Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 11 (25.6.1931)
- Date
- 1931-06-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Der jüüische Arbeiter Es ist ihnen nicht recht Die „Neue Welt" vom 8. Mai bringt ein paar kleine und nicht sehr ernstzunehrnende Angriffe, die aber darum interessant sind, weil sie in der mehr internen Rubrik „Bemerkungen" außerordentlich nett und präzis all das bestätigen, was auf den mehr offiziell gehaltenen ersten Seiten mit Nac'h'druck und edler Entrüstung abgeleugnet wird. Jederzeit kann man es von den Helden unseres rechten Flügels, kann man es von den Revisionisten un'd Radikalen zu hören und zu lesen bekommen, wie böswillig sie durch den Vorwurf der Arb'eiterfeindschaft verleumdet werden. Ihren Erklärungen zufolge fällt es keinem von ihnen' ein, die Reaktion zu vertreten, Gott behüte, oder den Sozialismus zu bekämpfen, nichts liegt ihnen ferner, vollendete Objektivität ist ihr Standpunkt gegenüber den sozialen Strömungen im Zionismus und was sie bekämpfen sind nur. die verräterischen Auswüchse der roten Assimilation, was sie vertreten' sind nur die Interessen des jüdischen Volkes und die Verwirklichung des zionistischen Ideals. Na schön. Das kann man zur Kenntnis nehmen. Warum dann aber dieser verbissene Aerger, wenn österreichische Arbeiter-Fußbällspieler von! den jüdischen Sportvereinen nach Palästina eingeladen werden irnid die „Arbeiter-Zeitung" sich darüber freut? Es ist richtig, daß die „Arbeiter-Zeitung", so wie es die „Neue Welt" ihr vorwirft, lange Zeit eine antizionistisChe Haltung eingenommen un'd Zionismus und Palästinaaufb'au ahnungslos mit jüdischer Reaktion! verwechselt hat.. Daß es aber dank gründlicher Aufklärungsarbeit gelungen ist, diese Einstellung wesentlich zu korrigieren, das sollte doch, wie man meinen mö'chte, die „Neue Welt" als Vertreterin des reinen' zionistischen Standpunktes nur freuen. Aber, nein, es freut sie durchaus nicht. Es scheint, als ob sie wehmütig an die schönen Zeiten zurückdenken würde, wo die reaktionäre Richtung im Wiener Zioniis'muS noch' die tonangebende war, wo die Lager von' Sozialismus und' bewußtem Judentum noch so reinlich' geschieden waren und die „Arbeiter-Zeitun'g!" eigentlich ziemlich viel Anlaß hätte, Zionismus und Antimarxism'us miteinander zu verwechseln. Darum also dieser verbissene Aerger. Darum der heilige Zorn über unsere Jugendlichen', welche im Aufmarsch der Wiener Arbeiterschaft die Falfne des arbeitenden Palästina trugen, obwohl es, vom zionistischen Standpunkt'gesehen, eine wirksamere Antwort auf 'die rote Assimilation' gar nicht gibt. Aber vom Standpunkt der „Neuen Welt" aus muß man bedenken, daß es doch um so viel schöner wäre, wenn all die jungen Menschen anstatt revolutionäre Lieder zu sin'gen und für die Gleichheit aller zu demonstrieren, es lieber lernen würden, Habt Acht! zu stehen, für das Ideal des Herrenmenschen zu schwärmen' und einen unterwürfigen Persöiilichkeitskultus zu treiben. Darum schließlich der völlig sinnlose Angriff auf den Dichter Sonkä, der es gewagt hat (welcher Hochverrat!) bei den religiösen Sozialisten vorzutragen, aber dessen Verse ein tief solidarisches, in seiner Selbstverständlichkeit um so stolzeres Bekenntnis' zum Judentum enthalten, ein jüdisches Selbstbewußtsein ohne Unsicherheit und Aggression, wie es noch1 heute beim Oalüthjuden so selten zu finden ist und am allerwenigsten beim rechtsradikalen Chauvinisten, Daß es hier einem Dichter gelungen ist, voll bewußtes Judentum und linksradikale, revolutionäre Gesinnung in eine klare Form vollendeter Einheit zu gießen' . . . das eben ist unseren Reaktionären nicht recht, so wenig wie die Palästinafahne am 1. Mai, so wenig wie die wachsende Aufklärung über den Zionismus in den Reihen der sozialistischen' Internationale. Da möchte man denn in aller Freundlichkeit sagen': Kinder, geniert euch doch nicht. Sagt offen, daß . ihr Feinde des Sozialismus und der