Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 9 (28.4.1932)
- Date
- 1932-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DeB jüdische Arbeiter Organ der Vereinigten zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitachduth in Österreich Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, Ii., Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr, 9.___Wien, 28, April 1932, Zum ersten Mai 1932. An alle arbeilenden Juden! Die Wirtschaftskrise, die der Kapitalismus heraufbeschworen hat, hält unvermindert an. Die Sieben^ malweisen! des Kapitalismus stehen dem Elend, in das sie die Welt hineingesteuert haben, völlig ratlos gegenüber. Viele Länder verstrichen sich1 immer mehr ini erbitterter Feindseligkeit gegeneinander. Im fernen'5 Osten ist Blut geflossen, das chinesische Volk isti vom imperialistischen' Japan überfallen und gemordet worden, während in Genf unter. Patronanz des' Völkerbundes Abrüstungskomö.die gespielt wird. Der in Mitteleuropa anschwellende. Faschismus beschwört auch1 hier Selbstzerf leisch'ung .und Völkerkrieg herauf. Der Kapitalismus, wirtschaftlich , bankrott, glaubt durch politische Gewaltmittel die Umwandlung der Welt1 verhindern zu können. Aufgabe des klassenbewußten Proletariats ist es: daher, am Kampftage des ersten Mai zu verkünden,; daß nur (; Planwirtschaft und Eindämmung der); schrankenlosen Willkür und Ausb'eu-f tungsgier des Kapitals einen Ausweg aus der Krise bahnen können; daß nur die internationale Solidarität des Proletariats den Frieden sie h e r n k a n n. Das jüdische Volk, landlos und wirtschaftlich! ungesund gegliedert, gehört zu den traurigsten Opfern der Weltwirtschaftskrise. Wenn1 auch allen aus dem iWirtschäftsprozeß hinaiisgeschleuderten Menschen die Rückkehr zur schaffenden Arbeit in' absehbarer Zeit nur im beschränkten Maße ermöglicht werden kann, so ist die Existenz der von der Wirtschaftskrise betroffenen Juden völlig ersCh'üt-1 t e r t. Die zahlreichen jüdischen H a n d e 1 s a n g estellten und Beamten werden zu ihren Be-' rufen nie zurückkehren können, da; sowohl der Handel! als insbesondere das Bankwesen in dem früheren Umfange nie mehr wiedererstehen wird. Der ver-t armte kleine jüdische Mittelstand und seine arbeitsuchende Jugend finden infolge des un auf höflich wachsenden Judenhasses und alter Vorurteile den Zutritt zu den auch ohnehin erheblich verringerten Arbeitsstätten völlig verrammelt. Es entsteht deshalb für uns die schwierige und ' verantwortungsvolle Aufgabe, für das volle R e c h t d e ri Juderaauf A r b! e i t in privaten Betrieben wie insbesondere in staatlichen und kommunalen Unternehmungen einzutreten. Zu diesem Kampfe um unsere Existenz rufen wir die arbeitende jüdische Bevölkerung auf. Schließet euch uns in Massen1 an, um einen Erfolg für die unter der Wirtschaftskrise: furchtbar leidende arbeitende jüdische Bevölkerung zu ermöglichen. Eine wichtige Funktion bjei den Bemühungen um Milderung der Folgen der Wirtschaftskrise auf die arbeitende jüdische Bevölkerung, wiei in der Pflege der Kulturgüter des Judentums fällt der autonomen iüdischen Gemeinde .zu, 'die sich im Widerspruche! zu ihrem vorwiegend fürsorglichen und kulturellen Aufgaben kreise noch immer als Kultus gemeinde bezeichnet. Der Kampf um die Demokratisierung und progressive Ausgestaltung der Kultusgem ei nid en bi 1 de t des h'al b ei n en wichtigen Bestandteil unseres Sozialist i s c Iren: Kampfe s. Als in vorigen Jahrzehnten die Juden von schwer ren Wirtschaftskrisen heimgesucht wurden, bestand für sie zumindest die Möglichkeit der Ueberwanderung! in! Länder und Weitteile günstigeren wirtschaftlicher Konjunktur. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die; sich über die ganze Welt erstreckt, hat den, wirtschaftlich entwurzelten Juden auch diese Möglichkeif genommen. Auf ein einziges kleines: Land, auf Pal,ästiwa, sind die Augen Jiun der tt aus ender, Juden1 in: allen Teilen der Welt gerichtet Mit beispiellosem Mut, mit vereinzelt dastehender Ausdauer urid Opferbereitschaft ist dort die arbeitende jüdische Bevölkerung am Werk, um an öden, v e r 1 a s s e n e n L a n d s t r i C h e n n e u e K u 11 u r z u erobern' und eine Heimstätte fün das Arbeit u Ii d Land suchende j ü d i s c h e V o 1 'k zu errichten. