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Der Jüdische Arbeiter · 1931-12-04 · Heft 18 (4.12.1931) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 18 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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&ttt4_______ töüßfseins ist, das in änderen LMWi, unter änderen Bedingungen seinen1 Ausdruck in der allumfassenden Massenpartd, im der Einheit der Arbeiterklasse fm* det. In diesem engen Kähmen kann natürlich nicht so .tief als es notwendig wäre, auf den Klassengehalt des Kibbuz Hameuchad eingegangen werden. Der K. H., -drer ungefähr 2000 Menschen umfaßt, hat Gruppen in Städten, Kolonien und Selbständige .Wirtschaften, Ain^Chärod, Haifa, Petach'-Tikwah. Die Plugah in Rischoh ist die jüngste Gruppe des Kir> büz Hameuchad, wie ja überhaupt die Kibbuzim in den Mpschawoth ein Produkt der fünften Alijah sind. Noch1 Vor 2 Jahren war die Plugah in Rechöboth eine klein« Kwuzah ohne Anstedlung mit minimaler Bedeutung, der Kibbuz in Kfar-Saba eine Plugah, die man gar nicht kannte, Herzliah ein Produkt der fünften Alijah. In Hischon hat der Kibbuz vor unserer Alijah .überhaupt nicht Fuß fassen; können1. Natürlich hangt dies damit zusammen, daß ja überhaupt die Arbeiterschaft in den Kolonien sich erst im Verlaute der letzten Jahren entwickelt hat. Was sonst in anderen Ländern! die Industriearbeiterschaft zu erfüllen hat — Vorkämpfer im Klassenkampf zu sein r— ist hier die Aufgabe der landwirtschaftlichen Arbeiter. Die objektiven Bedingungen Palästinas haben dem jüdischen Arbeiter in den Plantagen jenen Kampfplatz gegeben, der sonst in Europa die Fabrik ist. Es soll ja hier, nur das Kernproblem der Arbeiter in der Kolonie gestreift werden, um', die Situation zu schildern, in der wir uns hier auch in Rischno befinden. Auf der vordersten] Linie des Klassenkampfes gegen imperialistische Ausbeutung Spüren wir sehr, wie jener proletarische Instinkt, den «wir nicht zuletzt m der Wiener Poale Zion empfangen haben, oins den richtigen Weg weist. Die Schüsse von Neß-Ziona haben deutlicher als sonst die Massenmäßigge Bedeutung des Kampfes um jüdische Arbfeit aufgezeigt. Auf Wunsch der Pardessanam-Plantagenbesitzer — hat die englische Kolonialpohzei gegen den1 jüd, Arbeiter, schießen lassen, der nicht zulassen wollte, daß die jüdischen Pardessanten aus den1 umliegenden arabischen Dörfern unorganisierte Frauen und Kinder holten, um den organisierten jüdischen Arbeiter von seinem Arbeitsplatz zu verdrängen, um selbstherrlicher ihre imperialistischen Ausbeutu!ngsmethG)den, r fortsetzen zu könnem und um einer dank ganz unmöglichen Entlohnung ihren Profit zu erhöhen. Das ist die Lage der jüd. Arbeiter in den Kolonien, zu welchen auch Rischonlezion gehört. Nur daß R. erst dort steht, wo Rechöboth und PetachLTikwah1 vor Jahren standen. Rischons Bedeutung beruhte bis jetzt hauptsächlich auf seinen Weingärten, die nicht imstande sind, eine so große Bevölkerung zu ernähren1, wie die Orangenpläntagen. Demgemäß; ist auch' die Arbeiterschaft weniger entwickelt. Der histor, Kampf um den „Katif" (Abernten der Orangen1, das viele Arbeitsmöglichkeiten bietet, siehe Neß-Ziona) hat erst 'begonnen1, da die Plantagen erst nacih1 3 bis 4 Jahren' Früchte tragen und nur zirka 500 Dunam Pardess (im Vergleich1 zu Pelach-Tikwah1 4000 Dunams) bereits Frucht tragen. Der Großteil der Plantagen ist wesentlich' jünger. Im kommenden Jahr werden* wieder. 