Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 19 (1.10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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^Seite 4. Der jüdische Arbeiter lind in letzter Stunde die Sinn- und Erfolglosigkeit seiner Bestrebungen erkennt und schließlich in der amerikanischen Generation Artur Levy die Hauptperson des Romanes. Artur Levy leidet von Kindheit auf unter dem leisen aber zähen Druck des jüdischen Minderwertigkeitsgefühls. Als er sich später eingehend mit Freud und Adler beschäftigt, versucht er festzustellen, wann das Bewußtsein des Judentums in ihm erwacht ist. Vergebens. Ihm ist, als ob es immer schon vorhanden gewesen wäre. Dunkel erinnert er sich, wie er in seiner frühesten Kindheit ein antisemitisches Schimpfwort, das ihm sein kleiner Spielkamerad zurief und daß er nie zuvor gehört hatte, mit schamvollem und schmerzlichem Schrecken sofort verstand. >. Heranwachsend sieht er bei vielem seiner Volksgenossen die stärksten Auswüchse des jüdischen Minderwertigkeitsgefühls, die molluskenhaft weiche, rückgratlose Anpassungswut des Assimilantentums, die erbärmliche Verzweiflung über den häufigen gesellschaftlichen Boykott, mit welchem Amerika den Juden begegnet, die fortwährende gehetzte Flucht vor dem eigenen Volkstum. Artur selbst, der durch seine starke und kritische Geistigkeit vor einer vollständigen Nachahmung der sklavischen Haltung dieser Leute hinlänglich geschützt ist, hat doch eine innere Abneigung . gegen alles ausgeprägt und spezifisch Jüdische mit ihnen gemeinsam. Die Volkssolidarität, deren Notwendigkeit sein Vater, der gutbürgerliche Kaufmann, ihm vergebens klarzumachen versucht hat, bricht erst damals elementar aus ihm hervor, laJ.s er bei seiner Spitalspraxis zum erstenmal wirkliches jüdisches Elend kennen lernt. Der zweite Teil des Romans; schildert seine Ehe mit einer Arierin, einem rührend1 sympathischen Typus von moderner Frau, ehrlich, klar und gradlinig bis zur Unbedin'gtheit. Trotzdem scheitert die Ehe an der tief im Blute verwurzelten Verschiedenheit der beiden Menschen. Fast wie ein Mythos erscheint plötzlich der Gelehrte Reb Mosche, in dem sich noch einmal alle Tradition und uralt ausgebildete Kultur des Judentums verkörpert, un'd führt Artur Levy nach dem Osten zurück, wieder zurück in die Länder der jüdischen Massen u|nd des jüdischen Elends, wo die Geschichte seiner Familie begonnen hat. So weit der Roman. Bei all seiner gedanklichen und gestaltenden Schönheit wird doch1 dem Leser, :der im Zionismus und besonders dem, welcher im proletarischen Zionismus steht, sein großer Mangel bemerkbar: Der tiefe Pessimismus, welchen das jüdische Minderwertigkeitsgefühl, anstatt es als einen nervösen Irrtum zu entlarven, im Grunde voll und ganz anerkennt. Dem schließt sich die völlig unrichtige Vorstellung an, als ob ein volles Bekenntnis zum Judentum mit dem Bekenntnis zu Tradition und Konservatismus untrennbar verbunden wäre. Und hier liegt die große Fehlerquelle: Lewis o h'n kan n s i c h1 b e i m f o r t g e s c h r i 11 e n e n. Menschen : kein volles jüdisches S elbstbew^uMsein vorste 11 en. Er kennt n oc 1t nich t d as neue Selbst b e w u ß t s e i n des m o d e r n e n Jude ntums. Klara Blum. schaft, welche mit Hilfe der betreffenden Waadim die Beschlüsse zur "Verwirklichung bringt. Die Aufgaben des Wirtschaftswaad (Waadah kalkalit) sind: die Ausarbeitung des Speisezettels, die" Beschaffung, Aufnahme und Verwahrung cles Proviants, die Leitung der Küche und die Organisation der Verpflegung. Die Tätigkeit cles A r be i t s w a a d s (Sidur Awo darr) erstreckt sich auf: die Einteilung der Arbeit (Scheunen- und Lagerdienst, Bestimmung der Bereitschaft, jeweilige Besorgungen, Reparaturen, Arbeiten usw.). In das Gebiet des Sportwaad fällt das Frühmorgen-Turnen, die Wanderungen, Spaziergänge und Touren (Beratung und Leitung), die Sportausübung (Leichtathletik, Schwimmen usw.) und die Sportfeste. Der Kulturwaad bringt Vorschläge für die allgemeine geistige Beschäftigung (Sichoth, Kurse, Arbeitsgemeinschaften; Seminare, Hebräisch Unterricht usw.), die . .