Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 12 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Der jüdische Arbeiter und um mit den Kommunisten zu gehen, sind sie zu feig! »Wähflicn, diese Herrschaften sind legitimiert, es als ihre Aufgäbe zu betrachten, revolutionären Idealismus in der jüdischen Arbeiterbewegung Geltung zu verschaffen: bei den letzten Wahlen zum Zionistenkongreß waren sie so prinzipienfest, um eines Mandates willen mit der in Polen durchaus' bürgerlichen Hitachduth zu packeln und am ersten Mai bleiben sie aus*Furcht bei Muttern! Es ist höchste Zeit, daß alle wirklich sozialistischen prganisationen des Haschomer-Hazair den Trennungsstrich zwischen sich und diesen Scharlatanen ziehen! Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Der Lesesaal der Bibliothek wurde im Jahre 1929 von 9321 Lesern besucht, die 17.287 Werke mit 24.422 Bänden benützten. Entlehnt wurden an 1480 Personen 2059 Werke in 2623 Bänden, zurückgestellt wurden 2452 .Werke in 3512 Bänden. Der Zuwachs betrug 828 Bände, von denen 709 durch Kauf erworben wurden. Von den restlichen 119 Bänden sind 10 Bände Publikationen von Vereinen, deren Mitglied die Bibliothek ist, während 90 geschenkweise und 9 Bände durch Tausch mit den Veröffentlichungen der Bibliothek in ihren Besitz gelangten, weitere 10 Bände sind Werke, deren Herausgabe durch Subventionierung seitens der Kultusgemeinde ermöglicht wurde. : Zu erwähnen ist noch eine Schenkung des Herrn Josef Lemberger, aus dem von ihm erworbenen Büchernach lasse des sei. Oberrabbiners Dr. H. P. Chajes. Endlich haben wir das hebräische Lehrbuch! Es ist das Verdienst Dr. F. Schargorodskas*, daß der Mangel an hebräischen Lehrbüchern, die dem Schüler auch eine Vorstellung vom* Leben in Palästina geben, nun behoben ist. Endlich haben wir das Lehrbuch. Schon der Titel deutet das Ziel und den Inhalt des Buches an. Die enge Verbundenheit von Sprache und Land bietet die Möglichkeit, die Kenntnisse der Sprache durch'das Land und die Kenntnis des Landes durch die Sprache zu vermitteln. Das ist auch der natürlichste Weg zur Erlernung der Sprache. Der ganze Lesestoff vom Anfang bis zum Ende des Buches ist organisch mit Palästina verbunden. Schon die ersten Vokabeln führen uns in die Berge ljudäas. Es kommen Touristen — die Hitze ist groß — ein " Beduine bringt ihnen Wasser. Es folgt ein Stück eroberte Wüste: Nachlath-Jehuda, eine Arbeitersiedlung mit den Zauberworten des heutigen Palästina: arbeiten, Arbeiter, Arbeit. Und bald darauf — ein Lied. Das singende Palästina! Wir sind am Hafen. Es kommt ein Schiff. Interessant ist der Empfang der neuen Olim, ihre erste Begegnung mit dem wirklichen Lande. Es kommen Bilder vom. Einwandererhaus und vom Arbeitsamt. Es entbehrt ' nicht einer gewissen Komik, der Anblick dieser Leute mit ihren Vorstellungen über Arbeit in Palästina! So rächt sich die Tradition von zwei Jahrzehnten Galuth. Wir begleiten die Chaluzim auf ihrer Suche nach Arbeit. Wir erleben ihren Alltag:- im Felde, im Steinbruch, beim Chausseebau. Wir sehen sie nach der Arbeft im Zelte, zu Hause — beim Nachtmahl, bei den Debatten, bei der Hora; wir sehen sie in der Nacht, als — Wächter. Vor unseren Augen verwandeln sich Sandflächen