organisierten' Ar- , beiterschaft seid, daß ihr ein faschistisches Palästina haben wollt und der proletarische Zionismus euch1 ein Dorn im Auge ist. Bestreitet nicht auf der ersten l Seite eine Gesinnung, die sich ja doch schon auf der siebenten Seite in kleinen wütenden Bemerkungen Luft machen muß. Bekämpft den jüdischen Arbeiter, aber bekämpft ihn ohne dieses heldenmütige Versteckenspiel. Klar zum Gefecht! K. & IWWWWfflWW^^ 1 Wir beglückwünschen unsere Genössen Sch'apira — Schapira-Katz zu ihrer Vermählung. Die Organisationsleitu'ng. | Zehn Jahre zionistische Frauenarbeit. Bekanntlich wurde, die W. f. Z. O. (Organisation zionistischer Frauen) im Jahre 1920/21 auf Veranlassung einiger jüdischer Frauen Englands, darunter der bekannten Sozialistin Edith Eder, deren Gatte, Dr. M. D, Eder, damals mit ihr nach Palästina übersiedelt war, ins Leben gerufen. Diese Frauen hatten erkannt, daß die ungelernte. Arbeiterin in Palästina einen noch schwereren Stand als der ungelernte männliche Arbeiter' hatte, daß überdies die Pionicrjn — besonders die nach damaliger Sitte noch vereinzelt ins Land Kommende — sich schwerer den Verhältnissen des im Kriege doppelt verwüsteten Landes anpassen konnte. Dazu kam' die Beobachtung, wie unrationell die Ernährung und Wirtschaftsführung sowohl in den bürgerlichen wie in den proletarischen Haushalten und Siedlungen war und auf welch tiefer Stufe die Hygiene der Frau und des Kindes1" stand. In eingehenden Beratungen mit Führerinnen der Ar^ beitcrinnen Palästinas, wie Hanna Maisel-Schodhat und Ada Fischman, beschlossen die englischen Zionistinncn, ein großzügiges Werk für die arbeitende Frau in Palästina sowie für Mutter und Kind in Ercz Israel zu errichten.. Der erste Schritt dazu war bekanntlich das Heim für die einwandernden Arbeiterinnen ^Hostel"., heute die zentrale Hauswirtschaftss'chule des Landes! mit elektrischem Großküchenbetrieb und angegliederter Arbeiterküchc, worin täglich mehrere hundert Arbeiter verpflegt werden. Der zweite Schritt war die große landwirtschaftliche Mädchenschule in Nahalal, auf welche die Reihe der von der Wizo mit Wohnhäusern und fnstruktorinnen versehenen kleineren Arbeiterinnenfarmen folgte, worunter besonders Afuleh zu nennen ist. In letzter Zeit wurde eine große Pflanzungslehrfarm für Arbeiterinnen bei Neß Zionah in Angriff genommen, die bereits viele Bananen erntet und besonders auf Citruspflanzen eingestellt ist. Dazu kommt die Reihe der Tageskrippen, das. große Säuglingsheim in Talpioth (Jerusalem), dem jetzt auch eine Abteilung für Kleinkinder angegliedert ist und die Säuglingsstationcn nebst der überaus volkserzieherisch wirkenden Mütterschule in Tel-Aviv. Die Wizo hat im1 Laufe der zehn Jahre etwa 50.000 Frauen der Galuth in über vierzig Ländern organisiert und für die systematische Arbeit als „Helferinnen" der ,,Pionierinnen" Palästinas erzogen. Imi vergangenen Sommer hat sich die Arbeiterinnenorganisation Palästinas durch Affinierung mit der Wizo verbunden. Es ist dies' der seltene Fall, daß eine überwiegend bürgerliche Frauenorganisa'tion sich fast vollständig als cjne Liga für die arbeitende Frau in Palästina betrachtet. Die Wizo weist überdies die Besonderheit auf, daß sie jüdische Frauen aller Parteirichtungen. umfaßt, des bürgerlichen und des sozialistischen Lagers, der verschiedenen Fraktionen des zionistischen Kongresses' und auch — Nichtzionistinnen, die an dem! Frauenwerk in Palästina Anteil haben wollen. Die Wizo ist auch kulturell innerhalb Palästinas durch' ihre zahlreichen Abendkurse und Instruktionen sowie durch' ihren Klub in Tel-Aviv mit seinen Hebräischkursen und Vorträgen tätig; ebenso errichtet die Wjzo in der Diaspora jüdische Kindergärten und hebräische Kurse, lehrreiche Vorträge und Seminare zionistischen und allgemeinen Inhalts, und' sie hat ein eigenes Organ, die Zeitschrift Pioniere und Helfer" geschaffen sowie eine Reihe spezieller Publikationen herausgegeben, darunter das Werk ,,Die arbeitende Frau in Palästina" von AcTa Fischman, ,,f,Pal.