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Der Jüdische Arbeiter · 1931-03-27 · Heft 5 (27.3.1931) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 5 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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tf b* Ii« Dee JUDISCHE ARBEITER Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag Radaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1/111 - Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 5. Wien, 27. März 1931. 8. Jahrgang. Sozialismus und Zionismus. Vom Universitäts'professor Dr. Max Adler. Für die im Verlag des Schbmer Hazair erschienene Ausgabe1 der „Neuen Menschen" hat Genosse Max Adler, der geistige Führer der deutschem Linken1, der hervorragendste marxistische Soziologe der Gegenwart ein Vorwort geschrieben; dem wir folgende bemerkenswerte Stellungnahme zum Zionismus entnehmen: Das ewige Streben nach' Befreiung von der gesellschaftlichem Not und der politischen Unterdrückung hat gegenwärtig die historische Form des revolutionären Klassenkampfes des Weltproletariats angenommen. Es erfaßte auch die arbeitenden Massen: des jüdischen Volkes, welche noch' heute in: doppelter Knechtschaft leben, da zu ihrer sozialen. Bedrängnis noch' die Verachtung der Gesellschaft und oft auch' blutige Verfolgungen!, sogar in' den Zentren der vielgerühmten westeuropäischen! Kultur, hinzukommen. Daher findet das Befreiungsstreben des Proletariats im jüdischen Volke nicht nur in seinem allgemeinen sozialen Inhalt, sondern auch' in1 seinem nationalem Streben seinen Ausdruck, da es die Rolle des verachteten! und gehaßten Fremdvolkes von sich' werfen! will. Daher sind die breiten Schichten des jüdischen: Proletariats in ihrem revolutionären Ziel der Selbstbefreiung durchdrungen' vom Willen . der nationalen1 Selbständigkeit und', des Aufbaues einer neuen Gesellschaft) die sowohl die nationale .als auch' dej soziale Befreiung bringen soll, erfüllt Der Verwirklichung dieser Ziele ist der Idealismus der Besten des jü'disch'en Volkes, besonders der der Arbeiter- und Intelligenzjugen'd geweiht. Besonders die jüdische sozialistische Kolonisation in Palästina zeigt einen solchem Opfersinn' und Arbeitsgeist, daß! sie als leuchtendes Beispiel für jede sozialistische' Aufbautäügkeit j£elteru kann. Es kann in der sozialistischen1 Internationale verschiedene Meinungen' über die Notwendigkeit der Schaffung eines jüdischen Nationalheimes und über die Schaffung desselben gerade in Palästina geben, doch' kann man die Tatsache der nationalem Wiedergeburt der Juden und ihres Willens zur nationalem Konzentration als historische Faktoren nicht übersehen'. Man' darf sie auch nicht bekämpfen. Denn der marxistische Sozialismus ist absolut keim Gegner des1 Nationalismus, wie seine Gegner behaupten. Er sieht bloß' die nationale Befreiung! erst dann! verwirklicht, wenn sie durch die gesellschaftliche ergänzt wird. Was heute „nationales Interesse" heißt, ist nur zu1 oft das Herschaftsstreben und Herschaf tsinteresse der besitzenden Klasse im jedem Staate und Volke, sowohl nach' außen' anderen Völkern' als auch nach' innen, den besitzlosem Klassen des eigenen Volkes gegenüber. Die Nation als Einheit ohne Widersprüche, als wahrer Kulturbegriff, als Kulturgemeinschaft aller Nationsgenossen' ist erst nach Beseitigung, der Klassengegensätze der heutigem Gesellschaft möglich — kurz gesagt auf sozialistischer Basis. Der marxistische Sozialismus ist also kein Feind der Nation1 und der nationalem Entwicklung, sondern nur der schärfste Gegner des) Nationalchauvinismus, der die Idee der Nation für seine kapitalistischen' Klassenziele mißbraucht. Dagegen! sieht der Marxismus in der Wiedergeburt geschich'tsloser 'und unterdrückter Völker zum nationalen1 Liebten und Freiheit die Vorbedingung sunt Befreiungiskampf dös Proletariats. Die Revisionisten bereiten wieder blutige Ereignisse in Palästina vor. Es scheint, als ob es dem Revisionisten nicht genügen würde, daß ihnen das Verdienst zukommt', an dem