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Der Jüdische Arbeiter · 1932-02-05 · Heft 2-3 (5.2.1932) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
9 (1932)
Issue
Heft 2-3 (5.2.1932)
Date
1932-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Der jüdische Arbeite« Plattform der Vereinigten zionistisch-sozialistischen'Arbeiterorganisation Poale Zion — Hitachduth. f. Die Vereinigte Organisation erstrebt die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft jüdischer Arbeitender in Palästina, welche das jüdische Volk in ein freies, unabhängiges, in ein in allen Zweigen der Landwirtschaft und Indust'rie verwurzeltes Volk, das seine kulturellen Kräfte selbst entfaltet, umwandelt. Ais Teil der internationalen Arbeiterklasse kämpft die Organisation mit ihr für^die Aufhebung der kapitalistischen Ordnung, der sozialen Knechtung und für die Errichtung einer freien Oeseilschaft der Arbeiter. D«'e Organisation betrachtet sich ais Teil der Zionistischen Weltorganisation und beteiligt sich an 'allen ihren Institutionen. Als Teil der internationalen Arbeiterklasse ist sie mit ihr in der sozialistischen Internationale vereinigte Die Organisation erstrebt die Festigung der wirtschaftlichen, kulturellen, politischen und nationalen Position der jüdischen Gemeinschaft und die Erweiterung der Basis der produktiven Arbeit innerhalb der jüdischen Massen. Die Organisation erblickt in der Kooperation ein wichtiges Mittel auf diesem Tätigkeitsgebiet. Die Organisation erstrebt die Verwurzelung des Cha* iuzgedankens in der jüdischen Jugend und der jüdischen Ärbeitergcmeinschaft, da sie darin den Hauptvveg zur Ver-< ivirkiichung der Gesellschaft jüdischer Arbeiter in Palästina erblickt. Die Organisation führt den Klassenkampf der jüdischen Arbeiter auf dem Gebiete des politischen und wirtschaftlichen Lebens und sorgt für die Verbreitung des nationalen und kulturellen Bewußtseins innerhalb der jüdischen Arbeitermassen in allen Ländern. . II. 1. Die Organisation führt den Namen „Vereinigte zio.- sqz. Arbeiterorganisation Poalc-Zion-Hitachduth in Oesterreich". 2. Das Ziel der. Organisation ist es1, für die Erfüllung der unter 1 angeführten Aufgaben, zu wirken, „wie auch die Interessen der arbeitenden und nach Arbeit strebenden jüdischen Massen in Oesterreich zu schützen. 3. In Fragen der allgemeinen Politik in Oesterreich solidarisiert sich die Organisation prinzipiell mt der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs. In Fragen des inneren jüdischen Lebens entfaltet die Organisation ihre Tätigkeit im Geiste der zionistisch-sozjaj'istischen Arbeiterorganisationen (Poale-Zion und Hitachduth), beziehungsweise des Weitverbandes, welchem die vereinigte Organisation beitreten Wird. 4. Es ist die Aufgabe der Organisation, durch ihre Mitglieder und ihre Vertreter in den verschiedenen Institutionen, Wie durch den Einfluß ihrer Mitglieder in der Sozialdemokratie die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der arbeitenden jüdis'chen Massen zu wahren, für den Zionismus und das arbeitende Ercz Israel tatkräftigst einzutreten. 5. Es ist Aufgabe der Organisation, dahin zu wirken, daß ihre Mitglieder * sich in den freien Gewerkschaften und in der Sozialdemokratischen Partei organisieren. f 6. Die Organisation wird dafür eintreten, daß in Oesterreich der zionistis'dhe Territorial verband ohne Verzögerung konstituiert werde. Der Territorialverband ist zuständig, für alle Fragen, die der Kompetenz der zionistischen Weltorganisation unierliegen und über die auf den zionistischen Kongressen und deren Organe 'Beschlüsse gefaßt werden. Fragen, die der Kompetenz der zionistischen Organisationen nicht unterliegen, oder über 'welche man im Zweifel ist, ob sie dieser Kompetenz unterliegen, dürfen nur einvernehmiich auf die Tagesordnung gesetzt und einverständ^ lieh entschieden werden. i Die programmatischen Grundsätze d&r Org. dürfen durch die Beschlüsse des T. V. nicht gefährdet werden. Das höchste Organ dieses Verbandes soll ein zumindest einmal jährlich zusammentretender Delegiertehtag sein, der von den angeschlossenen Gruppen auf Grund ihrer numerischen Stärke beschickt werden soll. * Ihm obliegt es, die Leitungen der zionistischen Institutionen und seine eigene Leitung zu wählen. 