Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 13 (25.8.1931)
- Date
- 1931-08-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V. b. b. De. JÜDISCHE ARBEITER Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, Ii., Blumauergasse 1/111 — Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 13. Wien, 25. August 1931. 8. Jahrgang. Antwort an die Revisionisten. Von Mendel Singer. Die Wiener Reevisionisten unter Führung Robert Stricker haben gleich nach dein Kongreß mit verstärkter Energie ihre Hetzkampagne gegen die jüdische Arbeiterschaft und den Sozialismus aufgenommen. .Wenn Strickers Revisionistenblat tden Vertretern' des Jischuw auf dem XVII. Kongreß, Feigheit vorwirft, weiß man wirklich nicht, ob man sich mehr über die Dummheit, oder über die Frechheit dieser Leute wundern soll. Nur ein vertrotteltes, seniles Gehirn weiß nicht, mit welchem Heldenmut der jüdische Jischuw und insbesondere die jüdische Arbeiterschaft jedes Stückchen Boden, jede wirtschaftliche, kulturelle und politische Position im Lande täglich verteidigt. Wie dumm muß ein Mensch sein, wenn er beispielsweise für eine Heldentat hält von der Tribüne des Kongreßes aus zu sagen: „Ich bin halt ein ordinärer Kerl!" und den Vertretern des Jischuw Feigheit vorwirft, weil sie bei Fassung der Beschlüsse auf dem Kongresse auf die Lage in Palästina Rücksicht nahmen? Gewiß, wenn UnVerantwortlichkeit,' Phrasendrescherei mit Heldenmut identifeziert werden dürfte, wären die Revisionisten zweifellos die. reinsten Helden ... Die Herren um Stricker spekulieren auf das kurze Gedächtnis ihrer Leser, wenn sie uns Kaplansky- Moschkos nennen.... Wir . haben niemals . Assirnilanten gegenüber einem Mandate zuliebe zugestanden für die Anerkennung der jüdischen Nation, nicht einzutreten. Wir haben niemals in der Wiener Kultusgemeinde ein Bündnis mit den Feinden der nationalen Idee, des Zionismus geschlossen. Das geschah in; Wien unter der verantwortlichen Leitung des Herrn! Stricker. Welche Frechheit ist es nun uns Moschketum vorzuwerfen? Wir sind Moschkos, sie aber sind Helden, lesen sie doch, wie sie jede Einzelheit über Waffen in Palästina breittreten. Revisionistisches Heldentum ist Wortheldentum gepaart mit beispielloser Unverantwortlichkeit. Die Revisionisten haben auf dem XVII. Kongreß die stramme, geschlossene Fraktion der jüdischen; Arbeiterschaft sehr schwer empfunden. Im Wahlkampfe haben wir ihren Siegeslauf aufgehalten1, auf dem Kongreß hat in erster Reihe die Vertretung der jüdischen Arbeiterschaft alle ihre Manöver paralysiert. Sie betrachten es deshalb als ihre vornehmste Aufgabe, die Arbeiterschaft zu schwächen, jedeen Versuch der Konsolidierung der zionistisch-sozian listischen Kräfte zu hintertreiben. Die Wiener Revisionisten sind deshalb sehr besorgt darum, daß die Bemühungen um die Vereinigung der Poale Ztoni mit der „Hitachduth", Gott behüte, zur weiteren) Konsolidierung der Arbeiterschaft im Zionismus: führen1 könnten. Er schildert deshalb die große Gefahr, die hier dem Zionismus droht: „Klassenkampfideologie, Marxismus duldet kein anderes Ideal neben sich, nicht das jüdische, nicht das zionistische. Dieser Erscheinung gegenüber sind auch die gut-zionistisch gesinnten Führer der Linken machtlos." Als Beweis führt das Blatt den „Haschomer Hazair" an. Auch wir sind von manchen: Strömungen im „Haschomer Hazair" nicht entzückt, aber es gehört eine große Dosis Borniertheit zu verkennen1, daß dieser große Jugendbund auch sehr bedeutende Leistungen im Zionismus, beim Aufbau des Landes aufweisen kann. Wie würden die Herren Revisionisten großtun, wenn ihre Jugend auch nur annähernd große Leistungen aufweisen könnte. Die Schwäche des „Schomer" besteht gerade darin, daß er seine Jugend nicht im sozialistischen Geiste, sondern im Geiste eines schwärmerischen, utopischen Kollektivismus erzieht. ', Aber schließlich ist der „Schomer" nicht die einzige zionistisch-sozialistische Jugendorganisation1, wissen die Revisionisten wirklich nichts von den täusenden Chaluzim, die aus den Reihen dieser ljugend ins