Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 4 (19.2.1932)
- Date
- 1932-02-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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f. b. b. UBiT.rtit"»"bUotk,3£ % i » *• £ Organ dar Vereinigten zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Pdalid Zibn—Hitachdoth in Österrbiph . , ■ ' .; " . ■ * '- . - * , t Erscheint jeden Zweiten Freitag; f ( . ■. ■ , ., & \.-;. .* . _ - _ _ . . x Redaktion und Administration: WeM Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 " Einzelne Nummer20 Oroschift Nr. 4. Wien, 19: Februar 1932. 9. Jahrgang. , * * Ein Kommunist über die jüdische Aufbauarbeit in Palästiba. Im Verbände der palästinensischen Studenten in Palästina hielt der indische Kommunist 'Saklathwala, der früher Pärlamen tsabgeordneter in 'England war, einen Vortrag über England, Zionismus und die Araber. U. a. sagte er: Der Zionismus sei ein Faktum,; mit' dem man! rechnen müsse. Ja, er sei eine internationale Frage, der auf dem Lebensgang der ganze« Welt Einfluß nimmt. Er ist der Meinung, daß' England die-jüdischen Sentimente für Palästina ebenso, ausgenützt habe, wie die. nationalen und' religiösen Gefühle der Araber im Lande. Redner selbst habe kern1 Verständnis für religiöse und geschichtliche Sen-: tiirien e. Der Umstand, daß die jüdischen.. Vorfahren - vor <2000; Jahren in Palästina gelebt haben',;; reiche nicht aus, um das Recht der Juden , auf dieses Land Jzu begründen. Denn ein \Recht,. das einem .Volke auf Papier gegeben1 werde und nicht von1 taten begleitet, sei,: :ibesitze keinen Wert. Der Referent liebe die jüdische Einwanderung nach Palästina. Er tue -dies als Materialist. Die Araber seien rückständig und besäßen keine Erfahrung.;; r Das Lan d; das weniger als eine Million1 Ei n wo h.n er; u m f a ß t, k ö n;n e vier .M i I-, Honen ernähren: Die Juden*, bringen ins^ Land Gesundheit, Fortschritt und Licht. „Wir Sozialisten" — sagte der. Referent — „sind nicht gegen die jüdische Einwanderung, wir sind nicht einmal gegen diejenigen, die sagen: „Ich denke an die Geschichte -meiner Vorfahren und. will, in dieses Land .kommen, in welchem sie gelebt haben." Diese romantischen ' Argumente seien Privatangelegenheiten' und man solle ihnen im gesellschaftlichen Leben keinen Raum ge währen. „ ■ „Wenn Ihr nach' Palästina kommt, so bedienet Euch anderer - Mi td, vor altem abe; stützt Euch nicht auf die Engländer, die Euch gestern geschürt haben ■und heute mit Hilfe von Schaukat Ali und dem Mufti, den muselmannischen Kongreß, beschützen." Die Araber in Palästina seien Jude-n, die ihre Religion.geändert haben. Könnten wir das Blut der Araber in Palästina analysieren, es -würde sich zeigen, daß sie Juden seien; die gezwungen worden sind, einen fremden Glauben an zunehmen. Wenn man die palästinensischen "Araber , mit den Muselm,"nnen der anderen Länder vergleicht, sieht i . j man1 sofort, daß die Araber; Palästinas einv ganz anderes .Volk; darstellen:, als die Mohammedaner in den: anderen Ländern^ V l : „Wir werden1 Euch unterstützen, nicht deswegen, weil Ihr sagt, daß Ihr Sozialisten seiet, sondern des-' wegen; weil;Ihr in das Land einwandert, gestützt auf das mensch Iich e->Rech t u nd wei 1 I hr Segen dem Lande bringet und seinen Einwohne rn. . Und dieses Recht ist besser als "das; Papier, das Balfour.geschrieben hat, oder das religiöse! :Recht Er schloß seine Ausführungen: „Denkt-daran, daß Ihr nach Arabien,;geht: und daß England Euer Feind ,ist." -; •" ■•• Den1 Arabern rief er zü: „Wandelt nicht in den Wegen Schaukat Alis,- denn er ist ein Instrument im den Händen- Englands.' „:Fort mit Euch!" müßt Ihr Euren Führern