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Der Jüdische Arbeiter · 1930-05-23 · Heft 11 (23.5.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 11 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Der jüdische Arbeiter härrdler und' -industriellen ausschließlich Juden sind, liegen, die Verhältnisse bei den Arbeitern ganz anders. Unter, den 25.000 Diamantenarbeiter gibt es einige tausend jüdische Schleifer, Säger und Diamantenschneider. Während aber die belgischen Arbeiter organisiert sind, entweder im mächtigen Arbeiterbund oder im christlichen Arbeiterverein, sind die jüdischen Arbeiter ganz, abgesondert. Nicht nur daß sie nicht im die Reihen ihrer belgischen Genossen eingegliedert sind, sie arbeiten unter schlechteren Bedingungen, für geringere Löhne, bei längerer Arbeitszeit und in;un hygienischen Arbeitsstätten. Aus diesen. Gründen sind'die Juden leider Verderber der Branche geworden. Es ist deshalb kein Wunder, daß die belgischen Arbeiter die jüdische Arbeit a[s Gefahr für die Arbeiterklasse betrachten. Die Gewerkschaftsführung wendet alle Mittel an, um Juden' nicht in "die Gewerkschaft aufzunehmen. Was Ist die Ursache dieses abnormalen Zustandes? Wichtig ist der Umstand, daß die jüdischen Arbeiter nicht gelernte Arbeiter sind', daß sie Zufallsarbeiter, 'deklassierte Kaufleute, Jeschivajünger öder Kinder von Bürgern sind. Als die ersten jüdischen Einwanderer in1 der Diamantenbranche zu arbeiten begonnen haben, gab es in Antwerpen bereits Fachleute in diesem Fache, die sich in1 allen einschlägigen Arbeitern trefflich auskannten. Insbesondere (m Schleifen kommt iden; .Belgiern niemand gleich. Mit der Verzweigung i'd'er. Industrie hat sich die Zahl den Arbeiter außerordentlich vergrößert — die Zahl der jüdischen Arbeiter, aber nicht. Die angekommenen Juden wollten alle .„selbständige" Unternehmer werden — wem dies nicht gelungen ist, wurde Arbeiter, Proletarier. Diesen.' Arbeiter gegen seinen Willen hat es immer noch zum Geschäft gezogen. Während1 der belgische Arbeiter der Ruhe pflegt, widmet sich' der jüdische Arbeiter den Geschäften. Aus solchen Arbeiter- 'kaüfle'uten wurden später kleine Unternehmer. Als im Jahre 1905 eine verstärkte Imigrationj nach Antwerpen eingesetzt hat? fiel ein großer Teil' der neu Angekommenen J[n die Hände der kleinen Kapitalisten. Viele haben ''sogar große Summen für Anlernung, des Faches bezahlt. Die Fabrikanten haben 'die Imigranten in furchtbarster Weise ausgebeutet. Da1 es den Juden lunmöglich' war, in dem großen Fabriken Arbeit zu bekommen, müßten sie in den 'Kleinbetriebeni bei kleineren Löhnen nn'd1 längeren Arbeitszeiten arbeiten'; deshalb haben sie sich immer mach Nebenverdiensten umsehen müssen. Jeder neue Einwandererstrom hat durch Vergrößerung des Arbeitsangebotes, die Lage der Arbeiterschaft verschlechtert; Teile derselben sind an den Bettelstab gekommen. Gegenwärtig herrscht am Diamantenmarkt eine schreckliche Krise, bewirkt vor allem durch den! amerikanischen Börsenkrach, der diese Luxusindustrie mm ihren Markt gebracht 'hat. Dazu kömmt noch' die wachsende Konkurrenz der südafrikanischen! Diamantenindlustrie, die der Antwerpner Industrie sogar die besten Arbeiter entzieht. Der jüdische Arbeiter istt j/on der Krise schwer getroffen, schwerer als der belgische Arbeiter. Der letztere bekommt ein'e Arb'eitsloseniun.terstütz'ung iund' hat Nebenverdienste. Die jüdSsdhen Arbeiter können sich niur än Wohltätig- 'kleitsanstalteni wenden. Viele Arbeiter sind in; andere Berufe, mitunter zu schwerster Arbeit, übergegangen. Die allgemeine Krise erschwert aber diese Fluktuation der, Arbeitskräfte sehr. Ein e erfreuliche Erscheinung äst inj der letzten Zeit festzustellen: der Organisationsigedanke setzt sich nunmehr auch! im Bereiche der jüdischen- Arbeiterschaft durch, tausend jüdische Arbeiter etwa haben sich.dem 'belgischem Arbeiterbund angeschlossen. * Palästina. jüdische Gewerkschaftsbewegung in Palästina. In Tel-Aviv fand die erste Landeskonferenz der Bäkkerarbeiter statt, an der 30 Delegierte der Bäckergewerkschaften von Tel-Aviv, Petach-Tikwah, Jerusalem und Haifa teilgenommen haben. Das Hauptproblem, mit welchem sich die Tagung-befaßt hat, ist die Frage der Nachtarbeit, die bekanntlich ein Problem ist, mit welchem die Bäckergewerkvereine in der ganzen Welt zu ringen haben. Die Konferenz hat die Lokalorganisationen aufgefordert für vollständige Nachtruhe zu kämpfen und verlangt von der Regierung die Erlassung eines Verbotes der Nachtarbeit. Eine Kommission wurde beauftragt die Arbeitsbedingungen der arabischen Arbeiter und die Möglichkeit ihrer Organisierung zu studieren. Schließlich .wurde beschlossen, sich der Internationale der Ernährungsarbeitcr (Amsterdamer Internationale) anzuschließen. Die Chaluzim-Einwanderung im letzten Halbjahr. Die Gesamtzahl der im letzten Halbjahr nach Erez Israel eingewanderten C h a 1 u z i m beträgt 1334. 