 Broschen Nr. 10. Politische Nötigen. Sonderbare Patrioten. Das Blatt der „Radikalen! Zionisten" (Leitung Dr. Plasch'kes) dankt in seiner letzterschienenen Nummer den jüdischen Wählern, daß sie seine Parole befolgt und sich' der Wahl enthalten haben. Diel Herren1 frohlocken auch' darüber, daß in der Leopoldstaidt und am Aisergrund viele Juden der Wahl; ferngeblieben sind. Es ist gana unbegreiflich, wie diesej jüdischen „Patrioten" durch1 ihren pathologischen, Haß gegen die organisierte Arbeiterschaft und die Sozialdemokratie mit Blindheit geschlagen sind. Durch' die geringere Wahlbeteiligung ist es "den1 Hakenkreuzlern erleichtert worden, in den 2 judenreichsten Bezirken. Grundmandate. in den Wiener Gemeinderat zu erlangen. Die „Radikalen" sind nun stolz darauf, zu, diesem Erfolg ' der Hakenkreuzler beigetragen zu[ haben und jubeln darüber. Wenn man ein Mono-i pol auf hundertprozentigen Patriotismus besitzt, wie: die „Radikalem" und die „Revisionisten", darf man scheinbar alles gegen das Interesse der jüdischen! Gemeinschaft tun und man bleibt unantastbar. Daß aber die jüdische Bevölkerung solche Leute und Gruppen duldet, finden wir unbegreiflich. * Ein Vorbote der Neuwahlen. Neuwahlen in den Nationalratstehen.Jäexor und es könnte Gott behüte passieren, daß Herr Ober^ •haurat Stricker unter den zwecklosen Zählkandidaten •nicht erscheinen soll, da die Jugend der Revisionisten} keine Lust hat, die Landespolitik! ihres Führers mit-* zumachten1. Angesichts des Resultates der Wiener Gemeinderatswahlen erscheint es'auch fraglich, ob sich die Juden bei kommenden Nationalratswahlen der Wahl. enthalten würden, um die Wahl der Hakenkreuzler zu erleichtern'. Wie soll man aber seinen! wütenden Haß gegen die organisierte Arbeiterschaft) und die Sozialdemokratie bekunden? Da taten sich; drei Herren aus dem revisionistischen Lager zusammen und „gründeten" in angemessener, Bescheidenheit eine — — — „Jüdische Volkspartei".. Die „Hundertprozentigen" scheinen unbelehrbar zu sein. \ * Herr Sch'mitz will die Hakenkreuzler übertrum pf en. Wir begreifen den Schmerz der, Christlichsozialen,, wenn sie wahrnehmen, daß ihre Jugend zur Gänze; in das Lager der Hakenkreuzlen überläuft. Die einstige] Partei des „kleinen Mannes" ist zur Beschützerin! des Großkapitals geworden, was hätte? also die Jugend' der Handwerker und Kaufleute bei ihr zu suchen? Was Wunder, daß sie die radikalen Phrasen der Nazij locken? Unter dem Eindrucke der Niederlage bei, den. Wiener Gemeinderatswahlen versuchen nun die Christlichsozialen, ihre Wähler wieder 25U1 gewinnen. Mit welchen Mitteln? Etwa dadurch, daß sie dem Großkapital den Kampf ansagen und sich den Bedürfnissen, des schwer ringenden Gewerbes und des Handels zuwenden? O, nein! Sie versuchen es mit einer Uebertrumpfun'g der Hakenkreuzler in puncto Judenhaß und schicken den oft bewährten Herrn Schmitz an; die Front. Das ist aber ein müßige^ Beginnen. Die Nazi haben für die Juden die „Nacht der langen Messer" proklamiert, wie kann man das übertrumpfen? Höher gehts nimmer! — — — Die Herren um Schmitz werden uns nicht irreführen, wenn sie „die Gründung; des jüdischen Na-, tionalstaates und die Vergrößerung der zionistischen. Bewegung" als einen der Gründei für den wachsenden] Judenhaß anführen. Die assimilatorischen Juden der „Union" mögen sich' über die Aeußerung des Herrn Schmitz freuen („Die Wahrheit", Nr. 19), wir wissen), daß es den Judenfeinden nie an Vorwänden und Ausreden für ihren Haß uns gegenüber gemangelt hat. Den einen sind wir zu feig, degeneriert und minder-, wertig, den anderen, jene legendäre