Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 2-3 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2641551-2641644-2641646--497-2642479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
^,§eUe„ 8 Der jüdische Arbeiter ^en, die Juden zu normalisieren, sie in dett Produktionsprozeß einzugliedern*, von allen Juden der Welt mit großer Bewunderung und Aufmerksamkeit beobachtet werden; die zionistischen Grundthesen sich zu eigengemacht h'aben. Mit Entschiedenheit-wehrte er sich' dagegen, daß der Zionismus als „reaktionär" hingestellt werde. Die Ausführungen des Genossen Mendel Singer waren nicht nur an die Adresse Otto Hellers, sondern efa'enso an die Gruppe der jüdisch!-:kommunistisch'en Jugend, die werbend unter der zionistischen Jugend mit großsprecherischen Worten das Erscheinen einer Broschüre „Der Bankrott des Poale-Zibnismus" angekündigt'hatten, gerichtet. In glänzender Weise wies Genosse Singer nach, daß die theoretischen Grund lagen des Poale-Ziqmsmus, die Borochbw ausgebaut und vertieft h'atte, unwidersprochen in der Sowjet-Union in die Praxis umgesetzt wurden. Die Lösung des Juden Problems scheint auch' für die Sowjet-Union nur auf einem eigenen Territorium \\m der Autonomie der Juden zu liegen. Und da wird von einem Bankrott . des Poiae-Zionismus gesprochen! Singer wies mit Entschiedenheit die Bezeichnung „reaktionär" für Zionismus und Palästina zurück. Die 'Juden außerhalb Rußlands wollen .auch' normalisiert, in produktive Berufe geführt werden, wollen ein Territorium und Autonomie erlangen, was soll; daran reaktionär-sein?1 Es ist billig, aber umso oberfläch'- 1 icher und darum verwerflicher, von der Schrittmach erei des Zionismus für den englischen Imperialismus zu sprechen'. Die palästinensische Arbeiterschaft kämpft gegen1 den englischen Imperialismus; wäre es anders, wäre der Zionismus tatsächlich' eine Stütze für das British' Empire, wir müßten nicht um jedes Zertifikat zur Einwanderung kämpfen! Schonungslos wies Singer die Verlogenheit und Unehrlichkeit Otto Hellers bei Behandlung jüdischer Probleme nacht Heller sagte nämlich, die Kommunisten sähen nur eine Aufgabe in Palästina, die Araber zu schützen, deren Boden von den Effendis geraubt, von diesen nun an die Juden verkauft würde. Der Boden, auf den die Araber ein h'ist örisch'es Recht 'Mitten. Ja für andere kennen auch1 die Historiker •'materialistischer Geschichtsauffassung historische Rechte an, aber für Juden, die in der ganzen Weit landlos und von den wichtigsten Zweigen der Produktion1 ausgeschlossen; sind, gilt kein h'istbrisch'es Recht, auch' kein! wirkliches Recht an Boden,' der Jahrhunderte unbebaut '.und brachgelegen ist, der ausgedehnt genug ist, um Arabern und Juden 'Arbeits-, und Existenzmöglichk'eiten zu geben. Der Zionismus und-Palästina sincl nicht reaktionär. Die palästinensische, die zionistische Arbeiterschaft kämpft für die Weltrevolution, aber wir wollen auf eigenem Boden dafür streiten, weil wir nicht als Parasiten, sondern als gleichwertige Mitkämpfer mit dem internationalen Proletariat an der Weitrevolution aktiven Anteil h'aben wollen. ' Die zahlreich1 anwesenden Kommunisten konnten nur vereinzelt Zwischenrufe machen, die sofort widerlegt wurden, so sehr waren sie im Banne der Argumentation gegen Otto Heller, daß sie, was sie vor h'atten zu zerstören, vergaßen; oder es nicht wagten' . W. S. Aus der Organisation. Die Liga - für das arbeitende Palästina in Österreich entfaltet seil den letzten Wochen eine intensive Tätigkeit. Nach dem gelungenen Kunstabend, über den wir an anderer Stelle berichten, geht 'die Liga nun daran, eine große Werbeaktion in die Wege zu leiten und die Jugendgruppen für den Paliistina-Arbeiter-Fonds zu aktivieren. Der Arbeitsausschuß besteht aus den Gen. Bloch, Dr. Kautor, lug. Krümer, Dr. Schieber, Dr. Schorr, Silberherz und Welt. Es ist zu wünschen, daß alle unsere Genossen an den Aktionen der Ljga Anteil nehmen, was ja auch einer der wichtigsten Grundsätze der vereinigten Organisation ist. Das Sekretariat der Liga befindet sich I., Jordang. 