in Kolonien und Städte, Sümpfe in prächtige Gärten. Wir erleben die Fertigstellung des ersten Brunnens in Rischon, die erste Ernte in einer Kwuzah, das Pflanzungsfest der Kinder in Daganjah. Wir lernen die Milchwirtschaft des Landes kennen, die Geflügel- und Bienenzucht, den Fischfang am Kinereth; alte palästinensische Früchte und solche, die neu eingeführt wurden. Wir hören von der Bewaldung des Landes und den Riesenleistungen des Keren Kajemeth; von der Baubewegung und unserem Solei Boneh; vom Bau der Fabrik »Silikat« und vom Werke Rutenbergss Wir lernen das Verkehrswesen kennen vom Kamel bis zum Auto und das Radioinstitut bei der Ghewrath-Ovdim. •Ein spezielles Kapitel ist den Jemeniten gewidmet, diesen frommen und naiven Menschen, die eine Gipsbüste von Chopin mit den übrigen Möbelstücken nicht tragen wollen, dehn es steht in der Thora: »Du sollst dir keinen Götzen machen«* und die ihre Kinder nicht verstehen, wenn sie sich in unnützen Wahlversammlungen herumschlagen. Sie hoffen, daß wenn mehr Wasser in der Siedlung sein wird und etwas mehr Boden, sie die Streitigkeiten vergessen werden. t)il , 2um Schluß folgt die Geschichte des neuen Jischuw —-. die vier Einwanderungswellen. Wir verfolgen den schweren Kampf der Pioniere mit der Natur, mit Krankheiten) mit den Beduinen, den Aufbau des Emek, und die Geschichte der Histadruth; die vierte Alijah und die Einwanderung der. Chasldim, Wir begleiten die arbeitende Frau auf ihrem Dornenweg, den sie in den vier Alijoth zu gehen hatte, Helden- :; *) Dr. F. Schargorodska: Sprache und Land. Ein Lehrbuch für Schulen, Abendkurse und für den Selbstunterricht. Mit 106 Abbildungen aus dem Leben Palästinas, Verlag Rubin Mass. Berlin 1930. haft ist;däs Piönierentunl der Töchter voft.Stryj, die schrittweise mit ungeheurem 'Energieaufwand und zäher Ausdauer die Arbeit für die Frau eroberten. Wir begleiten sie in ihrem doppelt*schweren Kampfe, als Arbeiter und Frauen. Es folgt eine Rundschau über die Städte Palästinas. Da sehen wir vor allem Haifa mit den jüdischen Vorstädten, die eine Bevölkerung von 15.000 Menschen fassen. Wir sehen .das jüdische Tel-Aviv im Aufbau mit seinen schönen Straßen, mit seinem Oneg-Schabat und den Feiertagen. Und endlich die engen Gäßlein von Jerusalem, die Klagemauer und die Universität. Das Buch bringt also eine Revue des arbeitenden Palästina^— alles ist dynamisch gehalten, jedes Bild bewegt sichres ist lebendig. Alles atmet Wirklichkeit und es ist durchwoben mit Liedern, den Liedern der Chaluzim. Vielleicht hat sich die Verfasserin durch den Stoff überwältigen lassen, teilweise zum Nachteil der geordneten Unterrichtsmethode. Das Land dominiert über der Sprache. In ihrem Bestreben, dem Leser möglichst viel von dem, was im Lande vorgeht, zu erzählen, vergißt sie zumal, wie weit seine Sprachkenntnisse reichen und wie weit er mit der Ausdrucks weise ■ und der Mentalität, die ihm schließlich und endlich fremd war, vertraut worden ist. Sie hat sich hinreißen lassen von der heiligen Flamme, welche in ihrem Herzen , das erwachende Palästina entfacht hatv Jeder Satz atmet Wärme. Das Buch ist mit Herzblut geschrieben. Das bietet nun einen großen Vorteil, der vielleicht imstande ist, jenes kleine Minus