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Der Jüdische Arbeiter · 1931-11-06 · Heft 16 (6.11.1931) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 16 (6.11.1931)
Date
1931-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Der jfttifecfte Arbeiter im Interesse ihrer Kapitalisten führt, anprangerf, das sözia;- tjHE^n^ÄKfnent, das in der Arbeiterkolonis'ation liegt, her« ||orhebt. — daß ein solches Buch für uns Sozialisten von ||TÖßter Bedeutung ist und einem dringenden Bedürfnis enfe* Spricht Lejdef müssen wir bezweifeln, ob die Broschüre ifraplajiskys diesen Zweck erfüllt: nicht etwa, weil sie zu kwenig Material enthält, nein, daran fehlt es nicht, aber der Dehler dieser Publikation liegt darin, daß sie viel zu trocken ^sf*.Jrier zu sehr bloßer Bericht ist. Wir kennen und wür>- pigefi^jdie^trockene und sachliche Art des Genossen Kafjpfarilk^, ifein anderer war daher berufen, der Simpsonchejr<Kritik, entgegenzutreten — aber dieses erste zionisti* cht Btich in einem' sozialistischen Verlag sollte mit einem Ifiel größeren Maß an Leidenschaft für das Palästinawerk 'eintreten. Die fehlt aber hier gänzlichl Es ist das zu be ^dauern. j Solange aber das Buch, das diesen Zweck erfüllt, noch Inichl geschrieben ist, wird die Arbeit Kaplansky ein sehr ^Wertvoller Beitrag, (n der Diskussion über die angeführte |Fragc und die sehr schön ausgestattete Broschüre zu empfehlen sein. Jakob Singer. I Ein Lehrbuch der materialisi tischen Geschichtsauffassung. Länger als einVierteljahrhundcrt1 ist Max Adler be- 'sfrebt durch tiefschürfende und doch allen denkenden Meit sehen zugänglichen, wissenschaftlichen Arbeiten, Karl Marx* Lelire von der „Materialistischen Geschichtsauffassung" von allen Mißverständnissen und Entstellungen zu befreien, insbesondere aber der Identifizierung dieser Lehre mit dem Materialismus schlechthin entgegenzutreten und die Zusammenhänge des historischen Materialismus mit dem erkenntniskritischen Denken ( aufzuzeigen. In seinem neuesten Buche*) können wir feststellen, daß die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Max Adler im Laufe eines Vierteljahrhunderts gesammelt und vertreten hat, eine Reife und Klärung erreicht haben, die ihnen jene Gemeinverständlich keit verleiht, die ein Lehrbuch nicht entbehren kann. Die durch das „Marx-Engels-^rchiv" zutage geförderten Arbeiten der beiden Baumeister des Historischen Materialis'¬ mus waren den Bestrebungen Max Adlers sehr förderlich, Der erste Band des Lehrbuches', der uns vorliegt, ist zum großen Teile polemischen Inhaltes. In den letzten fünf Kapiteln seines Buches kommt erst Adler dazu, die wichtigsten Grundbegriffe von Marx' „Materialistischer Geschichtsauffassung" zu erörtern. Und es ist gut so. Erst nach grundlicher Aufklärung der mißverständlichen Auf. fassung sind wjr imstande zu erkennen, daß diese Lehre eigentlich der Monismus der ökonomischen Geschichtsauffassung ist. . -Adler weist treffend nach, daß die unglücklich gewählte Bezeichnung: „Materialistische Geschichtsauffassung" verleitet hat, diese Lehre lediglich „als eine Anwendung des Materialismus auf das geschichtliche Leben der- Menschen" anzusehen. „Und weil.im strengen Materialismus alles Geistige nur Produkt des Körperlichen ist, so hat man geglaubt, daß dies. nach dem historischen Materialismus von Marx auch vom ges'diichtlich-gesellschaftlichen Leben zu gelten habe . . . Auf dies'e .Weise gelangte man dazu, von der materialistischen Geschichtsauffassung zu behaupten, daß .sie die geistige