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Der Jüdische Arbeiter · 1930-04-29 · Heft 9 (29.4.1930) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 9 (29.4.1930)
Date
1930-04-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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II* b. b. rsit&tsbibliothelt i#H *• JÜDISCHE ARB Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreich Erscheint jeden zweiten Freitag Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1/ili - Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig S 1.20, halbjährig S 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 9, Wien, 29. April 1930. 7. Jahrgang. 1. Mai 1930 Jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen! Genossen und' Genossinnen! Gemeinsam mit dem in der Sozialistischen "Arbeiter-Internationale vereinigten W'eltproletariate bekunden wir am ersten Mai unsere Kampfentschlossenheit Siegen den Faschismus, für die Demokratie» gegen die Rüstungen, für den Frieden, für die Ratifizierung der Washing» toner Konvention, für den völkerbefreienden Sozialismus. In geschlossenen Reihen mit der klassenbewulken Arbeiterschaft in Oesterreich .ziehen wir auf die Straße, um gegen die soziale und politische Reaktion, gegen den Heimwehrfaschismus, für die Fortsetzung der sozialen und demokratischen Ausgestaltung der Republik zu demonstrieren. Als Organisation der jüdischen Arbeiter in Oesterreich wollen wir die arbeitende jüdische Bevölkerung aufrufen zum Kampfe '■ gegen die Reaktion im jüdischen Wien, gegen den volkifremden Charakter der jüdischen Gemein* de, für die wahrhafte Demokratisierung der jüdischen Gemein? schaft Wir bilden einen Teil der in allen Ländern der Welt zerstreuten jüdischen' Arbeiterschaft, des sozialistischen Weltverbande Poale Zion. Am internationalen Fest- und Kampftage bekünden wir unseren jüdischen Arbeiterbrüdern, allen Brüderparteieu unsere Solidarität und Kampfestreue für das nationale und soziale Befreiungswerk des jüdischen Volkes in allen Ländern jüdischer Massensiedlung, für das arbeitende sozialistische Palästina. Wir grüßen die in allen Ländern schwer ringende jüdische Arbeiterschaft, wri grüßen die Genossen in Rußland, die trotz furchtbarster'Verfolgungen seitens der kommunistischen Diktatoren über das Proletariat die zionistisch-sozialistische Fahne nicht sinken lassen. Unser herzlichster Gruß gilt den vielen tausenden Chaluzim, Arbeiterpionieren, die gerüstet sind, nach Palästina zu ziehen und' am Aufbauwerk des arbeitenden Palästina mitzuwirken; et; gilt den zehntausenden jüdischer Arbeitern in Palästina, die in einem1 erbitterten blutigen Kampfe gegpi die jüdische und arabische Reaktion, gegen! die Bürokratie des imperialistischen-England, unter ungeheuren Opfern, das arbeitende sozialistische Palästina errichten. Sieg dem völkerbefreienden Sozialismus! Es lebe die SbzialistischeiArbeiter-InternationalefSieg dem nationalen und sozialen Befreiungswerk des judischen Volkes! Es lebe der sozialistische Welt« verband Pöale-Zion! Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien. ersten Mai, für ihre Ziele und Losungen; demonstrieren ■wir heute. Darüber aber wollen wir nicht der engeren , Schicksalsgemeinschaft vergessen, deren Teil wir sind, des allweltlichen jüdischen Proletariats. Mag noch vor kurzem manchem diese Schicksalsgemeinschaft als ■ problematisch erschienen sein, die Gegenwart bringt uns ihre Realität mit unerbittlicher Strenge zum Bewußtsein. Die jüdische Arbeiter- und Angestellten-' schaft aller Länder und Erdteile steht heute im schwersten Kampfe um ihr Recht auf Arbeit, gegen die vereinigte Front der antisemitischen Staatsgewalten, gelber antisemitischer Arbeitnehmerverbände und vielfach auch jüdischer volksverräterisch'er Unternehmer. Man beliebt des öfteren die Sonderstellung des jüdischen Proletariats im Osten zu bejahen, sie im Westen aber zu negieren; leider hat die jüngste Entwicklung in Zentraleuropa, insbesondere die Faschisierung nichtt unbedeutender Teile der Angestelltenschaft auch hier zur Boykottbewegimg der jüdischen Arbeit geführt und noch niemals"war, im Westen die Notwendigkeit einer jüdisch-proletarischen Aktion Jüdisch-sozialdemokr. Arbeiterorganisation Poale Zion. Jüd.