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Der Jüdische Arbeiter · 1931-02-13 · Heft 2 (13.2.1931) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
8 (1931)
Issue
Heft 2 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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rammt ■wbittötetMxk. 1., ' r-m^-V*T*rrfi^ Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 BBEITE Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wie«,' Ii., Blumauorgasse 1/ill - Postseheckkonto Nr. 38.042 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 2. Wien, 13. Februar 1931. 8. Jahrgang. Unseren Olim zum Geleite von Dr. Adolf Bernay. Unter dem Eindruck der mächtigen- Protestbewegung der Juden! in der ganzen Welt h'at England einen kleinen Spalt inl den versperrten Toren Palästinas für unsere Pioniere geöffnet. Ein, wenn auch' ganz kleiner Teil junger Genossen', die mit Ungeduld den Augenblick erwarteten, in das Land ihrer Sehnsucht Arbeit und Begeisterung zu tragen; sah diesen Augenblick gekommen. Noch1 eine Schwierigkeit, galt es zu überwinden: es war nicht genügend Geld vorhanden, um die neue Alijah zu finanzieren. Die wirtschaftliche Not in der ganzen Welt, insbesondere die Krise in: Amerika, unserem stärksten finanziellen Reservoir, bewirkte einen Rückgang der Einnähmen der verschiedenen Fonde. Die schäm erfüllten Stimmen der zionistischen Presse, die deswegen hörbar wurden, verkennen aber den Umstand, daßi an diesem wirtschaftlichen Versagen unserer finanziellen' Kraft nicht zuletzt England schuld ist, vor dem wir angeblich bloßgestellt wären. Die Sabotagepolitik Englands, insbesondere der Palästinaregierung mußte not-, gedrungen Entmutigung in die Reihen der Palästinafreunde bringen. Wenn1 wir uns auch' auf die Dauer durch' noch' so schwere Hindernisse von unserem Wege nicht verdrängen lassen, so ist es nur allzu verständlich1, daß vorübergehend und gerade in den Kreisen, - welche materiell" mithelfen, die triste politische' Situation die Gebefreudigkeit sch'mälert. Nun ist das finanzielle' Hindernis unter großen Opfern behoben, unsere Olim' in den verschiedenen Ländern treten ihre Reise an. Auch' aus unseren Reihen fahren. einige Genossen in den nächsten Tagen nach dem Erez, um sich in die Front des arbeitenden Palästina, einzugliedern. Sie nehmen! Abschied von der Galuth mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, sie schließen die Zeit ihrer Sehnsucht und Vorbereitung ab' und treten' in das Stadium der Verwirklichung ein.. Daß ihrer nicht nur Glück und Wunscherfüllung harrt, sondern zähe, opfervolle Arbeit für eigene und des Landes Zukunft, dessen sind sich1 unsere Pioniere bewußt. Aber es weht im Erez eine andere Luft als bei uns, es ist ein anderer Geist, der unseren Jisch'uw beseelt. In den Zeiten' ärgster Rückschläge, als arabische Metzeleien oder politische Schwertstreiche Englands in der Diaspora Schmerz und Verzweiflung aufkommen ließen, gab' es in dem arbeitenden Palästina keinen! Äugenblick des Verzagens. Schon das tägliche Leben, der Kampf mit der Natur, die Schwierigkeiten des Neuaufbaues stellen Anforderungen an jeden' einzelnen, die volle physische und seelische Aufopferungsfreude voraussetzen. Daß diese vorhanden ist, zeigen1 die Erfolge der letzten Jahre. Die1 Schwierigkeiten; der Politik sind nur eines der Hindernisse mehr, die genommen1 werden müssen und mit derselben Standhäftigkeit überwunden, wie die anderen. Wenn jedoch das Leben un'd die Arbeit i,m Erez den ganzen Menschen; Anspannung aller Energie verlangen, so sieht der Chäluz auch' den Erfolg seiner Mühe, er kann die Freude über die Früchte seiner Anstrengungen auskosten'. Jeder Fuß. der Wüste der Fruchtbarkeit zurückgegeben, jeder neue Wirtsehäftsposten' für unser Aufbauwerk erobert, geben ihm das erhebende Bewußtsein, einen Ewigkeitswert geschaffen zu haben. Das Gefühl der Solidarität, das den Jisch'uw erfüllt, das Wissen um die Gemeinsamkeit des Schicksals des ganzen arbeitenden jüdischen! Palästina, die Erkenntnis, daß eine Welt von Brachland für Wille 'und Energie freiliegt, erzeugen eine