sagen.' Nur in'der Vereinigung mit' den' Juden werdet Ihr' Fortschritt und .GJnck für Palästina und für die ganze Menschheit bringen/' Nach dem Referate Saklatwalas sprach noch ein arabischer Student: Dieser'"mahnte die , Juden daran, daß ".sie Brüder der Araber seien, ebenso wie Isak und', Ismael' Brüder . waren.v„Palästina, gfanz Arabien, Persien und "die Türkei,"^"sprach der Redner, „sind für die Juden weit ■ geöffnet, daß sie hinkommen und-sich dort niederlassen. Die Juden sind überall zufrieden, wo sie 'mit den Ambern zusammenleben. Ich bitte Euch, denket an die Worte SaH^fwalns; Tch kenne vielleicht mehr. als Ihr die Ruckständigkeit des arabischen Volkes. Ich weiß, daß Ihr Arabien Glück gebracht habt. Ich rufe Eucfr zu und sage: Kommet,' kommet ins Land und .bringet Glück Palästina." ."' Zum erstenmale hören wir eine ehrliche, kommunistische Stimme über das vom jüdischen Volk in Palästina Geleistete. Und es deckt sich mit dem, was wir stets ehtl*ch behaupten,' daß . unser Glück auch das Qlück der arabischen Bevölkerung ht Selbst unsere historischen Gefühle Palästina gegenüber, läßt der Kommunist Saklatwala für uns als subjektive.Gefühle gelten. Mit aller Deutlichkeit aber unterstreicht er. daß das Recht des jüdischen Voll-es auf Paläs'ina sich auf seine Arbeit und seine Knlturleistungen stitze So spricht ein1 Kommunist, freilich, kein jüdischer. ' . Dr. Tartakower. Tafsachen aus der judischen Wirklichkeit und die Lehre des : Borochowismus. ' .. „Poale-Zionismus im Lichte der Wirklichkeit!" „Kritik des Borochowismus!"; „Krise des Poale-Zionismus!" „Bankrott des. Poale-Zionismus!"; : Losungen, Schlagworte, Kraftausdrücke, auf die „Straße geschleudert, nur seien Produkt ernsten, stillen. Denkens . und vorurteilsloser Selbstkritik und .„Theoriekritik, meist mit demagogischer Ablcht, als -Zündstoff .und Aufreißmaterial gedacht, spuken da!ünd dort in manch jungem Kopf und wirken, wenn sie. überhaupt wirken, nicht du ch das Schwergewicht ihres Wahrheitsgehal es, sondern vielmehr du ch den rein äußerlichen Effekt des Klangncyder Fragss.ellung, des drohend geschwungenen Rufzeichens. „Poale-Zionismus im Lichte der Wirklichkeit!" An unsere Abonnenten! Diejenigen Abonnenten, welche die Bezugsgebühr ffir uas Jahr 1932 noch nicht bezahlt habm, werden nochmals ersuch, die Ueoerweisung ^uf unser Postspar- Kassen-KtQ, EM 7.878 vorzunehmen Hier sollen nichts als Tatsachen angeführt werden, nackte Tatsachen aus jüdischer Wirklichkeit *;in Ost und Wes+, "diesseits und jenseits des Meeres. Ausschnitte aus jüdischem Leben, Dokumente jüdischer Entwicklung. Bloß aneinandergereiht-und gesondert, sonst nichts. Die theoretischen Schlußfolgerungen sollen bei anderer Gelegenheit gezogen werden, , - I. Tatsachen. Das Problem der spezifischen jüdischen Oekonomik, der Eigengesetzlichkeit jüdischer Wirtschaft, notgedrungene Folge besonderer wirtschaftlicher, wie psychischer Struktur (ja, es gibt so etwas wie eigene psychische Struktur) und die ebenfalls mit notwendiger Konsequenz daraus folgende eigene^ jüdische W i r t - s c h a f t s p ö li t i k, war bekanntlich' Jahre lang 'Objekt schärfster theoretischer Auseinandersetzung; zwischen der „Poale Zion'f und dem„Bund" der von Eigenartigkeit und Besonderheit jüdischer Wirtschaft und Wirtschaftspolitik nJchts wissen wollle. Wir kennen jene glänzende Pärden in den Schriften Borochows, die dieser Polemik gewidmet sind. Nun,.die Dynamik der jüdischen Geschichte hat den1 „Bund" eines besseren belehrt und ihn auf poalezionistische Wege gedrängt. Die harte Faust des Levens hat den Bundisten das in den Kopf eingehämmert, was die scharfe Dialektik Borochows nicht