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Der Jüdische Arbeiter · 1930-11-06 · Heft 21 (6.11.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 21 (6.11.1930)
Date
1930-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Der jadische Arbeiter, Samstag, flen 8. November 1930: Wahlaufmarsdi, Viertel 5 Uhr Blumauergasse 1 Der Chawer in? der Kwuzafr und im Kibb'uz spricht gerne über den Mesch'ek, zeigt' dir alles, erklärt dir dies und jenes, erzählt dir von dem, wie all das früher einmal und vor gar nicht langer Zeit ausgesehen hat, wo heute Baumalleen stehen und ein stilles Bächlein! dahinfließt, erzählt dir von den Plänen der nahen und fernen Zukunft und aus allem spricht ein freudiger, befriedigter Stolz, Hinweis auf das Eigene, auf das Vollbrachte. Und nicht nur dir, dem Gleichgesinnten, dem Chawer einer anderen Plugah', vereint im gemeinsamen Ziele, erzählt er all das, — jedem, der es hören will, der es verstehen will, — auch den Simpsons und den Sh'iels. Aber die Shiels wollen es nicht hören, sie haben! nichts gelernt. Sie kommen mach1 Palästina, um vorgefaßte Meinungen bestätigt zu finden', sie kommen', :um: programmäßig Viorgiesehen.es zu absolvieren'. Aber der jüdische Arbeiter ist deshalb wicht verzagt. Mit einem Lächeln geht er über die Shiels' hinweg, — er kennt seinen' eigenen Weg, er kennt' seine eigene Kraft. Ich habe im Europa nie solche frohe Arbeitergesichter gesehen. Der jüdische Arbeiter weiß auch, daß eine starke, ihres Weges sich bewußte Jugend in allen Ländern' der Galuth darauf, wartet, nach1 Erez-Israel zu kommen, um hier als Arbeiter zu leben, als solche Arbeiter, wie er einer ist. Weiß diese Jugend, worum es in Erez-Israel geht? — Das Ruttenbergwerk geht seiner Vollendung, entgegen'; in einer ganz kurzem Zeit wird es' im Betrieb! gesetzt werden. Dieses Werk ist' ein mächtiger Ausdruck des schöpferischen Willens des Jischuws, es ist ein Werk, das mit dem größten: Anlagern in Europa! konkurrieren konnte. Was hier vollbracht wurde, ist im jeder Hinsicht kolossal. Ich habe nicht die Absicht, eine Beschreibung der einzelnem Abschnitte des Werkes zu geben,, noch seine Entstehungsgeschichte! und seine Entwicklung z!u veranschaulichen, — darüber muß ein eigenes Buch' geschrieben: werden1,, dieses müßte die Bedeutung des Ruttenbergwerkes1 würdigen. Die Anlagen des Ruttenbergwerkes haben' ein großes Stück neue palästinensische Landschaft geschaffen, nicht nur, daß der Lauf des Jardem verändert wurde, der Jarmuk ganz „mutwillig" auf einer weiten Strecke einfach ausgelöscht ist, erheben! sich auf der Anhöhe die Häuschen der Beamten und Arbeiter, :un'd in der Mitte das große weiße Verwaltungsgebäude. Gärten und Alleen werden' in: einer kurzen Zeit das Bild vervollständigen. Die Abhänge; zum breitem Sammelbecken werden terrassenförmig! angelegt sein', Gondelfah'rten in denl Viollm'ondnächtenj Palästinas den Zauber Venedigs im den Emek Hajardenj herüberbringen. Der Name Ruttenb'erg wird im Lande viel genannt 'und mit einem gewissen Stolz jieniriem ihn auchi die Arbeiter. Ruttenb'erg hat in seinem Unternehmen: ein" leuchtendes Beispiel gegeben, wiö auch' ein Arbeitgeber sich' zu seinem „Untergebenen" verhalten! soll. Nicht nur, daß ungemein hohe Löhne erzielt wurden — man erzielte gar nicht selten TaglÖhhej von 90 Piastern bis 1 Pfund — das Verhältnis als' solches vom' Arbeitsleiter, vom leitenden Ingenieur' zum Fach- und