blutigen1 Augustunruhen mitschuldig zu sein! Sie bereiten — wir stellen das im' vollstem Bewußtsein unserer Verantwortung fest — neue arabische An* griffe auf den Jisch'uw vor! Die Grundbehaupfumg, von der die zionismusfeindliche arabische Bewegung und der ihr freundliche zionismusfeindliche Kommunismus, der die arabischem Pogrome glorifiziert hat, ausgehen, beinhaltet, daß der Zionismus eine Mache des britischen Imperialismus ist; mit dieser Parole wirbt der arabische Antisemitismus Anhänger, das war — neben dem" religiösem Schlagwort vom der Gefährdung der Omar Möschen' durch die Juden — der Schlachtruf der mordendem und sengendem verhetztem arabischem Pogromistem! Es ist das höchste und vitalste Interesse der Judeiii Palästinas und des Zionismus — vitalste im wörtlichsten Sinne des Wortes,, denn es geht buchstäblich' um das Leben unserer Brüder und Schwesternim Lande — daß das. Märchen, der Zionismus .sei ein Helfer des britischen Imperialismus als solches erwiesen werde. Was tun nun die Revisionisten? Die. palästinensischen Revisionisten nehmen den . Aufenthalt Weizmanhs in Erez zum Anlaß, um ztfverkünden', daß er, der Führer der zionistischem Bewegung, Trabant des „Imperialisten' Macdonald ist. Aber es genügt diesen treuesten Sommert; id es :tüdiscberr . Volkes nicht, das/erwachende Ärabertum im Palästina zu verhetzen; sie entsenden ihrem Wolfgang von Weisl nach Aegypten, der dort vor arabischem - Presseleutem verkündet, daß Weizmran n, der gegenwärtig den Zionism us verkörpert, dem britsichem Imperialismus im Orient stütze. Man stelle sich nur die Folgen dieser, schuftigen und niederträchtigem Hetze der, Faschisten; die für ein K'ol'onialregime in Palästina eintreten, Wefzrnanm aber als Imperialisten bezeichnen, .vor: nun: haben die arabischem Nationalisten' zionistische Kronzeugen dafür, daß der Zionismus ein Feind! der arabischen Rennaissance ist! •- ....... •- . \ Die revisionistische Leitung kopiert die Taktik der Führung der deutschem Hackemkreuzler,.. indem sie mitteilen läßt, vom Weisls Unternehmungen keine Kenntnis zu haben. Das ist zwar sehr bequem, aber unmöglich: es wird der revisionistischen Bewegung im allen ihrem Teilen ebensowenig ^gelingen, die Verantwortung für diese bewußte Vorbereitung neuer arabischer Unruhen1 in Palästina durch ihre Freunde von sich abzuwälzen — eine Partei muß sich der Folgern ihrer Handlungen bewußt sein, oder ihre Führer gehören' ins Irrenhaus — wie es ihr nicht gelungen ist, sich1 vom der Mitschuld an den blutigen Ereignissen reinzuwaschen. Jüdische sozialem. Arbeiterorganisation „Poale Zion", Wien, IL, Blumauergasse 1 Samstag, den 28. März 1931, um 8 Uhr abends im Kursalon, I.v Parkring 1 Akademie mit Tam Programm der Akademie: 1. Rozovsky — Phantastischer Tanz (Trio) Isr. Brandmann-Violine, Joachim Stutschwesky Violincell, Robert Spitz-Klavier 2. Engel—Kinderlieder Maria Bernay—Gesang am Klavier: Edgar Elsenstädter 3. Zeitlin - Eli Zlon Tscherniawsky — Maseltov Joachim Stutschewsky — Vloloncell Robert Spitz — Klavier 4. Schor — Sketsch: 3 Minuten tot. Aufgeführt von Mitgliedern des |üd. Schauspielervereines. 5. Max Geiger — Jüdische Volskslieder. Unsere Gegner. An der sozialistischen und zionistischen1 Front. 2. An der zionistische rt Fron t Die allgemeinen Zip nisten. Für die allgemeinen Zioriisten ist es charakteristisch, daß sie ihre Angriffe nicht ausschließlich gegen uns richten, daß sie vielmehr die Parteibildung an sich innerhalb des Zionismus als das größte Unglück des Zionismus betrachten. Nicht mit Unrecht: betonen siel die 'unvergleichlich' schwierigere Situation1, im der sich' die jüdische Bewegung verglichen mit den nationalen Bewegungen der anderein Völker befindet: "während das deutsche und italienische Volk im 19. Jahrhundert, die slavischem Völker-im 20. Jahrhundert nur den politischen Rahmen, die staatliche Or^ganisätiom für ihr nationales Dasein erkämpfem mußten1;- während diese Völker bereits die zwei der drei notwendigem Elemente des Staates, das Territorium