ver* mocht hat. „Recht, auf „Arbeit!" Eine Ketzerlosung, unsoziV listisch' und unmarxistisch! Von Poale Zion vor vis* ler? Jahren ausgegeben, wurde sie vom „Bund-', der sich bloß als jüdische Sektion; der sozialistischemLai* desorganisation betrachtete! und die /einzige Lösung des jüdischen Problems in der Losung* der a)lg)emein1etl Arbeiterfrage sah; mit Geifer und Wut; 'Spött und Lachen begegnet Er wollte die altbekannte Tatsache nicht sehen, daß der, jüdische v Arbeiter itücW einem scharfen nationalen»'Drück 5 ausgesetzt ist, - daß er aus nationalen Motiven schwerer Arbeit findet/ als sein hichtjüdischer Kollege und daß" daher die Forderung „Recht äuf Arbeit!" begründete wirtschaftliche Motive hätr ■ Das. war vor, ungefähr 20. Jahren. Der- „Bund« wehrte sich' erbittert* Auch' vor 15^Jahrengalt noeft diese Losung als Verrat. Vor- 6 Jahren* aber rief der „Bund" selbst den.ers ten K ongreß>usätrim'e'rf, der einer einzigen Frage gewidmet war': R e c h't a&:| Arbeit Auch eine Broschüre gab er Heraus*: Recnt! auf Arbeit! ' :.• ■ : . '-'''^» Trium ph des Poale-Zioriismus? Keinesfalls! Sondern: Sieg der unbarmherzigen, grausamen Eigengjö: setzlichkeit jüdischer Wirtschaff. ' -: n:^ Heutzutage wehrt, sidh der;vBund"; nicht meltif Mittwoch, den 2. Mär?. 1^32,. um 8 Uhr abends findet im Borocho^vheim, II., Blumauergasse Nr. 1 ein gemeinsamer der Vereinigten zion.-soz. Arbeiter» Organisation Poa! e Zi on—H i tach duth und der Jüd. soz. Arbeiterjugend statt Ernstes—und Heiteres aus . dem ' M atrikelamt der Kultusgemeinde Thema: Referent: Einleitendes Referat: Herr Amtsleiier Jul. RÖsenfelfl (Matrikelamt der Isr. Kultusgemeinde} Gen. Mendel Singer gegen die eigene jüdische Wirtschaftspolitik, nur steht er noch auf halbem Wege: er kennt die Not und erkennt nicht die Lösung. . Die ewige Wiederkehr des Gleichen. In Ost un<J West derselbe Kampf, dieselbe Entwicklung, dasselbe Problem, dasselbe Resultat. Was ist der tiefere Sinn des Kampfes:- Zionismus—Liberalismus (Liberale Juden', Zentral-Verein-Juden, AssimÜations^Juden) ' m Deutschland; Zionismus-Union, Werktätige Juden; ins Oesterreich? Es Ist die historische Perspektive gegen die des Moments. Die Liberalen Juden argumentierten: genau wie der' „Bund" von anno dazumal, nur was dort mit sozialistischem Pathos vorgetragen! wurde, geschah hier mit gut bürgerlicher Aufgeblasen?-! heit Der „Bund" mißhandele damals (wie die jüdischen Kommunisten heute), das jüdische Problem „marxistisch" und die Liberalen patriotisch; Die Judart 'haben keine eigene wirtschaftliche Problematik, wir sind „deutsche Bürger jüdischen Glaubens". Also bjpfl religiöse Unterschiede, die jüdische Wirtschaft wind ihre Lösung mit der Gesundung der allgemein deu£* sehen Wirtschaft finden. Das war ihrer Weisheit letzter Schluß — vor 10 Jahren, sogar vor 5 Jahren. : Und jetzt? Es genügt irgend eine Nummer de* „Central-Vereins-Zeitung", der „Liberalen Zeitung" oder eines ihrer anderen Organe zu durchblättern^ man* glaubt manchmal, wenn es sich um die Analyse der j üd isch en Wirtschaftsnot in Deutschland tban-t delt, eine zionistische Abhandlung zu ie3en. .Sandernummern, gewidmet der spezifischen Lage des;;jMi* sehen Handwerkers, Kaufmannes, Angestellten.? ^deü Stadt und des Städtchens u. d. g. mehr, dievbfci. nijnl rein zionistische Probleme waren., Führende; Q^tx^\r Vereins-Mitglieder, führen , lange Debatten . übe.%;i9q^ sehe Wirtschaft in Deutschland. Rab. Dr. QMjfa nia«, ein bedeutender Ideologe des;0 yt j h$;04 jDiskussioii eingeleitet^ und das Organ rto AC^ntok Vereines wurde der Träger1 dieser Erörterungen^ |a, noch mehrt Auf die Initiative der,G. V.iFührmMV^fa; " ■ ■> .'. ur-y-wn