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Der Jüdische Arbeiter · 1931-05-26 · Heft 9 (26.5.1931) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 9 (26.5.1931)
Date
1931-05-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, Ii., Blumatiergasse 1/111 — Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 '^^^^^m^^^ Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 9. Wien, 26. Mai 1931. 8. Jahrgang. Unser Wal I. In den Mittelpunkt der Tätigkeit der zionistischen Weltbewegung der nächsten Jahre soll die Konzentrierung möglichst breiter Schichten des jüdischen Volkes um die Sicherung der Mittel für die Festsetzung des Aufbauwerkes in Palästina gesetzt werden. Zur Verwirklichung dieses Zieles soll in der nächsten Zeit 1. Ein Einwanderungs- und Ansiedlungsplan, für einen längeren Zeitabschnittberechnet, entworfen werden. 2. Als Grundlagen der Ansiedlung soll die Ausschaltung der Bodenspekulation, daher die Erwerbung des Bodens für den Keren Kajemeth, die Sicherung des Aufbaues durch organisierte jüdische Arbeit, die weitestgehende Förderung der Siedlungen, die auf die Selbstarbeit der Angesiedelten, bei Ausschaltung jeder Lohnarbeit aufgebaut sind, angenommen werden. 3. Die Organisierung, und Vorbereitung unserer nach. Raiästina strebenden: arbeitejjche^ Üie Aufbauarbeit in Palästina soll in Angriff genommen werden. 4. Tatkräftige! Unterstützung soll gewährt werdein den1 Bestrebungen der organisierten jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, die Arbeits^ositionen iril den privaten jüdischen Kolonien zu: Kobern. 5. Für diesen großangelegteng Aufbauplan soll die zionistische Leitung eine alljährlich wiederkehrende umfangreiche Werbe- und Sammelaktion proklamieren. In den Dienst dieser Aktion müssen sich alle Fraktionen und Gruppen der zionistischen Weltbewegung stellen. Jene Gruppen, die sich weigern sollten mit dieser Aktion teilzunehmen, sollen öffentlich' gebrandmarkt werden. Gruppen, die diese Aktion entgegenwriken werden, sollen zumnidest für eine bestimmte Zeit der Weltorganisation ausgeschaltet werden. 6. Die Uebertragung des Erzieh ungs- und Gesundheitswesens an die autonome Vertretung des Jischuw. soll, oh'ne Gefährdung der Erfüllung dieser Aufgaben, festgesetzt werden. II. Für die politische Tätigkeit der. zionistischen Weltbewegung schlagen wir folgende Richtlinien vor: 1. Der Mandatarmacht gegenüber soll mit aller Energie die Erfüllung der Sicherung des Aufbaues der jüdischen Heimstätte in Palästina vertreten werden. ilprogamm. 2. Getragen von der Überzeugung, daß. das Palästinaaufbauwerk den Interessen des arbeitenden arabischen Volkes nicht entgegenwirkt und'daß wir gewillt sind in Palästina mit dem freien arabischen Volke im vollsten. Einvernehmen -zu leben, soll die Leitung der Weltbewegung eine aktive Politik entfalten, die den Arabern Palästinas den: eindeutigen Beweis liefern soll, daß wir wohl im Lande den Aufbau, der jüdischen Heimstätte erstreben, daß wir aber das Recht der Araber auf Palästina yoll anerkennen und jede Unterdrückung oder Verdrängung der Araber mit aller Entsch;iedenh'eit ablehnen'; Von diesem Gesichtspunkte aus soll1 die zionistische Leitung zum Landentwicklungsplan (neben unserem Anspruch ^aüf 'Boden, Arbeit' lühd Kredit auch die Forderungen der. bodenhungrigen Fellachen vertreten) und zum Projekte der Verfassung für Palästina Stellung nehmen. 3. Die klare Ablehnung der nationalistischen und militanten Bestrebungen der Revisionisten, die Tadelung des „Eteth-Schalom" wegen seines selbständigen "Eingreifens nrdie --PölrHfcr*1* - III. Auf innerzionistischefm Gebiete werden wir verlangen : 1. Die Bildung einer Leitung, die die Verantwortung für das Aufbauwerk übernehmen und seine Fortsetzung im bisherigen sozialen und nationalen: Geiste sichern soll. Sie muß aber auch in der Lage sein, die destruktiven Tendenzen, wie sie die Revisionisten in' den letzten Jahren gepredigt haben, rasch zu liquidieren. 2. Die Zurückweisung aller Versuche einer Schwächung oder Spaltung der Histadruth, die den stärksten und best organisierten Machtfaktor des Landes darstellt. ■ 3. Dem Abbau der Spitzerigehälter der zionistischen Beamtenschaft in Anpassung an die schwierigen finanziellen1 Verhältnisse der zionistischen Weltorganisation. V 4. Die Ausschaltung jedes persönlichen Kampfes bei Bildung der neuen Leitung, den Entschluß des Prof. Weitzmann, nicht länger an der Spitze der Bewegung zu bleiben, zu respektieren. Die Liste des arbeitenden Palästina Poale Zion — Hitachduth Kartell zion. sozialistischer Jugendbünde. Liegt auf diesem Kongreß die unfruchtbare und demagogische Opposition, so ist der Weg zur Behebung unserer objektiven Schwierigkeiten für Jahre verbaut. Die Arbeiterschaft hat nichts gemeinsam