Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- Heft 1 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2641551-2641624-2641625--392-2642355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden »veiten Freitag ■ Radaktion und Administration: Wien, II., Blumauftrgasse 1XIII — Postscheckkonto Nr. 38.042 '•y tezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 ' Einzelne Nummer 20 Groschen Nr.l. Wien, 23. Jänner 1931. 8. Jahrgang. Genossen und Genossinnen! In einem ernsten Moment wenden wir uns an :uch' mit der Aufforderung, sich auf die Hauptlfgabe, vor welcher unsere Bewegung gegenwärtig eht, zu konzentrieren1. Wir meinen damit den 17. -ionistenkongreß, der in zwei Monaten zusammenreten wird. Der Kongreß, der in einer für die zionistische Bewegung so schweren1 Zeit stattfindet, erlangt ladurch' außerordentliche politische Bedeutung. Von außen ein Angriff gegen die Grundlagen' tnserer von hohem sozialen Geiste getragenen Arbeit i Erez Israel, der seitens der Mandatarmacht unterlommen wird; dieser Angriff trägt zur Untergrabung mserer ganzen Arbeit bei und steht im vollstem Gegensatz zu allen Versprechungen und internationalen Verpflichtungen, die die Regierung auf sich genommen 1 t. Ein Angriff, der uns um so mehr weh tut, weil von einer Arbeiterregierung kommt und auf antisozialen Grundlagen ruht. Von innen, der chauvinistische! und reaktionäre Angriff seitens der arbeiterfeindlichen Elemente innerhalb der zionistischen Bewegung, die die gegenwärtige „age und dem Schmerz der zionistischen Massen auslützen wollen, um mit Hilfe einer chauvinistischen! temagogie ihren bis jetzt bedeutungslosem Einfluß Zionismus zu verstärken, in der Hoff hurig, daß |s ihnen gelingen wird, die Leitung der zionistischen Bewegung in ihre1 Hände zu bekommen. Jahrelang pielten sie sich1 fern1 vorn jeder praktischen Tat, von ler erlösenden Aufbauarbeit in Erez Israel, gegenwärtig setzen sie sich1 aber die Aufgabe, die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft im Lande zu zer¬ Hören. ( Unsere Bewegung hat gegenwärtig die Pflicht, len Zionismus kampffähig zu erhalten gegen alle liridernisse, die sich1 ihm in den Weg stellen, der iurch1 ständigen Fortschritt und Erfolg gekennzeichlet ist, und1 den großen sozialen Inhält zu retten, dem seine bisherigen Erfolge und Errungenschaften! zu "danken hat. Der 17. Kongreß wird Antwort geben lüssen auf allef diese Fragen, er wird auch1 die weitere rbeit der zionistischen! Bewegung bestimmen müssen, iie in voller Uebereinstimmung mit ihren historischen Voraussetzungen! und Zielen sein mufy die Arbeit, Jie den Erfolg sichert. Die Antwort, die der Kongreß auf diese Fragen1 geben wird, Ist abhängig von seiner Zusammensetzung. Die Zusammensetzung aber h'angt in erster Linie vorn unserer Aktivität bei der Durchführung der Schekel1- Aktion ab. I> Wir stehen mitten drinnen in der Aktion; die in wenigen Tagen ihren Abschluß finden, und über den Wahlausgang und die Zusammensetzung des Kongresses entscheiden wird. Wirjkönnen aber die kurze Zeit, die uns zur Verfügung steht, günstig ausnützen. Noch können in jedem Lande hunderte und tausende Zionisten und die jüdischen Arbeiter durch unsere Genossen besucht und über die Lage im Zionismus und über die Wege, die zu seiner Gesundung führen, aufgeklärt werden. Wir müssen diesmal bestrebt sein1, die Schekel-Aktion zu einer wirklich breiten Volks-Ak'iop auszubauen, die den unbeugsamen Willen der jüdischen Massen für die Realisierung der zionistischen Idee zu kämpfen, demonstrieren soll. Ganz besonders aber muß die Schekel-Aktion in den Ländern der jüdischen Massensiedl ung unter den breitesten Schichten des jüdischen Volkes geführt werden. Darum Genossen fordern' wir euch1 auf, In