Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 9 (26.5.1931)
- Date
- 1931-05-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Der jadische Arbeiter SSL Herzigrabgang Sonntag, den 31. Mai 1931, 9 Uhr Vormittag Treffpunkt Hochschule für Bodenkultur. Jede Versicherung Wien, I-, Tuchlauben 8 Tel. U-27-5-40 reaktionären Kräfte im Jischuw und in der zionistischen Organisation vereinigen sich zu einem Frontalangriff, um die Löhne des jüdischen Arbeiters zu senken, um gelbe Streikbrecherorganisationen zu fördern, um die Arbeiterschaft unter dem Schlagwort der nationalen Arbeiterfrage sozial zu entrechten. Die Reaktion versucht die palästinensische Nationalversammlung, in der die Arbeiterschaft die mächtigste Fraktion ist, zu sprengen, sie beschränkt die Autonomie des Jischuw, sie will die Uebernah'me des Erziehungs- und Gesundheitswesens durch' den Jischuw verhindern. Wir steheu im Kampf gegen den zionistischen Faschismus. Wenn die wesentlichsten Merkmale des Faschismus in der ganzen. Welt sind: Vertretung der Interessen des Kapitals unter dem Mantel einer nationalistischen Phraseologie, militanter Charakter, außenpolitisches Hasardeurtum, Disziplinlosigkeit gegenüber den demokratischen Institutionen der Nation (in unserem Falle gegenüber dem Kongreß und der von ihm gewählten* Exekutive), dann ist der Revisionismus eine rein faschistische Bewegung. Es geht aber nicht nur um den Revisionismus, sondern unser Kampf gilt allen jenen Strömungen im bürgerlichen Zionismus, die 'mit ihm kokettieren. Iiier sehen wir vor allem das uns aus der österreichischen Innenpolitik vertraute Bündnis des Klerikalismus mit dein Faschismus. Darum gilt unser Kampf in gleicher Weise dem Misrachi, gilt er auch' jenen reaktionären Teilen des allgemeinen Zionismus, wie Eth Liwnotlr u. a. Nur kleine Gruppen des allgemeinen Zionismus und der Radikalen sind heute noch zu einer ernsten Arbeit fähig und bereit. Sie sind nur dann operationsfäh'ig, wenn sie sich um die Arbeiterschaft gruppieren. Es gibt nur 2 Konstellationen: Entweder ein Block der Reaktion mit dem Revisionismus an der Spitze, der uns für Jahre zurückwerfen würde, oder ein Block der verantwortungsvollen Arbeit, in dessen Zentrum nur die Arbeiterschaftstehen kann. Wer gegen die Faschisierung und Klerikalisierung der zionistischen Organisation ist, — und Faschismus ohne reale Macht ist nicht nur lächerlich, sondern auch' gefährlich', weil er uns in Gegensatz zur ganzen fortschrittlichen Welt bringt, — der muß vor "allem für die Stärkung der Arbeiterschaft auf dem kommenden Kongreß kämpfen. Ch. Hoff mann'. Sie sind bereit . . , Eine frohe Botschaft zieht durch die Reihen Israels. Die Revisionisten verkünden urbi et orbi, daß sie bereit sind, im gegenwärtigen tragischen Moniente das „größte Opfer"' zu bringen und die Leitung zu übernehmen. Nun kann die gesamte - zionistische Welt, im Gefühle der Erleichterung aufatmen. Diese Welt wurde in den letzten Wochen von einem schweren Alp bedrückt. Der Entsc'hlußi des Präsidenten Weizmann, von seinem Amt definitiv zurückzutreten, löste große Sorge aus in weiten zionistischen Kreisen, darunter auch solchen, die ihm nicht in allem und in jedem beipflichteten. Ist ja Dr. Weizmann nichtbloft der Mann der Balfour- Deklaration und seither der allgemein anerkannte Führer der Bewegung, vielmehr trägt er auf seinen Schultern: seit Kriegsende auch die übermenschliche Last der Verantwortung für das Palästina-Aufbauwerk. Die Frage bezüglich eines' Ersatzes und der künftigen Leitung überhaupt bereitete daher vieles Kopfzerbrechen, und nun meldeten sich freiwillig die Retter in der Not. Gott sei dank, noch ist Israel nicht verwaist! Und sie kommen auch nicht mit leeren Händen, diese neuen Retter.. Sie bringen zwar keine Syrh- Wer die Revisionisten deren Führer Jabotinsky mit dem Pogromisten und Massenmörder Petljura paktiert hat, 'deren Führer Jabotinsky die Preisgabe Tel Chais gefordert hat, deren Führer Jabotinsky als Mitglied der zio mistischen Exekutive der Abtrennung Transjordaniens und einer Kontrolle der jüdischen Einwanderung zugestimmt hat, deren Führer Jabotinsky in den Tagen der zionistischen Krise keine anderen Sorgen hat, als für die spanische Monarchie einzutreten, 'deren Führer Weisl in Aegypten die zionistische Organisation als imperialistisch denunziert und Pogromstimmung geweckt hat, deren Führer bei der Prager Konferenz die Sperrung von Spitälern und Schulen in Palästina als Pression gegen England für zweck' mäßig erklärt haben,' 'deren palästinensische Partei durch' ihre verantwortungslose Demonstration dem arabischen Mob Anlaß zu den Augustausschreitungen geigeben haben, die jede Verständigung mit den Arabern und daher den: Frieden in Palästina verhindern wollen, 'die durch ihre utopische Legiensidee die gesamte arabische Welt gegen den