Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 17 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ei JÜDISCHE ARBEITER Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1 ~ Postscheckkonto Nr. 17.878. Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig Einzelne Nummer 20 ßroschen Nr. 17. Wien, 20. November 1931. 8. Jahrgang. >ie Londoner zionistische Exe kutive anläßlich der Jubiläen wn Chibath Zion und Keren Kajemeth. Das Doppeljub'iläum, das wir in diesem Jahre 3692 (1931-32) begehen, 50 Jahre Chibath'-Zion-Be- »•egung und 30 Jahre Keren Kajemeth Lejisräel, ist in sehr wichtiges Ereignis in der zionistischen Bewegung und für die ganze Judenheit, ein Ereigjniis> von dessen Bedeutung ein jeder Jude durchdrungen' ,ein sollte. In dem Maße, wie wir 'zeitlichen! Abstand gewinnen zu der Bewegung der Chibath Zion und aüf die Geschichte rückblickend erkennen, was seitdem mit uns geschehen ist bis auf den heutigen Tag,, welch eine ungeheure Revolution in der jüdischen Gedaniken- und Gefühlswelt und im jüdischen Leben überhaupt sich vollzogen hat, wächst auch unsere Bewunderung und Achtung für diese Bewegung, der Vorläuferin des politischen Zionismus. Der gesunde Samen, den diese Bewegung, in unermeßlicher Liebe und Hingabe ausgestreut hat — die Rückkehr zur Bebauung des Bodens, die Wiederbelebung der, hebräischen] Sprache, die Erweckung jüdischen Geistes — ist aufgegangen und hat reife Frucht getragen, von der loch jetzt das gesamte Judentum zehrt. Ist Wesen ind ..Inhalt des politischen Zionismus ohne! die 16 Jahre Chibath Zion, die ihm vorangingen, überhaupt denkbar? — Die Chibath-Zion-Bewegung ist fest und unzertrennlich mit dem Jüdischen Nationalfonds verbunden,. Wenn auch die ersten Schritte des Keren Kajemeth1 uf der größeren Plattform des Zionisten kongresslesi unternommen wurden, so ist er doch seinem Wesen und Inhalt nach und in bezug auf seine. praktisch'© Arbeit eine natürliche Fortsetzung. der Arbeit der Chibath Zion. Auch sie war .ein-lebendiger Ausdruck jener überströmenden Jahrhunderte altem Sehnsucht nach der Bearbeitung des Bodens und der Erneuerung eines gesunden, schöpferischen Wirtschaftslebens' für unser Volk. Die Anfänge des Keren Kajemeth waren bescheiden. In den ersten Jahren sammelte man Pfennige, aber der Zweck, für den er gegründet wurde, war groß und umfassend. Wenn wir heute die' Karte Palästinas ansehen und die großen Flächen erblicken, die mit diesen Pfennigen des Volkes erlöst wurden1, Gebiete, die aus Wüsteneien! in blühende landwirtichaftliche Siedlungen« verwandelt wurden und Tauenden von Juden die Rückkehr zur Quelle ihres Seins, zur Mutter Erde selbst ermöglicht haben, dann weitet sich uns das Herz und ein Gefühl nationalen Stolzes erfüllt uns. Wer wagt es noch an der schöpferischen! Kraft unseres Volkes zu zweifeln? Empfanget daher, treue Diener des Jüdischen Nationalfonds, die herzlichen Grüße der Exekutive der Zionistischen Organisation zu diesem Doppeljubiläum. Die Exekutive ist fest davon überzeugt, daß das gesamte Volk, alle seine Parteien, und Gruppen in der Diaspora, den richtigen und geeigneten! Weg finden werden, um ihrer Bewunderung für die Chibath-Zion-Bewegung'und den Nationalfonds Ausdruck zu Verleihern Wir zweifeln nicht daran,: daß der dringende Ruf' nach erhöhter Anstrengung zugunsten der Erlösung des Landes Israel die Antwort des Volkes finden wird. Schwere Tage sind für uns gekommen, aber unser Glaube ist stark, daß selbst in Zeiten der Not unser Volk die äußersten. Anstrengungen machen wird, um unserer allgemein geliebten Institution zu helfen- Möge dieser Jahrestag eine5 Fortsetzung jener erhabenen,' Epoche darstellen, die jetzt abgeschlossen ist und ein Anlaß zu großen Taten für unser ,hohes Ziel sein. '"' , Für die Exekutive der Zionistischen Organisation'; Nachum . Sokolow. Berl Locker. : Zur Frage des Territorialverbandes. In den Diskussionen, die innerhalb unserer Organisation über die Vereinigung mit der Hitachduth abgeführt wurden, spielte die Frage des Territorialverbandes die vorherrschende Rolle. Es ist sehr begrüßenswert, daß durch diese lebhafte Diskussion^ nicht nur das rege politische Interesse unserer Genossen) gezeigt wurde, sondern daß sie auch sehr zur Klärung unseres politischen Standpunktes beigetragen hat. Schon seit Jahren hat die Poale Zion die Bildung eines Territorialverbandes aller zionistischen1 Gruppen in; Oesterreich verlangt. Die bürgerlichen Zionismen sind diesem Verlangen immer ablehnend gegenüber gestanden. Die bürgerlich-zionistischen' Gruppen, sowie die Hitachduth ' waren .im sogenannten „Landeskomite" vereinigt und sie forderten von uns, auch dem Landeskomite beizutreten. Das war uns aber unmöglich. Denn das Landeskomite wan eine politisch einheitliche Organisation, die als solche, also im Namen aller ihr angehörigen Gruppen, po-, litisch nach außen auftrat. Dabei betrieb das' Landeskomite nicht nur zionistische Landespolitik, sondern beteiligte sich, wenn auch unter verschiedenen: Decknamen, an Kultusgemeindewahlen, ja sogar an allgemeinen politischen Wahlen. So trägt das Landeskomite einen Großteil der Schuld daran, daß, der Zionismus von der großen Mahrheit der Wiener Bevölkerung, die sozialdemokratisch gesinnt ist, und, auch von der Mehrheit der Wiener *Juden als rein bürgerliche., ja reaktionäre Bewegung angesehen wird; eine Ansicht, die nur dank der selbständigen' politischen T ä t i gke i t der Po a 1 e Z i o n in mühevoller Arbeit allmählich revidiert wird. In der letzten Zeit, nach dem Austritt der diversen, revisionistischen. Grujfpen aus dem Landeskomite, war dies nicht viel mehr als eine Organisation' der allgemeinen Zionisteni und es hat nach der Konstituierung der, Allgemeinen als 'besondere Fraktion seine Existenzberechtigung! ganz verloren, Umso wichtiger erscheint daher die. Bildung eines Territorialverban'des, als einer nichtpolitischen Zweckorganisation, die nur die allen Gruppen: gemeinsamen) Aufgaben durchführt, ohne die Selbständigkeit der einzelnen Fraktionen1 zu beeinträchtigen. Schon1 bisher bestanden für solche Aufgabenparitätisch1 aus; allen Gruppen zusammengesetzte Kommissionen, die sich gut bewährt haben. So wurden, von solchen oder ähnlichen: Kommissionen der K. K. L., der K. H. und das Palästinaamt verwaltet; aber auch aus' besonderen Anlässen, wie zur Durchführung des Herzlgrabganges oder der Wahlen zum Zionistenkongreß wurden solche Kommissionen gebildet. Es wäre sicherlich sehr zweckmäßig, wenn, an Stelle dieser Kommissionen eine einzige, ständig arbeitende Organisation träte, und es ist daher ganz1 unverständlich,; warum sich die bürgerlichen Zionisten, mit Ausnahme der . allgemeinen Zionisten, noch immer und. trotz} des diesbezüglichen Beschlusses des. Zionistenkongresses gegen die Schaffung eines Territorialverbandes! wehren. In die Einigungsverhandlungen der Poale Zion mit der Hitachduth kam die Frage des Territorialverbandes dadurch, daß beide Organisationen ihren! festen Willen zur Bildung dieses Verbandes auch in der Vereinigungsresoluübn zum Ausdruck bringen! wollten. Die Poale Zion schlug hiebei zuerst vor, in die Resolution nur' die bloße Forderung nach einem Territorialverband ohne weitere Details aufzunehmen, da genauere Formulierungen ja infolge der negativen Haltung der bürgerlichen Gruppen jetzt noch nicht aktuell sind. Dieser Vorschlag scheiterte an dem Bedürfnis der Hitachduth, die ja> aus dem Landeskomite austritt, ihren Anhängern sozusagen den „Ersatz" für das Landeskomite schon jetzt klar darzustellen und die hauptsächlichen Feststellungen über diesen Punkt sogleich zu formulieren. Eine glückliche Folge dieser Forderung, der Hitachduth war die mehrmalige gründliche Diskussion aller . mit dem Territorialverband zusammenhängenden Fragen innerhalb unserer Mitgliedschaft. Wir wollen im Folgenden die Hauptpunkte dieser Diskussion, und ihr Ergebnis kurz darlegen, den Territorialverband virnmer als paritätisch zusammengesetzt vorgeschlagen hat, sollte nach dem Wunsch der Hitachduth' ein: Delegierten tag aus gewählten. Delegierten' gebildet werden. Die Poale Zion hat einen Delegiertentag nicht abgelehnt, hat sich' jedoch, und zwar war dies die einhellige Auffassung! aller unserer Genossen, absolut gegen Wahlen zum Delegierten