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas, wie die zionistisch-so'zjialistis'Che Arbeiterschaft und Jugend aller Länder betrachtet es als ihre Aufgabe, das neue Palästina auf der Grundlage freier Arbeit, bei Eindämmung des Profits des Privat Kapitals und des vollen Einvernehmens mit dem arbeitenden arabischen Volke des Landes aufzurichten. Bei Erfüllung dieser Aufgabe stößt die jüdische Arbeiterschaft auf den Widerstand! der r e a ktionären, feudalen arabischen Machte lfaber, die die unaufgeklärten arabischen Massen; 'gegen die Juden aufhetzen und hiebei von den Kolon ia 1 beam ten des britischen I m p e r i a 1 i sh mus unterstützt werden, wie auch der arbeiterfei nd^ liehen, faschistischen Z i o n i s t e n - R e v i s i o n i s■ t e n. Im Bewußtsein, daß wir durch den Aufbau des1 arbeitenden Palästina die Normalisierung der Struktur des jüdischen Volkes und die Einreihung der jüdischen Arbeiterschaft in die Kampfarmee des Weltproletariats anbahnen, rufen wir alle arbeiten* den Juden und die jüdische Jugend zur akti ve n' Mi tarbeit am Aufbauwerke a uf, und die gesamte klassenbewußte Arbeiterschaft zur Bekundung der proletarn scheu Solidarität für unser nationales! und soziales B e f r e iungswer k. Wir wollen1 am ersten Mai auf die Straße ziehen! und neben den Forderungen, die sich auf das jüdi- 9. Jahrgang. sehe Leben beziehen, gemeinsam mit der gesamtem klassenbewußten Arbeiterschaft des Landes unsere Entschlossenheit bekunden zum Kampfe f ün die) Umwandlung der Welt der kapitalistischen W i r t s c h a f t s r u i n e n, des Un r e c h t es und des Mordes in eine Welt des a u f b a u enden und gerechten Sozialismus. Nieder mit Reaktion und Faschismus! Es lebe der völkerbefreiende, internationale Sozialismus! Es lebe die demokratische, progressive jüdische Gemeinde! Es lebe das arbeitende, friedliche Palästina! Es lebe die internationale Solidarität des Proletariats! Es lebe die Sozialistische Arbeiter- Internationale! Vereinigte zionistisch-sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion — Hitachduth. Nach der Wahlschlachf, Die J uden: und die soziald em ok ratisch'el Stadtverwaltung. Die Wahl in den Wiener Gemeinderat ist, unbeschadet des gewiß bedauerlichen Verlustes ah sozialistischen Stimmen, 'als großer Erfolg der Geschlossenheit und der Kampfbegeisterung der Wienerl Arbeiterschaft anzusehen. Das Anschwellen: des Hakenkreuzes ist nur zu einem verschwindenden Teil) auf Kosten der Arbeiterschaft, fast! zur Gänze aber auf! dem Rücken des Bürgertums geschehen. Die Schlägkraft der Sozialdemokratie ist unversehrt geblieben^ An dieser erfolgreichen Abwehr des Faschismus hat die jüdische Wählerschaft reichen Anteil. Wir haben! die jüdischen Wähler vor einer Passivität im Kampfe zwischen Sozialismus und Faschismus gewarnt. Die assimilatorische VM Union" wie die „Radikalen" iundl die ,,Revisionisten", die sich sonst gegenseitig be-» fehden, haben sich in ihrem blasse gegen den Sozialismus gefunden und unter den Juden für Wahlenthaltung geworben. Wir wiesen auf die Gefahren,, die dieses Vorgehen heraufbeschwören könnten. In Versammlungen, durch viele taiisende Exemplare unseres Blattes, wie durch Publikationen in großen Tageszeitungen und durch' rege Agitation von Mannl zu Mann warben wir für die Sozialdemokratie und! die jüdischen Wähler haben in zehntausenden unseren Parole Folge geleistet. D a f ü r d a n keniwirih'nen* D a f ü r g e b ü h r t i h n e n der D a n k der ö s t e rreichischen Sozialdemokratie. Es kommt aber nicht auf die Dan;kausspre-< chung an- Die arbeitende jüdische Bevölkerung erwartet, daß die sozialdemokratische Stadtverwaltung) ihrer besonders tragischen wirtschaftlichen Notlage! und ihren kulturellen Bedürfnissen Rechnung trage. Wir betrachten es als unsere Pflicht, die Stadtveni waltung an die Erfüllung dieser berechtigten Erwärm tung zu gemahnen .Wenn uns die arbeitende jüdische Bevölkerung darin unterstützen wird, kann den Erfolg nicht ausbleiben. Das Schicksal der arbeitenden jüdischen Bevölkerung liegt zum großem Teile in ihrer, eigenen Hand. Rüstet zum 1. Mai! Vormittags: Aufmarsch zum Rathaus. Treffpunkt: Halb 9 Uhr vormittags, Blumauergasse 1. 8 Uhr abends im Hotel Post, Wien, I. Bez., Fleischmarkt Nr. 24 GROSSE MAI-FEIER mit reichhaltigem künstlerischem Programm. Erscheint vollzählig1 Erscheint in Massen! Bekundet Euren Willen!