Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 8 (18.5.1931)
- Date
- 1931-05-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dil JÜDISCHE ARBEITER Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1/lli -~ Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 8. Wien, 18. Mai 1931. 8. Jahrgang. Genosse Ing. Kaplansky in Wien. Flur jedem Menschen', aber auch1 für jede politische Bewegung ist es von' größter Bedeutung, wenm sie; int Zeiten einer inneren Krise und scheinbarer Ausweglosigkeit die Möglichkeit Labien', sich' an einen' Mensc'h'en! zu wenden, zu dessen Einsicht sie Vertrauen! 'babem, von: dem sie überzeugt sind, daß» er beruf eni ist, ibmem den Weg zur Lösung der Probleme,, miti welchem sie kämpfen, zu weisen. Es ist daher ein: wahrer Glücksfall, daß es uns Wiener Poale-Zionisfenl' gerade iini diesen für dem Zionismus so überaus schweren) Zeit vergönnt ist, d e n F ü b r e r unserer B ewegumg, Genossen Ing. Kaplansky, in| uiimserer Mitte zu begrüss en'; denn wie kein,1 änderer Man'n' unseres Weltverbandes ist Gem. K a pflaum sky berufen1, uns; in dieser Stunde der Selbstbesinnung auf die Grundfragen unserer Bewegung Fiüh'rer zu sein. Im Genossen Kaplansky — den unserem Weltverbän'd' in der zionistischen Exekutive! und im der Exekutive der Internationale vertritt ist 'der führende Kolomsationsfach'mamm, der führende Politiker des Zionismus und des jüdischem Sozialismus vereinigt; mit seinem Namen wird in der Geschichte iunserer Bewegung der Kampf um 'die 'Anerkennung unserer Idee durch die Internationale, das Aüfbauwerk im Emek und der schwere dlplomätischpölitische Kampf im London für immer verknüpfti sein. Wir — das Organ der Wiener Organisation — 'h'ab'ent e$n besonderes1 IRecht — in Genossen' Kaplansky über die .parteigenossisChlö .Verbundenheit hinaus unseren: Gesinnungsgenossen zu sehen, denn1 clie politische Linie unseres' Blattes bewegt sich durchaus int der Richtung seiner politischen Konzeption. Genosse Kaplansky 'hat seit einem Jahrzehnt auf die Bedeutung einer positivem aktiven Verständigungspolitiik 'hingewiesen1, daßi auf seine praktischem Vorschläge und,1 seine Warnungen —leider nicht nur im Bereiche des! bürgerlichem Zionismus — nicht gehört wurde, ist 'nich'Ü seine Schuld! Wir begrüßem Genossen1 Kaplansky aufs herzlichste imüd hoffen, daß' er im Wien dem Eindruck er- 'halteni wird', daß! hier eine Organisation1 besteht, deren Mitglieder bemüht sind, ihre poäleziomistische Pflicht' voll1 |und':'gärtz> zu erfüllen'. Vor dem Wahlkampf. In; einer Zeit schwerster politischer und wirtschaftlicher Krise treten! wir in! dem Wahlkampf Zum Zioniisfen'kongreß1. Die Verhandlungen mit der englischen Regierurngskommission1 über dem konk'retedm "Landentwieklunlgsplan! für Palästina wurden abgebrochen1, da die Vorschläge: derselben1 darauf hinausliefen, im Widerspruch zum Geist und Wortlaut des „Mac- 'donaldbriefes" dem Begriff des „landlosen" Arabers einen! so weitem Inhalt zu geben, daß eine auf ihn zugeschnittene Wirtschaftspolitik' die Fortsetzung der jüdischem Kolonisation unmöglich1 machen würde. Ist in) unserem Verhältnis zu England wieder eine Verschlechterung eingetreten', muß auch leider festgestellt [werden, daßileirte Verbesserung unserer Beziehungen zu den! Arabern ausgeblieben ist'. Der Plan1 einer Rounjdetablekönferemz der drei in Palästina maßgebendem arabischen Kreise haben eine Beteiligung! abgelehnt, wobei immer mehr zu Tage tritt, daß die „Palästinäregierüng" ein unwürdiges Doppelspiel aufführt, indem sie einerseits die jüdisch-arabische Verständigung fordert, andererseits; jeden konkretem Versuch dazu sabotiert und so den1 Mufti und die Seinen in) ibrer intränsigenten; Haltung bestärkt. In dieser unerfreulichem Gestaltung der! politischen Lage des Zionismus tritt die Verschlechterung der ökonomischen Situation. Im zweifacher Richtung wirkt sich die Weltwirtschaftskrise im Zionismus aus. Palästina, das sich außerordentlich1 länge außerhalb' des Krisenbereich'eS der Weltwirtschaft befand, hat aufgehört, zu den wenigem glücklichem Inseln! im Weltmeere der Ökonomie sehen! Krise zu gehören, in welchen der