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Der Jüdische Arbeiter · 1932-04-01 · Heft 7 (1.4.1932) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 7 (1.4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. Organ der Vereinigten zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion—Hitachduth in Österreich > Erscheint jeden Zweiten Freitag Redaktion üiid Administration: Wien, II., BiumäirerfläsSe 1 - Pd8t8öh*Ckköh« Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2L5Ö Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 7. tti'^^ r -n» Wien, 1. April 1932, 0. Jahrgang* Der Kampf hat begonnen! Der Kampf um ^iem hat begonnen, der Kampf, der wicht 'nur über das Schicksal dieser Stadt, .soris derrr auch1 über das der Republik entscheiden wird. Faschismus öder Demokratie, Bankfottwirtschaft der Ohristlidhsozialen öden Wirtsch'aftsaufbau der Sozialderhokrätie, das steht zur Entscheidung. Mit dieser Devise wollen' wir zur arbeitendem1 jüdischen! Bevölkerung galten und sie für, die Sozialdemokratie gewinnen. Bei den; jetzigen Wahlen werden wir im-den Kreisen' der jüdischen Wählerschaft einen Kämpf gegen! die arbeiterfeindliche Strjdker-Liste nicht mehr fuhren! müssen. Es ist. zum' großen Teile lein) Erfolg unserer jahrelangen Tätigkeit, daß: ein£ ausgesprochen antisozialistische Liste unter den! Wiener Juden unmöglich geworden ist; Diese neue Situation er höht aber, unsere "Verantwortung, unsere Verßflichr tuirtgen. ' Nun müssen wir zur arbeitenden jüdischem Be^ völkerunig gehen, sie über ihre besondere Notlage aufklären und ihr die Ueberzeugüng beibringen, daß sie von der Sozialdemokratie die Erfüllung ihrer, b'erech'tigteii! Forderungen verlangen, und erwarten' darf. Das wollen! wir in den1 'kommendem Wahlen den1 p'de'ft Wiens in Wort un'd Schfift verkünden. . Zur Erfüllung .dieser'Aufgabe benötigen wir der ■kräftigsten; Mitarbeit aller Genossen' und Geriössin- 'meri. - Es ist der erste Wahlkampf, d6n wir| als; vereinigte ' zio'riisltisclh-sozialiistisch'e Organisation zu führen hätten', wir sind überzeugt, daß alle unsere Genossen! •"und Genossinnen das zur würdigen""wissen! werden. Es ergeht der Ruf an alle Genossen und Genossinnen: Stellt euch1 m den Dienst unserer Agitation! für die Sozialdemokratie 1 Die Weltverbände „Poale Zion« und „Hitachduth" vereinigt. Während der Anwesenheit des Genossen Locker in Lemberg ist die Vereinigung des Weltverbandes „Poale Zion" mit dem der „Hitachduth" endlich zustande gekommen, lieber den Namen des nunmehr vereinigten Verbandes, wie über eine Formulierurig der Rolle der Sprachen (jiddisch und Hebräisch) im jüdischen Leben konnte, noch keine Einigung erzielt werden. Das soll auf der gemeinsamen Weltkonferenz geschehen. . Wir freuen uns, unseren Genossen diese Nachricht vermitteln zu können. Wollen wir hoffen, daß der Zustand der Spaltung der zionistisch-sozialistischen Kräfte in zwei Lager bald überwunden sein wird, daß ' wir bald in die Läge kommen werden, geschlossen den Kampf der jüdischen Arbeiterschaft, des sozialistischen Zionismus, energisch und erfolgreich, fortzuführen. Erfolge der Poale Zion in Olmütz. Vor Ausschreibung der Gemeinderatswahlen' haben sich unsere Genossen sowohl an die tschechischen, als auch an die deutschen Genossen mit dem Vorschlage gewendet, einen gemeinsamen sozialistischen Block zu bilden. Die tschechischen Genossen zogen es vor, selbständig zu kandidieren und in eine Koppelung mit allen tschechischen Parteien einzugehen. Die deutschen Genossen waren zwar bereit, eine gemeinsame Liste mit uns zu bilden, aber mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse im Lande könnten wir mit den deutschen SD. allein keinen Block bilden. Unsere Genossen beschlossen deshalb, selbständig zu kandidieren, und, da die tschechischen, wie die deutschen SD., mit ihren Konationalen koppelten, mit der jüdischen Liste zu koppeln. Das Angebot der „Jüdischen Partei", eine gemeinsame1 Liste mit ihr zu bilden, lehnten unsere Olmützer Genossen ab. Unsere Genossen entfalteten hierauf