Atmosphäre, in der trotz Mühe und Leid dauernd Lebensfreude sich entfalten kann. Unsere Genossen gehen auch einer anderen Aufgabe entgegen. Analog der sozialen Bewegung in der anzen kapitalistischen Welt, wo die schwere Krise es kapitalistischen Systems verzweifelte Anstrengungen seiner Verteidiger hervorruft, mächt sich' in der letzten Zeit auch im Erez eine reaktionäre Strömung unter dem üblichen ideologischen Mantel breit. Anderseits wird unsere Histadruth, die das Banner sozialer Gerechtigkeit hochträgt, immer stärker. In dem Ringen um Charakter und Wesen unserer Aufbauarbeit in Palästina, die nur von der jüdischen Arbeiterschaft im Geiste des Sozialismus und durch Verständigung mit dem arabischen' Volke zum Erfolge geführt werden kann, ^erden unsere Genossen die Kadern unserer palästinensischen Organisation stärken. ' *' Wir geben unseren' Genossen', die in den schweren aber schönen Kampf gehen, unsere heißesten Glückwünsche mit auf den Weg. Aus der Galuth mögen sie die Empfindung mitnehmen, daß wir an unserem Ziele unentwegt festhalten und in unserer -Arbeit nicht ermüden: werden. Tagung der Hauptliga für das arbeitende Palästina. Am Sonntag, den 25. Jänner, fand in Berh'n unter Vorsitz von' D. Ben Gurion-Palästina eine außerordentliche Plenarsitzung des Hauptrates der Weltliga für das arbeitende Palästina statt. Von den Mitgliedern des Hauptrates waren u. a. anwesend: Doktor Oscar Cohn, Fritz Naphtali, Berlin'; Ing. A.f Reiß, Warschau; Dr. Jakob Hellmann, Riga; J. Sprinzak und M. Twerski, Palästina. Auch eine Anzahl Länder- 1 Vertreter nahmen an der Sitzung teil. In der Vormittagssitzung; erstattete der Generalsekretär der Weltligä M. Neustadt einen Bericht über die Entwicklung der Ligenarbeit nach dem ersten Weltkongreß. An den Bericht knüpfte sich eine recht eingehende Aussprache, die . auch die Nachmittags- ■sitzung äusfuHteT^ln^d^'ÄrÄdsitzung begründete J. Sprinzak seinen Vorschlag, eine Aktion zur Erfassung einer Million Juden als Träger der Jewish Agency mit einem einheitlichen allgemein erschwinglichen Betrag für neue kolonisatorische Tätigkeit in Palästina außerhalb der normalen Keren' Freitag, den 13. Februar, 1931, V,t8 Uhr. ^Eröffnung der Werbewochen Referenten: Dr. S. Sok'al, Mendel Singer, Ing. Krämer. Hajessod-Beiträge einzuleiten. Der Hauptrat der Weltliga hat nach einer allseitigen .Behandlung dieser Frage einmütig ihre große Bedeutung anerkannt und beschlossen, die gesamte Kraft der Ligen in allen Ländern; in den Dienst der mit einem derartigen Plan verbundenen Arbeit zu stellen, sobald man an die Verwirklichung dieses Planes herantreten; wird. Der Ertrag dieser Aktion soll der Jewish Agency und 'dem Keren Hajessod für Ausgaben außerhalb des Budgets, für neue Kolonisation, zugeführt werden. Im allgemeinen war die Sitzungvon der Er kenntnis durchdrungen, daß nunmehr ein radikaler Umschwung in der zionistischen Arbeit eintreten müsse. Der Zionismus muß von der Defensive in die Offensive übergehen, und das konkrete Palästinawerk muß in dem Vordergrund der zionistischen Arbeit gestellt werden. Jüdische Wirtschaftsnot und die jüdische Gemeinde. Es ist der wichtigste Grundsatz der marxistischen Geschichtsbetrachtung, daßi es das soziale Sein', die gesellschaftliche Wirklichkeit ist, die dem politischen Bewußtsein der Menschen den Inhalt gibt. Es bedarf oft der größten Erschütterungen, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf bestimmte Probleme hinzulenken, (denn was nicht auf flachsten Hand liegt, was nicht greifbar vor uns liegt, was erst durch tiefere Erkenntnisarbeit erfaßt werden kann, hat das Schicksal, übersehen zu werden. Seit Jahrzehnten stehen1 wir Poale-Zionisten, und mit uns die fortschrittlichen Teile des jüdischen Bürgertums, im Kampfe um die Verweltlichung der jüdischen Gemeinde. Immer wieder haben wir es der jüdischen Oeffentlichkeit klarzumachen versucht, daß die Religionszwecke nur einen Teil der Zielsetzung, der jüdischen Gemeinde bilden dürfen, daß diese sich in ihrer sozialen Arbeit nicht mit charitativer Gestaltung derselben .begnügen darf, daß