Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1932)
- Date
- 1932-01-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V* D. D* tff <h>?fp £ s' Da JÜDISCHE Organ der sozialdemokratischen Poale Zio» Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 1. Wien, 8. Jänner 1932. 9. Jahrgang. Schekelaufruf der Exekutive. Zionisten! In einer für die Welt und für unser Volk schicksalsschweren Zeit wenden wir uns an Euch mit der Aufforderung, wie alljährlich, Euer Bekenntnis der Treue zu Eurem Ideal, dem Zionismus, zu erneuern In tragischer Weise macht sich in diesem Moment einer Weltkrise die abnormale Lage des jüdischen Volkes bemerkbar. In viel höherem Maße als die Wirtschaftsvölker sind die Juden infolge ihrer spezifischen Wirtschaftsdisposition von der Katastrophe, die die Welt erfaßt hat, betroffen. Von! der elementaren! ' Entwurzelung über die bewußte Verdrängung! führt der Weg je nach der Gesittung der Völker bis zu einer rücksichtslosen1 haßerfüllten Bekämpfung, ja zu Angriffen: auf die Rechte, die Ehre, das Leben; der, jüdischen Bevölkerung. Hand in Hand damit geht ein Prozeß der. Entjudung1 vor sich' — der teils unbewußte, teils bewußte- und oft idealistisch verbrämte Drang! zur Assimilation, das freiwillige Erstreben: des Volksuntergangs. Aus dieser gefahrvollen und entwürdigenden Situation, aus der ewigen Not der Juden und des Judentums, deren Formen sich ändern, deren Wesen aber 'unabänderlich bleibt, 'gibt es nur einen Ausweg! — den Zionismus. Vor einem halben, Jahrhundert schon haben die Vorläufer des heutigen Zionisrnusi, die) Chowewe Zion, im einer der heutigen sehr ähnlichen' Situation dem jüdischen Volke den Weg zur Rettung! {gewiesen: »nationale Besinnung, Selbsthilfe, Regeneration! und Produktivierung des Volkes durch1 den Aufbau der.-..nationalen Heimstätte in1 Erez Israel Nur so kann 'unser Volk in die Lage versetzt werden!, ein, freies schöpferisches Leben!zu führen: und mit allen Völkern;, als ein ihnen gleichwertiger Faktor an den Erreichung höchster Ideale der Menschheit mitzuwirken. ' Der von Theodor Herzl begründete .politische Zionismus 'hat diese Ideen: vertieft-und ausgebaut und für deren Verwirklichung ein machtvolles Instrument geschaffen — die Zionistische Organisation. Der Zionismus hat dem jüdischen Volke sein geschichtliches! Ideal, seinen Lebensglauben wiedergeschenkt, er hat in Palästnäi den Grundstein für ein Gemeinwesen) gelegt, auf das jeder Jude mit Liebe, Stolz und'Hoffnung blicken, und dem auch die große nicbtjüdisch Welt die höchste Achtung nicht versagen kann. . Dieses Werk in Palästina allen Stürmen zum Trotz zu erhalten, zu festigen und in stetiger, zähep Arbeit zu erweitern, ist die höchste Aufgabe der Zionisten' ün der ganzen Welt. Unermüdliche Arbeit für die Aufbaufonds, dauernde Sorge für die Erweiterung unseres Bodenbesitzes, für die Deckung unser|es Aufbäubudgets, für unaufhörliche chaluzische und x/olkseinwanderung{ muß Hand in Hand gehen mit ■■'einer-plan- und 'umsichtsvollen politischen Aktivität /'Up Verteidigung und Stärkung der im Mandat fundierten politischem Grundlagen unseres Werkes. Und die wesentlichste Voraussetzung für das Gelingen all dieser weitverzweigten Anstrengungen ist eine starke 'ionistische Organisation. Denn nur eine immer wachende, Massen des Volkes und der Jugend in' ihren "anirt ziehende Organisation kann' die Autorität, die moralische, politische und materielle Kraft besitzen, alle (Schwierigkeiten des Moments zu überwinden und das Werk des Aufbaus vorwärts zu führen. ■ An Euch, Zionisten, ergeht daher der Ruf: Legt erneut das Bekenntnis zu Eurer Organisation ab, indem Ihr den Sehekel, das Symbol Eurer Verbundenheit mit