Schwarzarbeiter war ein im bestem Sinne des Wortes ch'awerisCh'es, kollegiales. Achtstundentag, 100 Prozent organisierte Arbeit, sanitäre Einrichtungen, Vorrichtungen, die Unfälle auf ein Mindestmaß reduzierten, — all das waren Selbstverständlichkeiten, über die gar nicht gesprochen wurde. Zwei Kibuzim und eine Kwuzah (der russische Kibuz, der lettländische Kibuz und die KwuzaW Gescher) übernahmen ganze Arbeitspartien, die Wäscherei, die von der Verwaltung modern eingerichtet wurde, ging in die eigene Verwaltung der Kwuzaft Gescher über, Kooperative Küche;usw. — die Arbeiter sind auf ihr Werk, als das sie die Anlage bezeichnen, stolz. Ruttenb'erg hat auch ein Bespiel davon gegeben, daß man jüdische Arbelfer beschäftigen kann, ohne zu der billigen arabischen zu greifen (es werden Übrigems auch arabische Arbeiter beschäftigt, ihr Mindestlohn' ist 15 Piaster) und wie man letztens hört, hat er die jüdischem „Pardessanten" zu einer Sitzung zusammengerufen, um sie zu veranlassen, jüdische Arbeiter im einer größeren Zahl als bisher zu beschäftigen. Ob seine Bemühungen Erfolg haben werden', weiß man nicht, es ist mehr als zweifelhaft. Ruttenberg ist zu einer zentralen Figur' des Jischuw geworden. Mit der Vollendung des Werkes werden eine; große Zahl von den jüdischem Arbeitern arbeitslos' werden. Die Erwartungen, die man! an den Beginn der Arbeiten am Toten Meer geknüpft hat, scheinen sich nicht zu erfüllen. Wohl ist dort schon jetzt eine gewisse Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigt, doch scheinen „höhere" Kräfte am Werke zu sein, die die' Zahl der jüdischen Arbeiter von vornherein beschränken; wollen, — man spricht sogar vom einem persönlichen Einspruch des Oberkommissärs, der aus politischen (!) Gründen die Beschäftigung! einer größeren) Zahl arabischer Arbeiter gefordert haben soll, — wie dem auch immer sei, die Arbeiten am Toten Meer, die nun doch begonnen wurden, sie haben dem jüdischem Arbeiter nicht die Positionen geschaffen, wie das Ruttenbergwerk. Aber sie haben nichtsdestoweniger eine große wirtschaftliche Bedeutung, die natürlich mit der Zeit immer größer werden wird. Man erwartet, daß sich' die Ruttenbergarbeiter im Haifa konzentrieren werden und befürchtet daher,. daß eine gewisse Arbeitslosigkeit im der nächsten Zeit sich gerade dort bemerkbar machen wird. Haifa,' wird jedenfalls zu einem immer bedeutenderen Faktor im Palästina und zu einem wichtigem Zentrum der Arbeiterbewegung. In dieser Situation ist der Ruf, nach dem' nationalen Kapital stärker, denn je. Man hat errechnet, daß, wenn das nationale Kapital eine gewisse Zahl von jüdischen Arbeitern beschäftigt (etwa 900, — diese Zahl ist basiert auf der tatsächlich vorhandenen Arbeit, die nur aus Mangel an Geld nicht in Artgriff genommen werden kann: z. B. das Haus der Zionistischen Organisation, des K. H. und der Jewish agency), so ist für die, doppelte und dreifache Zahl Arbeit da, wobei gar nicht berücksichtigt ist, daß die landwirtschaftlichen Siedlungen immer und besonders auch' jetzt am einem Mangel am Menschen leiden. Doch die Juden desi Auslandes scheinen die Aufgaben der Stunde zu verkennen! und, statt alle Kräfte anzuspannen, um das nationale Kapital zu vergrößern, konzentrieren sie ihre Aufmerksamkeit auf politische Diskussionen und den Streit der Parteien1. ____ Js. Die Blutschuld der Revisionisten. Befar, Betar hüraj! Der Ever Hajarden muß sein! Der Araber mag' schießen, Das