Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 11 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Üni^eBpatSblTii^^ II Ii Ii V« D# P» ' ^Jfci..« & i# JODISCHE ARBEITER Organ der sozialdemokratischen Poaie Zion Ö^to^eichs Erscheint jeden «weiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1/111 — Pos! Bezugspreis: vierteljährig S 1.20, halbjährig S 2.40 fnto Nr. 38.042 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 11. Wien, 23. Mai 1930. 7. Jahrgang. In letzter Stunde. Sechs Monate sind vergangen, seit wir an leitender Stelle unseres Blattes anläßlich der vielen in Palästina gegen die von den arabischen1 Politikern verhetzten' Pogromisten gefällten Todesurteile für die Aufhebung derselben p'iidierten. „Richtet, aber tötet nicht!", mit diesen Worten haben wir uns an. die Regierung im Lande gewendet. Jedoch , nicht nur sie, die in Palästina die staatliche Autorität des britischen Weltreiches verkörpert, wollte unser Aufruf erreichen, er war auch ah die zionistische Oeffentlichkeit gerichtet oder zumindest an einen Teil derselben, an unsere Bruderparteien in allen Ländern, die wir aufgefordert haben,, innerhalb der zionistischen Bewegung eine Akfion zu entfachen, die den Vollzug der Todesstrafe verhindern' sollte. Wir haben damals ~~ im November 1929 — festgestellt: wir erheben unsere Forderung nicht nur. deshalb, weil wir auf Gründl unserer sozialistischen und rechtspolitischen Ueberzeugung die Todesstrafe ablehnen, son'dern auch weil wir wissen; wird in Erez Israel arabisches Blut vergossen: werden, so wird die Kluft zwischen Juden und Arabern eine endgültige werden. Verewigung des Gegensatzes zwischen den "beiden Völkern Palästinas —- nun, was sie für den Zionismus bedeutet, braucht unseren Genossen nicht nochmals gesagt zu werden. Unser «und. der Ruf gleichgestimmter Freunde ist ungehört geblieben; Wir konnten in unserer, Partei- Dresse keinen Widerhall feststellen. Die Jewish Agency M m dieser Angelegenheit nichts getan '— denn (fall eine solche Aktion, in den Bereich' der Geheimdiplomatie fallen sollte, glauben wir nicht. Auch! die Tagung unseres Verbandsbureaus hat sich mit der Sache nicht befaßt. Mit einem Wort: man* läßt den Dingen ihren Lauf — eine sehr bequeme aber doch wohl auch sehr gefährliche Politik in diesem Augenblick. Es ist die letzte Stunde, wenn; etwas getan werden soll. Die Urteile sind rechtskräftig geworden, ihre Vollstreckung, kann . nunmehr auf Anordnung des High Commissioner erfolgen. Nochmals rufen wir alle Teile 'des Zionismus zur Selbstbesinnung auf: bedenket, daßi der Vollzug der Todesstrafe an den' verhetzten^ arabischen Pogromisten den Jischuw wieder in Gefahr bringen! kann! Ihr Kältet das für den Ausdruck einer Panikstimmung oder gar für eine These des —- horribile dictui — Brith Schalom? Mit einem Wort für die Behauptung eines Menschen, der volksfremd und ein Volksverräter ist? Nun denn, so höret denn, was ein Mann, der ein Kenner des arabisheen Problems und' einer der ch ä rf s te n Gegner des B rit h - S c h a 1 o m ist, M. Beil i n s o n, von der Vollstreckung des Todesurteils gegen, die verurteilten Araber erwartet. Er veröffentlicht in' seiner Schrift „Zum jüdisch-arabischen ^roblem", die in ihrem wesentlichen Teile 'e r K r i ti k des B r i th -Schalom gewidmet st) folgende Warnung: »Meiner tiefen Ueberzeugung nach wird aus diesen Jrteilen, sollte es zu ihrer Vollstreckung kommen, Uein »egen für die jüdische Bevölkerung und das zionistische Verk erwachsen. Diese meine Ueberzeugung entspringt licht nur meiner allgemeinen negativen Stellung gegenüber gerichtlichen Todesurteilen, sondern auch der Beureilung der allgemeinen politischen Situation, in der wir ins befinden. Wenn man sich in diesem administrattv-ge ichtlicheh Rahmen nur an diesen einzigen PiMKt klammert, dann wird er nach meiner Meinung nur eine provo atorische Aufgabe erfüllen können.