90 Prozent dieser Chaluzim sind Mitglieder des zionistischsozialistischen Hechaluz, 5 Prozent gehören dem Misrachi an und 3 Prozent sind Mitglieder des revisionistischen Brith Trümpeldor. Die restlichen 2 Prozent gehören dem Chalüz der allgemeinen Ziönisten in Polen an, und können als Außenseiter bezeichnet werden. Wichtig ist, daß die Revisionisten also fast überhaupt keinen Anteil an der Chaluzbewegung haben; dieser Mangel^wird allerdings durch ihr •großes Mundwerk aufgewogen.' Kfar Saba macht Schüfe. Die arbeiterfeindliche Aktion der Revisionisten hat ansteckend gewirkt: die bürgerliche Stadtverwaltung von Tel-Aviv hat. dem Palästina-Arbeiter-Fonds verboten, Maiab2eichen zu Gunsten der Fachschulen für die jüdische Arbeiterjugend zu verkaufen. Die Regierung hat diese Aktion für das ganze Land erlaubt. Rund um Kfar Saba. Es ist zu einem provisorischen Abkommen zwischen den Kolonisten und der Histardruth gekommen, das bis Juni durch ein endgültiges ersetzt werden soll. (Nach Redaktionsschluß ist die Nachricht eingelangt, daß ein Teil der Kolonisten die Vereinbarungen nicht einhält.) Die Frage gemeinsamer jüdisch-arabischer Arbeiterorganisationen. Im »Dawar« vom 1. Mai erschienen Aufrufe der »Liga le ir gun meschutaf« und der »Achwat Poalim«. Beide Organisationen fordern gemeinsame judisch-arabische Gewerkschaften^ Die Achwat Poalirn — iehren Aufruf hat auch Hugo Bergmann unterzeichnet — fordert überdies jüdisch-arabische Klubs und Hebräisch- und Arabisch- Kurse, um die sprachlichen Schranken zu verkleinern. Genossenschaftskonferenzen in Palästina. In Afuleh fand kürzlich eine* Genossenschaftskonferenz, an der Vertreter der Leih- und Sparkassen, der Produktivgenossenschaft Emel tind der wichtigsten Kwuzoth teilnahmen. Die Hauptaufgabe der Konferenz war die Entsendung eines Vertreters in die neue von der Palestine- Corporation gegründete Zentralbank in Jerusalem. Der gewählte Vertreter wurde beauftragt, die Demokratisierung des Verwaltungsrates der Zentralbank anzustreben. Gleichzeitig fand in Afuleh eine Konferenz des Hamaschbir statt,'an der sich 70 Delegierte beteiligt haben; es wurde der Umbau des Hamaschbir in eine Großeinkauf.gesellschaft der lokalen Konsumvereine beschlossen. Anschließend an diese Konferenz fand die Beratung der Tenuvah statt, deren Aufgabe der Verkauf der Produkte der jüdischen Arbeiterwirtschaften ist. » In Tel-Aviv fand kürzlich eine Tagung von Vertretern der landwirtschaftlichen Arbeitergenossenschaften, und des Maschbir statt, die einen Plan entwarf, wie die Warenbeteilung an die Lokalorganisationen am schnellsten vor sich gehen könnte. Die oben erwähnte Genossenschaft Emel ist eine Produktivgenossenschaft von Metallarbeitern; ,sie zählt 20 ständige Mitglieder und hat dank ihrer gediegenen Schlosserei- und Gießereiarbeit im Lande einen sehr guten Ruf. Die Regierung, die Pika, die Zionistische Exekutive, die Elektrizitätsgesellschaft und alle Arbeiterinstitutionen und private Interessenten gehören dem Kundenkreis der Genossenschaft an. Die Summe der Löhne betrug im Jahre 1929 1930 Pfund. ' . Protestversammlung gegen die revisionistischen Umtriebe in Kfar Saba. Am 15. Mai fand unter dem Vorsitz des Gen. Doktor Bernay eine Protestversammlung aller zionistisch-sozialistischer Organisationen in Wien Igegcn die von den Revisionisten in Kfar Saba gemachten Versuche, die jüdische Arbeiterorganisation in ihrer für das jüdische Proletariat segensreichen Tätigkeit zu stören, statt. Nach den einleitenden Worten des Gen. Dr. Bernay informierte Cha^ ver Saul Weinreb (Hitachduth) in überaus sachlicher und sachkundiger Weise über die Bedeutung der Vorfälle im Lande. Im Namen des Linkskartells sprach Chaver Fenniger. Gen. Dr. Bernay rief die Versammlung zur Solidarität mit den jüdischen Arbeitern Palästinas auf und schlug folgende Resolution zur Annahme vor: »Die Versammlung