Blut verfließen: " Der Ever Hajarden muß sein! Bundeslied des Trumpeldar. Die neue Welt, das Blatt der durchaus revisionistisch-orientierten Wiener „radikalen Ziomisten" hat anläßlich des Kongresses für das arbeitende Palästina einen Artikel veröffentlicht, der, was seine Gehässigkeit anbelangt, woh'l alles übertrifft, was je von Arbeiterfeinden geschrieben wurde. Vor allem knüpft das Blatt des 'Herrn Stricker am einem im-' „Abend" von uns veröffentlichten Artikel, am, und zitiert aus diesem einen Absatz, in welchem! wir die Mitsc K u 1 d der R e v i s i o nisten an dem Augustereignissen: festgestellt haben. Einige Zeilen' später maCh't der Verfasser aus der Mitschuld der Revisionisten — die Schuld der Ziiiomisten. Wir wissen nicht, ob1 sich' der Herausgeber der neuen Welt aus seinem bessern Tagen1 das Gefühl dafür bewahrt hat,, wie n i e d r i g eine solche Kampfesweise ist; für wie beschränkt muß! er aber seine Leser halten, wenn er glaubt, daß sie diesen Dreh nicht durchschauen! Der Zweck dieser polemischen, Methode ist aber offenbar: man will es vertuschen, daß unter dem Faktoren, die zu den blutigem EreigmisT sen geführt haben, der revisionistischen! Taktik ein wichtiger Platz zukommt. Das! aber wird dem Herren nie und nimmer gelingen! Ihre Spekulation auf die Vergeßlichkeit der jüdischen Massen wird fehlgehen, wir werden: .schon dafür sorgen', daß es nie aus dem Gedächtnis des jüdischen Volkes schwinde, daß es die Revisionisten waren, die, wie ein einwandfreier Zeuge und einer der schärfsten Gegner des Brith'-Schälom, Genosse Beilinsohm festgestellt! hat, eine provokatorische Rolle zugunsten der Feinde des Jisch'uv erfüllten, die.durch1 schreierische Uebertreibung einen Teil des Jisch'uv zu einer übertrieb benen Erregung gebracht haben1, die durch ihre klägliche Demonsrtation vom 9. Ab der antisemitischen* Beamtenschaft einen Vorwand gaben, eine arabische! Demonstration zu. erlauben, und die schließlich das! Begräbnis d'es ermordeten MIsrachi zu einer Demonstration ausnützten, die in jenen1 erregten: Tagen zur Verschärfung der Gegensätze so außerordentlich' viel beigetragen hat. Die Mitschuld .der Revisionisten an1 den blutigen Ereignissen im Lande isj eine geschichtlich' erwiesene Tatsache* an der nicht zu rütteln ist. Und keine Verleumdung wird uns hindern, der jüdischem Jugend immer, wieder zu sagen, daß das Bekenntnis zum Revisionismus dem Bekenntnis zu einer Organisation gleichkommt, die — abgesehen von ihrer Arbeiterfeiridsc'häft — mit den arabischen Effendis, mit dem Mufti die Verantwortung für das Blut der Opfer der Augusttage trägt. M. P. Druckfehler. Nummer 20, Seite2, 3. Spalte, Zeile 18 von unten: statt mißbilligt: gebilligt. Bibliöthekstun'den: Montag und Donnerstag 7 bis 9 Uhr. Schalom Asch, der Dichter des jüdischen Proletariats. Zu seinem 50. Geburtstag. Der Dichter, der wie keim anderer Repräsentant der jüdischem Literatur mit dem sozialem Geschehen seiner Zeit aufs tiefste verbunden ist, wird es uns verzeihen, wenn wir im einer Zeit, da der Kampf gegen den Faschismus seinen Höhepunkt erreicht hat, da der zionistische Sozialismus aufs schwerste bedroht ist, nicht irm Besitze jener innerem Ruhe sind, die -notwendig wäre, um eine! Gesamtdarstellung seines' Werkes und dessen Bedeutung für die jüdische Literatur zu geben. Nur auf einen Ausschnitt aus der Schöpfung Schalom- Asch's soll heute die Aufmerksamkeit unserer Freunde