« Provokation: das ist das richtige Wort für die ichere Wirkung des Vollzugs der Todesstrafen. Wunlert man sich da, daß in Palästina selbst von mutigen Männern und Frauen, unter welchen sich auch' der während' der Unruhen schwer verwundete Dr. Ticho Jefindet, der, Versuch unternommen wurde, das höhende Unheil abzuwehren, mit dem Erfolg, aller lin'gs, daß in Jerusalem von revisionistisch er >eite gegen diese Aktion Protest eingelegt wurde iund ler revtsio nis ti sc h e Doar ha Jörn die Initiaoren derselben anpöbelt? Welch bodenlose Gemeinleit: d i e R e v i s i o n i s t e n, d i e Veranstalter ler Demonstration vom, 9. Ab, die Mitchuldiigen an, den bl.uti gen Er e ig niss.en, ifagen es, die Tätigkeit der Männer zui stören, die inzig tmd allein von dem Willen erfüllt sind, zu verhindern, daß das Böse, das die undisziplinierten' Buben des Herrn Jabotinsky mit angerichtet haben, fortzeugeiid Böses hervorrufe. , Der Kampf, der da in Erez Israel entbrannt ist, ist keine innerpalästinensische Angelegenheit: es geht um „eine Sache des Gesamtzionismus, der seine edHsten Freunde verliefen wird, wenn sie wieder von Tod und Leichen in Palästina hören werden! Zum letztenmal, in: letzter Stunde rufen wir unseren Freunden in allen Lagern, unseren Genossen, die von unserem Vertrauen getragen in der zionistischen Bewegung an entscheidenden Stellen stehen, zu: Um unseres Werkes willen,, um der Sicherheit unserer Brüder in Erez Israel1 willen, verhindert den Henkermord in Palästina! —Z— Die neue Einwanderungsbeschränkung. Kürzlich hat die englische Regierung für die Zeit von Mai bis Oktober der Jewish Agency 3300 Zertifikate, davon 1000 für Frauen, bewilligt. Es ist für die günstige Arbeitslage, im Lande kennzeichnend, daß die Regierung diesmal keine Abstriche gemacht ^hat, sondern die Gesamtzahl der angeforderten Zertifikate bewilligt hat. Plötzlich hat die Regierung nun die Bewilligung bis •zur Berichterstattung des Kommissars Simpson, der nach Palästina zum Studium der Einwanderungsflage entsandt wurde, zurückgezogen. Diese Maßnahme hat in Erez Is rael und im Galut große Entrüstung hervorgerufen. Der Welthechaluz ha tein Proiesitelegrarnm. -an. die Labour- Party gesandt. Gegenüber gewissen Pressenachrichten muß betont werden, daß von einer vollständigen Einwän- JücJ.-sozialdciiL Arbeiterorganisation Poale Zion Zion.- Arbeitspa:tei Hitachdut — Hechaluz Kartell zion.-soz. Jugendbünde Protestkundgebung Die Einwanderungssperre Dienstag, 27, Mai 1930. Altes Rathaus, L, Wipplingerstr. derungssperre keine Rede sein kann: 950 Zertifikate, die die Regierung bereits vor längerer Zeitbewilligt hat," bleiben aufrecht. Im übrigen werden von den berufenen Instanzen alle Maßnahmen getroffen, um die Regierung zur Zurücknahme ihres Schritates zu bewegen. Es ist zu holten, daß die Labour-Regierung sich die Freundschaft der arabischen Elfendis nicht durch Hintansetzung der Interessen der arbeitshungrigeu jüdischen Massen erkaufen wird, und sich durch Drohungen nicht eine antizionsitische Politik erpressen lassen wird. Aus Londo-ii wird gemeldet: Vor der. Verhängung der Einwanderungssperre fand eine dreistündige Konferenz beim Ministerpräsidenten Mac Donald statt, an welcher Präsident Weizmanu, Lord Reading, früherer Vizekönig von Indien, Lord Melchett, James Rothschild und Herr Ruthenberg, beteiligt waren; Die britische Regierung beharrte auf dem Standpunkte, die jüdische Einwanderung erst nach Vorlage und dann nur. nach Maßgabe des Gutachtens des nach Palästina entsendeten Prüfungskommissärs Simpson freizugeben. Palästinafragen U. Internationale. Wir bringen im folgenden die von der Exekutive der sozialistischen internationale beschlossenen Resolutionen. Ueber den Verlauf der Verhandlungen werden wir in der nächsten Nummer berichten, / 1. Ohne über die Bedeutung und die Aussichten der Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen in Palästina, über die die Meinungen innerhalb der sozialistischen Arbeiterschaft geteilt sind, in diesem Momente ein Urteil "abzugeben, stellt die Exekutive der SAJ. fest, daß die jüdischen Arbeiter, die nach Palästina eingewandert sind, vor den gleichen Aufgaben des Klassenkampfes stehen wie die Arbeiter aller anderen Länder und daß sie daher auch aiif