„Sprechende Zeitung", die Wandzeitung und verwaltet die Bibliothek. Das geistige Programm war sehr reichhaltig, es kamen durchschnittlich auf zwei Tage drei Sichoth. Es wurde außer von unseren; eigenen Leutn auch noch von unseren Gästen Galiii und1 Israel (vom Kibbuk Russi in Kinereth) bestritten. Die Sichoth erstreckten sich hauptsächlich auf folgende Gebietsgruppen: Soziale Entwicklung des jüdischen Volkes, Assimilation, Gesetze und Wirkungen; jüdische Arbeiterbewegung; Probleme der jüdischen Arbeiterschaft; Fragen des Palästinaaufbaues; Chaluziuth; die Entwicklung der Kwuzah'; die Kibbuzbewegung, ideologische Grundlagen und Streitfragen; Tagesfragen; Araberfrage; der Sozialismus in der Antike und seine Entwicklung; Erziehungsfragen; Berufsfragen und -beratung; psychologische Probleme usw. Der G es u n d h e i t s w a a cl (Waadah habriuth) sorgte für: die Erste Hilfe, die Ambulanz, die Apotheke, die Krankenpflege und für die allgemeinen gesundheitlichen Maßregeln. Der Waa'd h a n es c h a f i m schlägt vor und sorgt für die Feste und Feierungen (Orag Schabathum), Aufführungen, Singabende, Empfänge usw. Die Vorbereitungen für die Arbeit der Waadim beginnt natürlich bereits in Wien. Die Waadim haben über ihre Arbeit Buch.zu führen, welches gemeinsam mit dem Tagebuch der Moschawah die Grundlage für den Din wacheschbon der Moschawah bilden soll. Auf dieser Moschawah, an der, 85 Jugendliche (mit Gästen mit vorübergehendem Aufenthalt sogar 96) teilnahmen und wovon etwa ein Drittel Mädchen waren, haben wir reiche Erfahrungen gesammelt, die uns für die nächsten MoschawatW und auch für, die kommende Bundesarbeit zunutze kommen wird. Aber darüber ein anderes Mal. A. Amadi. Am 18. Oktober findet die Generalversammlung, unserer Organisation statt. Jugendbewegung. Das Sommerlager des Mischmar Haowdim. Nach wochenlan'gen eifrigen Vorbereitungen in Wien begann mit der, Abreise der ersten Gruppe anfangs Juli die Moscfrawa, welche sich' in; Land! bei Groß-Reifling "befand. Die frohen Mienen' umd die fröhliche Stimmung aller Ch'awerim un'd Chaweroth bekundeten, daß; sie den kommenden' Wochen des Zusammenlebens und der gemeinsamen1 Arbeit' freudig entgegensehen. Die Moschawah' hat auch1 tatsächlich alle Hoffnungen erfüllt und sie wurde erfolgreich abgeschlossen. Während des Aufenthaltes in der frischen, klaren Gebirgsluft schöpften die Jugendlichen neue Kräfte für die kommende Arbeit. Durch Sport und Wanderung, wurde die Gesundheit gekräftigt, durch das gemeinsame Erlebnis die Gemeinschaft gefestigt und durch Sichoth ^und Diskussionen das Wissen bereichert und die Denkwerkzeuge geschärft. Allgemein wurde die besonders gute ,Kost anerkannt, welche das leibliche Wohl sicherte (und durchschnittlich gegen 2 kg, maximal 6 kg Gewichtszunahmen mit sich brachte). Die Organisation der Moschawah war anders als sonst auf Moschawoth üblich1 ist, und sie hat sich günstig bewährt, so daß sie auch Grundlage für eine Aenderung, der Organisationsform im Bund bilden wird. Alle Moschawahmitglieder wählten beratende Ausschüsse, die „Waadim", und zwar folgende; 1. Wirtschaftswaad, 2. Arbeitswaad,3. Sportwaad, 