Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 23 (6.12.1930)
- Date
- 1930-12-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DeK jüdisch Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreic Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1XIII - Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: ganzjährig S 4.80, halbjährig S 2.50 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 23. Wien, 6. Dezember 1930. 7. Jahrgang. Zionisten Österreichs! Das Zionistische Aktionskomitee hat beschlossen, den Ziohistenkongreß für den Monat Februar einzuberufen. Die gegenwärtige Lage im Zionismus macht diesen Kongreß zu dem wichtigsten, in den! IetzteiT Jahreri; er ist von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Zionismus und den Aufbau Palästinas. Der durch1 den Angriff der englischen Regierung auf unser Recht hervorgerufene Proteststurm in der ganzen jüdischen Welt hat die Bedeutung einer schlagfertigen Organisation bewiesen. Wenn dieser Proteststurm' die englische Regierung zu einem Rückzug veranlaßt hat, welche Wirkung kann erst ein: von Millionen Juden1 beschickter Kongreß) ausüben'! Zionisten, sorget dafür, daß! der Kongreß zu einer machtvollen Kundgebung für ein jüdisches Palästina werde! Stärket und erweitert die Organisation! ' Der Schekel ist das Bekenntnis zum Zionismus und die Wahllegitimation zum Kongreß'. Die Landesschekelkommission hat den Monat Dezember für den Schekelmonat erklärt, und wendet sich an alle Zionisten mit 'der Aufforderung, sich in. den Dienst der Schekel kam pagne zu stellen. Verbreitet den Schekel, werbet neue Mitglieder für unsere Organisation! Das Einzige, das wir unseren Gegnern, entgegenstellen können, ist der unerschütterliche' Wille unseres Volkes für das Aufbauwerk Palästinas, und dieser Wille kann sich' nur in'einer starken und machtvollen zionistischen Organisation auswirken. Zionisten Oesterreichs! Gebet uns die Möglichkeit, daß auch wir auf dem im Februar stattfindenden Kongreß unsere Stimmen in; großer Zahl für die Sicherung des Aufbaues der jüdischen Heimstätte in Palästina erheben können. Auf zur Arbeit! 1 Zionistische Landessehekelkommissbn für Oesterreich. Entrichtet den Schekel! Der Monat Dezember, mit welchem eigentlich erst das neue Semester der Tätigkeit unserer Organisation beginnt, wird für das Schicksal unserer Bewegung, des zionistischen Sozialismus,, von entscheidender Bedeutung sein: sowohl im Bereiche der zionistischen Außenpolitik als auch' im Inmenb'ereiche des Zionismus selbst wird die Entscheidung über die zukünftige Gestaltung der zionistischen Arbeit, ihr Tempo und ihre Struktur fallen. Der Aufbau der öffentlich-rechtlich gesicherten jüdischem Heimstätte X in Erez Israel ist unser Ziel, und: keine Macht der Erde wird unseren Willen zu seiner Verwirklichung schwächen; es gilt aber Genossen uns dessen' bewußt zu sein, daß. es diesmal keine hohle Ph'rase ist, daß es in unserer Hand liegt, ob der Zionismus, so wie wir ihn verstehen, der Zionismus als der wichtigste Weg zur Lösung der integralen' Judenfrage, der politischen, kulturellen 'und wirtschaftlichen Judemnot eine Sache der fernsten Zukunft oder unserer Gegen' wart sein wird! Unsere Blicke sind in diesen Tagen und Wochen nach London gerichtet. Und mit Recht: denn wahrlich, nicht gering ist die Verantwortung, die dort auf den Führern der zionistischen Bewegung, die mit der britischen Regierung verhandeln, un'd unter welchen unsere Genossen dank ihrer tiefgründigen Sachkenntnis die Hauptlast der Arbeit zu tragen haben, ruht! Soll doch' eine neue Grundlage; für die Zusammenarbeit mit der englischem Regierung, die immer mehr von dem Weißbuch' ihres Lord Passfield abrückt, geschaffen werden, Ist nun diese politische Arbeit unabhängig von unserem Willen und unserer Tat, haben wir, die jüdischen Massem, keinen Einfluß auf den Verlauf jenes geistigen Kampfes in London, in dem es um Sein oder Nichtsein unseres Werkes als einer Aufgabe dieser Generation geht? Wer diese Frage bejaht, der hat aus den Ereignissen der letzten Wochen nichts gelernt. Was, fragen wir, hat denn bewirkt, daß diese