Wirksamkeit des! Menschen vollständig leugne, daß sie alle ideologischen Elemente, also alle Wertungen, Willensentschlüsse und Ideale zu bloßem Schein erkläre •ti^ß 'Sie die Menschen zum' Spielball sachlich-ökonomiScher 'Kr-äfte ■herabdrücke, und auf diese Weise die ganze Eigen- ■Bedeutungdes1 Geisteslebens verkenne. Dies fand und findet man für den Standpunkt des Marxismus nur konsequent, weil es1 eben im Materialismus nicht anders zugehen könne, als,' daß das Geistige eine völlig unselbständige, bloße •Begleiterscheinung des Materiellen ist. Bei der Herausbildung einer solchen Auffassung vom1; Marxismus ist gerade das Bestehen derjenigen förmlich systemschaffend im Sinne des Materialismus gewesen, die "bestrebt waren, den Marxismus möglichst konsequent auszubauen, sich dabei aber leider weniger von seinem' iiinern Geistes'ziisanimenihang leiten ließen als' von dem Buchstabenklang des Wortes „materialistisch" (Seite 72). Max Adler grenzt sich von der Auffassung Karl Kautskys, aber insbesondere von der dualistischen Auffas!- sung Lenins ab und stellt dann fest: „Die O e k o n omie ist ebenso etwas Geistiges wie die Ideologie. Sie ist nur ein a n d er es Geistige s1. Die populäre Auffassung, als ob s'ich Oekonomie und Ideologie wie etwas Sachliches und Geistiges gegenüberstünden und überhaupt ihrer Beschaffenheit nach etwas Verschiedenes wären, ist .also grundfalsch . . . Daraus ergibt sich nun weiter, daß die sehr verbreitete Anschauung1, als ob die materialistische Geschichtsauffassung von zwei Grundfaktoreu ausginge, einem ökonomischen und einem, idealistischen, ebenso falsch ist. Die materialistische Geschichtsauffassung lehrt keinen Dualismus zweier Faktoren, sondern geht im Gegenteil von der Einheit des gesellschaftlichen Lebens aus, .in welcher das Oekonomische und das Ideologische nur ge4 ank 1 ich zu trennende Seiten desselben sind ... So geht also der Marxismus von einem Monis'mus aus, von dem Monismus des gesellschaftlichen Lebensprozesses, an welchen Oekonomie und Ideologie nur zwei voneinander fachlich nicht zu trennende Betätigungsweisen desselben sind." (Seite 168,) ' .*) Max Adler: Lehrbuch der Materialistischen Geschichtsauffassung (Soziologie des Marxismus). 1. Band: Allgemeine Grundlegung. E. Laubschc Verlagsbuchhandlung Q.j;m, .b.„ H„ Berlin W 30. Die Schlüsse Max Adlers sind nicht nur für die sozialistische Theorie, sondern auch für die sozialistische Praxis von großer Bedeutung. Für uns Poale-Zion sind Sie be-. sonders werfvoll, da sie mit unserer sozialistischen Orientierung in der Judenfrage, im' Zionismus im Einklang sind. Hoffentlich werden auf den ersten Band die weiteren Bände recht bald folgen. Mendel Singer. Jüdisches Leben im Galuih. Antlsemitishius in Bulgarjen. Die antisemitische Hetze in Bulgarien dauert an. In Sofia und in der Provinz wird gegenwärtig in Massen eine Flugschrift verbreitet, die den Titel: „Eine Welfverschwö,- rung" trägt und die Legende über die Weisen von Zion aufwirft. Es wird in ihr behauptet, daß die Juden nach der Weltherrschaft streben und an allem Unglück in der Welt die Schuld tragen. Die Bevölkerung wird zur Bekämpfung der „satanischen" Pläne des Weltjudentums und des jüdischen „Weltsynhedrions", Sowie zur vollständigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykottierung der Juden aufgerufen. Das Zentralkonsistorium der jüdischen Gemeinden Bulgariens wird bei den zuständigen Regierungsstellen wegen der Fortdauer der Judenhetze vorstellig werden und die Einziehung der erwähnten