4/ Kulturwaad, 5. Gesundheitswaad, 6. Neschafimwaad. Jeder dieser Waadim arbeitet auf seinem Gebiet besondere Vorschläge aus und entsendet einen Vertreter in die Moazah (an1 welcher auch1 alle Führer teilnehmen), die die beschließende Instanz ist, und in welcher die Wochenprogramme endgültig beschlossen werden. Die Lagerleitung ist die a u s f ü h r e n d e Körper- Die Spaltung der Haschomer- Hazair. Kommunique. Vom 7. bis 13. September 'fand in Vrutky (C. S. R.) die 3, Weltkonferenz 'des Haschomer Hazair statt. Der Haschomer Hazair ist [gegenwärtig sowohl quantitativ als auch der Bedeutung Inach der wichtigste jüdische Jugendb'und. Er -zählte zur Zeit der Konferenz etwa 38.000 Mitglieder. In den' verschiedenen Schornmer-Kibbüzim in Erez-Israel sind etwa 1300 Chawerim. Seine wichtigsten Erfolge sind auf dem Gebiete der Erziehung zu verzeichnen; er hat ein ausgebautes. Jugenderziehungssystem, und er ist auch der einzige Jugenld'bundTn der Gallith, dem eine vollkommene Hebraisierung gelang. ' .Aber gleichzeitig mit dem Wachstum und Erstarken 'der Bewegung wuchsen1 und entwickelten sich auch 'die inneren Gegensätze, die auf der Konferenz in Krutky zur Spaltung der Weltorganisation1 führten. Die Majorität der Sehomer-Kibbuzim schuf im Jahre 1927 den Kibbuz arzi' des Haschomer Hazair, der im Gegensatz zur übrigen..kibbuzistischen Bewegung und vor allem zum' Kibbuz meuchad (Vereinigter Kibbuz) nicht nur eine oekonomisch-soziale und gesellschaftlich-kulturelle Einheit darstellt, sondern auch ein selbständiger politischer Faktor ist. Der Kibbuz arzi führte 'die Schomerbewegung in politischer Hinsichf zur Isolierung von der übrigen Arbeiterschaft, ,er trat in Opposition! zur Vereinigten Arbeiterpartei, der Miphlegeth Poalim Erez Jisrael, welcher er Opportunismus vorwirft. Er lehnt die 2. Internationale, welcher die Vereinigte Arbeiterpartei angehört, ab und-.gibt gegen die Partei die Parole der stärkeren Betonung des Klassenkampfes und der gemeinsamen Organisierung mit dem arabischen Arbeiter (Irgun meschutaf) heraus. Er erklärte sich1 auch eindeutig gegen die Parole der lOpprozentigen jüdischen Arbeit in den privaten Pflanzungskolonien. Wir, die Minorität in der Schomerbewegung, konnten diesen Weg nicht mitmachen'. Wir sehen in dieser Absonderung von der übrigen Arbeiterschaft eine nationale und soziale Gefahr und, trotz aller Klassenkampfparolen, eine Schwächung des realen Klassenkampfes des jüdischen Arbeiters in Erez Jisrael. Wir erachten die politische Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Arbeiterklasse für eine unerläßliche Voraussetzung ihres Erfolges und bejahen darum die Vereinigte Arbeiterpartei. Wir erachten ebenso die Spaltung der kibbuzistischen Bewegung für, eine schwere Schädigung unseres kollektivistischen Wer-f kes und sind darum stets für die Vereinigung de| Schomer-Kibbüzim mit dem Kibbuz'meuchad, Unter] Wahrung einer gesellschaftlichen. Autonomie der Sehomer-Kibbuzim eingetreten. Der Kibbuz arzi hat diese unsere Tendenz stets^ bekämpft. Gruppen des Kibbuz arzi, die sich' nach, der Vereinigung der beiden Arbeiterparteien der Vereinigten Partei anschlössen, wurden, aus dem Kibbuz arzi ausgeschlossen. Die Konferenz in Vrutky zeigte uns, daß der Kibbuz arzi' gewillt ist, die Spaltung weiter aufrecht zu erhalten. Aus dem Munde seines Führers hörten wir die seltsame Theorie, daß: eine Einheit der Arbeiterklasse erst nach der sozialen Revolution möglich sei, bis dahin müsse es Spaltungen geben. Die Gegensätze zwischen der Majorität und Minorität in der Sehomerbewegung prallten schon auf der 2. Weltkonferenz in Danzig