Macht der „Weisen! " von Zion", die die ganze Welt beherrschen will; die einen behaupten, uns zu hassen, weil* wir die Vertreter des Kapitals sind, die anderen^ weil v wir ihnen die Arbeitsstellen wegnehmen; did einen verfolgen uns mit ihrem Haß, weil wir uns in „ihr" Deutschtum eindrängen und rufen uns zu: Wien, 13. Mai 1932. „Horuck nach Palästina!", die,anderen, weil wir einen, Judenstaat gründen wollen. Die Herren werden ihrer davonlaufenden Jugend mit dem neu angestimmten Liede vom Judenhaß! kaum imponieren,' hier ist die Konkurrenz der Nazi leistungsfähiger, sie werden aber auch uns nicht irren führen1, wir wissen: den Judenfeinden wie dem Todesboten hat es nie an Ausreden gemangelt ... * Ist die jüdische Gemeinschaft Freigut? Im „Neuen Wiener Journal" veröffentlicht ausgerechnet Herr Beda eine Aufforderung zur Unterstützung der Gründung eines „Jüdischen Selbstschutzes". Es nimmt uns nicht wunder, daß der erste Satz dieser Aufforderung, sich gegen die „Vordringlichkeit und Machtgier der jüdischen Marxistenführer, Breitner, Bauer, Danneberg, Deutsch, Broczyner, Allina, Pick und Konsorten" wendet, der zweite Satz eine Verbeugung vor „unsere ausgezeichnete, absolut verläßliche Polizei" enthält, die „jede Pogromdrohung im Keime ersticken kann" und im dritten Satz um Geldüberweisung an die Credit-Änstalt für den „Jüdischen Selbstschutz" gebeten wird. Antimarxismus, Pap Kampf Der j'flOfsthen flrbeitersdiait an der sozialistische« und zionistisdien front Über dieses Thema spricht BERL LOCKER Mittwoch, den 18. Mai, um 8 Uhr abends in den Kunstspielen „Pan6' Wien L, Riemergasse 11 Erscheint zahlreich! Vertrauen' an die hakenkreuzlerisch angesteckte Polizei und die Geldadresse für den Selbstschutz bei. der Credit-Anstalt, das entspricht dem Ernst eines Schlager-Librettisten. Aber seit wann bilden für die jüdische Gemeinschaft eminent wichtige Fragen einen Stoff für die politische Betätigung eines Librettisten? Ist die jüdische Gemeinschaft Freigut? Kann jeder Schlager-Autor in ihrem Namen auftreten? Wir weisen' diesen Versuch mit aller Entschiedenheit zurück. Möge Herr Beda bei seinen „Bananen" bleiben und den Schutz der jüdischen Gemeinschaft jenen überlassen, die dazu berufen sind. Hände weg, Herr Beda! Albert Thomas. Kurze Zeit nach dem Ableben Turatis habeni wir den Tod eines zweiten großen Führers des Weltproletariats und eines Freundes unserer Bewegung zu beklagen. Von seiner Arbeit weg entriß uns der Tod den! unermüdlich wirkenden Albert Thomas. Seit Kriegsende widmete sich Thomas zur Gänze dem' internationalen Arbeitsamte. Sein Wirken in . letzten Zeit galt hauptsächlich der Milderung der Weltwirtschaftskrise. Er unterbrach diese Arbeit für einem Tag und eilte nach Paris, ,um bei der Wahl seine! Stimme für die sozialdemokratische Liste abzugeben: und dort ereilte ihn der Tod, Er starb an Herzschlag infolge Uebermüdung. Albert Thomas zählte zu den aufrichtigsten Freunden des Palästinaaufbaues. Wir erinnern uns noch) an seine warmen Begrüß ungsworte auf dem letzten zionistischen Kongreß in Basel. Er äußerte dort den Wunsch, den nächsten Kongreß, in Palästina begrüßen zu dürfen. Leider blieb es ihm versagt. Wir trauern mit der französischen Partei und mit! dem Weltproletariat um diesen schweren Verlust. 