7. Die. vereinigte Organisation macht sich zur Aufgabe eine intensive Kultur und* Erziehu,ngstäfigkeit<- unter den Juden Oesterreichs zu entfalten, u. zw.: durch die Einrichtung volkstümlicher Kurse aus allen Gebieten des jüdischen Wissens und Schaffens; durch Erweiterung des Hebräisch-Unterrichtes, Verbreitung des hebr. Buches und Druckschriften, wie durch die Schaffung eines systematischen Erziehungsnetzes vom jüdischen Kindergarten bis zur jüdischen Mittelschule. ■ Für den Fall, daß es wider Erwarten zu keiner Einigung zwischen den Weltverbänden kommen sollte, so. wird die Organisation sich demjenigen Weltverbande anschließen, dem die Verein, Arb.-Partei in Pal. angehören wird. Sollte sie keinem Verbände beitreten, so bleiben wir ein Jahr außerhalb beider Weltverbände. Nach Ablauf desselben' soll endgültig entschieden werden. Spaltungen — Vereinigungen. /£ur Verei.iHguir.gi der „Poale Ziorr" mtf der Hitachduth in Wien. Ber Borochow wies in einem seiner Beiträge zur OeschicMe der jüdischen1 Arbeiterbewegung nach', daß sich die erste Spaltung der jüdischen Arbeiterschaft auf folgender Linie vollzog: Auf der einen Seite der „Bund", der an die ersten jüdischen Arbeiter- und Handwerkervereine anknüpfte und die Tat, die Bemühungen für eine unmittelbare Besserung der sozialistischen! Lage der jüdischen Arbeiter als das Um und Auf der jüdischen Arbeiterbewegung betrachtete; auf der anderen Seite die Poale Zion, die an1 die Spitze ihres sozialistischen Wollens den! Oedanken, die Analyse der jüdischen. Wirtschaft und die Eigenart des jüdischen Sozialismus setzte. Das Verhältnis zwischen Oedanken und Tat war entscheidend für die ursprüngliche Spaltung der jüdischen Arbeiterschaft in zwei Lager, diese wirkte auch lange Zeit nachher trennend oder vereinigend nach. Die Wirkung dieses Verhältnisses können wir bis in die Gegenwart verfolgen. - * , Nach einer kurzen' Periode, in welcher sich die Poale Zion einseitig auf das Gebiet des zionistischsozialistischen' Gedankens einstellte und den täglichen! Kampf der jüdischen Arbeiterschaft um wirtschaftliche, politische und nationale Befreiung in den Hintergrund stellte, rang sie sich zur Erkenntnis durch, daß nur die Wechselwirkung zwischen Gedanke unid Tat eine revolutionäre Bewegung befruchten und kampffähig erhalten kann. Alle E r s c h' e i! n u n g, e n des jüdischen! Lebens beobachten, sie analysieren und permanent für die Behebung der festgestellten Anomalien wirken, das ist zur Richtschnur für den Poale Zionismus geworden. Hier lag und liegt noch1 immer die Trennungslinie zwischen uns und den anderen Gruppen; innerhalb der jüdischen 'Arbeiterschaft. Die „Sejmisteni" dachten': Es ist wohl richtig, daß die Exterritorialität des jüdischen' Volkes, die Loslösung der jüdischen Arbeit von Landwirtschaft und Urproduktion das Grundübel unserer ungesunden Struktur ist, aber vorderhand wollen wir uns auf den' Kampf um die Hebung unserer Lebensmöglichkeiten: in den Ländern' der Diaspora' beschränken, die Bemühungen um Behebung des Grundübels aber sollen! zurückgestellt werden. Ein ■Versuch also, die Kluft zwischen! Gedanke und Tat, Erkenntnis und Aktion1 von -neuem zu errichten. Die Spaltung war unvermeidlich. 