aufzuheben. Jeder Satz reißt den Leser mit. Er strengt sich an Über alle sprachlichen Schwierigkeiten hinauszukommen, um zur Quelle der Palästinaliebe zu. gelangen. Für das Buch ist noch ein Schlüssel bestimmt, der in verschiedenen Sprachen — Jiddisch, Deutsch, Englisch, Französisch — erschienen ist. Darin werden die Grundlagen, auf denen die Methode des Buches aufgebaut ist, dargelegt werden. Der Schlüssel wird Uebungen enthalten und grammatikalische Regeln, die im Buche mit Absicht nicht aufgenommen worden sind. Die Verfasserin hat den Versuch unternommen, der Jugend den Weg zur hebräischen^ Sprache zu ebnen. Der Versuch ist gelungen. Der Weg ist frei. Das Buch harrt der Leser. Bergenbaum. PAF.-Aktion des Blau-Weia Wegen. Raummangel bringen wir den folgenden Ausweis etwas verspätet. Es soll anerkennend hervorgehoben werden, daß der Blau- Weiß in der Arbeit für den P. A. F. anter allen Jugendorganisationen an der Spitze marschiert. Die Redakiton. Gesamtsumme: S 1147.—. Dr. Gustav Arens 50.—; Frieda Appenzeller 5.—; Dir. M. Arnstein 5.—■> Dr. a. Boxer 20.—; Dr. Fr. Bondy 5.—; G. B. Floridsdorf 50.—-; Dr. Blond 5.—; Robert Bunzl 10.—; Dr. Bienenfeld'50.—; P. Benchaim 3.—; Dr. Paul Berger 10.—; Dr. Dery 10.—; F. Drimmer 5.—; Dr. Fritz Eckstein; Adolf Epstein 6.—; Reg.-R. Witwe S. Frankfurter 2.~; Leopold Fink 2.—; Albert Freud 2.—; Dr. Leopold Freitd 2.—; Boske Fürst 3.—; Carl Fürst 5.—; Willy Freund 20.—; Paul Fischer 2.—; Fanny Guttmann 5.—; Friedrich Guttmann 2.—; Minna Halpern 5.—; E. Hopmayer 10.—; Otto janovsky 5.—; Ch. Koffler 5.—; Schaul Keßler 10.—Landwehr 1.—; Dr. Alfred Lederer 50.—; Anselm Lazarus 10.—; Oskar Loewit-Lädner 5.—; Josef Lemberger 3.—; Erna Lederer 200.—; Fritz Lederer 10.—; Ing. Gustav Lederer 150.—; Heinrich Lederer 25.—; Robert Lederer 10.—; Alfred Menzel 15.—; Ing. Fritz Menzel 10.—; Doz. Dr. K. Menzel 5.—; Olga Munkacsy 3.—; Emerich Moses 10.—; Max de Majo 5.—; Stella Mendel-' söhn 5.—; Charlotte Müller 5.—; Robert de Majo'5.—; Caroline Mendel 20.—; M. Mautner 3.—; Dr. Paul Neumann 16.—; Adolf Nimhin 5.—; Luise Nettel 5.—; Dr. J. Ohrenstein 20.—; Dr. K. Pollak 25.—; Erich Platschek 20.—; Elieser Rothblum 15.—; Alfred Reimann 5.—; Dr. aRosa Schür 5.—; Hanny Strauß 10.—; Dr. Scharf 5.—; Moritz Silberstern 20.—; Vilma Schanzer 5.—i; Dr. Spitzer 5.—; Fr. Dr. Willheim 5.—; Lydia Weingarten 1.—; Gustav eißenstein 5.—; Dr. Emil Winter 10.—; Mlml Weiß 5.—; Dr. W. Weißenstein 5.—; .Heinrich Tandler 3. —; Michael Tauber 2.—; Sandor Wölf 20.—; Rudolf Zinner 2.—; Appenzeller 5.—; Dr. Alexander Klein 10.—; Mathilde Schärf 2.—; Julius Braunthal 5.—; N. Lipschütz 3.—; Salomon Gadol ö.—; Betty Schärf 5.—; Wilhelm Keßler 10.—; Ing. Zwilling 20— Schilling. * Zeitschriftenschau. In den »Kölner Vlerteljahrsheftc für Soziologie« (8. Jahrg., 3. Heft) veröffentlicht Rudolf Heberle eine Arbeit über »die Anpassung der Einwanderer in den Vereinigten Staaten«, in der er natürlich des.