eine rege Agitation. In der Wählerversammlüng der „Jüdischen Partei", in welcher Herr Dr. Margulies für die Einberufer sprach, trat ihm Genosse Mendel Singer aus Wien entgegen, der auf die Ziele und Aufgaben sozialistischer Kommunalpolitik hinwies. Bei den Wahlen am Sonntag, den 20. März erhielt die „Jüdische Partei" 436 Stimmen, die Liste der Poale Zion 345 Stimmen. Nur dank der Koppelung mit uns erreichte die jüdische Liste die notwendige Wahlzahl von 523 Stimmen, zu unserem Mandate,, fehlten 85 Stimmen. Die Tatsache aber, daß beim ersten Versuch selbständigen Auftretens 44 Prozent aller jüdischen Stimmen für unsere Liste abgegeben wurden, ist ein großer Erfolg unserer Sache und wird auch als: solcher von der ganzen Bevölkerung der Stadt angesehen. I Das jüdiscHe Fürsorgeand Kulturwerk. ■ \ Was erwarten wir von der sozialdemokratischen Verwäl hing der Stadt Wlenr*; ■ - -Ii.' / i Das Fürsorgewerk der Getaeinde Wien hat mit Recht Weltberühmtheit erlangt. Alis der menschenehtwürdigenden Armenhilfe der Lüeger-Weißkirchner-Zeit ist das grandiose Werk der produktiven Fürsorge entständen. Das vermoderte, kasernenärtige;t unzeitgemäße Schulwerk hat die sozialdemokratische Schütverwälturig, trotz heftigsten Widerstandes seitens der Reiktioh;in ein in sich geschlossenes Netz moderner freier Schülen umgewandelt: MhV beispielloser Großzügigkeit hat die .sozialdemokratische Stadtverwaltung die körperliche Ertüchtigung der Jugend gefördert. Wir sind stolz darauf, daß Wir seit Jahr und Tag unter den Juden Wiens für die sozialdemokratische Stadtverwaltung, ihr progressives Fürsorgewerk; wie ihre Erziehungs- und Kulturtätigkeit geworben und somit zu deren Befestigung beigetragen haben. : ' Gerade dieser Urhstärid aber verleiht uns das Recht und macht es uns zur Pflicht, darauf hinzuweisen,- was wir als Vertretung der arbeitenden Juden auf diesem Gebiete von der sozialdemokratischen Stadtverwaltung eV wärten." r 1 1 t So vollkommen an sich das Fürsorge- und Kulturwerk der . Gemeinde Wien auch ist, gibt es denriöch eine ansehnliche Zahl jüdischer Bürger ' dieser Stadt, die es nicht in vollem Ausriiaße in Anspruch nehmen körinen. Ein Großteif"der jüdischen Bürger erachtet es für notwendig, eigene jüdische Fürsorge- und Kulturinstitutionen zu erhalten. Das ist nicht eine bloß konfessionelle Angelegenheit; diese Notwendigkeit ist vielmehr darauf zurückzuführen; daß sich die Juden als ein selbständiger Volkskörper fühlen. Die Mehrheit der Juden setzt sich aus Angehörigen bestimmter Berufe zusammen, sie' haben ihre eigene Mentalität, ihre eigenen Bedürfnisse. Sie erachten es als eine ihrer wesentlichen' Aufgaben, den Zusammenhang mit dem in allen Ländern,-der Welt-'verstreuten jüdischen Volk und seinen Kulturwerten der Vergangenheit wie der Gegenwart zu pflegen. Niemandem steht ein Recht zu, die Juden bei Erfüllung dieser Aufgabe zu stören, von einer"'Stadtverwaltung, die der völkerbefreieriden Sozialdemokratie angehört, körinen wir sogar die volle Würdigung dieser Aufgaben verlangen. Der erkrankte Jude hat nun vielfach das Bedürfnis, in einem jüdischen Spital seiner Genesung entgegenzusehen, der versorgungsbedürftige jüdische Greis, in einer jüdischen Umgebung seine letzten Lebensjahre zu verbringen. Das ist nichts reaktionäres, es ist Ausdruck der jüdischen Realität, der eigenartigen Lebensformen; der .volksbedingten Menta? lität der Juden. ' Aus demselben Grunde verlangt der Jude, daß seinem Kinde in der Schule die Kunde von seinem Volke (der Re* ligionsunterricht bildet für viele unter uns einen ungenügen* den, verfälschten Ersatz hiefür) vermittelt werde; verlangt ütlsere arbeitende Jugend in eigenen' Sportorgänisatiorieii ihre körperliche Ertüchtigung zu genießen. Unsere arbeits* löse jüdische Jugend hat das Bedürfnis, die Stunden ' der Muße und der Erholung zuzubringen* im Kreise ihrer jüdi* sehen Leidensgenossen, die zumeist vor andern und vor , viel größeren Schwierigkeiten als ihre nichtjüdischen Genossen itti Kämpf um einen Arbeitsplatz stehen;; >:. '.-.