aufeinander, doch wurde damals die Lösung: gefunden, daßi die Weltkonferenz den Kibbuz arzi zwar als die wichtigste, aber nicht als die einzige Fortsetzung der Schomerbewegung in Erez Jisrael erklärte. Wir wollten auch jetzt keine Spaltung, da wir wissen, weich1 schwere Schädigung heute jede Spaltung unserem Aufbauwerke zufügt. Als daher die Weltkonferenz in Vrutky unsere programmatischen Thesen verwarf, beantragten wir, daß man uns als Minorität; in; der Wertorganisation belasse. Die Majorität beschloß) jedoch siegestrunken, daß der-Kibbuz arzi der einzige Weg der Schomerbewegung in Erez Jisrael ist, verlangte von uns Aufgabe jeder Tätigkeit in der Gallith, von unseren Kibbuzim bedingungslosen: Eintritt in den Kibbuz arzi, ja, sie verbot uns sogar Delegierungen der Arbeiterorganisation (Histadruth) anzunehmen, wenn die Hanlagah eljonah des Haschomer Hazair uns nicht die. Bewilligung hiezu erteilt. Unter diesen ' Umständen bedeutete der von der Mehrheit der Weltkonferenz gefaßte Beschluß, wonach der Kibbuz arzi als der einzige Weg der Weltbewegung anerkannt wurde, den tatsächlichen Ausschluß! der Oppsoition aus dem . Rahmen der Weltorganisation. . Die Minorität, die in Vrutky aus der Weltorganisation ausgeschieden ist, umfaßt die Landesorganisationen des Haschomer Hazair in Rußland (die trotz aller Verfolgungen seitens der Regierung ihr zionistisches mn'd sozialistisches Erziehungswerk fortsetzt), Lettland, Oesterreich, einen Teil der Landesorganisation Litauens und kleinere Gruppen1 in anderen Ländern. (Sie wird von 4 Scinomerkibbuzim in Erez Jisrael aus Rußland, Lettland, Litauen und Rumänien unterstützt.) Sofort nach der Spaltung tra- -ten die Vertreter dieser Verbände zu einer Beratung zusammen, und beschlossen die Gründung einer Weltorganisation .„Histadruth Noar-Zofi-Ch a 1 ,uzi Hasch omer Hazair". Es wurde eine provisorische Leitung (Hanhagah Eljonah) gewählt. Sitz des Sekretariats ist vorläufig Wien. Als Organi der Weltorganisation! wird die bisherige Zeitung, der Landesorganisation Lettland „AI Hamischmar" erscheinen. Siegesrausch un'd' Uebermut der Majorität des Haschomer Hazair haben uns gezwungen, die Organisation zu verlassen; in der wir aufgewachsen sind und die uns teuer ist. Ihre positiven Werte, die guten schomerischen Besonderheiten wollen wir auch in unserer neuen Weltorganisation pflegen, an! Stelle der Absonderung jedoch — proklamieren wir unsere Einheit 'mit der übrigen Arbeiterbewegung Erez Jisraels. Solidaritätsring „Der jüdische Arbeiter". Genosse Mendel Singer spendet S 2,- und ruft folgende Genossen und Freunde auf, denselben Betrag zu spenden: Salo Eck, Dr. Rudolf Glanz, Marcus Leitner, Samuel Leitner, Emil Nimhäuser, Jorias Renner, Hermann Scharfberg, Moses Schwarz, Leo Selzer, Isak Spira. Lebens versicherungs ^Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand per Mitte 1930:'8 2,450,000.000*- Qarantiemittel Ende 1929; s 300,©OO.OOO«— Prämien-und Zinsen einnahmen im Jahre 1929: 8 >2-,000.000- Auszahlungen an die Versicherten im Jahe 1923: S 30 500.000 — TÄTIGKEITSGEBIET; Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien/ Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugöslavien, Bulgarien,Griechenland,Türkei,Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung NfUK mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs * A k t i e n G e s e 11 s c h a h früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schejlinggasse Nr. J Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortl. Redakteur: Mar kus Lachs, Angestellter, Wien, IL, Gr. Sperlgasse 19. t— Druck: «Adria», Wien, IL, Taborstraße 52 b.