die gleiche Solidarität Anrecht haben wie alle anderen Teile des internationalen Proletariats. Die Exekutive der SAI. hat mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß die der SAI.. angeschlossene Partei in Palästina in ihren Kundgebungen stets das gemeinsame Klasseninteresse mit den arabischen Arbeitern in Palästina betont hat und sich jedem Gedanken der Aufrichtung einer Herrschaft der jüdischen Nation über die arabische in Palästina widersetzt. '2. Die Exekutive der SAI. nimmt zur Kenntnis, daß , ihre Palästina-Sektion die Zionistische Organisation und die Jewish Agency, soweit diese Organe öffentlichen Rechtes geworden sind, zur Vertretung ihrer' Interessen benutzt. Sie erwartet von ihrer Palästina-Sektion, daß sie in diesen Institutionen den unbeugsamen Kampf gegen die Versuche des internationalen jüdischen und nichtjüdischen Kapitalismus, sie seiner Herrschaft zu unterwerfen, führen wird. Die Zionistische Organisation und die Jewish Agency sind Institutionen im nationalen Rahmen. Eine Beteiligung der SAI. an ihnen kommt daher, in keiner Weise in Betracht. Wenn einzelne jüdische Mitglieder von Parteien, die der SAI. angeschlossen sind, sich im Interesse der Arbeiterklasse Palästinas an diesen recht komplizierten Institutionen beteiligen, so sind sie dafür der Partei verantwortlich, der sie angehören, die SAI. lehnt aber jede wie immer geartete Verantwortung für eine derartige Betätigung einzelner Sozialisten ab. 3. Die Exekutive der SAI. vertritt ganz allgemein die Tendenz, der Gründung von Ligen aller Art, die über den Rahmen der SAI. hinausgehen, und der Beteiligung an ihnen entgegenzuwirken. Die Exekutive der SAI. überläßt die Entscheidung über die Zweckmäßigkeit der »Ligen für das arbeitende Palästina«, ihrer Palästina-Sektion und nimmt die Mitteilung der Konföderation Poale Zion zur' Kenntnis, daß die Mitgliedschaft dieser Ligen auf Juden beschränkt bleiben wird. 4. Die Exekutive der SAI., die die Häufung internationaler Kongresse über politische Spezialprobleme für unzweckmäßig hält, nimmt zur Kenntnis, daß der geplante Weltkongreß für das arbeitende Erez-Israel keineswegs eine internationale, sondern bloß eine Veranstaltung im national-jüdischen Rahmen sein soll und daß weder dje SAI. als solche noch eine ihrer Sektionen, außer der palästinensischen, zu ihr* eingeladen werden wird. Die Liga für das arbeitende Palästina in Deutschland gegen den Vollzug der Todesurteile, Der Arbeitsausschuß der obgenannten Organisation1 veröffentlicht in der vJüdischen Rundschau" einen Protest gegen die Absicht, die Todesurteile in Palästina zu vollziehen, in dem es unter anderem heißt: „Wir halten es für ".eine unabweislicht Pflicht nicht nur der zionistischen Sozialisten; sondern auch' der offiziellen zionistischen Organe amd aller am Aufbau in Palästina beteiligten Juden, ihre Stimme zu erheben gegen die Vollstreckung der Todesurteile in Palästina,"aus welchem Anlaß immer sie gefällt] werden, mußten. s In dieser Forderung der Menschlichkeit müssen Juden amd Araber sich begegnen. Unsere Einstellung gegen die Vollstreckung von Todesurteilen istt am- 'bedingt. Aber gerade, wenn wir unsere Stimme hier zugunsten arabischer Verbrecher erheben,. haben wir das Recht, auch von den Arabern die; unbedingte Ver- ° urteilung. der Verbrecher zu fordern, als eine Voraussetzung für die Sicherung des Friedens im Lande," . Fenner Brockway gegen den Vollzug der. Todesurteile, In einer Palästinadebatte im englischen Unterhaus, in der sowohl von! konservativen als auch von sozialistischen Abgeordneten die Veröffentlichung der während des Krieges stattgef iindenen Korrespondenz zwischen Mac Mahon, dem High Koromissioner' in Aegypten und Hussein, dem Scherif von' Mekka, gefordert wurde (in diesen Akten soll ein Versprechen' enthalten sein, Palästina einem großarabischen Staat einzugliedern), hat Fenner Brockway, der Sekretär der Independent Labour Party, die Beilegung der kollidierenden Ansprüche, die Reform der Behandlung der politischen Gefangen und die NichtvoUstreckung der Todesurteile gefordert.