Öfteren auch das 'jüdische Problem berührt; Itfach Heberle stellt sich die Anpassung der Einwanderer »in erster Linie als ein Prozeß der Urbanisierung und Industrialisierung« dar; die Juden bilden da eine Ausnahme, da sie »durchwegs aus Städten, wenn auch oft aus sehr kleinen Landstädten stammen«. Wie die übrigen Einwanderergruppen leben die Juden in »straßen- und häuserblockweise scharf getrennten Einwandererkolonien«. Heberle kommt auf die Gruppierung' der nationalen Kolonien nach engeren Herkunftsgebieten und stellt fest: »Sehr ausgeprägt ist diese Differenzierung nach Herkunftsgebieten auch bei den Juden, bei welchen Verschiedenheit der Sprache un ddes kulturellen Niveaus trennend wirken.« Beim Prozeß der sozialen Integrierung spielen Wohltätigkeitsorganisationen eine entscheidende Rolle und,Heberle stellt fest, daß diese »besonders von den Juden in vollkommener Weise ausgebildet sind«. Bezüglich des religiösen Lebens bilden die ,Juden iensofern eine Ausnahme, als bei ihnen nicht wie bei den übrigen Konfessionen hauptsächlich die Frauen daran beteiligt sind. Was die wirtschaftliche Integrierung anbelangt, so stellt Heberle fest, daß in den Kolonien der Slaven »sich auch regelmäßig die für Osteuropa so typische Symbiose mit jüdischen Händlern und Handwerkern« findet. Den Kolonien der Juden kommt nach Heberle ein hoher Grad von Festigkeit zu, wteil sie mit keiner Rückkehr zu rechnen haben. Im laufenden Jahrgang der Zeitschrift »Der Türmer«, Nr. 2, veröfentlichft E. Klock einen Aufsatz über Palästina und die Araberfrage und der bekannte Bodenreformer Adolf Damaschke eine Arbeit mit dem Titel »Der Zionismus vor der Entscheidung, in welchem er die Be deutung des jüdischen Nationalfonds für die jüdische Kolonisation hervorhebt. Zeitungsschau. Unsere geschätzte Mitarbeiterin Gen. Clara Blüm hat in der, »Arbeiter-Zeitung« vom 28. Februar über die »Lieder des roten Palästina« und am 6. März im selben Blatte über die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien in Palästina geschrieben; Gen. Blum hat sich durch diese aufklärende Arbeiten um unsere Bewegung verdient gemacht. Hachscharahgruppe am Kobenzl 16 Genossen und Genossinnen unserer Jugendorganisationen befinden sich gegenwärtig im landwirtschaftü-» chen Betrieb der Gemeinde Wien auf dem Kobenzl auf Hachscharah. Wir hoffen, daß unsere Freunde bald Zeit finden werden, uns einen ausführlicheren Bericht über ihr Leben einzusenden, als wir ihn auf Grund unserer Besuche verfassen könnten. < Leb en sv er si eher ungs* Gesellschaft PHÖNIX Zentrale : \tyien, I., Riemergasse Nr. 2 VerBichenwesbestend Ende Juni 1929: S 2,000,000.000*- Qarantlemittel Ende 1928: 9 241,00O.OOO - Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1928: 8 97,500.000-— Auszahlung an die Versichert™ im Jah«e 192J: 8 «6.500.000 - TÄTIQ KEITSOEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien," Spanien, (Sechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien,Oriechenland,TÜrkei,Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung UgH; mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs* Aktien^ Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I., Schelllnggasse Nr. 1 der Gemeinde Wien L f ipolingerslie 1 Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für aiie Einlagen in der Zen- : - . - tralsparkasse - * - Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworti. Redakteur; Markus Lachs, Angestellter, Wien,.11.,. Gr. Sperlgasse 19. - Drück: »Adria«, Wien, II., TaborstraBe 5?b.