7, 1. Stock. Sekretariatsstunden Mittwochab 7 Uhr abends. „Jüdischer Arbeiter." Bei der am 9. Jänner 1932, im Borochowheim stattgefundeneu erweiterten Ausschußsitzung wurde unter anderen» Folgendes beschlossen. Um das Erscheinen des „Jüdischen Arbeiter'* zu sichern und ihn vom beständigen Defizit zu befreien, sind wir gezwungen, eine auf die .Hälfte ermäßigte A b o n n e m e n t s g e b ü h r auch von den Mitgliedern einzuheben. Die Abonnementsgebühr für Mitglieder beträgt also S 2,40 pro Jahr. Wir hoffen, daß unsere Genossen gerne, diese kleine Belastung auf sich nehmen werden und bitten den Betrag baldigst einzuzahlen. OeffemtKdhe Kundgebung. Die am Dienstag, den 9. d. M. stattfindende öffentliche Kundgebung anläßlich des „Ichud" ist als 'Auftakt für eine große Werbeaktion für unsere Organisation gedacht, die im Laufe dieses Monats durchgeführt werden soll. Wir ersuchen daher alle Genossen, für diese Kund* gebung, die im Hotel Bayrischer Hof, II., T a b o rstraße 39 stattfindet, eifrigst Propaganda zu machen. Diskussions-Abertd. Donnerstag, den 18. ds., um 8 Uhr abends, findet im Borochow-Heim, NM Blumauergasse 1, ein Diskussions-Abend mit dem Thema „Probleme der K u 11 u s g cm e i n d e" statt. '.; Sekretariat. Parteienverkehr: Montag, Dienstag von 5—8 Uhr' abends, Mittwoch, Donnerstag und' Samstag von 5—7 Uhr abends. Rechtsberatung. '' Auskünfte in Rechtsangelegenheiten werden in unserem Sekretariate jeden Dienstag von 7^-8 Uhr abends erteilt. Bibliothek. Ausgabe von Büchern in jiddischer und deutscher Sprache Montag und Donnerstag von 8—9. Uhr abends. Ausschluß. Wegen Verrat an unserer Bewegung und groben Diszipiinbruchs wurde Jakob Singer aus der Organisation ausgeschlossen. Gesellsclraftislrei&ß nach Palästina. Das Palästinaamt Wien' veranstaltet im März 1932 eine Gesellschaftsreise nadh Palästina. Die Abreise von Wien erfolgt am 15. März, die Einschiffung in Triest am 16. März, Ankunft .in Jaffa am 21. März 1932 (einen Tag vor Purim). Die Re.seteilnehmer werden also, die Möglichkeit haben, den schönsten Purim der jüdischen Welt in Tel-Avjv mitzumachen. Ueberdies werden sie in der Lage sein, an der im März 1932 .stattfindenden „Makkabiah" teilzunehmen, sowie die Levantc-Messc in Tel-Aviv (vom 7. bis 30. April) zu besuchen. Die Reise bezieht sjch bloß auf die gemeinsame Fahrt nach Palästina, während in bezug auf den Aufenthalt im Lande und die Rückreise keine Bindung für die Teilnehmer besteht. -Jeder Reiseteilnehmer kann somit innerhalb der Gültigkeit seines Touristenvisums unabhängig von den übrigen Teilnehmern die Rückreise antreten. Die Schiffsreisc Triest—-Jaffa oder Haifa und retour in der 3. Klasse auf einem Dampfer ,der direkten Palästina- Linie des Lloyd Triestino kostet circa österr. S 375.— inklusive Bett und Verpflegung. Bei einer Teilnehmerzahl von mindestens 12 Personen verbilligt sich die Bahnfahrt nach Triest um zirka 25 Prozent. Nähere Auskünfte beim Palästinaamte, Wien, I., Kärntnerstrafie 28 (Telephon R 27-4-S6). Anmeldungen daselbst werden bis 15. Februar 1932 entgegengenommen. Ein Abend jüdischer Kunst Die Liga für das arbeitende Palästina veranstaltete am 16. Jänner zum zweiten Male einen Abend jüdischer Kunst, der den Besuchern viel Genuß bereitete. Im musikalischen Teil brachte das Stein-Quintett in meisterhafter Weise die Suite für Streichquartett und Kla rinettc von Alexander Krein zum Vortrag. Die Mitwirkenden (Elsie Stein, Ferdinand Adler, Marcell Dick, Emmerich Gar.a, Dr. Ernst SimonT) spielten das melodische Werk des be^ rühmten Komponisten ganz grandios. Die Wiener jüdische Gesangsverein sang unter der Leitung des