900 Dünam frisch' bepflanzt werdein1, so daß, mit kommendem Jahr mit einem Mangel an lokalen) Arbeitskräften zu rechnen ist, deren Bedarf durch die neue AIij ahf gedeckt werden wird. Rischon ist erst im Werden. Klar ist, daß flies «alles auf die Plugah' abfärbt. Die Plugah in Rischon ist demnach1 imstande, im kommenden Jahre die Zahl ihrer Mitglieder bis auf 100 zu erhöhen, da ja auch insbesonders der werdende: Meschek (die Eigenwirtschaft des Kibuz) Kräfte braucht. Wir stehen am Anfang unserer Ar-, 'beit. Der Strom des pal. Lebens treibt uns mit. Die Einordnung, der Wiener in Plugah Rischonlezion steht vor Problemen zweifacher Natur. Einerseits das Hineinwachsen in eine für Westjuden neue Kultur, die n a t i o ,m a I e U m wa n d I u n g, anderseits das Hineinwachsen in eine neue Gesellschaft, m eine höhere Gesellschaftsform', eine gesellschaftliche Umwand 1 u :n g. Vor diesen zwei Aufgaben steht jeder neue Wiener Oleh in Palästina. Von diesem Gesichtspunkt aus muß. auf Rischon von Seiten Wiens geblickt werden. In Rischon 'befinden sich1 außer der Wiener Gruppe eine Ank zahl von Chawerim aus Rechöboth1 (deutsche Alijah), die allerdinigs längere Zeit als die Wiener bereits im Lahde sind. Dazu kommt noch eine Gruppe von Chawerim, die seinerzeit Chawerim der polnischen •Alijah waren. In?Bezug auf die Frage der nationalen U m w a n d in n g können! alle Nichtwiener sozusagen als Palästinenser angesehen werden, da sie sich seit langer Zeit in Palästina 'befinden und sich in der neuen nationalen Gesellschaft bereits eingelebt haben und sie zu der ihren gemacht haben. Sie sind sozusagen der „palästinensische Faktor" in der EinK ordnung der Wiener gewissermaßen als Hilfe „Neue" (jetzt fühlen wir uns auch nicht mehr als so neu) aus Osteuropa gibt es in Rischon nicht. Der Begriff „Neue" ist derzeit identisch" mit Wiener Alijah. Die Frage Aliiah1 ist ja überhaupt bei! uns ein Kernproblem. Unsere Stellung zur Alijah1 wird das Schicksal der Plugah entscheiden. Es gibt eine Auffassung, die überhaupt in einer Plugah nur Menschen aus einem Land konzentrieren will. Das sogen. Landsmannschattenprinzip, das aber unserer Mei~ Pef füüd* ***** rtutfg nach für die Alijah aus Westeuropa überhaupt nicht in Betracht kommt. Eine zweite Auffassung geht dahin, in einer Plugah wohl nur Menschen aus einem Land zu konzentrieren, diesen aber eine Anzahl von Chawerim beizufügen, die schon lange Zeit in Palästina sind und gewissermaßen als Einführung in das pal. Leben dienen sollen.' Die dritte Auffassung, und das ist auch die einhellige Meinung der Plugah, geht dahin, in Rischbn eine Alijah aus Osten zusammen mit der Wiener Plugah1 zu konzentrieren Und das Schwergewicht der Einordnung auf die gemeinsame Eingliederung aller Chaverim in das palästinensische Leben zu legen. Die zweite Lebensautgabe, vor der die Wiener Gruppe gestellt ist, fand ein gewisses Minus auf Seiten der Wiener vor. Ein Minus — das aber viel weniger an die objektiven Bedingungen geknüpft ist, als na die subjektiven Lebenseinstel'- lungen der Einzelnen. Die Tatsache, daß in Oesterreich die Hechaluzbewegung weniger als in anderen Ländern auf die Kibbuzim gestützt ist. Dieser Mangel zeigte sieh darin, daß das Hineinleben in diese höhere Gesellschaftsform aut Widerstände stieß, die erst durch die Zeit, durch das Leben in der neuen Gesellschaftsform überwunden werden konnte. Wir fanden, daß die Voraussetzung der Erreichung des Kibbiizmaximums der Erfüllung des Kibbuzminimums ist. Zur Erreichung der Höhe derjenigen