Land gekommen sind! Oder stellen sie sich nur so? Klassenkampfideologie, Marxismus duldet nicht das jüdische, nicht das zionistische Ideal? Wozu jetzt darüber diskutieren? Die Mehrheit der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, die die Mehrheit des aktiven Jischuw überhaupt bildet, huldigt dieser Klassenkampfideologie, diesem Marxismus, am Ende sind diese zehntausende unserer Brüder, die das Land mit ihrem NSch!weiß!e und ihrem Blute aufbauen nicht jüdisch, nicht zionistisch? i f Vor wenigen1 Wochen' tagte in .Wien die Internationale der Klassenkampf ideologie, des Marxismus. Neben den Vertretern! vieler Völker und Länder saßen1 auch die Vertreter der Poale-Zion und der jüdischem Arbeiterschaft Palästinas, h'abeni die Wiener Revisionisten das nicht zur Kenntnis genommen, oder wollen sie Otto Bauer überzeugen, dafo sich Marxismus mit Zionismus nicht verträgt, um dann gegen dem Antisemitismus, die Palästmafeindschäft des Austromarxismus loszuziehen? , .Wer vermag den Tiefsinn:dieser Argumentation zu ergründen? Der Jugend, die dem Zionismus treu bleiben will, bleibt also nur offen der Weg,^itm Revisioniismus, der die restlose Hingabe an dein nationalen Befreiungsgedanken" ist. .;• Wie sieht diese, /.restlose Hingabe" aus? Im Wahlkampfe zum XVII. Kongreß haben wir es erlebt, wie sich die Revisionfeten nicht gescheut haben alle und1 alles in den Kot zu zerren, auf dem1 Kongreß selbst .h'äben sie nichts unterlassen1, um die höchste Körperschaft der zionistischen Weltbewegung zu diskreditieren. Sie h'äben schön lange vor dem -Kongreß., init.»de.ni:; Oedankert. 4er,. Spaltung: der. .zionistisChen Weltbewegung gespielt.. Sie haben auch' schön damals die Dolcbstoßitaktik angewendet, indem sie versucht haben die zionistische Leitung'hin ter ihrem Rücken in London zu vernadern. Nun ist der Kongreß vorüber, ihr Traum vom „Ergreifen der Jüd.sozialdemokrat. Arbeiterorganisation „Poale Zioni' Sekretariat: Wien, IL, Blumauerg. 1 Samstag, den 29. August 1931 um 8 Uhr abends im Festsaale des Alten Rathauses, I., Wipplingerstr. 8 Versammlung „Die Aufgaben der jüdischen Arbeiterschaft und der jüdischen Jugend nach dem XVII. Zionistenkbngreß." Referenten: Berl Locker, Mitglied der zion. Exekutive und Berl Katznelsön, Chefredakteur der. palästinensischen Arbeiterzeitung „Dawar". Macht" ist zerronnen, der Kongreß hat dem Beweis des Vorhandenseins einer antirevisiomiistischen Mehrheit erbracht. Sie setzen aber ihre Politik! des Verrates, ihre Versuche der Zersetzung der zionistischem Weltbewegung fort. In den letzten Tagen: berichtete die revisionistische „jTA", daß sieb die Leitung] der Revisionisten am das Kolomialamt in London gewendet und es auf die Vorgänge in Palästina aufmerksämi gemacht hat. Die Revisionisten! sind sich darüber klar, daß ihre Schritte in London kein positives Resultat für Palästina zeitigen werden1, sie sind sich1 aber genau so klar darüber, daß sie dadurch den Feinden' des Zionismus eine Waffe in die Hand drücken; die ihnen die Möglichkeit bietet, die gesamte Bewegimg zu diskreditierem und ihre Aktionen' zu paralysieren'. Sie 'bemühen sich also bewußt, die legale Leitung der zionistischen .Weltbewegung zu untergraben. Das' tun sie zu einer Zeit, in welcher eine Konsolidsierumg der zionistischen Kräfte das höchste Gebot der Stunde sein sollte. Wenn1 das nicht Verrat ist, dann gibt es ,üb'er h a u p t keine;n! Das ist also die restlose Hingabe an den nationalen Befreiungsgedanken, vom der die Revisionisten reden. Wohlan, wir sind bereit der jüdischen Jugend die Entscheidung vorzulegen. Sie soll entscheiden, •pb sie. den Weg der „restlosen Hingabe" der Revisionisten, der zur Zerstörung der zionistischen*Weltbewegung führt, beschreiten will, oder den Weg der Klassenideologie, des Marxismus, der zur ununterbrochenen Fortsetzung des Aufbaues des arbeitenden Palästina, zur Schaffung eines arbeitenden Volkes im Palästina führt. Uns ist um die Entscheidung der Jugend nicht bange. Nach der Weltkonferenz. Von A. Reis (Verbandsbüro). In aller Stille hat