<■ Diese besonderen Bedürfnisse der Juden sind nicht konfessioneller Nätür, sie sind Iii ihrörri Leben, in ihrer gesamtert Existenz tiöf verankert; Wir erwarten deshalb, daß v die sozialdemokratische Städtverwaltung ihnen in vollehi Ausriiaße Rechnung tragen wird. Wir erächten es als unsere Pflicht, die Sozialdemokratie von der Notwendigkeit der Erfüllung dieser gerechten üiid "berechtigten Forderungen Ju'den zu :überzeugeh. Unter dieser /Devise wölleh wir im fböVbWefieh!deriv Wahlkampfe alle arbeitenden Juden der Stadt sammeln, alle jene, die wegen ihres Bekenntnisses zum Sozialismus ihre Zugehörigkeit zur 'jüdischen* Gemeinschaft nicht verleugnen. In der Erkenntnis, daß das Schicksal der arbeitenden jüdischen Bevölkerung unzertrennlich verbunden ist mit dem Schicksal der gesamten klassenbewußten Arbeiterschaft, werden wir, wie bisher, unermüdlich für die sozialdemokratische Stadtverwaltung kämpfen und allen, Gegnern der Sozialdemokratie im jüdischen Leben entgegentreten. Vön der Ueberzeugüng durchdrungen, daß die Forderungen der Juden nach Berücksichtigung ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Förderungen in vollem Einklänge mit den Grundsätzen des völkerbefreienden Sozialismus sind, werden wir für dieselben als Kampfgenossen des klassenbewußten Proletariats eintreten. M. S. Die Arbeit und die Arbeits* Verhältnisse, Referat Ben Gurions in der Assefath Haniwcharim. Am Beginne der Kolonisation. Heuer werden es 50 Jahre, seitdem die ersten jüdischen Kolonien durch die, Zion-Heimkehrer geschaffen wurden. Und in diesem Jubiläumsjahr können wir uns nicht rühmen, daß die Grundfragen, welche den Wert, die Ehre, das Wohlergehen und die Zukunft unseres Kolonisationswerkes in Palästina bestimmt — ja noch mehr — das Schicksal des ganzen Zionismus, die , Frage der jüdischen Arbeit, be^ reits gelöst wurde. ' Und diese Frage wurde nicht gelöst; nicht weil im Laufe dieser ganzen Periode die Erkenntnis ihrer entscheidenden Wichtigkeit gefehlt hat. Viele von den ersten Ghowewe Zion, wie Raw Kalischer, Seew Jawetz, Mordechaj Eliasberg, Pinsker, sahen in der Landarbeit, in der Aenderung des Aufbaues des wirtschaftlichen Lebens des Volkes die Hauptgrundlage für die Renaissance unseres Volkes. 1 In der ersten Konferenz der Ghowewe Zion in Kattowitz (18. Gheschwan 5645) bemerkte Pinsker in seiner! Eröffnungsrede; daß „die grausige Lage des jüdische»? Volkesj sich zum besseren nur ändern werde; auf Grund einer. Aenderung des Territoriums und der Lebenswege, wenn wirv eine Bahn brechen werden, dem Handwerk und der Hände Arbeit. Das jüdische Volk ist ein Volk des Geistes geworden, der Logik, Kaufmann, Schriftsteller, und hiedurch1 wurden auch die körperlichen Kräfte des Volkes erschüttert und das Volk verarmte." Im Lande selbst erfaßten viele den sozialen und nationalen Lebenswert der Arbeit, viele Jahre vor der. zweiten Alijah. Als im Adar 5646 in Rischon Ie Zion neuer Boden erworben wurde, verpflichteten sich die Käufer auf Grund einer Forderung des Baron Rothschild, daß „sie bloß jüdi* sehe Arbeiter beschäftigen werden". Im;,Tagebuch" eines Bilui erzählt Dr. Chissin über jene Zeit: „Anfangs zweifelten; viele, ob man sich auf den jüdischen Arbeiter verlassen) könne, ob er sich bewähren werde. Aber in der Wirklichkeit arbeiten die Juden besser als die Araber." / Die jüdischen Arbeiter wuchsen in der Kolonie, -ihre} Zahl machte 20 bis 30 aus; Und im Jahre 5647 wurde ein „Arbeiterverein" gegründet, mit dem Ziele: „1. daß die Leitung desselben immer Arbeit suchen werde, damit die Mitglieder nicht müssig herumgehen, 2. Unterstützung der Arbeitslosen, 3. Zusammenleben, gemeinsames Kochen an einer Stelle." , Dies war die erste Arbeiterorganisation in der Ge-f schichte unserer neuen Kolonisation im Lande. Vereinigte zion, spz,Arbeiterorganisation (Poale ^ion—Hijtachdütfr) Montag, den 4« April, 8 Uhr abends, Borochowheim, II., Blumauergasse 1 Vortrag Gen. Dr. Rudolf Glanz ^S^IIILUmmSm anschließend Aussprache

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