Hetzschrift fordern. Die Jewish Agency fordert 1720 EinwanderungSzertifikate, Die Exekutive der Jewish Agency in Palästina hat sich an die Palästina-Regierung mit dem Ersuchen gewandt, ihr für das am 1. Oktober 1931 beginnende und am 31. März 1932 endende Halbjahr 1720 Arbeifer-EinwanderungSzertifikatc zur Verfügung zu stellen. Die Exekutive der Jewish Agency begründet ihr Ersuchen mit dem Hinweis darauf, daß der Arbeits'markt in Palästina seit einigen Monaten eine Entspannung aufweist. Im letzten Jahre wurden weitere 10.000 Dunam Brachland in Orangenhainc umgewandelt, nach bestehenden Plänen werden in diesem Jahre auf weiteren 4500 Dunam Boden Orangenplantagen angelegt werden Diese Neuanlagen erfordern weitere 1000 jüdische Arbeiter. Es 'kommt hinzu, daß die jüdischen Plantagen im vergangenen Jahre um 25 Prozent mehr Frucht getragen haben als in dem vorausgegangenen Jahre. In mehreren jüdischen Kolonien herrScht bereits ein Mangel an Arbeiterhänden. Von den angeforderten 1720 Einwanderungszertifikaten werden 650 an Verwandte von Palästinaeinwohnern, der Rest an Chaluzim-Familien gegeben werden. Die Antwort der Palä stinaregierung auf das Ersuchen der Jewish Agency wird in wenigen Tagen erwartet. Ein HeJm für erwerbslose jüdische Jugendliche. In Berlin fand die Eröffnung des1 vom Landesausschuß Berlin der jüdis'chen Jugendverbände gemeinsam mit dem Jugendpflegedezernat der Jüdischen Gemeinde errichteten Heimes für erwerbslose Jugendliche Statt. Im Hause Augusta- Straße 14/15 sind vier Räume als Erwerbslosenheim hell und freundlich eingerichtet worden. Die Einrichtungsgegenstände, die aus den Beständen der verschiedenen Jugendheime und der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zusammengestellt worden sind, haben keinerlei finanzielle Aufwendungen erfordert. Die nötigen WirtschaftSgegenstände sind durch Spenden zur Verfügung gestellt worden. Bei der Eröffnung des' Heimes, an der Vertreter des Gemeindevorstandes, der Repräsentantenversammlung, des Wohlfahrtsamtes, sowie fünfzig jugendliche Erwerbslose und zahlreiche Mitglieder der Jugendbünde teilnahmen, zeichnete Dr. Lubinski die Aufgaben des Heimes und die Methoden der beabsichtigten Arbeit. Das Heim soll durch1 Kurse auf dem Gebiet der Stenographie, der Buchhaltung, der Fremdsprachen und der Berufskunde, der beruflichen Fortbildung der jugendlichen Erwerbslosen dienen. Museumsbesuche und Betriebs'führungen, Fahrten und Ausspracheabende sollen den Jugendlichen das' Gefühl geben, daß sie in ihrer wirtschaftlichen, geistigen und politischen Not von der jüjdischen Gemeinschaft und insbesondere von ihren jungen Kameraden nicht im Stich gelassen werden. Das Heim ist von nun an an allen Werktagen von 14 bis 22 Uhr geöffnet. Alle männlichen erwerbslosen Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren haben zu ihm freien Zutritt. Die oben bezeichneten Kurse und an jedem Tage eine besondere kulturelle Darbietung beginnen in kürzester Zeit. Die Jugendlichen erhalten eine unentgeltliche warme Mahlzeit. S c h n e i d o w. Püsament weiß allen die richtigen Rollen zuzuweisen. Das Ensemble verdient die volle Aufmerksamkeit des jüdischen Theaterpubliküms, Ring des „Jßd. Arbeiter". Genossin Salitry spendet S 2.