stolze, weltbeherrschende englische Regierung, ungeachtet der Gefährdung ihres Prestiges — dieses Götzen der modernem Weltpolitik — sich1 immer wieder zu neuen, milderndem umd ab-, schwächenden Interpretationen gezwungen sieht, daß sie ihre h'errschäftsgewohnte Bürokratie mit dem Fluch der Lächerlichkeit beladet, ein staatsmännisches Dokument verfaßt zu haben, das eine halbe-Welt, das sogar die ersten britischen Rechtsgelehrten „Mißverstanden" haben, daß sie schließlich sich zu. Verhandlungen mit Vertretern des von ihr so1' schnöde behandelten Zionismus entschlossen hat? Dieses Wunder Freunde hat der jüdische Massen pro test bewirkt, jene unmißverständliche Willenskundgebung der Juden aller Klassen und Länder, für die Einhaltung der Verpflichtungen, die die britische Mandatarmacht auf sich genommen hat, einen, unnachgiebigen Kampf vor . allen internationalen Körperschaften! zu führen: England hat den heißen Atem unserer Bewegung gefühlt, und hat den Weg zum Kompromiß, beschritten. Geben wir uns aber keiner Illusion' hin1, es ist noch wenig erreicht: unser Ziel muß die Preisgabe des Weißbuches durch' die englische Regierung bleiben. Dieses Ziel kann aber nur im einem langwierigem und zähen Ringern unserer Unterhändler erreicht werden, die aber nur so viel Macht in diesem Kampfe einzusetzen ,häb'en, als ihnen die zionistische Weltorganisation gibt. Die zionistische Weltorganisation1, das ist die Gesamtheit der Schekelzahler, der Wähler des kommenden, im Februar stattfindenden Zionistenkongresses: von 'der Zahl derer, die das jüdische Weltparlament wählen werden, hängt unsere reale Kraft, die Nachgiebigkeit der so realpolitischem Arb'eiterregierung ab'. So ist »denn unser Schicksal im unsere Hand gegeben. Und die Konsequenz, die wir daraus zu ziehen haben? Der erste Monat unseres Arbeitssemesters muß, 'der Schekelaktiom gewidmet sein! Aber nicht nur wegen' der Wirkung nach außen gilt es mit aller Kraft die Schek'elaktion in den nächsten Wochen durchzuführen: von ihrem Ergebnis hängt nicht weniger als die Gestaltung der imnerzionistischen Machtverhältnisse, das heißt die politische Struktur der zionistischen Organisation ab'. Die Entscheidung im kommenden Wahlkampf wird bestimmend sein für den außenpolitischem und sozialpolitischen Kurs der zionistischen Organisation' 'innerhalb der Jewish Agency. Kürzlich hat nun; im „Dawar" Hugo Bergmann prophezeit, daß der erste Zionisten kongreßi nach' dem Augustereignissen eim Ko'mgreß der revisionistischen Mehrheit sein wird! Wißt Ihr Genossen, was eine Mehrheit der Revisionisten' bedeuten würde? Wißt Ihr was wir von den Anhängern jenes Nationalheros zu erwarten haben, der •mit dem Pogromisten Petljura, dem Mörder zehntausender Juden, paktieren wollte und der die jüdische Arbeiterorganisation als ein das öffentliche Leben des Jischuw vergiftendes Element zu bezeichnen wagte? Habt Ihr Freunde Phantasie genug, Euch vorzustellen, wohin jene das zionistische Schiff lenken^ würden, die durch ihrem Disziplinbruch am den blutigen Ereignissen mitschuldig geworden sind, die in Prag die Zertrümmerung der zionistischen Organisation und der Histadruth proklamiert haben, die in Erez Israel die Methoden der europäischen Gelben importieren, umd die, um auch ihre neueste Infamie noch zu nennen, nach dem Zeugnis eines Mitgliedes1 der zionistischen Exekutive die Zurückziehung des Weißbuches durch ihren Disziplinbruch1 absolut unmöglich gemacjit haben? Es wird die Aufgabe des allweltlichen zionistischen Proletariates sein, den Sieg der Revisionisten zu verhim dem, die — um unseres Werkes in! Erez willen — die hoffnungslose Minorität bleiben müssen, die sie bisher waren! Auch wir Wiener Poale-Zionisten! und mit uns alle, die in Oesterreich für das arbeitende Erez Israel wirken, sich zu seinen Prinzipien bekennen, müssen in diesem Entscheidungskampfe unsere Aufgabe erfüllen. Unser Ziel muß. sein: der Zionismus des rotem Wien darf zum Kongreß, keinen faschistischen De* legierten entsenden, wobei nicht erst bemerkt werden muß, daß auch die radikalen 'Zionisten mit Robert Stricker an der Spitze, wenn auch formell