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Der Jüdische Arbeiter · 1930-12-19 · Heft 24 (19.12.1930) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 24 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b %^n^,A'^kL^&i, f.- -v*T-5iSfc.- 5(5^7 _ -..«fc*^ ✓r V i Der JÜDISCH Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Oster! Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, iL, Blumauergasse 1/111 - Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 24. Wien, 19, Dezember 1930, 7. Jahrgang. An den Arbeit rflügel irr der zionistischen Bewegung! Inmitten des schwerem politischen; Kampfes, der uns aufruft, die Anklagen und1 Verleumdungen', die gegen unser Befreiungswerk gerichtet worden! sind, zurückzuweisen und das Recht des jüdischen1 Volkes zum Aufbau seiner Heimat und das Recht des jüdischen Arbeiters auf Einwanderung und auf ein: schöpferisches Werk zu, stärken, ist beschlossen worden1, den1 Zionistenkongreß einzuberufen. Wen erfüllt die Sorge, daß der Kongreß, der in einer, außerordentlichen Stunde, in einer Stunde des Konflikts und des Ringens zusammentritt, nicht zti einem Kongreß der Verwirrung werde?, Der politische Kampf, in dem wir stehen, wird nicht' enden, bis wir siegen1. (Wir sind voll Glauben und Vertrauen1, daß er mit einem Siege enden wird. Denn die tiefe. Wahrheit unserer Bewegung un'd ihre Gerechtigkeit sind es, die dazu führen, daß die Kräfte unseres Werks die lügnerischen Dokumente und die Anschläge der uns feindlichen Behörden überwinden. Ob früher oder später — d e r S i e g w I r d k o m m e n J Erste un'd oberste Vorbedingung für den Sieg, jedoch1 ist, daßj inmitten des Kampfes, während des Verhängnisses, der Beeinträchtigungen; und der Attentate nicht für einen' Augenblick 'nur das schöpferische Werk 'des Aufbaues' un'd der Stärkung unserer Ansie'd'kin'gj 'Unterbrochen .wird. Unser politischer Kampf ist nicht vom den1 kolonisatorischen Realitäten unabhängig. Wie unsere kolonisatorische Position 'den' Kampf fördert, so dient dieser 'dem Kolonisationswerk. Eine neue Schich t im Bau verstärkt die Kraft unseres Vordringens un'd unsere Rechte. Und1 nur die nie unterbrochene un'd nie beirrte Tat gibt unserem politischen Kampf moralische' und' tatsächliche Stärke. Dies war stets die Grundauffassung der Arbeiterbewegung im Lahde. Durch' diese Auffassung, durch' ihren besonderen Sinn; für die Wirklichkeit und für die praktische Arbeit unterscheidet sich unsere Bewegung von anderen Strömungen im Zionismus; besonders von den Strömungen, die stets bereit sind, sich mit Illusionen zu befriedigen und ihr. zionistisches Gewissen1 lediglich' mit „Politik" zu beruhigen, Um diese unsere besondere Auffassung werden! wir mit aller Kraft auch auf diesem Kongreß zu kämpfen haben! Unserem Wege, den wifl seit je gegangen sind, getreu, wollen5 wir unseren ganzen Einfluß; dafür einsetzen, daß gerade in diesem Tagen der Prüfung im Zionismus 'die Richtung der kolonisatorischen Tat und des neuen1 Schaffens gestärkt wird, die die bestehenden Positionen; stärkt, neue errichtet, im Volk den Willen zum Werke, die chalirzisch'e' Hingabe und das Vertrauen auf seine schöpferische Kraft festigt. Mehr als eine Krisis hat unsere Bewegung, schon überstanden, von Uganda bis zu Passfields Weiß;- büch. Als Antwort auf die Bedrohung unseres Werkes durch Abdul Hamid kam die zweite Alijah, sie weckte neues Leben im Zionismus und brachte die realen Fortschritte,, die die Grundlage unserer politischen1 Errungenschaften sind. In diesem Geiste wird der Arbeiterflügel auf dem kommenden Kongreß wirken. Wir müssen denen: entgegentreten, die fähig sind, den Zionismus zu einer unfruchtbar-politischen Bewegung zu machen, die der Perspektive der Verwirklichung ermangelt; wir müssen verhindern, daß die reaktionären Kräfte im Zionismus das' Ruder er grei fen, die die