— und ruft folgende Oenossen und Freunde auf, denselben Befrag zu spenden: Direktor Grübet, Laura Feinberg, Fanny- Schneider, Betty Reiß, Dr. Binem OSzkenazy, Dr. Emil Gasfer, Dr. Oswald Gottes'mann, Dr. Martha Hofmann, Sabine Weiner, Direktor Max Weidcnfeld. Genosse Mendel Singer spendet S 2— und ruft folgende Genossen und Freunde auf, denselben Befrag zu Spenden: Meier Hirsch,- Jakob SturmwasSer, Dr. Leo Göldhammer, Dr. Israel Waldmann, Ing. Josef Mahrer, Dr. Willy Schon-, Dr. Michael Steinberg, Dr. Heinrich Golds*chmidt. Herr Dr. H. Lecker beantwortet die Aufforderung des Gen. Herschkowicz und spendet weitere S 2.—. Herr Dr. Osterer beantwortet die - Aufforderung des Gen. Herschkowicz und spendet S 2.—. Herr. Jakob Wahl beantwortet die Aufforderung des' Gen. Herschkowicz und spendet S 2.—. Jüdisches Theater. Ein Ensemble mit Gisa Heiden, Schlojme Püsament und Max Zelnicker an der Spitze gastiert in den „Jüdischen Künstierspielen" (Cafe Reklam). In den ersten zwei Wochen wurden zwei Operetten aufgeführt, die nach bewährten schablonenhaften Mustern amerikanischer Provonienz aufgebaut sind. In der letzten Woche führten sie eine Revue auf, die sehr geschmackvoll und interessant war. Gisa Heiden ist eine Künstlerin mit echtem Temperament, angenehmer Stimme und feinem Schauspielerischem Talent. Püsament ist ein richtiger-Tausendkünstler, er ist Autor, Komponist, Dirigent und Schauspieler in einer Person. Max Zelnicker gehört zu unseren talentiertesten Volksschauspielern, Diesen drei echten Künstlern gesellen sich weitere Schauspieler, die im Wiener jüdischen Theater das Heimatrecht bereits erworben haben: die Frauen Graf und M e isels, Benzion Ligall und der junge sehr patentierte Jugend. J. S. A. J. und Mis'chiriarHhiaowdfnt arbeiten gemeinsam. Die Bogerjm (Aeltesten) des Mischmar-haowdim haben beschlossen, in der J. S. A. J. mitzuarbeiten und nach' 6 Wochen über ihre endgültige Zugehörigkeit zur J. S. A. J. zu entscheiden. Dies bedeutet eine planmäßige Ueberführung der älteren Genossen des Mischmar in die politische "Jugendorganisation. Für die J. S. A. J. ergeben sich dadurch neue Arbeits- und Propagandamöglichkeiten, da es sich' um' durchweg S poale-zionistisch geschulte Genossen handelt. Lu—. Feststellung, Genosse J. Singer ersucht uns festzustellen, daß seine Bemerkungen bei der Plenarversammlung folgenden Wortlaut hatten: Die Situation, vor der wir stehen, ist nicht die gleiche wie vor 3 Jahren. Der PoalczioniSmus hat noch keine Antwort auf die durch die Weltkrise hervorgerufene Situation gegeben. Wir tragen nach, daß Genosse Lustig Mitglied deS Ausschusses ist. Kurse. An meld uii'gen für 'die Engl r s a I! - und H e b r ä - isch'-Kurse bis 15. November bei Gen. Schönberg. Für den Ph'oto-Kurs bei Gen. Pfefferbäum. Jeden Montag und Donnerstag, 19—22 Uhr. Dunkelkammer, Vergrößerun'gsapparat usw. Jeden Dienstag, 19—20 Uhr. Heine-Parfümerie Wolf Horowitz, II Heinestraße 7 Telephon R-42-3-90 Billigste Einkaufsqueile für sämtliche Parfümerie- und Haushaltungsartikel. Palästina-Produkte (Seife und Speise-Öl). Für Parteigenossen besonders ermäßigte Preise. Gegründet 18S2 Lebensversicherungs Gesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1930 Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1930 Garantiemittel Ende 1930 Auszahlungen an d. Versicherten i. J. 1930 2.560 Millionen Schilling 150 378 „ „ 35,5 „ Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechosluvakische Republik, Belgien» Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palä» stlna, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten.?lagentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Franz lb*»% Etektromonteur, Wko, VI., Stiegen^. 16. - Druek: „Adria", Wien, IL, Taborätr. 52fr

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