keine Revisionisten, diesen doch voll und ganz zuzurechnen sind. Und wahrlich, auch dieses Persönliche muß gesagt werden: den Weltzionismus von Ro^ b'ert Stricker, der es zu semer Lebensaufgabe gerfiächt hat, bei zionistischem Tagungen, dem Präsidenten. Weizmamm zu provozieren, von ihm, der -r-; den' Ernst der Lage verkennend — die objektiven Sch'wie-1 rigkeiten des Zionismus, den Führern der Bewegung, als persönliche Schuld "zurechnet, zu befreiem, das. wäre eine zionistische Tat, die zur•" Hebung; des. politischen Niveaus unserer Gesamtbewegurig beitragen •würde! Machen wir uns Chaverim un'd Ch'averot keine Illusionen: es wird nicht leicht sein, unser im letzten Wahlkampf erobertes Mandat zu halten.. Im umverständlicher Hartnäckigkeit hat sich die zionistische Exekutive geweigert, die Forderung nach Ermäßigungdes Schekels zu erfüllen, und es wird unseren, Genossen, deren materielle Leistungsfähigkeit wahrlich1genugin Anspruch genommen wird, schwer fallen1,'- den Schekel zu entrichten und sich das Wahlrecht zu erwerben. Wir appellieren an alle unsere Freunde, sie mögen nun. auch dieses Opfer bringen1, damit, sie am Tage der Wahl der zionistischem. Reaktion eine Niederlage bereiten können:. Schwer ist die Ar-; b'eit, die uns bevorsteht: wenn sich1 aber alle..zionistisch-sozialistischen Gruppen zu gemeinsamer.: Arbeit vereinigen werden, dann1 muß es ums'. gelingen1, aus dem rotem Wien eine in ihrer Mehrheit rote Delegation zum Zionistenkongreß .zu entsenden! : \ Zeitnotizen. Auf Irxwegem. Es ist kein Wunder, daß im der schwierigen Situation, in der sich unsere Bewegung gegenwärtig befindet, immer wieder ein Ausweg, aus derselben gesucht wird. Der ^Dawar" — das Zemtralorgam der palästimemsischen Arbeiterbewegung — hat mumi kürz-... lieh eine Erneuerung der politischen Konzeption des Zionismus vorgeschlagen: es wird nicht weniger und; nicht mehr verlangt, als die Errichtung einer hindu-_ istisch-jü'dischem Front, die gegen die anglio-moh'amedanische Front gerichtet sein soll. Es braucht nicht bewiesen zu werden, daß diese Forderung Ausdruck einer völligem sachlichem Desorientierung ist: glauben die Genossen vom „Dawar" wirklich', daß es möglich ist, ein unabhängiges Indien zu fordern und gleichzeitig ein Parlament für Palästina abzulehnen? Was uns aber am' dieser Forderung unserer Freunde beunruhigt, ist, daß sie SympK tom einer Einstellung ist, die den jüdisch-mrohamedanischen Gegensatz als dauerndes Element der Welt-. Politik betrachtet. Und das wäre wohl eine verhängnisvolle, unser Werk schlechthin bedrohende Auffassung, da sie implicite den Verzicht -auf jede Bemühung zu einer Verständigung mit dem arabischen Volke zu kommen, bedeutet. Gewiß Genossen vom „Dawar", ihr habt Recht, wenn ihr es als dem Grundfehler der zionistischen Politik bezeichnet, daß sie ihre Aktivität auf den Westen, auf London, Genf, Paris und Rom konzentriert hat: aber ihr irrt, wenn ihr glaubt, daß das Heil von Bombay kommen wird Warum Freunde in die Weite schweifen', wenn' das Notwendige nahe liegt? Nicht im fernen Osten1, mein', im Lande selbst umd im dem' arabischem Staaten! hat THe Außenpolitik des jüdischem Volkes ihren natürlichen Standort. Fordert die Errichtung politischer Exposituren der zionistischem Organisation, aber nicht im Bombay, sondern in dem Hauptstädtern der arabischem Nachbarstaaten! Mußl das.sein? In einem Bericht der „Arbeiter-Zeitung" lesen1 wir folgende interessante Bemerkung: „Die Absicht, die bef der Stillegung des Betriebes entlassenen Arbeiterinnen und Arbeiter durch ein. „asiatisches" Manöver — Eigentümer des Betriebes ist der Herr Mandl — dem Herrn Prasch und seinen1 Gelben in die Arme zu treiben1, ist mißglückt." Herr Starhemberg, hat also Schule gemacht; die „Arbeiter-Zeitung" ist die gelehrige Schülerin, und' verwendet das Wort asiatisch, das heißt natürlich1 jüdisch — Eigentümer des Betriebes ist Herr Mandl — im Sinne von! verwerflich. Herr . Starhemb'erg fce* zeichnet Genossen Breitner als Asiaten, die A. Z, Herrn Mandl: der Unterschied ist nur eim reim formaler, denn der Asiate, das heißt Jude* ist für beids .