gesellschaftlichen Lebensbedingungen, di|e 'zur Entwicklung des Einzel- ■! Zum Beispiel, die berühmte „Enfzyklopedia Bri tanica", die jene, die sie nie gesehen, für das best* Lexikon der Welt halten. leih besitze sie, und s( oft ich dort etwas suche, finde ich es nicht und ttiu mich zu einem Freunde, der eine deutsche Enzyklopädie besitzt, begeben; dort finde ich es. Heüt< früh wollte ich etwas über ein sehr einfaches Worl Idiot erfahren. Ein einfaches, nicht seltenes und doc von allen Gesichtspunkten sehr wichtiges Wort, ab'ei in der „Britanica" ist es nicht zu finden. Die Repa tation der englischen Enzyklopädie ist übertrieben Viele Eigenschaften der Engländer haben eine über triebene Reputation." In demselben Tone tut Jabotinsky die staätsmännischen und finanzwirtschaftlichen Fähigkeiten dei Engländer ab. Er setzt dann wörtlich fort: „Nun etwas noch schlimmeres: Zu einer Zei als man mit sozialen Experimenten nicht spielen .darf erlaubt sich England — zum zweiten Male seit Kriegsende! — das Experiment einer sozialistischen Re gierung. Ich führe es nicht deshalb an, da ich eir Gegner des Sozialismus bin. Ich bin es wohl, abei das hat auf diese Frage keinen Bezug. Eine sozia hstische Regierung ist bestrebt die Einnahmen de; Staates für Zwecke 'sozialer/Fürsorge zu verwenden eine solche Regierung kann also nicht und will mch sparsam sein. Das liegt in ihrer Natur, ist ihr Credo Mag, sein, eine gute Natur, ein schöner Glaube, wenr aber ein Land, das gezwungen ist in seinem Staats- Das Schicksal Ihres Mäderls entscheiden Sie, wenn Sie sich über den Abschluß einer Töchter-Versicherung chlüssig werden. nien im Dienste der Gesellschaft erforderlich' sind,: budget Sparmaßnahmen! zu treffen, sich den Lüxu gehört als Voraussetzung jener primitive Grad von einer sozialistischen * Regierung leistet, ist das eir Fähigkeit, mit Menschen überhaupt nur zusammen leben zu können. Die Erreichung jenes Minimums geduldet: Auch nicht Deutschland oder Preußen Leichtsinn. Keiner der anderen Weltstaaten hat da: hat uns aber viel Schwierigkeiten und viele Kämpfe gekostet. Wir sind aber der Ueb'erzeugung, daß die kommende Wiener -Alijah das Minimum an Kibbuzam 'mitbringen' wird. Die Entwicklung von „Kibbtizminimum zum Kibbuzmaxinium", das ist der Weg des. Kibbuz in Palästina. Das sinkende Pfund und der sinkende Revisionismus. Die Schwarze-B örse-Moral jabotinskys. Der Revisionismus steuert rapid seinem Verfalle zu. Die Beschlüsse von Calais bezeichnen einen wichtigen Meilenstein auf diesem Wege. Sie, die stets so viel Autsehen von ihrer organisatorischen Geschlossenheit gemacht haben, mußten sich1 damit abfinden, ihre Organisation in Mitglieder, die den Schekel entrichten und in solche, die ihn nicht leisten, zu teilen, Aut die Beschlüsse von Calais folgte die Loslösung der Revisionisten1 von den zionistischen Landesorganisationen. Jetzt .steht ihrer Loslösung vom Zionismus überhaupt nichts mehr im Wege. So traurig es auch ist, muß damit gerechnet werden, daß: der Revisionismus durch seine unverantwortliche Methode in politischen und organisatorischen Fragen in einem sfür die zionistische Weltbewegung äußerst wichtigen Momente eine Schwächung der Bewegung verursacht. Wir können die Folgen des revisionistischen Verfalls für die Gesamtbewegung mildern, wenn wir die Tendenzen dieser Gruppe schonungslos erörtern1. Es kann nicht bestritten werden, daß die revisionistische Bewegung in sehr hohem Maße mit der Person ihres Führers Jabotinsky identifiziert