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Der Jüdische Arbeiter · 1930-06-20 · Heft 13 (20.6.1930) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 13 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Organ der sozialdemokratischen' Poale Zion usterrek Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1/111 — Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig S 1.20, halbjährig S 2.40 ' Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 13. Wien, 20. Juni 1930. 7. Jahrgang. Fünf Jahre „Davar". Fünf Jahre sind vergangen, seit das vom der allgemeinen1 jüdischen Arbeiterorganisation; in Palästina ^ausgegebene Organ der jüdischen Arbeiter Palästinas,-dto- Tagblatt „Dawar" erscheint. Es ist hier nicht 'der Ort, in ausführlicher Weise den Charakter "dieses (einzigartigen Werkes darzustellen; auf eine Formel gebracht, scheint uns das Wesen des Dawar darin zu liegen, daß ihm die Synthese zwischen1 lan'd'espolitischer und international "gerichteter sozialistischer Journalistik aufs glänzendste gelungen ist. Es gibt keine Frage des allgemeinen! und.proletarischen Lebens im Lande, das im Dawar nicht seinen Ausdruck, findet, andererseits aber übertrifft der Dawar manches sozialistische Blatt Europas in den Berichterstattung über das sozialistische Leben in der ganzen Welt. Wir grüßen euch Genossen, die ihr an diesem Werke, dem Sprachrohr und dem Leitstern des jüdischen Proletariats in Palästina arbeitet, aufs herzlichste! Mit unserer ganzen Seele, mit unserem ganzen Herzen sind1 wir in diesen schicksalsschweren Tagen unserer Bewegung mit euch! Unser Wunsch, Freu:n!de, ist: Möge es euch' gelingen, uns allen; aus der verworrenen Lage ' des Augenblicks einen Ausweg zu weisen, einen Weg zum .friedlichen Aufbau des jüdischen Arbeitsheims m Erez Israel! Ghisku vx'e imzu! Zeitnotizen. Der „Bund" in''der,sozialistischen Internationale. Das .Weißbuch. — Gegen den Gesinnungsterror. Unseren Lesern ist aus der „Arbeiter-Zettung" die Tatsache des Eintrittes des „Bundes" in die sozialistische Internationale, bekannt: so ist denn die allweltliche jüdische Arbeiterschaft nunmehr in die Internationale zwiefach eingegliedert, durch diese Landesorganisation eines Teiles der jüdischen Arbeiter in Polen iin'd1 'durch den Weltverband Poäle-Zion. Wenn wir dieses Ereignis. in. seiner Bedeutung für. die jüdische Arbeiterbewegung einschätzen wollen, so gilt es vor allem, den engen parteipolitischen Gesichtspunkt aufzugeben: wir wissen aus persönlicher Erfahrung, 'daß ri'as nicht leicht ist, aber sollen wir' uns durch taktische UeberlegUngen hindern lassen, das Wesen, eines Geschehnisses zu erfassen, d'as unzweifelhaft grundlegend1 ist für die Entwicklung und das Schicksal der jüdischen Arbeiterbewegung. Denn es \"ann nicht bestritten werden: dem Eintritt des „Bundes" in die Internationale kommt historische Bedeutung zu. Wie man zu dieser Organisation des jüdischen Proletariates in Polen auch stehen mag — und wir sind1 iuns des Gegensatzes, der zwischen uns Lin# ihr klafft, wohl bewußt — der Bund ist eine wichtige und bedeutungsvolle Massenorganisation der jüdischen Arbeiter, in ihm haben sich tausende1 jüdischer Proletarier das Werkzeug ihres politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufstiege geschaffen. Und diese organisierte Macht der jüdischen Arbeiterschaft außerhalb der Reihen der internationalen so- :ialistischem Arbeiterbewegung — welch' Verlust für diese, welch' Verlust aber auch für das jüdische Proletariat, 'das nicht mit seiner ganzen Macht innerhalb der sozialistischen; Internationale für seine Forderungen1 einstehen konnte! Darin liegt, wie wir glauben, die entscheidende Bedeutung des Sieges der Sozialdemokraten innerhalb des Bundes über die Kommuisten: daß nunmehr die jüdische Arbeiterschaft eine wesentlich1 vergrößerte Kraft einsetzen, wird können für die Durchsetzung ihrer Ziele innerhalb des internationalen Sozialismus. Gewiß ist die Freude über diesen Fortschritt des' jüdischen und internationalen Sozialismus nicht ungetrübt. Vor allem taucht die Frage auf, wie groß üe Zahl der Unentwegten innerhalb des „Bundes" »ein wird, die. zur Kommunistischen Partei Polens übertreten werden: diese Schwächung des „Bundes" wird auch' uns zionistischen Sozialdemokraten wenig Freude bereiten. Wir wollen hoffen, daß die seit Jahrzehnten im politischen Kampfe stehende, geschult •e, auf eine große revolutionäre Vergangenheit zurückblickende, im „Bund" organisierte jüdische Arbeiterschaft in ihrer Mehrheit, widerstandsfähig! sein wird gegen die illusionistischen: Phrasen und verantwortungslosen Parolen der dritten); Internationale! Schwerwiegender und auch für unsere Bewegung ernster ist das folgende Problem/fvorn dem wir unmittelbar berührt sind. Es besteht kunmehr die Möglichkeit, innerhalb der Internationale mit gesteigerter Kraft für die spezifischen Forderungen der jüdischen Arbeiterschaft einzutreten: wird aber diese Möglichkeit auch tatsächlich1 ausgenützt werden können? Wird eine einheitliche Zielsetzung der beiden jüdischen Arbeiterorganisationen innerhalb der Internationale möglich1 sein? Wird1 es möglich sein, für beide Organisationen einen gemeinsamen Arbeitsplan, ein gemeinsames Programm zu schaffen, das vor allem1 die Grundforderungen des jüdischen' Proletariats, das Recht auf Arbeit und Immigration enthalten muß und zu dessen Durchsetzung die jüdischen Arbeiter die, Hilfe der Internationale in so hohem Maße bedürfen? Wir müssen! auf Grund unserer Erfahrungen mit dem „Bund" gestehen, daß! wir die Chance für eine sofort einsetzende einheitliche 'Willensbildung der beiden' jüdisch-proletarischem .Organisationen nicht für allzu hoch halten, zu sehr überwiegt im „Bund!" die parteipolitische und auf taktische; Vorteile bedachte Einstellung, als däßj sich die Partei so schnell, wie es der Augenblick verlangt, zu;- einer, Verständigungspolitik^ entschließen könnte... )Mögew ,^ir^Lügen gestraft, werden': möge" w weil es den sozialen; Notwendigkeiten des jüdischen'1 Proletariates entspricht — bald erstehen, die einheittliche* dem Wohle des jüdischen Proletariates gewidmete politische Aktion! der beiden großen Organisationen' der allweltlich'eni jüdischen' Arbeiterschaft innerhalb der sozialistischen Internationale! * Die englische Regierung hat anläßlich; der am 3. Juni begonnenen Session der Mandatskommission1 des Völkerbundes in einem „Weißbuch" ihre Politik in Palästina dargestellt. Pie Regierung bekennt sich1 zur Balfourdeklaration, betont ihre ablehnende Haltung zur arabischen Forderung nach einer Institution der Selbstverwaltung, .die die Realisierung, des ersten Teiles der Balf ourdeklaration1, das jüdische Nationaiheim betreffend, unmöglich machen würde und stellt fest, (daß ein Verteidiguug'splan, der die Errichtung und Ueberwachung versiegelter Waffenlager in den jüdischen isolierten Kolonien umfaßt, durchgeführt wird. Im übrigen stellt sich die Regierung ganz auf den Standpunkt des Shawberichtes, das heißt auf den Standpunkt der arabischen Exekutive: sie akzeptiert die arabische These von der Gefährdung, der arabischen Bevölkerung und stellt neben der zeitweiligen Suspendierung der Einwanderung die Einführung der Kontrolle über die Verfügung über die landwirtschfatlichen Böden in Aussicht, damit die Enteignung der eingeborenen landwirtschaftlichen Bevölkerung verhindert wird. Auch stellt die Regierung Untersuchungen an bezüglich der Frage der von dem Shawbericht behaupteten Auswahl der Einwanderer durch die jüdische Arbeiterorganisation' in Palästina. Zieht man so das wesentliche des Dokumentes in1 Betracht, so ist aus ihm zu erkennen: Die englische Regierung hat die These der arabischen1 Exekutive von der Disharmonie der arabischen und jüdischen Interessen in hohem Maße als richtig anerkannt, und sie ist gewillt, sie zur Grundlage ihrer Palästinapolitik zu machen.