und eini kulturell einheitliches Staatsvolk besaßen und nur die Staatsgewalt anstrebten mußten, muß das nach natinoalern: Elgendasem strebende jüdische Volk sich1 eine einheitliche Kultur erarbeiten, ein eigenes Territorium für seine geschlossene Ansiedlung erwerben', sich die ökonomische Grundlage für seine nationale* Existenz schaffen. Und diese' wahrhaft übermenschliche Arbeit, die im Vergleich1 zu unserer ökonomischem und politischen Kraft rfast utopisch erscheint, kann, sd sagen die allgemeinen Zionisten, nur vom einer ein h'eitlicrfem zionistischen Bewegung erfolgreich geleistet werden und es ist eine Sünde wider die Verwirklichung des Zionismus, Klassenziele zu verfolgen! Das gilt —* so meinen sie — auch' vom der Galutharbeit' der Bestand des Judentums ist in so hohem Maße gefährdet, daß seine Erhaltung dem e i hi g'e m;Wilgefäh'rdet, daßi seine Erhältung dem ein ige m-,Willem des jüdischein Volkes vorausgesetzt. Und diese Voraussetzung —^ wirft man uns vor — wollt Ihr Poalezionistem zierstören!;; "; Diesem Vorhaltungen haben wir\ vor allem' zu entgegnen', d#.J^i'einiieiiicW aller "bürgerlichem ,:KriUJ<,., ima'nentes Mißverständnis ist-; ' wenn' 'behauptet wird; daß die politische Differenzierung des Judentums und des Zionismus das Werk sozialistischer Agitation; sei. Die Entstehung der politischen jüdischem Arbeiterbewegung Im allen ihren Formern ist nichts, anderes als die politische:. Wiederspiegelung des sozialem Differenzier ungsprozeß! Innerhalb' des Judentums; die das sozial einheitliche jüdische Volk im ein in soziale Klas-; sem gegliedertes umwandelte. Solange nun der Zionismus-die Sache einer schmalem Schichte vom Intellektuellen, Kleinbürgern- und jugendlichen wirtschafte- Iwen Elementen war, solange konnte er . politisch undifferenziert bleiben: im dem Augenblick, da er die jüdischem Massen erfaßt hat, mußte am Stelle seiner eimheittfcheni OrganisatipnsTorm eine Föderation von* klassenmäßig fundierten' Parteien treten. Denn jüdidlsches Proletariat 'und jüdisches Bürgertum sind im Zionismus und im der jüdischen Gemeinde nur-äußerlich1 verbunden; praktisch gehen' sie im allen Fragen. auseinander. Im Palästinaaufbau ist für den jüdischem Bürger das Profitstreben maßgebend, das Er-; gebnis seiner Kolomisations'methode sinp'die auf Ausbeutung arabischer Arbeitskraft beruhenden Kolonien1, der jüdische Arb'eiFer sucht im Zionismus die Beseitigung der Arb'eifsnot jüdischer Massen1, sein Werk Ist der Emek! Und auch1 in der Gal.uthpolitik zeigt sCcH dasselbe: die allgemeinen Zionisten haben nur in wenigem Ländern endgültig! entsagt' und nützen in Polen vor allem ihrem Apparat für politische Zielsetzungen! des jüdischen Bürgertums. Und was die bürgerlich-zionistische Kulturpolitik anbelangt, so häbem /äs die allgemeinem Zionisten' so weit gebracht, daß die Klassenscheidumg im den jüdischen Siedlungs- .gebieten' die sprachliche Einheit des jüdischen! Volkes zerstört hat! Sie haben es verstanden ihrer. Feindschaft' gegen die Sprache der jüdischen Massen das hebraistisch-nätlonäl« Mäntelchen umzuhängen und ihr Klasseninstinkt, der im ihnen dem Haß' gegen das Jiddische geweckt hat, bewirkte, daß viele Kreise der. jüdischem Intelligenz und des . Kleinbürgertums der jüdischen Volkssprache entfremdet, wurden. Niemals hat aber Hebräisch die Jiddische Sprache ersetzt, immer war es die jeweilige Landessprache! Wir erkennen: es ist keine Willkür, es ist innere Notwendigkeit',, wenn sich innerhalb des Zionismus dfö jüdische Arbeiterschaft abgesondert hat und. als organisatorische} Einheit ihre Ziele verfolgt. Mehr; noch: wir sehen darin einen nationalen Glücksfall! Denn so wahr es ist, daß1 die bürgerlich zionistische Kplonisationspolitik bestenfalls, zur Schaffung eines jüdischen Pläntagenbürgertums, das von der Ausbeutung arabischer Natives lebt, führen' könnte, so wahr, es ist, daßi zionistische Tarbuth»Kulturpolitik; im' Osten mit innerster Logik zur kulturellen Aufldsunjg

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