den letzten Tagen der Aktion nipch1 einmal alle unsere Kräfte zu mobilisieren tmdv äuf die Schekel-Aktion zu konzentrieren, um zu verhüten, daß die zionistische Bewegung von einer ihrem Geiste und Wesen fremden Richtung -der Zerstörung entgegengeführt wird. Genossen und Genossinnen! Die Schekel-Aktion muß die Sache eines jeden einzelnen Genossen werden, wir müssen alle für ihren guten Verlauf sorgen. Gedenket, daß die Schekel-Aktion uns den Weg zum Wahlsieg öffnet, daß dies der erste Schritt ist, um den gewünschten Ausgang des Kongresses zu sichern, da sie uns die Waffe zur Verteidigung des Arbeiterwerkes in Erez Israel gegen: den sich1 bereitenden Angriff und zur Schützung des Inhalts der zionistischen Bewegung, in die Hände gibt. Wir rufen euch' darum zur höchsten Aktivität auf. Kein Genosse, kein Sympathiker unserer Bewegung soll ohne Schekel, ohne Stimmrecht zu den Kongreßwahlen bleiben! Warschau, im Dezember 1930. Das Verba n ds-B üro. Zehn Jahre Emek — Zehn Jahre Histadruth. Von Dr. Leo Goldhammer. Wenn wir uns heute erinnern, daß 10 Jahre seit dem Beginn der Kolonisation in der Emekebene und seit der Gründung der gesamten jüdischen Arbeiterorganisation „Histadruth" vergangen sind, so ist 'dieses Gedenken nicht dem zufälligen Umstand zuzuschreiben, daß irgend eine runde Zahl von Jahren seit jenen Ereignissen verflossen ist. Was vor 10 Jahren geschah, hat vielmehr eine grundlegende Bedeutung in der Geschichte des Palästinaauibaues. Die jüdische Kolonisation von Erez-Israel, deren Bestrebungen schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegen, ging niemals planmäßig vor sich'. Es wird auch heute vielfach mit Recht beklagt, daß Zufall, Augenblick und plötzlich' auftretende Notwendigkeit weit mehr die Kolonisationstätigkeit-'besümmen, als planmäßiges Vorgehen. Gerade die Emekkolonisation ist der erste Ausdruck eines wichtigen Besiedlungsplanes. Als vor zehn Jahren der Grundstock zur Besiedlung der Emekeb'e,-,:©' gelegt wurde, war dieser Aktion ein gan z besti m inte s Ziel gesetzt. Man ging daran, methodisch einen bestimmten Teil des Bodens in Erez- Israe! j üdisch zu machen, jüdisch zu machen nicht bloß dadurch', daß man ihn in jüdisches Eigentum erwarb, sondern auch1 »dadurch, daß er durch' jüdischer H ä n d e A r b e i t erschlossen werden sollte. In diesen 10 Jahren wurde der Emek als geschlossene jüdische Siedlung ausgebaut und erweitert; in diesen 10 Jahren wurde'nicht bloß der Bodenbesitz in dieser" Ebene arrondiert, sondern auch die Kolonisation nach'einheitlicher Methode geführt, nach dem Prinzip der S e 1 b s t a r b e i t, der F a m i 11 e n s t e d 1 ung und der U n v e r ä u ße r 1 c hkeit von Grund und Boden. Trotz allem, was schon über diese Emekkolonisation1 gesprochen, geschrieben und in den! Tageskampf gezerrt wurde, ist Eines sicher: sie hat bereits in diesen 10 Jahren sich1 als gefestigt erwiesen und nichts ist ein besserer Beweis dafür, als der Umstand, daß in* den krisenhaftesten Situationen Palästinas, sowohl in den wirtschaftlichen Krisentagen, als auch den trüben Tagen des Sommers 1929 der jüdische Emek immer unversehrt geblieben ist. Man wendet für gewöhnlich1 ein, daß die zionistische Kolonisation sich bisher als n i c h t r e n t a b e 1 erwiesen hat und immerwieder tauchen Versuche und. Projekte auf, die dazu dienen sollen, eine Rentabilität dieser Kolonien hervorzurufen1. Es wird aber übersehen, daß wir es hier mit einer Arbeit zu tunhaben, deren Art und Weise ganz erstmalig in der Geschichte aller Kolonisationen ist. Wo in aller Welt auch1 bisher kolonisiert wurde, von Amerika bis Australien, geschah es immer unter Ausnutzung freien Bodens und unter Ausnützung der im Land vorhandenen a u t o c h to n e n