9« Jahrgang. Gruß an Berl Locker. In den nächsten Tagen werden wir in unserep Mitte unseren Führer Berl Locker begrüßen können. Locker ist in den letzten Jahren oft bei uns ge^ wesen, in den Kriegs- und Nachkriegsjahren wirktet er lange Zeit hindurch in Wien. Jetzt kommt Lockten;ZU uns in seiner Eigenschaft als Mitglied der Zionistischen Exekutive und Leiter des Organisations- Departements. In einem außerordentlich schwieligen Momente hat die jüdische Arbeiterschaft Berl Locker,, gemeinsam mit Ariosserow; in die Exekutive entsendet Im vollen Bewußtsein der Verantwortung, die eri auf sich genommen, hat Locker mit kräftiger Hand seine Arbeit in Angriff genommen und der Erfolg ist auch nicht ausgeblieben. Ein neuer Geist ist in die zionistische Weltbewegung eingezogen, ein Geist der Konsolidierung, der energischen Abwehr aller Störunge- und Zerstörungsversuche, der ruhigen, sachlichen Arbeit. An dieser Wandlung zum Besseren hat Locker großen Anteil. Für uns ist aber Locker nicht nur der an exponierter Stelle wirkende Führer, nicht nur Lehrer, einer Generation von Genossen, er ist uns auch* lieber Genosse und Freund. Als solchen heißen wir, ihn in unserer Mitte herzlich willkommen! Es geht vorwärts! P a last i n a, ' d.ä s L a n d o h h e ' A'r bei t s 1 ö s'ügkeit. Die wirtschaftliche Lage in. Palästina ist einer glänzende. Handel und Industrie sind gut beschäftigt. Eine Arbeitslosigkeit, wie sie; Europa und Amerika! jetzt aufweisen, gibt es dort nicht. So wurden beispielsweise Ende April in Tel-Aviv 178 und in Chaifai 200 Arbeitslose 'gezählt. Aus Osteuropa und Amerika macht sich eine Bewegung großer Gruppen von Juden, die mit Kapital nach' Palästina gehen, um es dort, hauptsächlich in Örangenpflanzungen, zu investieren. Die tausenden Juden, die anläßlich1 der Makabiade nach Palästina gingen, kehrten mit hellster Begeisterung über das unaufhörlich wachsendei' Palästina heim. Das ist der Erfolg der unermüdlichen) Arbeit an der Konsolidienung des Aufbauwerkes. Dieser Erfolg brach auch den Widerstand der. Mandatarmacht gegen die Oeffnung der Tore Palästinas. Es wurden zweitausend Zertifikate erkämpft, einie Zahl, die viel geringer ist, als die gegenwärtige Aufnah msfähigkeit des Landes. Diese herrliche! Entwicklung in Palästina bildet jetzt den einzigen Lichtstrahl* im sonst düsteren Jammertale des jüdischen Lebens in aller Welt. Es lauern aber Gefahren über diesen einzigen Lich'twin'kel unseres Lebens. Die Revisionisten^ die erst vor kurzem eine große Blamage erlebt haben:,, indem sie die Erfindungen eines fragwürdigen indischen Journalisten als offizielles Dokument in sensationeller Aufmachung ausposaunten, halten es für; ihre Pflicht, die zionistische und allgemein jüdische Oeffentlichkeit durch politische Alarm nächrichten unaufhörlich zu beunruhigen. Sie lenken die zionistische Bewegung von ihrer eigentlichen Aufgabe, der Arbeit für die weitere Entfaltung des Aufbauwerkes ab. — Ihre Gesin'nungsverwaiidten in Palästina, die Kolonisten um Möschen Smilansky, gefährden durch ihre) Gegnerschaft zur jüdischen Arbeit die Eingliederung! der einwandernden jüdischen Arbeiter in die Wirti schaft des Landes. Auf der anderen Seite stehen die Agenten Moskaus, die in verbrecherischer Art auf eine Gelegenheit lauern; um in Palästina blutige Kämpfe zu entfesseln.* Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina verfügt über? Beweise, daß diese .,Helden der Völkerbefreiung"i' gelegentlich der Messe in Tel-Aviv einen Pogrom} provozieren wollten. Man ist diesen Verbrechern auff die Spur gekommen und ■ sie machten sich eilig aus! dem Staube, aber die Gefahr dieser kommunistischen) Provokateure ist noch' lange nicht beseitigt, Was könnten wir' tun, um diese Gefahren den unverantwortlichen Elemente zu beseitigen? Wir müs-? sen die ganze Aufmerksamkeit des jüdischen Volkes und seine Energie auf die» Kräftigung und Erweiterung