bekannten Komponisten Israel Brandmann Chöre •von Engei, Braslawsky, Rothmüller u. a. Der virtuose Chor sang die schweren Kompositionen mit einer an die be-r rühmtesten Traditionen gemahnenden Kunstfertigkeit. De? Dirigent Brandmann ist der berufene Leiter . dieser Körperschaft. . , Die bekannte, Konzertsängerin Hilde Dulitzkaja brachte_ jüdische und hebräische Volkslieder in meisterhafter Weise zum Vortrag. Ihr Gesang kam aus der Tiefe der jüdischen Seeie und begeisterte die Zuhörer. Im" zweiten Teil brachte Gertrud Kraus mit ihrer Gruppe ihre wie immer großartigen Tanzdarbietungen. Es gab durchwegs r neue Schöpfungen, von denen vor allem clrff Tänze „Jüdisches Mädchen" und „Arabischer Tanz" ais Solodarbietungen hervorzuheben sind. Ais Gruppendarbictungen errang der. „Hochzeitstanz" die große Begeisterung des Publikums und nicht minder der neu einstudierte „Chassidische Tanz", der schon beim letzten Abend im Konzerthaus Beifallsstürme erntete. Was diese Künstlerin darbietet, ist echte, jüdische Kunst, wobei weder das Jüdische noch das Künstlerische zu kurz kommen. Gertrud Kram; ist eine vom Tanz „Besles's'ene" und hat die große Gabe', stets .neue Generationen von Schülerinnen heranuzichen. Davon "legt dieser Abend beredtes Zeugnis ab. Alles in allem: Diese Veranstaltung war ein Erfolg ür die Darsteller und eine Empfehlung für die Bestrebungen der Liga. r ■ , ■ Mitteilungen der J. 3. A. J, Die J. S. A. J. eröffnete Dienstag, den 2. Feber 1932 in: den Räumen der Volk'sbib'liothiek Zion, .11., Kleine Mohren'gasse 3, eine eigene Heimstätte für die arbeitslose judische Jugend. Diese soziale Tat der Jugendorganisation hat den Zweck, die arbeitslose jüdische Jug'en'd tagsüber in einem geheizten Kaum bei Unterhaltung, Spiel und einer' warmen Jause, die Not der Zeit lin'dern zu helfen. Es ist sicher, dar) ein' derartiges 'Heim, das der Jugend Unterhaltung?- und Beschäftigjungsmöglichkeit gibt, die Gefahren, die Not und Arbeitslosigkeit mit sich' 'bringen, herabmindert. Das Heim wird mit Unterstützung der Israelitischen Kultusgemeinde,. von den Mitgliedern der J. S. A. J. geführt und verwaltet. Die jungen Genossen, die mit Leib und Seele bei i,,ih'rer Arbeit" sin'd, haben in diesem Heim, das nun schon' einige Tage ini Betrieb ist, wirklich' tadelloses geleistet. 'Schon 'heute lcaii'ri man sagen, daß die Aktion1 „Jüdische Jugend in Not" ein voller Erfolg ist. Erwähnenswert wäre es, daß sichf die J. S. A. J an die städtische „überparteiisch'e" Aktion „Jugend in' Not" um Unterstützung und um Aufnahme, an diese Organisation gewandt h'at, aber aus „religiösen1, nationalen und sozialen" Gründen ab'gteleh'nt wurde. Die J. S. A. J. läßt sich'aber diese Abfertigung nicht gefallen und wird, unterstützt von allen zionistisch'- sozialistischem Jugendbünden, eine Protestaktion' gegeji? das Kuratorium „Jugend in Not" führen, Liga für das arbeitende Palästina in Oesterreich Samstag den 6. Februar 1932, findet um 8 Uhr abends im Fest* saale der Schwarzwald'schen Schulanstalten, I. Regierungs» gasse 1, ein TANZABEND statt, - Karten äS 2.-an der Abendkassa Gegründet 1882 LebensversicherungsGesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1930 Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1930 Garantiemittel Ende 1930 Auszahlungen an d. Versicherten i. J. 1930 2.560 Millionen Schilling 150 „ 378 35,5 „ Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsche« Reich. Tschechosluvaklsche Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslavlen, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. mmmmmmm :aHiiifii*;:Miiiiii«^^<iiiiii>«::;iiiiiiis;::2<iiiui** :;miiiii';;:!'||hii';;;;'||iüm;: Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher' Redakteur: Pinkas Kornblüh, Student, Wien, II., Schiffmühlen straße 45/8. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr*8e 52 b.