Mannheim
Compact Memory

Der Jüdische Arbeiter · 1930-05-09 · Heft 10 (9.5.1930) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 10 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2641551-2641599-2641609--319-2642268
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seife % Der jüdische Arbeiter ser und Schatten durstete. Da traf er einen schattenspeni dentferr Baum, der süße Feigen trug und um deri ein mtmferer Quell sprudelte. Er setzte sich in seinem Schatten, -füllte aus, aß von den Früchten, trank vom Wasser und erholte sich. Als er fortgehen wollte, sprach er: BäUm,' Baum, womit soll ich dich segnen? Mit wohltuendem'Schatten? — den hast du; mit süßen Früchten? - die hast du; nu't giitein Wasser? — auch das hast du; eines aber will ich dir wünschen: mögen alle deine Sprößlinge dir ebenbürtig sein, daß ihr Schatten wohltue, ihr Wasser Durstennde stille und ihre Früchte in Müden neues Leben entfachen. 1 Er verglich sich dann mit dem irrenden Wanderer» der endlich den Weg zum Arbeiter, dem lebenspendenden Baume in" der Wüste fand und sagte: ,Klub! Klub! Womit soll ich dich segnen? Ruhe und Erholung gewährst du, helles. Licht timstrahlt dich, viele sind es, die sich um "dielt-'sammeln und alle sind sie gute Menschen,, die her kommen. Mögen nur noch alle anderen Arbeiterheime, die nach dir erstehen weisen, dir ebenbürtig sehn« Und als er zu Ende war, begann er zu tanzen und das ganze Haus tanzte mit ihm.,Die schwachen Wände wankten und mit ihnen der ganze Plafond, bis die Hauseigentümerin und hinter ihr der Hauseigentümer jammernd und bittend hereingestürint kamen: . h »Gew.alt, Ra'über, ihr zerstört mir das ganze Haus! Der Klub konzentrierte um sich alle Arbeiter. Es gab dort Tee, Zeitungen,»Bücher und oft auch Referate. Einmal tfefei-icrte-^B^nnöri u Äls^ er zum Resümee käm und clie Frage(.heryorstieß: »Wo sind sie, die Kindel'Pcrez Smalenskins? Wo hat sich '.unser' bißchen Blut verstreut?« fiel er auf .den, Sessel nieder/fder;neben ihn stand, der Koprsank auf seine.Arme und'der ganze Körper beb.te. Die Zuhörer waren verwirrt und! erschrocken. Gleich darauf stand er auf, lehnte seinen Kopf an die Wand und brach in Tränen aus. Er ging dann zürti Tischte zurück, bat um Wasser, versicherte beruhigend, daß er nicht, mehr weinen werde und schloß schnell'das Referat. Damals wurde ich ihm in Liebe verbunden. ' : . ' ' ' Ic hdachte mir: Hier sind wir, jeder einer von uns — —rfunser bißchen Blut —'hier bleiben wir und werden unser Blut nicht mehr verstreuen zvvischen Fremde. :' ' " Sch. K. v . (Dem »Haohel«; einem kurz nach Brenners Ermor-: düng erschienenen Sammelbuch entnommen 'und übersetzt von S. Ö.) einer phantastischen Judcnschablone, die willkürlich Tatsachen verallgemeinert, ableugnet oder durch das Gegenteil ersetzt und ^— psychologisch gesehen— nur den einen unbewußten SWeck hat: sich zu beweisen, daß er, Otto Weininger, zumindes nicht ganz zu dieser Gruppe der Unterdrückten und Verfolgten gehört, daß er «irr Recht hat, sich über sie erhaben zu füh!cn> sich von der Gemeinschaft ihres harten Schicksals zu drücken.! Wutschäumend wirft er den Juden ihre Neigung zum naturwissenschaftlichen Materialismus und sozialen KoU Iektivismus vor, ihre Verständnislosigkeit für Mystik und Distanzierung, für Aristokratisnnis und Persönlichkeitsidee. Denn das sind ja eben noch die letzten Begriffsgespenster, an die er sich im Namen des sozial bankrotten intellektuellen, Kleinbürgertums ünklamtliert, um der drohenden ProIcfarTsilrung "zu entgehen, der zwingenden Notwendigkeit einer äSolidarität mit1 den Geknechteten und Versklavten. Er entwertet und beschimpft die Frau und den Juden. Scheinbar auf Grund eines philosophischen Systems. In Wirklichkeit aber aus dem unausgesprochenen verzweifelten und verirrten Leitmotiv aller Feigen und Isolierten heraus: *\y o es Schwächere gibt, immer auf Seiten de s S t ä r k e r e n.