- Damit ist aber auch das Urteil über die zionistische Politik gesprochen: wir haben uns bemüht, die europäischen Mächte von der Gerechtigkeit unseres Werkes zu überzeugen, statt —- wie es Einsichtige schon vor dem Kriege gefordert haben — uns vor allem zu bemühen, die Freundschaft des arabischen Volkes, zu gewinnen. Die Folgen dieses' Grundfehlers der zionistischen Politik — und für ihn sind auch, diejenigenverantwortlich, die ihn erkannt, aber nicht in aller Oeffentlichkeit bekämpft haben — haben wir, hat vor allem' der Jisch'uw jetzt zu tragen. Noch' ist es nicht zu spät! Konzentrieren wir nunmehr. alle tun&ere politisch© Ar* beit auf die Erlangung einer Verständigung; mit unserem Brudervolke in Palästina1. Lassen* wir Freunde nicht ungehört das Wort verhallen, das Ben! Gurion1, der-Führer der jüdischen! Arbeiterschaft int schwerster .Stunde, nach Erlassung der Einwariderungssperre gesprochen! hat: „Solange wir keinen Weg zu einer politischen Verständigung uhid zu einer, gemeinsamen politischen Tätigkeit mit den1 Arabern haben, werden ,uns all unsere Versuche, politische Lösiumgeni anderswo zu such"en1, nicht 'heif en." * Es vergeht keim .Zionistenkongreßi, ohne daß Protestresolutionen gegen den bolschewistischem Gesinnungsterror in Sowjetrußland, der sich' seine Opfer auch unter den Bekennerm der zionistischen Idee holt, beschlossen würden. Mit Recht: gibt es denm etwas Niederträchtigeres und Verabscheuungswürdigeres, als Menschen um ihrer Gesinnung willen zu verfolgen, sie für ihre Gesinnung an ihrer Existenz: zu bedrohen? Nun, eine ähnliche Schurkerei, jä eine größere,, weil sie gegen Menschen aus dem eigenem Lager gerichtet sein soll, fordern die „allgemeinen" Zionisten: Palästinas von) der zionistischen' Exekutive! Ihre kürzlich1 iniTel- Aviv stattjgefundene Konferenz hät nämlich nichts anderes beschlossen! (neben der Forderung nach Einberufung eines außerordentlichen Zionistenkongresses und Verstärkung des politischen Apparates), als däßi jdie Anhänger des Brfth .Schalomin der Zionistischen!,. Exekutive und in der. Exekutive der Jewishl Agency, zum Rücktritt zu veranlassen1, d i e d e m B r i t ht S c h alom angehörende n: B eam ten zulenitlassen sind! Wieder einmal steht man1 da einer Tat gegenüber, bei der man nicht weißi, was größer ist, die Dummheit, die sie diktiert hat, oder die Niedrigkeit der Gesinnung, deren Ausdruck sie ist. Die Dummheit: kann man ermessen, welchem Eindruck eine solche Jagd auf die Pioniere der Verständigung innerhalb' des Zionismus auf die arabische und europäische Oeffentlichkeit machen würde? Doch1 darüber hinaus: was. h'aben die Menschen vom Brith-SChälom verbrochen, womit haben sie die nationale Disziplin gebrochen, daß man sie an ihrer. Existenz bedroht? Nichts anderes, als daß sie Ben! Gurions Forderung, einen Weg zu einer gemeinsamen: politischen Tätigkeit mit den Arabern: zu suchen, praktisch zu realisieren versuchen. Und wahrjich, die Führer des Britto Schalom sind legitimiert, die Pionierschaft der Arbeit am der friedlichen Gestaltung des Verhältnisses beider Völker auf sich zu nehmen. Während für die zionistische Oeffentlichkeit die arabische Frage ein Novum dar-' , stellt, hat d'er Führer des Britto Schalom, Hugo. Bergmann, eine in ihrer Schlichtheit, Wahrheitsliebe und hoher Geistigkeit verehrungswürdige Persönlichkeit, schon vor 19 Jahren in einem Aufsatz, betitelt „Bemerkungen zur arabischen Frage", auf die Dringlichkeit dieses Problems hingewiesen, auf die Notwendigkeit „einer Berücksichtigtrng der a ra b i s c hen Fe 1 a c h e n b eim B o d'e n kauf ti n d der Schaffung einer arabisdh geschrieb e n e n j ü d i s c h e n Z e i t u n g, w e 1 c he d i e A r aber über das wahre Wesen des Zionismus auf klären soll", aufmerksam gemacht. Und sieben Jahre später — 1918 — schrieb Hugo Bergmann im „Juden": „Eine Verständigung mit dem Landesbewohnern ist viel wichtiger als alle Regierungserklärungen der Welt... Eine friedliche Auseinandersetzung mit ihnen ist aber für uns eine Lebensfrage. Unsere Schulen müssen sich den Arabern! öffnen, wir müssen in Zeitungen und Büchern ihrer Sprache zu ihnen reden..." Erkennt, Ihr Herren Realpolitiker, daß es recht zweckmäßig gewesen! wäre, wenm Ihr zurzeit bei diesem 'Intellektuellen! gelernt hättet, was die Erfordernisse einer zionistischen Realpolitik sind? Wollt Ihr d'as Versäumte nachholen, indem 'ihn von der Exekutive den1 Kopf des Mannes, dessen Grundansich'ten sich so bewährt haben, verlangt? Wir haben) diesen Fall nur hervorgehoben, weil er juris symptomatisch1 für den nationalem Chauvinismus erscheint, Ider sich heute leider, im Zionismus Der Kongreß naht — entrichtet den Schekeli

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