werden kann. Daher das besondere Interesse für die „Kundgebungen" dieses Mannes. jabotinsky pflegte sonst mit pathetischen Worten Vom großen englischen Volke zu reden, da aber das englische. Pfund im Sinken begriffen ist, entdeckt er („Betrachtungen über das Pfund" Hajnt Nr. 228) sehr wichtige Fehler im Charakter des englischen Volkes und auf vielen Gebieten seines öffentlichen Lebens. Es ist die Mentalität des Menschen von der „Schwarzen Börse", dem der Wert eines Volkes, seiner Kultur und seines Wirkens nur an der Vollwertigkeit seiner Valuta zu ersehen ist. Wenn also das Pfund sin'kt, welchen Wert kann dann noch das englische Volk haben? Das die Moral der Betrachtungen jabotinskys über das Pfund. Einige Proben dieser Betrachtungen wollen: wir hier im Wortlaut wiedergeben. Es heißt dort u. a.: „Ich1 bin wohl kein Feind Englands, aber ich sehe nicht ein, warum man sich nicht bei dieser Gelegenheit das Herz ein wenig ausschütten soll. dort sahen wir bloß Koalitionen mit einem1 starker sozialistischen Einfluß, aber keine ausschließliche! Arbeiterregierungen1. Auch' die Völker Süd europas, die man für Heißsporne und leichtsinni hält, haben das nicht zugelassen. Sie zogen es vor in das zweite Extrem zu verfallen, in den Faschismus auch kein richtiges Mittel, es h'at aber einen wichtiger Vorteil: es ist zumindest ein Regime, das auf die Interessen aller Klassen, nicht aber einer. Klasse auf gebaut ist. Nur England leistete sich ein Regime de Klassenkampfes." Also, Jabotinsky ist ein; Gegner des Sozialismus im faschistischen is Regime sieht er — genau wii Mussolini und Hitler — einen Ueberklassenstaat, ab'e Gott behüte, wenn1 sich jemand trauen sollte wirkliel auszusprechen, daß der Revisionismus unser Faschis mus ist. Da würde er den' heiligen Zorn der Jab'o tinsky-Stncker-Garden auf sich laden. Die letzten politischen Darbietungen Jabotinsky; bekäftigenr seine zionistisCh-defaitistische und poli tisCh-faschistische Einstellung. .Wir werden auf sie noch zurückkommen. Von der Redaktion. Genosse Dr. M. Pilzer sah sich gezwungen die Leitung der Redaktion unseres Blattes zurückzulegen Wir wollen ihm herzlichen Dank für seine mit äußerstem Pflichtgefühl und sozialistischer Verantwortung geleistete Arbeit aussprechen. Wir geben1 der Erwartung Ausdruck, daß er recht bald in der Lag* sein wird die redaktionelle Leitung des Blattes wiedei zu übernehmen1. : ■ ' Ring des „Jüd. Arbeiter", Gen. Dr. Bernäy beantwortet die Aufforderung de Gen. Welt, spendet S 2.— und ruft folgende Genossen auf denselben Betrag zu spenden: Dr. Saul Sokal, Dr. Lee Schäfler. Dr. Drimmer, Dr. Eduard Bloch, Dr. Ph. Sternberg Leo Hendler, Ber Brawer. Gen. Ing. Benno B a u m a n n spendet S 2.-— und ruft folgende Genossen auf, denselben Betrag zu spenden: S. Ra binöwiez, P. Sorokin, Dr. Lipa Kantor, Dr. Ch. Tartakower Abraham Bloch, S. Weinreb, Adolf Horowitz. Herr Dr. Heinrich Glanz beantwortet die Aufforde rung des Gen. Sorokin und spendet S 2.—. Gen. Dr. Emil Gaster beantwortet die Aufforderung der Gen. Salitry und spendet S 2.—. Herr Dr. Oswald öottesmann beantwortet die Auf forderung der Gen. Salitry und spendet S 2.—. Gen. Sabine Wein er beantwortet die Aufforderung der Gen. Salitry und spendet S 2.—. Eigentümer,Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Pinkas Kornblüh, Student, Wien, IL, Schiffmühlenstraße 45/8. — Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstraße 52b,

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