dem Zionismus erwerbt und so der Zionistischen Organisation die Mittel zu ihrer organisatorischen, propagandistischen und politischen Arbeit sichert. i Tragt die frohe Botschaft der Hoffnung in das jüdische Volk! Erobert die Herzen der Massen! Gewinnet neue Mitkämpfer1! Werbet Mitglieder für die Zionistische'Organisation und ihre Landes- und Sonderverbände! , Entrichtet und sammelt den Schekel! Stärkt und vergrößert die zionistischen Reihen! Die Exekutive der zionistischen Organisation. London*, Dezember 1931. Oeffnet die Tore Palästinas! Die Juden haben: in allen Ländern unter der Wirtschaftskrise furchtbar zu leiden. Zu Hunderttausenden haben die Juden in Osteuropa jede Existenzh möglichkeit eingebüßt, auch in' Westeuropa gestaltet sich die Lage der Juden nicht günstiger. Die Entwurzelung der jüdischen Existenzen übersteigt an Hoffnungslosigkeit bei weitem die gewiß auch sehr traurige Lage der arbeitenden: Massen aller Länder und Völker. Die verzweifelten arbeitssuchenden Juden, insbesondere ihre Jugend, findet keinen Ausweg aus dem Jammertale ihrer zerstörtten Existenzmöglich keiten. Die Tore Amerikas sind verrammelt. Der einzige Lichtpunkt für .tausende unserer Brüder wäre Palästina. Gewiß, auch Palästina hat unter der Weltwirtschaftskrise zu leiden, aber im Vergleiche mit den anderen Ländern ist Palästina in einer günstigeren Lage. Die Siedlungen Palästinas haben in den letzten-"Jahren eine seTir erfreuliche innere Konsolidierung, durchgemacht. Sie könnten jetzt ohne besondere Schwierigkeiten, tausende der in vielen Ländern nach der Arbeit in Palästina lechzenden Arbeiiterpioniere'n aufnehmen und ein Ventil für die drückende Not der Juden' schaffen. Allein die englische Verwaltung Palästinas weigert sich, die Tore des Landes zu öffnen, unbeachtet der Forderungen1 der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas und der zir> nistischen: Exekutive, die für die Eingliederung der einwandernden Juden in: die Wirtschaft des Landest gewiß keine geringere Verantwortung trägt, als die Herren von London. ' » Wir dürfen dieses Verhalten: der englischen Verwaltung nicht ruhig hinnehmen. Die Not unserer Brüder erlegt uns die Pflicht auf, uns zu wehren'.; Die Juden befinden sich gegenwärtig in einer Situation, die an Tragik ihresgleichen kaum findet. In einer solchen Lage bedeutet das Dulden der Absperrung Palästinas von den zehntausenden Arbeit und Boden: suchenden Juden eine unverzeihliche Unterlassungssünde. Wir müssen deshalb die Juden in allen Ländern aufrütteln, jn ihnen den Geist der Selbsterhaltung, der Entschlossenheit und Fortsetzung! des erneuerten nationalen und sozialen Lebens in Palästina wachrufen. Der Ruf: „Oeffnet die Tore: Palästinas!" müßte in allen Ländern der Diaspora; so mächtig erschallen, daß er auch den Herrschern) in Lon'don vernehmbar werde. Wir dürfen nicht schweigen, «roch ruhen, solange wir uns nicht zumindest das Recht erkämpft haben, den Arbeiterpio;,, nieren, die ins Land wollen und für die dort Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind, die Tore Palästinas zu öffnen. M. S. Eine Provokation. Ein geheimes Zirkular des Kolonistenverbärdes. — Wer ist Smiiansky der Führer der Kolonisten? ~~ Die Lehre für die jüdische Arbeiterschaft Palästinas. - Gibt es einen Klassenkampf in Palästina? Diev palästinensische Tageszeitung „Dawar" veröffentlicht ein Geheimzirkular, das die Leitung des palästinensischen Kolonistenverbandes an alle Kolonisten verschickt hat. Darin heißt es: „Die Kolonisten! müssen bei der Vergebung von Arbeit diejenigen Elemente bevorzugen, die nicht in der Arbeiterorganj.sation1 (Histadruth) organisiert sind In allen Kolonien gibt es eine Gruppe von