<< Klara B I u m. Weminger und das Judentum. Zu seinem 50. Geburtstag. 1 . Die Weltanschauung Otto Weiningers, wie sie in seinem Hauptwerk »Geschlecht und Charakter« dargelegt ist,: hat längere Zeit einen starken Einfluß, besonders auf die intelektuelle Jugend ausgeübt. Dieses Buch eines' jungen vergrübelten und verzweifelten Menschen, kurz; :vor seinem Selbstmord geschrieben, war seiner innersten Wesenart nach nichts anderes als ein wilder und durchaus subjektiver Gefühlsausbrucli unter der Maske einer philosophischen 'Systematik, einer bestechenden Scheinlogik. Es steckt jdarin '(und das ist auch das Geheimnis seiner; ungeheuren Wirkung auf 'bestimmte Kreise) die ganze lohnmächtige Wut eines geistig beweglichen, aber dabei tief reaktionären''Kleinbürgertums, das den Bankrott der Mystik/'des intellektuellen Hochmuts, des aristokratischen Persönlichkeitsbegril'fes gegenüber den realen und sozialen Tendenzen einer neuen Zeit nicht ertragen kann. Es steckt darin die krampfhafte' Abwehr gegen die beleidigende Zumutung, mit welcher die Wirklichkeit und'die wissenschaftliche Erkenntnis an sie herantritt: gegen die Tatsache, daß alle Menschen gleich sind. Weininger wehrt sich gegen die Erkenntnis dieser Tatsache durch den ebenso genialen, als absurden Versuch' juittels 'biologischer, psychologischer und philosophischer Hypothesen nachzuweisen,, daß die Unterdrückten und Entwerteten tatsächlich tiefstehend und minderwertig sind. Er greift zwei klassische Objekte der Unterdrückung und Entwertung heraus: die Frauen und die Juden. Er beweist ihre seelische Minderwertigkeit, ihren moralischen ^Tiefstand mit einer .geradezu taschenspiclerischen Kaulschiikiogik, rhit"welcher' sich1 alles beweisen läßt. So; charakterisierter das männliche Prinzip M als das1 absolut geistige, asketische, moralische, das weibliche Prinzip W als das absolut sexuelle, ungeistige, amoralische .Er betrachtet jedes Individuum als eine Mischung von so und soviel Prozent M, so und soviel Prozent W. Auf diese Aut ist er gegen jede tatsachenmäßige Widerlegung gesichert und hilft sich einfach dadurch, daß er.Jede Frau, die in seine Minderwertigkeitsschablone nicht .hineinpaßt,, einfach und willkürlich als ein Individuum ,mit,männlichem Einschlag bezeichnet. , Aehnlich, beim Judentum. »Es gibt Arier, die ,jüdischer sjnd als manche Juden und Juden, die arischer sind als gewisse Arier« sagt er im Anfang seines. Kapitels über, die; Judenfrage. Wiedel ermöglicht ihm dieser .logische Trick den Widerlegungen der Wirklichkeit, ja der unangenehmen Tatsache, daß er selber Jude ist, in weitem Bogen auszuweichen- und willkürlich ein ideales »Ariertüm« und. ejn yerächtliches »Judentum« zu konstruieren. Nach Weinienger vertritt;das Judentum das Prinzip der Fornilpsigkeit, der Haltiosigkeit, , des niedrigsten Sklavejnsinnes, Der Jude ist hochmütig und kriecherisch, während der Arier stolz und demütig ist.,Hingabe an eine Idee ist dem Juden fremd, er ist der »absolute Ironiker«, er »zweifelt an seinem eigenen Zweifel«. Dje Vorstellung eines, jüdischen Oentleman ist für Weininger undenkbar und der, Zipnismus erscheint ihm als die, ti n j ti d i - s c b e s t e Bewegung der, Gegenwart. Er operiert mit Zeitschriftenschau. In den ausgezeichneten Hamburger Monatsheften für auswärtige Politik, den »europäischen Gesprächen« veröffentlicht Hans R ei ß n e r einen Aufsatz über »P a 1 ä - s t i n a!ii n d s e i n c n N a t i o n