Arbeifsbedarf das! Arbeitsangebot fast ganz absorbiert hat, es leidet' heute mit fast! allem Ländern der Welt an der Arbeitst Iosigkeit Wenn es für das Stadium der Weltwirtschaff, da die Volkswirtschaften) aller Staaten aufs engste mit einander verflochten sind, charakteristisch ist, daß die Entwicklung) einer jeden Nationalwirtsch'aft vom der Gestaltung der ökonomischen! Lage der übrigen eUtscheid emd abhängig ist; um wieviel mehr gilt das vom Erez Israel, das, soll es seine historische Funktion erfüllen, quantitativ nicht stillstehen darf, sondern der Standort der gleichmäßigem jüdischen' Kolonisation, 'des Wachstums der jüdischen Wirtschaft bleiben mußi. Die Wirtschaftskrise!hat aber dazu geführt, daßi die Einnahmem der jüdischem Kolonisationsfond&i und damit die Möglichkeiten der nationalen Investitionen! sich1 verringert haben, die politische Krise hat die Verkleinerung des privaten Kapitalimportes ins! Land1, das Zögerm der „Privatinitiative", die palästinemsisChe Wirtschaft zu befruchten, zur Folge gehabt. Die finanzielle Lage der jewis'b Agency ist zerrüttet, sie k'anm den Aufgäben, die sie als die völkerrech'tlichj berufene Vertretung des den jüdischem Aufbau Palästinas bejahendem Teiles des jüdischen Volkes kaum, gerecht werden',- der soeben' beendete Leh'rerstreik, die Schließung vom Spitälern; sind wahrhaft erschütternde Symptome der finanziellen Kathastrophe. Vorläufiger Verzicht auf reale Förderung des Aufbauwerkes 'durCh dieMändatarmaeht, Gefährdung desselben1 durch' unsere 'finanzielle Schwäche, das sind die charakteristischem Merkmale unserer Läge. Aber es wäre ein Irrtum, bei innen als dem Endpunkten unserer Analyse der gegenwärtigem Läge zu verbleiben'. D i :e H a 11 u nl ig d e r e u gl Li s c h e n R e gier u n g ist durch1 die Tatsache bestimmt, daß1, der arabische Nafionialis mus für sie dem entsch'eid ewd en Macb tfÄtor im Palasti>nä d:a r s t e 111, das Streb'emi nach einer Versöhnung der Jüd. sioz;-de!m!. Origajrüsiattor» Wien, Mittwoch, den 20. Mai 1931, halb 8 Uhr abends, spricht im Festsaalc des Hotel Continental, II., Taborstraße 8, Ing. S. Kaplansbg Mitglied der Exekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale, Mitglied der Zion. Exekutive, über das Thema: „Die landwirtschaftlichen und politischen Grundlagen des Palästinaaufbaues". Kartenvorverkauf zum Preise von S 1.—, 1.50, 2.— : Poale Zion, II., Blum'auergassc 1. mo'h'ämedaniscrien' Welt' mit seinen imperialen Zielen bestimmt Engl'än'ds Palästinapolitik. Wenn wir bedeiir kern, daß' unsere' (politischen Niederlagen zur Verstärkung der durch1 die Weltwirtschaftskrise bedingtem Wirtschaf fskathästroph'e geführt haben! — denn1 nicht Rückgang, sondern Stillstand, bloße Konservierrtng, des bereits Erreichtem bedeutet Ende des Zionismus — dann wird es klar, was das Hauptproblem1 des Zionismus Im gegenwärtigen; Augenblick ist, mit welcher: Frage sich der Ziomistenkongreß; vor allem' Zu befassen! haben! wird: dsaaPrimat g e b'ü h r t d e m p o l i t is c h e ini Pro b 1 e m d e r j ü d i s C h - ä r a b i s c h1 e n! Verständigung, dem1 Prob lern der Anpass 'u n g u m s e r e r p o 1 i t i s c b e n -M e t h o d e n a n d i e dlurch' die arabische iNat'I omalbewegung g e s c h1 a f f e n! e rt Tatsachen d e s jpi a 1 ä s f i n e rtsisc h'en Lebens. Die Tatsachen! des sozialert Lebens stehen im funktionalem! Zusammenhang, sie bedingen einander gegenseitig. Und so sehr es unsere tiefste Ueb'erzeugu'nig ist, daßl das arabisch-jüdische Problem1 das S'Ch'lüsseiproblem des Zionismus ist, von dessenj Lösung die Haltung(Englands zum' Zionismus abhängt, so unzweifelhaft erscheint es uns, daßi unsere politischen Mißerfolge von! unserer ökonomischen SchVäche mlifverursacht sind. Man vergleiche die Zahl der Sehekelzahler mit der Zahl der Juden! mau vergleiche die Finanzkraft des Zionismus mit der Kapitalkraft der IJüdemheif, — und man wird verstehen, daß! die wichtigste Aufgabe noch vor uns liegt: die Gewinnung der jüdischen Massen für unsere Bewegung. Den Weg aus der ökonomischen Stagnation unseres Aufbauwerkes zu finden,;das ist die zweite Grundaufgäb'e des ^iönist'enikon'greßes. Wir können 'hier auf die Vorschläge, die in! dieser Richtung gemacht wurden, nicht eingehen1: ob dem Sprinzakscheu Vorschlag der Erweiterung der Agency auf der Grundlage der persona liCheni Mitgliedschaft der Vorzug gebührt, oder dem' vom Arlosorof geforderten Versuch der vom der Agency, dem jüdischem Gemeinden und dem Nationalfonds garantiertem Anleihe, (eines ist sicher: w e n n d e il ^jioiniistemkon'gre'ßi den Weg zur enerigi'isc'h'eim Fortsetzung, der jüdischem Auf- Ibjäuarbeii t wicht f in den w ird, dan n ist wii ed er ei ml e Ch'ance v e r t a n. Und wir sagen) es im! vollstem Bewußtsein der Tragik, die im dieser, Behauptung beschlossen' ist: der Zionismus ist keim Werk für JaWrhunderte, die Zeit arbeitet gegen u ms! Umgestaltung unserer Politik im Sinne einer Orientierung auf die so regsamem politischen' Kräfte der arabischem Umwelt, Konzentration unserer Arbeit äüf Idie Sicherung [der Entwicklung der jüdischen Kolonisation — diese zwei Zielsetzungen des Komgreßes! haben einem großem! Feind im Zionismus: die rev'i-; $üo|mjstische Partei. Sie bereitet für dem Komgreßi eineni imnerzionistisebem Machtkampf vor. Die Ueibermahme der Leitung, die Legalisierung ihrer Zerstörungspolitik gegenüber der jüdischen1 Arbeiteror-; gamisatiort Palästinas, das sind die Kongreßiziele der, jüdischen Faschisten1. Ist man sich dessen bewußt, was : eine revisionistische .Mehrheit bedeuten würde? Außie'rtpölitischl die Eingliederung des Zionismus, im das zu Tode, verurteilte System', des europäischem Imperialist mus, dessen Kolonlialregime eine Angelegenheit vom höchstens noch feiner Generation ist.. Innenpolitisch! einen1 rücksichtslosen! Verni'Chtungs'kam'pf gegen die) jüdische Arbeiterkoloniisatiort. Ihr haltet das für eine Uebertreibung? Nun1, so vergleicht wie ein1 Fachmann! und wie das Wiener Revisionistemblatt vom dem' Werk! der jüdischen! Arbeiterschaft im Emek spricht. Während1 der bekannte Agrarpolitiker Freiherr vom Schönaich! seiner Bewunderung für die jüdischen1 Arbeiten" in! Emek Israel Ausdruck gebt, denen es gelungert ist „dem ausgesogenem Boden aUm'ählichl Inl Kraft zu bringen" werden sie vom dem Blatt , der Revisiomisten! ab „A1 m o sen e m p f ä u g e r" be- 'zeiChmet. Diese Lumperei, doppelt niedrig in einer Zeit', dal die gesamte europäische Landwirtschaft auf staatliche Zuschüsse angewiesen ist, sie soll uns eine Warnung sein: es geht um Sein oder Nichtsein des) Zionismus im Kampf der nächsten Wochen. Alle Mann! an Bord1, jeder werde ein Agitator, ein Kämpfer gegen! die zionistischem Faschisten, die Mifschüldigenl an1 dem blutigem Ereignissen', ein Kämpfer für die, Liste des1 arbeitenden' Palästina! Max PilZer. Siegmund Freud. Am , 5. Mail ih'at Siegm'und Freud seinem 75. Geburtstag gefeiert. Die würgende Raumnot, unter der unser, Blatt leidet,, zwingt uns, ums einfacb im die Reihe der Glückwünschendem zu stellen', und nur. Schlagwort artig die Bedeutung des Werkes1 dieses igroßem jüdischen Gelehrtem für die Wissenschaft und die Weltanschauung unserer Zeit aufzeigen. Von (der „Bedeuturtg" {Freuds für die WissensehafH zu1 sprechen, erscheimti schon als Verkleinerung seines' Werkes; nat er doch1 niich't etwa eine 'gegebeme! Wissenschaft um neue Erkenntnisse bereichert, vielmehr b'esteht seilte1 Leistung darin, daß er — jenseits des faChSvissensch'aftliChen Betriebes der „Seelen^ lehre" stehend — dieser, der Psychologie, erst den Rang einer Wissenschaft! verliehen h'at. Alle Wissenschaft — dasi steht auch1 heute trotz aller meth'aph'ysisdhem Anfechtungen, die sich' ihre Scheinbegründung aus dem Bereich der modernem Mikrophysik 'holem, fest -rist empirische Ka usaiwissen5- S'ch'aft: es ist das Verdienst Siegm'und Freuds, die Bahnen der Sch'ulpsych'ologie verlassen zu! Waben, und uns in seinen tiefen psyc Iio 1 ogisehen Erkenntnissen Baiusteine für eine echte, - ,<rtäturwissen'schaf tl icWe Psychologie, eine eirrtpirisebe Motivä tiortslehre des! memsc blichen Handelns gegeben zu) h)'a!'bem. AUfes freie menschliche Handeln ist 1 ustfbefont: so kärtn ganz allgemein Freuds zentrale Erkenntnis formuliert werden. Er hat als en tschei!-;