Jischuw alarmieren, deren Prager Konferenz den Bruch der nationalen Disziplin zum Prinzip erhoben und so die Zerstörung der zionistischen Organisation auf ihre Fahne geschrieben hat, deren Wahlprogramm die Vernichtung, der jüdischen' Kolonisationsinstrumente vorsieht, besiegen will wählt die Liste des arbeitenden Palästina (Poale-Zion - Hitachduth) pathien der Außenwelt, der Mandatarmaclit sowie der Araber, mit, höchstens die liebevolle Aufmerksamkeit der judenfeindlichen arabischen Presse für die Auslassungen der revisionistischen Zeitungen. Auch im zionistischen Lager wird ihnen nicht mit besonderem Vertrauen begegnet, ebenso kann ihr Ernst und Verantwortungsgefühl auf Grund der bisherigen Erfahrungen nicht hoch eingeschätzt werden. Allein, alle diese Dinge werden in überreichem Maße durch das revisionistische Programm ersetzt, das.ja den Judenstaat mit allen seinen Attributen zu bringen verspricht. (Realitäten und Möglichkeiten spielen bekanntlich bei den revisionistischen Donquichotte-Politikern keine Rolle.) Aus ihrem umfangreichen Wunschzettel verdient ihr Wirtschaftsprogramm, das sie selbst als „konstruktiv" bezeichnen, besondere Hervorhebung" Es wird darin kurz und bündig verkündet: Chaluzim und Kwuzoth sind nicht die, richtigen Methoden für eine Massenkolonisation, Keren Hajessod und Keren Kajemeth. können nicht weiter die finanziellen Institute für den Aufbau des jüdischen Staates bleiben. Der Kongreß wird die gegenwärtigen Institute abbauen, wenn nicht abbrechen müssen. An deren Stelle sollen treten die verschiedenen. Bauken und jedes jüdische Haus soll nicht nur eine Nationalfondsbüchse besitzen, sondern auch die einer zentralen Sparinstitution usw. Wie man sieht, ein „breites konstruktives" Programm, das in echt revisionistischer Art auf Liquidation, Abbau und Abbruch aufgebaut ist! Bezüglich der in Betracht kommenden neuen Männer für die künftige Leitung lüftet der revisionistische Plaudersack Wolfgang, von Weisl im palästinensischen „Maam" das Geheimnis, das man sich bei dem immensen Reichtum an revisionistischen Führerpersönlichkeiten! ohnehin ungefähr so ausmalen konnte. Jabotinsky, Lichtheim, Soskin, Patterson und b'asta. Die Herren waren allerdings so gnädig, auch den Baron Rothschild in ihre Kombination einzubeziehen, aber nur ohne Ruppin oder Brodetzky als Beigabe, sonst verzichten sie auch auf Rothschild. Man muß, schon sagen: die-Herren Revisionisten sind konsequent! Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhange noch die Schlußmitteilung Dr. Weisels, wonach die Revisionisten für den Fall, als sie auf dem Kongresse eine Minderheit bleiben und mit ihren Forderungen nicht durchdringen sollten (woran ja nicht zu zweifeln ist), aus der Zionistischen Organisation austreten würden. Wahrlich, eine schöne Perspektive tive für Thronprätendenten! Dies wurde freilich' mit den Herzischen Grundsätzen, die zu verteidigen die Revisionisten vorgeben, nicht übereinstimmen, dafür aber mit den Intentionen Jabotinskys, der bekanntlich einmal bereits einen Exodus aus der Zionistischen Organisation veranstaltete, um nach vier fahren auf dem 14. Kongresse in Wien „in Ganossa" zu stehen . . . sch. An die Wähler! Die Wahlen zum Zionistenkongreß finden Mittwoch, den 3. Juni 1931 von 5 Uhr nachmittag bis 10 Uhr abends statt. Die Wahllokale werden in der nächsten Nummer bekanntgegeben. Die Wahl ist direkt und geheim. Jeder Wähler muß persönlich zur Wahl erscheinen. Als Identitätsnachweis dient Personaldokument (Geburtsschein, Heimatschein, Trauungsschein, Reisepaß oder sonstige Legitimation mit Lichtbild). Meldezettel allein genügt nicht. Wahlversammlungen. Donnerstag, den 28. Mai 1931, um 8 Uhr abends, zion. Sektion, Prater, II., Jungstraße 8. Freitag, den 29. Mai 1931, um viertel 9 Uhr abends, „Poale Zion", IL, Blumauergasse 1, . Montag, den 1. Juni 1931, um 8 Uhr abends, zion. Sektion, XX., Jägerstraße 30. Redner: Dr. A. Bernay Meier Herrisch, Doktor Martha Hoff maiin, Dr. Chaim Hof man, Pinkas Silberherz, Mendel Singer, Dr. M. Steinberg, Saul Weinreb. Lebensversicherungs^Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand per Mitte 1930: 8 2,430,000.000 - Garantlemlttel Ende 1929: » 300,000.000'- Prämien-und Zinsen einnahmen im Jahre 1929: g 12S.000.000- Auszihlungen an die Versicherten Im Jahe 1921: S 30,500.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavlen, Bulgarien,Griechenland,Türkai, Aegypten, Palästina, Pensions-Versicherung NßlK m'* Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früheier BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs ^Aktien/* Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. I Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortl. Redakteur: Franz Lustig, Elektromonteur, Wien, VI., Stiegengasse 16. — Druck: „Adria", Wien, II., Tab'orstraße 52 b.