tag, ausgesprochen:. Durch diese Wahlen würde der Territorialverbänd geradezu zu dem gestempelt, was er nicht sein) darf, wenn er überhaupt fruchtbringend arbeiten soll, nämlich zu einer politischen Organisation. Es wäre auch ganz unsinnig, die Arbeit des Territorialverbandes, die dem gemeinsamen.1 Zwecken aller Fraktionen, dienen soll, mit einem Wahlkampf einzuleiten, der doch nur die trennenden Momente zwischen den Gruppen verschärfen würde. Schließlich wäre es sehr unzweckmäßig, die geringen finanziellen und organisatorischen Kräfte, die dem Zionismus im Wien zu Gebote stehen, Jahr für Jahr zur Feststellung eines Kräfteverhältnisses zu verzetteln, das bei der Kleinheit der hiesigen^ Fraktionen ohnehin immer bekannt ist. Will man .wirklich einen Delegiertentag nicht paritätisch; sondern nach der Stärke der Fraktionen zusammensetzen;'so kann man das beispielsweise nach den; authentischen) Mitgliederzahlen der einzelnen Gruppen; (soweit ihre Mitglieder Zionisten. sind!, siehe den letzten Beschluß der revisionistischen; Weltunion) oder auf ähnliche Weise viel einfacher machen. Viel umfangreicher und lebhafter als bei diesem' Punkt wurde die Debatte in unserer Organisation:,; als: es galt, die Tätigkeit und die Ziele des1 Territorialverbandes festzulegen. .Bei dieser Frage bildeten sich' 2 Gruppen innerhalb unserer Mitgliedschaft. Der Unterschied zwischen diesen Gruppen bestand nicht so sehr in der Auffassung von den Aufgaben! des Territorialverbandes, als vielmehr in der verschiedenen Formulierung, in die diese Auffassung gebracht werden sollte. Der Vorschlag der einen Gruppe war, da ßder Territorialverbänd sich nur mit Fragen 'beschäftigen soll, deren Behandlung bei keiner vertretenen Gruppe Widerspruch findet, sowie daß alle seine Beschlüsse einstimmig gefaßt werden müssen. Diese Gruppe vertrat prinzipiell die Ansicht, daß sozialistische Organisationen zusammen mit bürgerlichen nur dann in einem« Verband sein''dürften, wenn es sich uni die Durchführung gemeinsamer Programmpunkte handle. (Beispiel: Deutsch-Oesterreichischer Volksbund.) Bei solchen Verbänden sei auch die Einfstimmigkeit der Beschlüsse die Regel. In konkreter Beziehung sei zu fürchten, daß der Territorial verband auf Verlangen: bürgerlicher Gruppen auch rein politische Fragen behandeln werde, bei denen!, kein Einverständnis der Gruppen herrscht und die von! der eigentlichen Arbeit sehr ablenken, ja ihr sogar emp- findlich schaden könnten. Daß dies keine bloß^konstruierte Befürchtung sei, zeige die Erzwingung einer Endzieldebatte durch die Revisionisten auf dem letzten Kongreß. Durch solche politische Tätigkeit würde aber der Territorial verband wieder zu einem „Lan'deskomite" werden und die Poale Zion, die; bisher i n der Opposition gegen das Landeskomite immer größer und stärker geworden ist, käme in Gefahr, für die Fehler der bürgerlichen! Zionisten verantwortlich gemacht zu werden. Die Einstimmigkeit der Beschlüsse sei notwendig, um unsere Handlungsfreiheit nicht durch die bürgerliche Mehrheit des Territorialverbandes beeinträchtigen zu lassen und um zu verhindern, daß durch Mehrheitsbeschlüsse etwa Einrichtungen der jüdischen Arbeiterschaft geschädigt werden. Gegen diese Gefahren müsse die Formulierung.die nötigen Sicherungen' enthalten. Für die Ausführung jener Aufgaben, an welchem alle Gruppen wirklich interessiert, sind, würde sich immer eine Einigung aller Fraktionen' erreichen lassen. Demgegenüber wies die zweite Gruppe darauf hin, daß die schroffe Formulierung es müsse die Zustimmung aller Gruppen ..zur Tagesordnung und zu den Beschlüssen gefordert werden, die Bildung des Territorialverbandes ungeheuer erschweren würde, da die bürgerlichen Gruppen diese Formulierung kaum annehmen würden. Auch könnten die Revisionisten, die in letzter Zeit ihren Kampf auch schon) gegen die zionistischen Fonds richten, diese Bestimmungen dazu mißbrauchen,; um Beschlüsse über die Das erste Problem bildete die; lOrganisationsform I Arbeit des K- K,, L. oder des K- H. ganz unmöglich) des Territorialverbandes. Während die Poale Zion | zu machen. Die Befürchtungen der ersten Gruppet