-soz. Arbeiterjugend.1 Bund Mischmar Ovdim. MAIFEIER Zum ersten Mai. Seitdem in Oesterreich der erste Mai, das Fest des internationalen sozialistischen Proletariats, durch Gesetzesbeschluß zum Staatsfeiertag erklärt wurde, bestand die Gefahr, daß diese Tatsache den; Kampfcharakter unseres Festtages mindern könnte: es war zu befürchten, daß die österreichischen Arbeiter und Angestellten sich der Illusion hingeben könnten,, es gelte nunmehr nur das Erreichte auszubauen, die schwersten Kämpfe des Proletariats . seien bereits Jgescbiehtljiche Tatsachen", (nicht aber zukünftige Aufgaben. Die österreichische Bourgeoisie hat diese Gefahr gründlich gebannt! Sie hat die nach der Lösung 'der Koalition gegebene Möglichkeit zum Ausbau ihrer staatlichen Macht und' ihres privaten Gewaltapparates gründlich ausgenützt und hat auch die so geänderten Machtverhältnisse zur Durchsetzung ihrer politischen und wirtschaftlichen Interessen auszunützen verstanden mit einer Energie und Zielsicherheit, wie sie wahrlich der proletarischen Interessenvertretung als Vorbild dienen könnte! Schritt für Schritt sucht das österreichische Bürgertum das in der Revolution von 1018 verlorene Terrain, wieder zu gewinnen, dem Proletariat seine schwer erkämpften "Errungenschaften zu rauben. Im schweren Verfassungskampfe haben wir den Angriff auf unsere politischen Grundrechte abgewehrt; das Ziel, die Bedingungen des wirtschaftlichen Klassenkampfes des Proletariats zu verschlechtern, hat der Bürgerblock 'durch die Einführung des „Antiterrorgesetzes," zum Teil erreicht. Wir alle wissen: das alles sind nur „Vorpostenkämpfe", in welchen das Bürgertum seine Kraft an der des Proletariats zu messen' bestrebt ist; kann es aber einem Zweifel unterliegen, daß die bürgerlichen Parteien sich nunmehr mit ihren Teilerfolgen nicht begnügen werden und das Ganze der österreichischen Sozialpolitik zum Ziel ihres Angriffes machen werden, im Sinne jener berüchtigten Beschlüsse vder Kammer für Handel und Gewerbe? In dieser Situation fühlt es jeder und jede von uns deutlich: nein, der erste Mai ist kein Staatsfeiertagi, wir demonstrieren an diesem Tage nicht für Ziele, die dem gesamten österreichischen Staatsvolk gemeirTsam sind! Ein proletarischer Festtag, ist der erste Mai, an dem wir unsere Kampfbereitschaft all jenen zum" Bewußtsein bringen wollen, die kein höheres Ziel kennen, als das Proletariat politisch, wirtschaftlich und kulturell auf das Vorkriegsniveau zurückzuwerfen, an dem wir uns aber auch wieder ins Bewußtsein rufen wollen, daß das Proletariat erst dann sich gesichert seiner Errungenschaften freuen wird', wenn es auf dem Wege der Demokratie die Staats- und Wirtschaftsmacht erobern wird: im sozialistischen Staat erst wird der erste Mai ein Staatsfeiertag im wahren Sinne des Wortes sein! Als Teil des österreichischen und internationalen Sozialismus feiern wir jüdische Sozialdemokraten den Aus dem Programm: Sprechehor (Gen. W. Hirschhorn) , Jehuda Ehrenkranz: Rezitation Frl. Rosa Rosen: Jüdische Volkslieder . Herr Julius Schwarz: Violine Festrede . ' Frau Hilde Torn: Revolutionäre Lieder Klavierbegleitung:; Herr Max Lampel Zeit: 1. Mai, 8 Uhr. Ort: Kunstspielc, I., Riemergasse 11. Genossen und Genossinnen erscheinet zahlreich! Am Maiaufmarsch nehmen unsere Organisationen geschlossen teil. Treffpunkt: iL, Blumauergasse 1, 9 Uhr vormittags. Kein Genosse und keine Genossin fehle! im Rahmen der sozialdemokratischen Partei in dem Maße notwendig, wie im gegenwärtigen Augenblick'. In den vitalsten Bedürfnissen unseres sozialen Lebens ist es also begründet, wenn wir freute unserer Solidarität imit dem um Brot und Arbeit kämpfenden allweltlichen jüdischen Proletariat Ausdruck verleihen. * In diesem Kampfe des allweltlichen jüdischen Proletariats1 flvommt der jüdischen Arbeiterschaft in' Palästina eine 'besondere Bedeutung zu: denn siel führt ja diesen Kampf nicht nur für die im Lande ansässigen Arbeiter, sie ist die Wegbereitern* der jüdischen, arbeitshuugrigen Massen aller Länder, jede ihrer Aktionen ist von dem Gedanken bestimmt: die Möglichkeit zu schaffen, immer größere Teile der aus den Volkswirtschaften der Galutländer herausgesloßenen jüdischen Massen in die palästinensische Wirtschaft einzugliedern. So ist es denn unser eigenes egoistisches Interesse, wenn wir heute unseren Vorsatz erneuern, unserer Solidarität mit dem jüdischen Proletariat in Palästina realen Ausdruck zu verleihen und die jüdische Arbeiterpartei Palästinas nach Kräften politisch zu unterstützen. Gegen "drei Fronten wird unser Kampf für das arbeitende Palästina gerichtet sein müssen. Gegen kommunistische und assimilatorische Verleumdungen des Arbeiterzionismus. Gegen die jüdiscli£ Bourgeoisie, der das rote. Palästina ein Dorn im Auge ist. Gegen jenen Teil-der jüdischen Jugendbewegung, der da vorgibt, zionistischsozialistisch1 zu sein, der aBer seineu Mitgliedern in: Palästina verbietet, die Mitgliedschaft der jüdischen Arbeiterpartei zu erwerben. Vielfältig ist also die. Gegnerschaft des arbeitenden Palästina: sie dient den Staatsinteressen einer fremden Macht, sie ist von: brutalen Klasseninteressen bewegt, sie läßt sich' vom romantischen, kleinbürgerlichen, neurotisch an die „(u- 1. Mai: Treffpunkt 9 Uhr vorm., II., Blumauerg. 1

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