e n«. Der Autor ist außerordentlich .sachkundig und .befleißigt sich einer rühmenswerten Objektivität, so, wenn er als einzigen Nachteil der jüdischen Kolonisation für die Effendis die Tatsache feststellt, daß »die gesteigerte Nachfrage nach Ar-: beitskräften und der höhere Staudart der jüdischen Ai nicht zuletzt aber auch der von Gen. Willi Hirschhorn sachkundig, und sicher geleifete Sprechchor unserer jurt-* gen Freunde» Der Gesang der Internationale beschloß den Abend. Der Gang zu Herzls Grab. Unsere Organisation hat an dem anläßlich des 10. Geburtstages Theodpr Herzls vertnstalteten Grabgang am 4. Mai teilgenommen;unser Zug zählte 300 Teilnehmer. Rote Fahnen leuchteten unserer Gruppe voran... Aus unserer Schachbewegung.! Die diesjährigen, im Rahmen des Oesterr. Arbeiter- Schachbundes ausgetragenen Meisterschaften, sind zu Ende und es ist nunmehr möglich, objektivere Maßstäbe für die Beurteilung der Spielstärke anzuwenden. Obwohl auch da, die unerwünschtenu»widrigen« Zufälle eine Rolle spielen, kann unser Schachklub doch mit dem Ergebnis zufrieden sein. Wenn auch die Wünsche höher gingen, so bedeutet der im ersten Anlauf errungene dritte.Platz 'in der\\eisterschaftstabellc (H) Vereine) doch, einen bedeutenden Erfolg. Der »Erste j ü d. A r b.-A r b e i t e r- Schach kl ub Andermann« hatte das erst e Mal in der Konkurrenz mitgekämpft und obwohl es diesmal mißlungen ist, den Meistertitel zu erringen, so sind die Chancen für das kommende Jahr ganz ausgezeichnet, wenn — der Elan und das feste, straffe Gefüge bestehen bleibt. Wir. halten jedoch unsere Schachgenossen für allzu erprobt, um diese Eigenschaften in Zweifel zu ziehen. Die Parole bleibt dieselbe: Ausbau^ und Entwicklung in der Richtung eines qualitativ hochstehenden Massensports int zweiten Bezirke (Scliüler-Jungmannschaften usw.) Es ist dabei nur zu begrüßen, daß ein bei der Generalversammlung ausgesprochener Wunsch, last ganz in Erbeiterschaft d i e A n s p r ü c h c d c r f e 11 a c h i s c h e'nJ rtiUunK ßej?an«en lst- Unser Schachklub hat, aut die Bei- Täglöhner. in s t e i ge iuI er» R i c h t u n g«; beein-|hilfe c.cIesiiG.en- ^nav gestützt, eine Sektion m der Inncflußt, wenn er den Zionismus warnt; die politische Vita, rc" StocK ms Leben geruteni die bereits eine eigene lität und Dozilität der Araber zu unterschätzen oder gar schachl.che; Ausrüstung bes.tzUuncrrcgelmäß.ge Spielsie nicht ernst zu nehmen, wenn er die Klagemaucrfrage] a.be"de abl!a,L ^,csc!' Fortschritt hat zwei Vorrede, br streifend die historische Tatsache feststellt, daß der Mufti aeht neue Menschen heran und jene Genossen, welche in seinerzeit »bei die käufliche Ueberetgnung; des . Platzes'?as Loka cles Stammklubs in der B u.nauergasse nicht vor der Klagemauer verhandelt« hat: und wenuier schließlich .den .Arabern rät, in die Bahn der V e r s t ä n d i - g u n g einzulenken«. .•>'•■ ■■■>.'' ■ In-den Mitteilungen der .Akademie zur« Wissenschaft-' liehen Erforschung und .Pflege des Deutschtums veröffent-; licht Heinz Kloß einen Aufsatz über »Deutsche und' Jidden«, in .welchem; er .die, duetschc Wissenschaft aufruft, ihr. Ignorieren clerf jicidischen 'Kiil'tür, der er eine liebevolle Darstellung (Literatur jiddisch-wissenschaft-: liches'Institut,' Jiddische Abteilungen am Institut'für weißrussische Kultur in Minsk, aif der Ukrainischen Akademie cler: Wissenschaften in Kiew, beim Lehrstuhl für allge-, 'meine Philologie in ''Charkow)' Heldisch Ii'terariscli-iinguistische Abteilung' an der pädagogischön' Fakultät der Universität zu'Moskau)' widmet, endlich aufzugeben: Die bisherige negative Stellung der deutschen Wissenschaft erklärt 'er mit Alphabetschwiengkeiten