unsere Wiener .Weltkonferenz ihre Arbeit geleistet, eine wahre Arb'eitskonferen'z, deren Beschlüsse für unsere Bewegung von geschichtlicher Bedeutung sind. Die Tatsache, daß diese Beschlüsse nach einer 'eingehenden, kameradschaftlichem und alle Seiten der Probleme, die auf der Tagesordnung standen, 'berücksichtigenden Diskussion fast einstimmig gefaßt wurden, gibt ihnen ein besonderes Gewicht. Man muß sich Differenzen:, dje in unserer Bewegung vor der Weltkonferenz geherrscht haben, erinnern, um die Harmonie, die unter den Vertretern aller Parteien am Ende der Konferenz bestand' und das Produkt derselben ist, richtig einschätzen.. Es war von1 vornherein für die ganze Bewegung klar, daß. das Vereinigungsproblem die Konferenz beherrschen wird. Es ist dies auch eingetroffen, wenn: auch im Rahmen der Diskussion über die Tätigkeit des Verbandsbüros, die Arbei %m der zionistischen', Organisation und in der sozialistischen International^ ein sehr interessanter und ernster Meinungsaustauschi über die Richtlinien1 der Arbeit des Welt Verbandes; auf diesen Gebieten stattgefunden hat. Die Aufgab'em, die unserer Bewegung nicht nur im Palästina, sondern auch in den Galuthlän'dern im Rahmen der internationalen Arbeiterklasse in der gegebenen wirtschaftlichem und politischen Läge zu erfüllen' hat, sind vom der höchsten Instanz des Verbandes ini konzentrierter und eindringlicher .Weise analysiert worden. Es "ist keim. .Wunder, daß die Arbeit des Büros im dem letztem 2 Jahren auf allen diesen Gebieten die Parteien micht zufriedengestellt hat. Waren es doch die schwerstem Jahre in der Geschichte des Zionismus überhaupt und es ist daher nur der natürliche Weg, der Entwicklung gewesen, daß die Palästinafragem die Arbeit aller Instanzen der eBwegung verschlungen haben; es haben ja auch' die angeschlossenem Parteien in dieser Periode der Palästinaarbeit mehr Aufmerksamkeit geschenkt als im früheren Jahren. Daher hat auch die Kritik mehr den Sinn der Feststellung von Tatsachen gehabt als dem der Anklage und des Vorwurfs. Die Debatte hat aber 'einer Reihe von Fragen Aktualität verliehen, welchen das Verbandsbüro von nun an. mehr, Aufmerksamkeit wird widmen müssen. Es wird1 mehr Gewicht auf den Ausbau der Beziehungen! zwischen unserem Und den Landesparteien der sozialistischen' Internationale legen1 rnüssenl Das Verbandsb'üro wird sich mit den Problemen der Produktivierung und Umschichtung befassen müssen. Wir dürfen diesen Prozeß auch in: .unserer Praxis nicht ignorieren, wir müssen . ihn heeinflußen und zur Lösung seiner Probleme beitragen!. Das Verbandsbüro wird die Parteien insbesondere in den. Länu dern der jüdischen 'Massensiedlung dazu führen, müssen, sich mehr mit der Lage der jüdischen: Arbeiterschaft zu befassen. Die Tatsache, daß der größte Teil der jüdischen Arbeiterschaft — insbesondere in Polen — außerhalb der beruflichen Organisationen! steht, zwingt unsere Parteien zu konstruktiver Tätigkeit auf diesem Gebiete, es werden1 alle Mittel angewendet werden müssen, um hier eine radikale Veränderung herb'eizuführem. Wir werden unsere Aufklärungsarbeit auf die Jugendorganisationen, vor allem den Chaluz erstrecken müssen1, und dem Einfluß der Kommunisten :und Revisionisten entgegenzuwirken haben. Unsere Bewegung steht mit einem Wort vor einer, neuen Offensive, die getragen wird vom dem Bewußtsein tiefer Verantwortung für das Schicksal der jüdischen Massen, und dem Glauben an die Richtigkeit unseres .Weges, die durch unsere tagtägliche Arbeit und die wichtigsten Erscheimungelnj des jüdischen Lebens dauernd bestätigt wird. Alle Voraussetzungen sind dafür vorhanden, diese Offensive fruchtbar zu gestalten, und uns zu einer bedeutenden wenn nicht entscheidenden Kraft im jüdischen Leben aufzuschwingen: die Parteien müssen nur die historische Rolle unserer Bewegung erkennen und wenn sie mit der notwendigen Hartnäckigkeit versuchen werden diese auszufüllen, dann wird dieses Ziel erreicht werden. Ein Weg zu diesem' Aufstieg ist die Lösung der Vereinigungsfrage, vor welcher wir jetzt stehen1.