sie vielmehr das Mittel jüdischer Sozialpolitik sein müßte. Nicht nur Wohltätigkeit armen, deklassierten1 Menschen gegenüber, sondern vor allem Hilfe den im Produjctions« prozeß stehenden oder die Eingliederung der ihm zustrebenden jüdischen Menschen, deren wirtschaftlicher Aufstieg von feindlichen Kräften immer wjederi zu verhindern versucht wird, das war seit jeher unsere Parole! Der jüdische Liberalismus hatte für unseren Ruf nur taube Ohren: die Bewahrung des religiösen Charakters der Kultusgemeinde, des charitativen Charakters der Fürsorgearbeit derselben1, Ablehnung einer Auffassung, die den .weltürrrrt, sozialwirtschaftlichen Sinn der Judenfrage behauptet, das war der Wesensinhält der jüdisch-liberalen Politik. In der Praxis hat ja der jüdische Liberalismus seinen weltfremden. Standpunkt schon! längst-aufgegeben! Es soll nicht geleugnet werden, daß' ein' nicht; unwesentlicher Teil der von' der Wiener jüdischem Gemeinde der Fürsorge1 gewidmeten Mitteln — es waren von 1925' bis 1929 S 9,559.500 — der produktiven Fürsorge dient, daß die jüdische Gemeinde durch ihre Wanderfürsorge und ihre Beteiligung an der Tagung der mit der jüdischen Wanderung befaßten. Verbände praktisch ein' Bekenntnis zum allweltlichen' und1 nationalert Charakter .der Judenfrage abgelegt hät, und daß all' , 'das unter Mitwirkung . der liberalen Grupoe in der jüdischen Gemeinde geschieht. Aber wie so oft, so ist auch, hier die: Theorie der Praxis! nachgehinkt! Es hat' erst der großen Erschütterungen1h der letzten Zeitbedurft,, um auch dem. Liberalismus > die härten Tatsachen der jüdischen Wirklichkeit-zum- Bewußtsein zu bringen: erst jetzt findet die „Wahrheit", das Blatt der Union'isten, den Mut, von der jüdischen Wirtschäftsnot zu sprechen1, vion Wirtschäftsantisemiiismtts und von dem Mangel an Bereifwilligkeit bei jüdischen, Unternehmern, jüdische Arbeitnehmer anzustellen! Gewiß, von der Erkenntnis; der spezifischen wirtschaftlichen Struktur des jüdischen Volkes, der durch sie objektiv bedingten' jüdischen Wirtschäftsnot. und der Notwendigkeit, diese durch' eine radikale Sozialpolitik! im Galuth und Palästina zu beheben, sind jene Teilerkenntnisse des. u monistischen Blattes noch sehr weit; das soll un'S aber nicht hindern, den Fortschritt und die Annäherung, die er zwischen den Parteien im der jüdischen! Gemeindestube bewirkt, festzustellen1. Und wahrlich, was sollte die jüdischen Parteien) — über alle bestehenden Gegensätze hinweg — zu! gemeinsamer fruchtbarer Arbeit vereinigen1, wenn nicht die furchtbaren Folgen der Wirtschaftskrise auf das Leben der jüdischen Massen? Die Wiener jüdische Gemeinde möge sich1 an der Berliner Brüdergemeinde ein Beispiel nehmen: nach einem Wahlkampf, der die schärfsten Formen angenommen hat, haben die Vertreter der Parteien in seltener Einmütigtkeit ein Notprogramm angenommen! Dieses Notpro- gramm der in den nächsten Wochen und Monaten' zu treffenden Maßnahmen zur Linderung der jüdischen Not fordern wir von der jüdischen Gemeindeverwaltung. Kostbare Zeit ist verschwendet worden an das Problem, ob ein- Beamter der Gemeinde pensioniert werden soll oder nicht; nunmehr ist es Zeit, der allgemeinen jüdischen! Not den Kämpf anzusagen!. Was wir fordern, das ist nicht mehr, als daß die jüdische Gemeinde den1 Nöten der Stunde gerecht werde. Die große Umkehr, die Inangriffnahme der tiefgreifenden jüdischen Sozialpolitik', sie kamt erst kommen, wenn die jüdische Gemeinde getragen' sein wird-vom Willen der gesamten Judenschäft Wiens, wenn innerhalb des jüdischen Lebens in Wien verwirklicht sein wird das Prinzip des allgemeinen, gleichem Wahlrechts! M. P. Schalom Asch und das jüdische Wien, Einst und jetzt. Es dürfte vor ungefähr zwei Jahrzehnten gewesen sein. Eine Gruppe jüdischer Intellektueller lud Schalom Asch, den damals in künstlerischer Entfaltung begriffenen, noch nicht genügend populäre« und gewürdigten jüdischen Erzähler nach Wien ein. Im Kursalon fand ein schöner Asch-Abend statt. Die Schöpfungen des Gastes wurden auch in deutscher

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