1 Zur gleichen Zeit versuchten die „Territorialisten" (S. S.)'die Bewegung in-ein entgegengesjetztes1 Extrem zu lenken. Sie negierten völlig die'Tat für die Hebung •unserer Lage in den Ländern der. Diasporal und wollten sich ausschließlich1 auf die Behebung "der Anomalien unserer Struktur beschränken. Auch das stand im Widerspruch mit der öruniderkenntnis der. Poale- Zion. Die Spaltung konnte auch 'hier nicht vermieden werden. Die Geschichte entschied für uns. Die „Sejmisten" und die ^Territorialisten" verschwanden; von der Oberfläche. Wir blieben unserer Erkenntnis treu. Nach dem Kriege kam der Zeitabschnitt größerer Reahsierungsmögilichkeiten für unsere zionistisch-sozialistischen!"' Bestrebungen. Die furchtbare Zerstörung des Weltkrieges zeigte die-Tragik der Judenfrage in ihren grellsten Farben. Die uich'tj indische Welt, insbesondere die progressiven Elemente, an der Spitze der internationale Sozialismus, erkannten' die Notwendigkeit einer radikalen Lösung der Judenfrage durch die Sicherung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Die Türkei, das größte Hindernis für die Entwicklung des jüdischen: Palästina, wurde in die Schranken gewiesen. Die Mandatarmacht Palästinas, das moderne imperialistische Großbrittanien eröffnete Perspektiven größerer Entfaltung des jüdischen Aufbauwerkes. In allen Teilen Osteuropas warteten zeh'ntausende unserer jungen Arbeiterpioniere, um mit ihrer Hände Arbeit die; jüdische Heimstätte aufzurichten. Da kam ein: Stoß von außen, der Verwirrung in unsere Reihen brachte. Die siegreiche russische Revolution weckte unter der jüdischen Arbeiterschaft die Hoffnung, auf die unmittelbare soziale Erlösung der Arbeiterklasse. Nun meinten unsere sogenannten Linken, in einem Zeitabschnitt der sozialen 'Revolution sei kerne Zeit und keine Energiie frjei für die Bemühungen um die Behebung , der Anomalien in' der Struktur unseres Volkes. ' Es kam zur Spaltung zwischen uns und der „Linken Poale Zion". Diese Spaltung vollzog sich ebenfalls auf der Linie des Verhältnisses zwischen Gedanke und Tat. Die „Linken" meinten ähnlich' wie die „Sejmisten", der gegenwärtige Zeitpunkt zwinge uns, alle Kräfte aut den Kampf ,in "den ^Ländern der Diaspora zu konzentrieren; die,bevorstehende soziale Revolution! werde für uns die Möglichkeit der radikalen Lösung! der Judenfrage in Palästina schaffen. Wir antworteten mit Borochow: „Unser Palästinismus ist permanent!" Wir wachten treu-t yb'er die Harmonie zwischen Gedanke und Tat, wir Dewahrten; das Wesen des Poalezionismus. Und das Resultat? Große Teile der „Linken" sind in das Lager der allgemeinen kommunistischen Bewegung übergegangen. Der letzte Mohikaner, die „Linken" in Polen, befinden sich in einem Prozesse der Auflösung und Zersetzung. Unsere Bewegung wurde wohl vorübergehend Zahlenmäßig geschwächt, aber die ideologische Geschlossenheit sicherte uns die Möglichkeiten von, Aufstieg und Erstarkung, die auch bis heute anhalten. * Das Wachsen des Aufbauwerkes in Palästina und der jüdischen Arbeiterschaft des Landes rollte neue organisatorische Probleme auf. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas gehörte in ihren früheren Wohnländern verschiedenen Richtungen an, sie waren auch in1 ihren Berufen, in der Erziehung, die: sie genossen', verschiedenartig. In Palästina aber vollzog' sich für alle eine berufliche Umschichtung, sie hatten alle die gleichen! ökonomischen, kulturellen und politischen Interessen. Diese Gemeinsamkeit in den Interessen mußte ihren entsprechenden organisatorischen Ausdruck erhalten. Es entstand die „Allgemeine jüdische Arbeiterorganisation" („Histadruth"), die die wirtschaftlichen, genossenschaftlichen und kulturellen Interessen der gesamten jüdischen Arbeiterschaft Palästinas vertritt, ihr folgte die Gründung der „Partei der Arbeiter Palästinas", welche die gesamte sozialistische jüdische Arbeiterschaft