Arbeitskräfte der Urbevölkerung. Diese beiden Elemente gewährleisteten von vorneherein eine Rentabilität, die für gewöhnlich geradezu abenteuerlich war. Niemals sicherte sie eine Dauerhaftigkeit der so entstandenen? Siedlungen, niemals auch einen sozialen Standard der Elemente, welche in diesen Kölonisatiorisgebieten die schwere Arbeit des Erschließens un<£ Aufbauens leisteten. Hunderte von. Kolonisationsge-, Seilschaften privater und öffentlicher Natur sind in1 den verschiedensten Kolonisationsgebieten der Welt, welche mit diesen Methoden erschlossen wurden, verschwunden und wieder aufgetaucht, Hunderttausende von Natives aller Farben gingen unter Krankheit, unter der Nilpferd peitsche und auch dem Hunger zu Grunde. Die jüdische Kolonisation Palästinas; dient zwei Zwecken: der Verwurzelung der Juden auf ihrem ö igenen Boden und ihrer Erhaltung. Für keinen der beiden Zwecke können die Kolonisationsmeth'oden angewendet werden, die in der Weltrentabilität üblich! sind, sondern genau die gegenteiligen. Damit... das Judenvolk auf seinem' Böden verwurzelt sei, mtfß es selbst auf ihm arbeiten*' und kann keine fremde Arbeit für sich ausnützen. Damit das Volk erhalten bleibt, darf mit der Arbeitskraft in keiner Weise Raubbau getrieben werden; denn während es den Kolonisatoren ganz gleichgiltig ist, wie viel färbige Arbeiter zu Grunde gehen, wenn nur das Ziel erreicht wird, müssen wir unsen Ziel erreichen mit der sicheren Gewähr, daß die, die dafür arbeiten, nicht nur selbst erhalten werden*,- sondern alle Möglichkeiten haben, neue Generationen arbeitskräftiger, ja noch mehr, arbeitsfroher Menschen? in die - Welt zu setzen. Daher muß unsere Kolonisation die Bedingungen der sozialen Gerechtigkeit im weitestgehendsten Maße erfüllen. Was im Emek angelegt wurde und jetzt' zehn? Jahre besteht, das hat die landläufige Rentabilitätsprüfung vielleicht nicht.. beständen; ganz gewiß aben hält es Stand den Forderungen, die für die jüdische Kolonisation unabweislich sind; der Verwurzelung und Erhaltung der in diesem Aufbau arbeitenden Menschen. Und das ist der große Sieg, die große Kraftprobe, die der Emek in -diesen 10 Jahren abgelegt hat. Gerade die Emekkolonisten, die standhaft alle Krisen bisher überwunden haben:, sie sind sozusagen ein Symbol dessen, was wir erstreben1, den ewigen? Wanderer, als den man das jüdische Volk mit Recht bezeichnet hat, zu überwinden und an seine Stelle den seßhaften, standfesten, mit seinem Boden verwurzelten Juden zu setzen! Was im Emek geleistet wurde, ist beispielgebend für die Weiterentwicklung des Aufbauwerkes in Erez Israel geworden. Die k o n z e n t r i s c h e K Q7 Ionisation des Landes von gewissen Punkten aus^ ist heute bereits zum System der Palästinaarbeit geworden. Wie immer die Verhältnisse sich entwickeln,- mögen, wir werden nur mit dieser Methode das sichtbare Ziel eines jüdischen Palästinas erreichen. Stadt' und Land können nur so jüdisch1 werden, wenn nicht nur der Boden, nicht nur die Siedler, sondern auch ihre Arbeit konzentriert wird. Und dieser Gedanke bildet das organisierte Fundament jener Gründung, die heute ebenfalls 10 Jahre zurück^ liegt; der Organisierung sämtlicher Arbeiter in Erez Israel zur Histadruth1. Was wir Juden an kolonisatorischen Arbeiten in Palästina geleistet haben, war stetes Bemühen um Erreichung des höchsten Zieles.*, eines jüdischen Palästina. Aber es waren doch' immer* wieder E i n z e 1 n - A r b e i te n, mochten sie von Kolonisten oder von den Juden geleistet werden, die sich' in der Stadt niederließen. Der erste Zusammerase h I u ß aller arbeitenden Kräfte gab die Möglichkeit, die ganze jüdische Arbeit, die in Erez Israel* er Keinen Scheitel Kauft, iibt Verrat am arbeitenOen Palistina! in