Schwierigkeiten und die Stimmung'des Schmerzes und des Zorns der Massen ausnützen wollen, um die Herrschaft zu ergreifen und die Bewegung in eine ausweglose Verwirrung zu führen. Um diese Aufgabe auf dem Kongreß vollkommen erfüllen und hilfsbereite Kräfte außerhalb unseres Lagers, anfeuern und heranziehen! zu können, (müssen wir alle Teile unserer Bewegung si'kti V ier en, f ü r d i e V erb rei t u n g des S c hekels imd f ü r d ie Wa h 1 propagan da. 1 Wir sind heute keine Vereinzelten im Volke. Aus einem kleinen Häuflein ist ein stattliches Lager geworden. Die Hingabe und die schöpferische Leistung des Arbeiters Im Lande haben ihm das Vertrauen' 'der großen Massen des Volkes erworben. Sie erblicken in ihm ihren treuen Sendboteni Wir müssen da9 Vertrauen des zionistischen Wählers erweck.eii. Aufgabe unserer Ch'awerin ist' es [däfiier, mit Eifer zur Vergrößerung der' Zahl der Schekelzahler — der Kongreßwähler tätig zu seih. Mitglieder des Arbeiterflügels, bei euch liegt die Verantwortung für das Schicksal des Zionistenköngresses, der in dieser Zeit zusammentritt.-Tragt nicht 'durch Nachlässigkeit dazu bei; daß die Kraft der Schaffenden im Zionismus schwächer wird. Verstärkt eure Arbeit und -rüstet euch zum Kongreß! Im Namen des Arbeiterflügels im Zionistischen Aktionskomitee: Chäjim Arlosoroff, Berl Kaznelson S. Rapiansky, Joseph Sprinzak' London, Dezember 1930. ' ' Der Faschismus im Zionismus rüstet! Auch der wohlollendste Betrachter der zionistischsozialisierten Bewegung wird kaum behaupten kÖnnenl,! daß der Eifer der linksgerichteten zionistischen' Bünde | und Organisationen, durch1 eine gut durchgeführte Sch'ekelaktiou die Voraussetzung für einen Sieg des arbeitenden Palästina bei den Kon'greßiwahlen! tw schaffen, allzu stürmisch ist. Um so mehr ist die zionistische Reaktion bei der Sache: die Wiener Radikalen sind aus ihrer Weltorganisation: ausgetreten und bereiten ihre Verbindung mit den Revisionisten vor, jedenfalls ist es jetzt schon sicher,, daß sie im kommenden1 Wahlkampf mit den Revisionisten verbündet auftreten iWerden . Es mußi nicht erst bewiesen werden, daß sich die Reaktion durch' dieses Bündnis rein wahltech'nisch einen Vorteil sichert. Genossen und Genossinnen, Freunde des arbeitenden! Palästina! Wollt ihr es zulassen, daß in unserem roten Wien, dessen jüdische Bevölkerung am 9. November in Ihrer überwiegenden (Mehrheit rot gewählt hat, die Partei des Arb'eiterhasses, des blauweißen Antlmarxismus siegreich bleibe? Nein, Freunde, vor dieser Schande müssen wir das Wiener Judentum bewahren. Darum: Ihr dürft euch1 nicht begnügen, selbst 'den Schekel zu entrichten, ihr müßt'dafür Sorge tragen, daß jeder Freund des arbeitenden Palästina sich1 das Wahlrecht zum Kongreß erwerbe. Wenn wir so alle unsere Pflicht, die uns eigentlich innerstes Muß sein sollte, erfüllen' werden, dann Genossen müßte es mit dem Teufel zugehen, wenn wir zionistische Sozialisten nicht auch bei den nächsten Kongreßwahlen siegreich bleiben sollten! )Jüd. sozialdemokratische Arbeiterorg, Poale Zion Sekretariat: IL, Blumauergasse 1. Montag, den 22. Dezember 1930, um' 8 Uhr abends, im Festsaal „Bayrischer Hof", IL, Taborstraße 39. Borochow-Abend Aus dem Programm: J. Stutsch'ewsky: Vier jüd. Tanzstücke. Ravel: Toccata. Rameau-Jodowsky: Menuett. Chopin-Jodowsky: Babinage, Robert Spitz (Klavier). Ravel: Kaddisch. Jüd. und hebr. Volkslieder, Frau Maria Bernay (Gesang), am Klavier Edgar Eisenstädter. Gedenkrede: Dr. S. Sokal. Pause. G. Mahler: Lieder, Frau Maria Bernay (Gesang). A. Krein: Arie. E. Bloch: Improvisation „Nigun". J. Ach'ron: Tanz-Improvisation, Tsrael Brandmann (Violine), am Klavier R. Spitz. Rezitation. Kartenvorverkauf: Wien, IL, Blumauergasse 1. Entrichtet den Schekel! Der zionistische Jugendverband gegen den „jüdischen Arbeiter". Bei der Tagung des zionistischen