aller zionistisch-sozialistischer Gruppierungen in Wien protestiert dagegen, daß im jetzigen schwierigen Momente für unser Aufbauwerk Führer der Revisionisten es für richtig gefunden haben, in unverantwortlicher Weise einen Streit mit der Arbeiterschaft in Palästina zu provozieren. Diese Tat reiht sich den anderen unverantwortlichen Schritten dieser Partei an.. Wir stellen fest, daß die unverantwortlichen Herausforderungen der Revisionisten eine Gefährdung unseres Aufbauwerkes bedeuteten und rufen die zionistische Oeffentlichkeit auf, die Politik dieser Partei zurückzuweisen. Wir stellen-mit Genugtuung fest, daß ein Teil der revisionistischen Arbeiter in Palästina hinter der Histadruth steht und die Herausforderung seiner arbeiterfeindlichen Führer verurteilt. Wir entbieten der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina unser chawerischen Grüße und geben unserer Ueberzeugung Ausdruck, daß sie voll und ganz hinter die Histradruth stellt in deren Kampf um die Verwirklichung des jüdisch-sozialistischen Aufbauwerkes in Palästina.« Die Resolution wurde einstimmig angenomenm. . Theater. »Komödie des Glücks.« Schauspiel in vier Akten von N. Evreinow, aufgeführt durch die »Wünaer Gruppe«. Das ewige Problem: was ist Glück? Evreinow meint: auch die Illusion des Glückes ist Glück und schließt dar aus, daß man unglücklichen Menschen Glück vortäüseheri soll, um sie am Leben zu erhalten. Dieser einfache Gedanke ist in einem anmutiger! Stück, in welchem, nach der Art Pirandellos, versucht; wird, Theater und Wirklichkeit durcheinanderzubringen, enthalten. Die »Wilnacr« boten abermals eine Meisterleistung* Alex Stein und J. S c h i g o i m haben die zwei wichtigsten Rollen vorzüglich dargestellt, das wundervolle Damenquartett ,Sonja A 11 b a u m, Mania P i k u s, Paula Walter und Frieda W i t a I i n, brachten den einwandfreien Beweis, daß die »Wünaer« nunmehr über die voll-* endetste Gruppe von Schauspielerinnen verfügten, die wir in einem jüdischen Theater jemals finden konnten. Jede der vier Schauspielerinnen eine vollendete Meisterin* Domb gab den Direktor scharf und eindringlich, J<a mag war Liebhaber vom Scheitel bis zur Sohle, Sch eftel konnte sich als Regisseur infolge Raummangels nicht recht entfalten, als Beamter in Pension war er gut. Der junge S c hneidow verdient unsere Aufmerksamkeit, als Pctronius war er ausgezeichnet, noch nicht völlig reif Herr Lonek. Gut war auch Frau Scheftel als Cuspinila. Die Mitglieder der Tanzgruppe Gertrud Kraus trugen ebenfalls viel zum künstlerischen Erfolge bei. M. S. Anläßlich, der 700. Wiederkehr des Todestages Walters von der Vogelweide bringen wir das folgende antisemitische Gedicht desselben. Die Hinterlist der Juden. Da Gottes Sohn hier auf Erden ging, da versuchten ihn die Juden immer wieder. So stellten sie eit\es Tages an ihn folgende Frage: sie fragten, ob sie für ihre Freiheit - dem Staat einen Tribut schuldeten. Da durchbrach er ihre Reihen und durchkreuzte ihre Finten; er verlangte eine Münze und sprach: wessen Bild seht ihr hier? des Kaisers sagten da die Juden. Da riet er den Hinterlistigen, daß sie dem Kaiser lassen sollten sein kaiserliches Recht und Gott was Gottes ist. Uebertragen aus dem Mittelhochdeutschen von Wilma Gelmann. die Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse - - - - Lebens versieher ungs^Ges eilschaft Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Veraicherungabestand Ende Juni 1929: 8 2,000,000.000'~ Garantlemittel Ende 1928: 8 «42,000.000'- Prämien- und Zlnaeneinnahmen Im Jahre 1928: s S»7,500.000 — Auszahlung an die Versicherten im Jahie 1923: H 26,300.000*— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bu1garien,Qriechenland,Tfirkei,AegyptentPal88tina. Pensions-Versicherung Ndl. mK Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65, Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFAHIGKE1T. Monatliche Prämie, Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherüngs «»Aktien* Gesell schaff, früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien« L, Scbellinggasse Nr, 1 iVlUllUWCin HU»^yu v^vii. —■ ...... ■ .,. —-—...... ■•■ ......"T-i _tl — Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwprtl, Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, 11., Gr. Sperlgasse 19. - Druck: >Adria«, Wien, II., Taborstraße 52>

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