des Landes erfaßte Was« außerhalb der Partei blieb, fällt kaum ins Gewicht. Die Vereinigung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina mußte naturgemäß die Vereinigungsbestrebun'gen der zionistisch-sozialistischen Richtungen in den Ländern der Diaspora sehr wirksam fördern'. Das Verhältnis der vereinigten Partei in' Palästina»' zu ihren: in den Ländern der Diaspora noch voneinander getrennten Bruderparteien1 konnte sich1 in organisatorischer Beziehung nicht norjnal gestalten. Die Partefiin Palästina trat aus beiden Weltverbänden; aus, wenn sie auch' gemeinsam mit dem Weltverband Poale Zion in 'der Sozialistischen Arbeiter-Internationale verblieb. Die zionistisch-sozialistischen Parteien -der Diaspora konnten den -Zustand einer organisatorischen Trennung von der Arbeiterpartei in Palästina auf die Dauer nicht ertragen. Daher von allen Seiten' das Drängen nach einer Vereinigung aller zionistischsozialistischen; Parteien der Welt. * * Die erste Etappe war die Vereinigung der Poale Zion mit den Zionisfen-Sozialisten. Die größte Schwierigkeit, die hier überwunden: werden mußte, war die Einstellung zu Hebräisch uncr-Jiddisch bezüglich1 ihrer Rolle und Bedeutung im jüdischen Leben. Nach/einem sehr lebhaften Aufklärungskampfe ist die beiden Teilen genehme Formulierung in der SpraChenfrage gefunden worden. ' -; Die Etappe, in welcher wir uns jetzt befinden,, ist vom den Vereinigungsbestrebun'gen1 der Poale Zion mit der „Zi.onistisoh'-Sozi'alistischen1 Arbeitspartei „HitaChduth" beherrscht. Mier sind, oder waren zumindest bis vor einiger Zeit, in manchen Ländern die Meinungsdifferenzen tiefgehender Natur. Es geht hauptsäChlichf um den politischen Kampf. Während die Poale Zion' den Standpunkt eines selbständigeni politischen! Kampfes der jüdischen Arbeiterschaft vertreten, will die „Hitachduth" die Landespolitik gemeinsam mit dem jüdischen Bürgertum führen/In jenen. Ländern aber, wo die selbständige Landes^ politik im jüdischen; Leben eine geringe oder gar keine Rolle spielt, ist das wichtigste Hindernis von Vorneherein' ausgeschaltet. Zu diesen 1*ändern gehört auch die österreichische Republik. Hier war es auch nicht schwer, eine Einigung zu erzielen, deren Grundlagen, die Einstellung auf dje Sozialistische Arbeiter-Internationale und auf das arbeitende Palästina sind. Alle' anderen Differenzen' taktischer und organisatorischer Natur konnten ohne besondere Schwierigkeiten beseitigt werden. * Die gegenwärtige Etappe der Konsolidierung der zionisjisCn^-sozialistisch'en Bewegung steht unter dem Eindrucke' der furchtbaren Wirtschaftskrise, die im jüdischen Leben verheerende Wirkungen zeitigte und des .Kampfes innerhalb der zionistischen Weltbewegung um Inhält und Aufgabe des Zionismus im gegenwärtigen Zeitpunkte. Die Wirtschaftskrise ist ein Produkt der unfehlbaren' gottgewollten kapitalistischen Weltordnung. Es ist also klar, daß die Ueberwindung dieser Weltordnung im Interesse aller arbeie.ndten Menschen, also auch des arbeitenden jüdischen Volkes gelegen ist. Ueberwindung des Kapitalismus durch den täglichen Kampf für eine gerechte, vernünf-- tige, schönere Welt, für den Sozialisnrus. Auch unser Kampf für den ••Sozialismus wird aber durch die Anomalien im jüdischen Leben, durch die ungesunde Struktur des jüdischen Volkes ge-. hemmt, wir müssen deshalb die Bemühungen um GesundCin'g des jüdiseh'en< Lebens in Palästina 'intensivieren. Nun ist um dieses zionistische Ziel ein hartnäckiger Kampf entbrannt, aber auch dieser Kampf ist hauptsächlich gerichtet gegen: das aufstrebende, jüdische Arbeitervolk. N ur die Konso.lid lerung dej-^^rbeiterkräfte im Zionismus, der öruppen des sozialistischen. Zionismus. kann die erfolgreiche Abwehr des An- .••»

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