Jugend Verbandes wurden dem versammelten Plenum mehrere vom „jugendrat" beschlossene Resolutionen! „vorgelesen" — was wohl nach Auffassung dieses Verbandes eine demokratische Willensbildung ist! Unter diesen Resolutionen finden wir auch die folgende: „Der Z. J. V. protestiert aufs schärfste gegen die Verleumdungen! des „Jüdischen Arbeiters" über den, Zionismüs-Revisionismus> und den Brith-Trumpeldör". Zu diesem Beschluß haben wir nur zu bemerken: Daß den zionistischen Hacken kreuzlern! unsere Aufklärungsarbeit über das Wesen und Wirken' ihrer Bewegung unangenehm ist, daß sie bemüht sind1, die wahrheitsgetreue Darstellung ihrer Rolle während! der, Augustgeschehnisse als Verleumdung! hinzustellen, verstehen wir vollauf. Daß ihnen' aber auch' die Vertreter der übrigem' zionistischen Jugendbünde (Erez- Israel, Zirenu) Schützenhilfe leisten1, beweist nur/daß) diese sieh mit Unrecht als „überparteilich" bezeichnen, daß! sie vielmehr immer mehr dem Einfluß der zionistischen Faschisten, der Todfeinde des arbeitenden sozialistischen Palästina, der Todfeinde der zionistischen Weltorganisation, erliegen. Max Pilzer. ' S. Kaplanski. Borochow in der Geschichte unserer Bewegung. (Anläßlich seines Todestages.) ' Ich habe versucht im Werke Borodhbws jene Teile seines Schaffens, die den Stempel 'der Ewigkeit' tragen, von jenen; die nur die Kinder ihrer Zeit sind und mit dieser vergehen, zu sondern'. Ich habe diesen Versuch aufgegeben. Denn als ich all das las, was Borochow vor mehr als zwanzig Jahren schrieb1, habe ich mich von' Neuem überzeugt, daß eine Reihe von Boroch'ows Gedanken, die uns damals — sogar vielleicht auch noch vor zehn Jahren — wirklichkeitsfremd erschienen und die wir als vorübergehenden Tribut des Denkers und Kämpfers zum Geiste seiner, Zeit und ziiti ihm notwendigen geistigen Auseinandersetzung beurteilten, — ich habe mich überzeugt, daß; sie später einen geradezu prophetischen Wert erhielten. Und wie zur Zeit von Borochows Tod, wo es zu früh war, ihn und sein historisches Werk zu würdigen, so ist' es auch1 heute noch nicht mö'gTichy da uns die nötige Distanz zu seiner geistigen Arbeit noch zu fehlen seheint, als daß', wir seiner Persönlichkeit und seiner Erscheinung in ihrer historischen! Bedeutung vollkommen gerecht werden könnten'. Wenn wir aber doch nach einer kurzen Formel' suchen, um das auszudrücken, was Borochow für uns und unsere Generation gewesen, so würde ich1 sagen', daß er der Forscher und Denker der erwachenden! Poale-Zion-Bewegung gewesen1 ist. Das Schicksal hat seinen Lebensfaden gerade in dem Zeitpunkt abgerissen1, wo wir art der Schwelle der Verwirklichung standen!. Doch wir können nicht entscheiden, ob seine oben charakterisierte Rolle das Resultat seiner Persönlichkeit oder das Resultat einer bestandenen Situation gewesen ist, in der Geschichte der.jüdisch-sozialistischen Bewegung aber wird Borochow auf jeden Fall einen zentralen Platz einnehmen'. In der Entstehung^ zeit der Welt-Bewegung Poale-Zion, in den 10 Jahren' des Suchens, der Differenzierung und Konzentration] der zerstreuten Kräfte aller Galuth-Länder, in'- den zehn Jahren der Organisierung des jüdischen Wertproletariats hatten wir zwei Persönlichkeiten, 'die'den1 wahren Gehalt dieser Zeit symbolisierten: den1 Geist der Revolte gegen die jüdische und soziale Wirklichkeit und den Geist der revolutionären1 Forschung. Wir würden dem Geiste des Verstorbenen1 untreu werden, wollten wir sein Werk kanonisieren, wollten!'' wir es mit einer Hülle von unantastbarer Heiligkeit" umgeben und all das, was Borochow gesagt und ge-1 schrieben, als ewige Wahrheit' erklären. Es ist klar, daß gleich uns auch die kömmenden Geschlechter der jüdischen sozialistischen Bewegung nicht nur voni Borochow lernen werden und seine Lehre gattwegs übernien-"

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