mit den minimalistischen Zielsetzungen des Bisth Sch'alom. Für uns ist der Zionismus Lösung der Judennot und bedingt daher eine Massenkolonisation. Sind wir jedoch in der Zielsetzung Maximalsten, so unterscheiden wir uns doch grundsätzlich von den Revisionisten! im Weg zu diesem Ziel. Der Revisionismus geht von der notwendigen Feindschaft des arabischen Volkes gegen den Zionismus aus und predigt daher Kampf dem Arabertum. Hielten wir diese Auffassung für richtig, müßten wir an der Realisierbarkeit des Zionismus verzweifeln, denn nie wird unsere physisch'e Macht groß genug sein, um den Widerstand . des großen arabischen Volkes zu brechen. Der Revisionismus trachtet daher auch sich den englischen Imperialismus zum' Bundesgenossen zu machen. Abgesehen davon, daß wir als Sozialisten nicht an die dauernde Macht des Imperialismus glauben und nicht als seine Bundesgenossen auftreten wollen, fehlt vor allem auch die Bereitschaft des englischen Imperialismus, sich mit dem Zionismus gegen das Arabertum zu verbinden. Darum ist das politische Programm des Revisionismus" illusionär. Wir "gehenTm Gegensatz zu ihm von der Interessengemeinschaft dar arabischen Arbeiter und Fellachen mit der jüdischen Arbeiterschaft aus. Wir wissen, daß die arabische Nationalbewegung nur so lange eine geschlossene Front bildet, als ihr Kampf um politische, verfassungsrechtliche! Forderungen geht. Darum fordern wir Verständigung in' Verfassungsfragen; und in den Fragen der Landentwicklung. Erst nach einer solchen Verständigung kann die Klassenspaltung in der arabischen Nationalbewegun'g und damit die Solidarität der arabischen arbeitenden Schichten mit dem arbeitenden Zionismus einsetzen. Wichtiger noch als der Konstruktivismus in der Außenpolitik sind die Fragen unserer weiteren wirtschaftlichen Tätigkeit. Während der Revisionismus eine Pause in der Kolonisation erwägt, während er die nationalen Fonds zu unterminieren versucht, sehen wir den Primat in der weiteren und verstärkten Kolonisation, fordern wir die Vergrößerung unserer Einnahmen. Tritt der Revisionismus nur gegenüber England und der zionistischen Exekutive fordernd auf, so wir vor allem gegenüber dem jüdischen Volk. Wir. sind hierin die wahren Erben des Pinsker'schen Gedankens, daß die Befreiung eines Volkes nur durch seine eigene Anstrengung, durch Autoemanzipation erfolgen kann, während der Revisionismus das Heil von der Gnade der anderen erwartet. Wir stehen aber auch in einem schweren Kampf um die sozialen Errungenschaften der Arbeiter. Alle Vor dem Kongreß. Der XVII. Zionistenkongreß tritt nach einer Periode der unerhörtesten Schwierigkeiten, die die zionistische Bewegung je zu überstehen hatte, zusammen. Schwierigkeiten politischer, wirtschaftlicher und moralischer Natur. Politische: Durch die Augustunruhen von' 1929 entstand eine äußerst gespannte Situation in Palästina, die arabische Nationalbewegungl erstarkte, England nahm eine zionistenfeindliche Stellung ein. Shaw-Bericht, Simpson-Bericht und Weißbuch sollten einerseits die Schädigung der arabischen Interessen durch den' Zionismus, andererseits die Ungeeignetheit Palästinas für eine Massenkolonisation beweisen und so unserem Werke enge Grenzen ziehen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten!: Die Weltwirtschaftskrise, verstärkt, durch die politische Unsicherheit, führte auch in' Palästina zu einer Wirtschaftsstagnation und zu einer, wenn auch geringen, Arbeitslosigkeit. Die Wirtschaftskrise, die diesmal auch das amerikanische Judentum mit voller Wucht erfaßte, führte zu einem katastrophalen: Rückgang der Eingänge unserer nationalen Fonds und erschütterte dadurch alle, konstruktiven Pläne. Moralische Schwierigkeiten: Ein großer Teil der zionistischen Bewegung reagierte auf die objektiven Schwierigkeiten nicht durch' größere Hingabe an das Aufbauwerk, sondern schob' alle Schuld, auf die bisherige Leitung, setzte an Stelle fruchtbarer Arbeit unfruchtbare Opposition. Es wäre eine Illusion zu glauben, der Kongreß könne die politischen und wirtschaftlichen; Schwierigkeiten durch einige Resolutionen aus der. Welt schaffen. Er kann bestenfalls aufzeigen, Stimmzettel für die Wahl zum XVII. Zionistenkongreß Stimmt für jüdische Aufbauarbeit, für freie Einwanderung, für jüdisch-arabischej; Verständigung, für Stärkung der zionistischen Organisation, wählet die Liste des arbeitenden Palästina Liste Oes arb. Palastina (Poale Zion - Hitachduth) wie wir trotz dieser Schwierigkeiten' weiter arbeiten sollen. Bestehen jedoch keine Aussichten auf große Erfolge des Kongresses, so ist andererseits die Gefahr schicksalsschwerer Mißerfolge vorhanden, Mißerfolge in der Bekämpfung der moralischen Schwierigkeiten.

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