üstinafrägen" von Gerda Arlosoroff und „Zehn' Jahre Wizo" von Dr. Martha Hofmanu. Liga für das arbeitende Palästina. Die Liga hat eben mit einer Werbeaktion eingesetzt. Wir fordern unsere Genossen' auf, der Liga beizutreten und selbst neue Mitglieder zu werben, damit diese Organisation ihren wichtigen Zielen gerecht werden kann. Genossen! Verlanget in den Kaffeehäusern und Restaurants den „Jüdischen Arbeiter", Günstige Entwicklung des Lebensversicherungsgeschäftes in Oesterreich. Aus den Veröffentlichungen der Lebensversicherungsinstitute zeigt sich, daß trotz der lange andauernden schweren Wirtschaftskrise die Neuabschlüsse an Lebensversicherungen keine merkliche Abnahme verzeichnen. Dies ist um so bemerkenswerter, weil bekanntlich vor einiger Zeit durch' Vereinbarungen zwischen den allermeisten in Oesterreich tätigen Gesellschaften . {Einschränkungen 'des Wettbewerbes durchgeführt und insbesondere die sogenannten Aus« Spannungen, das heißt die Ueberleitung bestehender Versicherungen von einer zur anderen, Anstalt, wirksam unterbunden worden sind. Dies liegt entschieden im Interesse des versichernden Publikums, weil der Versicherte bei dem Ersatz seiner alten Polizze durch eine neue fast immer einen empfindlichen Verlust erleidet, den er in der Regel erst zu spät gewahr wird. Die seit dem Wirkungsbeginn des erwähnten Abkommens neu abgeschlossenen Versicherungen stellen daher eine wirkliche Zunahme des gesamten Versieherunigsb'estandes des Landes dar und die verhältnismäßig bedeutenden Zuwachsziffern erklären sich offenbar daraus,, daß in Oesterreich — ebenso wie man dies schon in den früheren Jahren im Auslande zu konstatieren Gelegenheit hatte — sehr viele Leute gerade infolge der schweren Zeiten die Notwendigkeit erkennen, durch eine Lebensversicherung in entsprechender Höhe ihre Angehörigen zu versorgen. * i LJe be n>s v e r si c h e r üiß gs1 - G e sel-lsc ha f ( P'hönix. In den ersten vier Monaten des Jahres 1931 sind 49.327 neue Versicherungen über ein Kapital von S 184,977.047 — abgeschlossen worden. Hievon entfallen 21 Prozent auf Oesterreich und 79 Prozent auf das Ausland. Die Neuäb'schlüsse im ausländischen Geschäftsbetrieb verteilen sich wie folgt: 21 Prozent Deutsches Reich, 16.5 Prozent Tschecheslowakische Republik, 12.5 Prozent Ungarn, 18.5 Proi zent Westeuropa und Italien, während der Rest aus i Polen, Jugoslawien, Rumänien und dem' Orient heri rührt. An Prämien sind in diesen vier Monaten insge- 5 samt S 37,739.919.— vereinnahmt worden; an Ver- < sicherte und deren Unterbliebene wurden Schilling 9,699.304— ausgezahlt. (Entgeltlich.) Ring des „Jüd. Arbeiter". Gen. Jakob Berger beantwortet die Aufforderung des Gen. Karl Lederer, spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spenden auf: Samuel Schönberg, Möschen Horowitz, Bela Feldes, Max Fischer, Klara Frostig, Jegoschmah Irnber, Kaiman Retter, Karl Friedmann, Ing. Robert Grad. Gen. P. Silberherz beantwortet die 'Aufforderung des Gen. Karl Lederer, spendet S 2.— und ruft zu weiteren Spenden auf: Abr. Bloch, Zwi Kanner, Josef Kohn, Dr. Steinberg. Le b en s v er si eher ungs* Gesell Schaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand per Mitte 1930: 8 J,430,000.000-- Garantiemitte! Ende 1929: St 300,000.000'- Prämten-und Zinsen einnahmen im Jahre 1929: 8 i 25,000.000 - Auszahlungen an die Versicherten Im Jahie 1929; 8 3Ot5OO.O0O — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien,Griechenland,Türkei, Aegypten, Palästina, Pensions-Versicherung mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr Oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherüngs ^Aktien ^Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien,!., Schellinggasse Nr, 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. R edakteur : Franz Lustig/ Elektromonteur, Wien, VI., Stiegeng. 16. - Drück: „Adria", Wien, IL, Taborstr. 52b,