gelenkt werden: wir wollen Asch als unseren Dichter, den Dichter des jüdischen Proletariats feiern! Nicht immer war das jüdische Proletariat der zentrale Gegenstand der Dichtkunst Schalom Asch's. Gewiß: niemals hat in Asch's Werken das soziale Motiv gefehlt, aber am Anfang seines Schaffens wati es das Lebern der Armut, des jüdischem' Luftmenschemtums, die er gleich Mendele und Schalom Alejehern; künstlerisch' gestaltet hat. Erst sein tieferes Eindringen! in das. jüdische .Leben, seine Berührung mit dem1 jüdischen Proletariat in Amerika hat ihm die Augen! geöffnet und ihm den Weg zum jüdischen! Proletariat gewiesen. Schalom Asch, der Dichter des jüdischen Pro^. letariats, er tritt uns als solcher in seinem bedeutendstem Werken entgegen. Denkt .Freunde nur an] „Onkel Moses", jenen Roman1, der im so un'erreich'Ü lebendiger Weise die Proletarisierung der jüdischen! Emigration in Amerika schildert, erinnert Euch des im „J. A." abgedrucktem Kapitels ,,die Kusminer"^ das das Erwachen jüdisch-proletarischen Klassenbe-J wußtseins wirklichkeitsnah wie noch nie zuvor künstlerisch zum Ausdruck bringt! Denkt an „Warschau",, welcher Roman vom Leben und Kämpfen des jüdischem Proletariats erfüllt ist, erinnert euch an das im 'J. A. abgedruckte Kapitel „der 1. Mai", jenes' proletarische Heldengedicht in Prosa! Schalom' Asch hat die spezifische Not des jüdischen' Proletariats erfaßt: nicht zufällig ist es, daß Mirkin — die zentrale Gestalt der Trilogie „Vor der Sintflut" — dem Kampf um das Recht auf Arbeit als die Aufgabe) der jüdischen Arbeiterbewegung erkennt, daß) es ihn' selbst in Zeiten des Chiliasm'us der Oktoberrevolution! immer an die jüdische Front, die Front des größten] Elends zieht! In dem Aufstieg Schalom Asch's vom' Dichter des jüdischen Städtchens zum Dichter des jüdischen Proletariats spiegelt sich der Produktivierungsprozeß im jüdischen Leben wieder. AueW an der realem Wirklichkeit dieses historischen Geschehens in allen seinlen! Formen nimmt Asch lebendigem Anteil. Das arbeitende! Erez Israel hat im Schalom Asch einen treuem Freund : er hat die Vertretung der polnischem Liga inl der Agency übernommen, und auch dem Weltkongreß! miteimberufem. Und erst vor einigen! Tagen hat der Dichter'seinem Schmerz über den politischem Schlag,, der ums getroffen' hat, im schönem Wörtern am die Wiener Protestversammlung Ausdruck verliehen! Der Dichter, der in so hohem' Grade mit seinem: Volke lebt, muß es sich gefallen lassen, daß das Volk seine, persönlichen Feste als Volksfeste feiert. Wir, das dankbare Volk grüßen ihn am heutigen) Tage, und wünschen ihm noch' viele Jahrzehnte frohen' Schaffens. M. T. Lebens versicherungs*»Gesell s ch af t PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Veraicherungsbestand per Mitte 1930; 8 2,450,000.000'- Garantlemittel Ende 1929: 8 300.000.ooo»— . Prämien-und Zinsen einnahmen im Jahre 1929: 8 12.^,000.000 - Auszahlungen an die Versicherten im Jahie 1929: 8 30 SOO.OOO'— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland,Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früher er BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^Aktien* Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel/ Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Franz Lustig, Elektromonteur, Wien, VI., Stiegeng. 16. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr. 52b.

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