Arbeitern des Brith Trumpeldor, der Jemeniten, der Kolonistensöhne. Aus ihnen kann ein den Kolonisten freundliehe s A r b e i t e r m a te ri a 1 gebildet werden, wo- Liga für das: arbeitende Palästina in Oesterreich' . Samstag, den 16. Jänner 1932, präzise halb 8 Uhr abends, ,im Festsaale, IV., Treitlstraße Nr. 3 (Neubau der gastgewerblichen Krankenkasse, mächst Kärntnertor) Abend jüdischer Kunst Unter anderen wirken mit: GERTRUD KRAUS UND IHRE GRUPPE JÜDISCHER GESANGVEREIN (Dirigent: I. Brandmann) KLARINETTEN-QUINTETT STEIN Das gesamte Reinerträgnis fließt dem Palästina- Arbeiter-Fonds zu. KARTEN zum Preise von S, 1.80 bis S. 5.— sind erhältlich bei: Sekretariat der Liga, I., Jordangasse 7, 1. Stock (jeden Mittwoch 7—9 Uhr abends); Büro des jüd. Nationalfonds, I., Kärntnerstraße 28; Vereinigte zion-soz. Arbeiterpartei „Poale Zion-Hitachduth", II., Blumauergasse 1. durch gleichzeitig der Einfluß der Histadruth' geschwächt werden wird." In einem zweiten Zirkular wird mitgeteilt, daß am 13. November eine: Delegation des Kolonistenverbandes beim stellvertretenden Gouverneur des Süddistrikts, Crosbie, vorgesprochen hat und ihm die Arbeitstage in den Kolonien während der Orangen-Pflücksaison auseinandersetzte. Auf besonderen Wunsch des Gouverneurs gab der Führeil der Delegation, Mosche Smiliansky, eine eingehende! Schilderung, des Zwischenfalls in Chederah, sowie derr Gewalttaten in Petach Tikwah und Ness Ziona. Smtliansky erläuterte dem Gouverneur die Tendenzien1 der Histadruth zur Beherrschung des Arbeitsmarktesj und versicherte ihm, daß im1 den alten Kolonien trotz) der Pressionen und Drohungen nicht hundertprozenft tige jüdische Arbeit beschäftigt werden wird. Er wandte sich auch dagegen, daß den Kolonisten diiö durch1 die Gewalttaten der Arbeiter .notwendig gewordenen Polizeispesen aufgerechnet werden. Was hier mitgeteilt wird, übersteigt alles, wasj man auch bisher von Seiten'der1 Kolonisten in ihrem) Kampfe gegen den jüdischen organisierten Arbeiter gewöhnt war. Hier wird mit aller Offenheit zumi Ausdruck gebracht, worum es den Kolonisten geht. Die O r g, a n i sa t i o n der jüdischen' Arbeiter ist es, gegen die sich ihr Kampf richtet, in der organisierten) Arbeiterschaft erblicken -diese jüdischen Effendis ihren Feind, ihr ganzes Sinnen" ist daher darauf konzenN friert, wie man am besten und am wirksamsten die* Histadruth1 verschlagen könnte. Kein Mittel ist diesen Leuten, die bei keiner Gelegenheit ihre; „nationale" Gesinnung zu betonen unterlassen, zu schlecht, wenn es nur zum Ziele führt. Sie schrecken' auch micht vor böswilligen Verleumdungen (man erinnert sich noch an die Aussagen Smilianskys von der Shaw-Kommission) und offener Denunziation zurück. Mit sicherem Klasseninstinkt sehen diese „Boasim" (das Wort ist eine palästinensische Prägung und lehnt sich an den biblischen Boas an) in jedem' neuen Arbeitereinwanderer einen Menschen, der die Klassenfront des Proletariats stärkt, darum sind sie5 jederzeit für eine Sperrung der Arbeitereinwanderungt und tun das ihrige dazu, um die zuständigen Regie>- rungsstellen! in diesem Sinne zu bearbeiten. Und wenn! ihnen das gelingt (und es gelingt ihnen sehr oft, weil sie ja auch1 die englischen Herren von der palästinensischen! Administration von den gleichen „Sympathien" gegen den einwandernden Chaluz und Pionier europäischer revolutionärer Gedangen hänge beseelt sind), dann ist ihr .nationales Gewissen beruhigt1 und ihre nationale Gesinnung feiert Triumphe in schön geschliffenen Leitartikeln und wehmütighweichen Reminiszenzen anläßlich diverser Jubiläen. Der geistige Führer dieser Organisation der palästinensischem jüdischen Kolonisten ist der bekannte - \