und* Ressentiment, und ruft im Interesse des Deutschtums zum Aufgeben der-' selben; *äber er kritisiert aüehi'dcn ■ Zionismus',' der s a u f d i e >R;q a l e - Z i o n - R i ch tu n g überwiegend ...: d e u 11 i,c h g l c i c h falls a n t ij i d d i s c h.e.i n -I g e s ,t e litis t«. ,, j , f kommen konnten, in der Inneren Stadt aber eher mittun werden. Die Statuten weisen in den wichtigsten Punkten denselben Aufbau, auf. Ein Unterschied besteht nur insoferne, als die Stilisierung einiger Absätze auf den Zusammerilang der Sektion' mit dem Stammklub in der Bhimauergassc hinweisen. Wir wünschen unseren, Schächfreunden im ersten Bezirke die besten Erfolge in ihren weiteren Bemühungen. , , Die „Wilnaer" sind wieder in Wien.; ' Die »Wilnaer« sind wieder bei uns.. Die Familie hat sogar herrlichen Zuwachs erhalten. 'Es ist Alex Stein gelungen, die wunderbare Paula Walter, Frau Witalina,'* die Herren Howalski und Schigoiim für die Puppe zu gewinnen. Wir freuen uns, die Wilnaer wieder begrüßen zu können und hoffen, daß sie sich bei uns nunmehr dauernd niederlassen werden.' ,, , „ , ' Es war keineglückliche Idee, mit' dem »Dörfsjing« das neue Gastspiel zu eröffnen. Das i.Stück ist niemals hoch;; eingeschätzt worden und inzwischen ist es auch ziemlich; veraltet worden: Eine Aufführung, die nichts neues bietet, hat wenig Sinn. Die »Wilnaer« haben im allgemeinen, gute Leistungen geboten. Herrlich war cjiq Chajke, der Walter. Die große Künstlerjn wurde herrlich empfangen. , 1. Mai. Wie alljährlich hat auch heuer unsere Organisation geschlossen am Maiauf marsch der Wiener Arbeiterschaft teilgenommen. Die Zahl der Teilnehmer an unserem Zuge betrug mehr als jOO — in Anbetracht dessen, daß diese aus den entfernten Bezirken zu Fuß zum Treffpunkt kommen mußten, eine anselinlich^e Zähl! Unsere jugendlichen vertrieben'sich,, während der, »Zug hält mächen müßte, mirGesarig und Horatanz die Zeit! Vorängeträgen wurde unserem Zuge ein Transparent, mit der Aufschrift; »Es lebe das arbeitende Palästina!«' Am':Abend!fand eine wölilgelun^ene Maifeier in den Kunstspieleh!statt, die sehr gut besucht war. Die Festrede hielt Gen. Mendel Singer, der in'geistvoller Weise die Probleme: -Annerbaü> «des internationalen;' Sozialismus den Gegenwart als Symptome;*desbStadiums der Verwirklichung aufzeigte,,, Die künstlerischen Leistungen, die geboten wurden, standen auf respektabler .Höhe: .besonderen Beifall, holten sich die Damen Rpsen und Thorn (Gesang), verständnisvoll begleitet. von Herrn Lampel, die Herren Ehrenkranz (Rezitation) und J. $ch.\yarz (Violine) V Lcbensversicherungs*»Gesellschaft PHÖNIX Scntralc: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versichcrungsbestand Ende Juni 1920: S «,000,000.000 - GaranHcmlttel Ende 1928: a 242,00O.OOO• - . Prämien- und Zlnsentinnahmen im Jahre 1928: 8 97,aOO.OOO - Auszahlung an die Versicherten im Jahie 1923: 8 26,500.000— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich« Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien,Griechcnland,Türkei,Aegyptcn, Palästina. Pensions-^Versicherung NCII* mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) c y gemeinschaftlich mit der r , Versichcrungs*Aktien*G es e II s c h äff früher;i PENSIONS-VEREIN für.Handc!/ Industrie und Gewerbe , Wien, 1, Schellinggassc Nr. 1 der Bemeinde Ii Wien I* i Die Gemeinde Wien haltet mit ihrßm gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - tralsparkasse - . - - Eigentümer, Verlepr, Herausgeber u. verantwortl. Redakfeur: Markus lachs, Angestellter, 'Wien, II., Gr. Sperlgasse 19. — Druck: »Adria«, Wien, II., Taborstraße 52 b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.