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Der Jüdische Arbeiter · 1930-04-11 · Heft 8 (11.4.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 8 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Der jüdische Arbeiter eines Jahres verwirklicht werden, soll der oben gekennzeichneten Plattform zugestimmt werden mit dem Zusatz, daß man der Leitung dies Recht gibt, während des einen Jahres bis zur nächsten Weltkonferenz mit der Hitachdut in Verbindung zu bleiben.« Die Angelegenheit hätte bei der Konferenz der Zeire Zion ihrer endgültigen Erledigung zugeführt werden sollen. Die Konferenz fand am 15, und 16. Februar statt. Die Kon ferenz stand aber wie es scheint nicht unter dem Einfluß des Zentralkomitees, sondern des Vertreters des Verbandsbüros der Hitachdut, Dr. Arjeh Tartakovers, der si.ch ent- , schieden gegen die Vereinigung überhaupt ausgesprochen hat. In der Ichud-Debatte kamen drei Ansichten zum Ausdruck: 1. eine Gruppe trat für die baldige Vereinigung, bezeichnete den Unterschied zwischen den »beiden zionistisch-sozialistischeir Bewegungen als zufällig und erklärte, sich den poale-zionistischen Organisationen anschauungs gemäß näher zu fühlen als gewissen Hitachdut-Partcien in den übrigen Ländern. 2. Die Mehrheit der Konferenz trat für den Ichud jedoch auch für das Verbleiben im Hitachdut-Weltverband bis zur Weltkonferenz im Juli ein sollte diese die lettländische Vereinigufigsplattform ablehnen, würde man freie Hand bekommen, und die Vereinigung, die erklärten, sie seien keine Sozialisten. % r Schließlich wurde eine Resolution im Geiste der zweiten Gruppe angenommen, allerdings muß festgestellt werden, daß diese im Gegensatz zur von der Zeire Zion ak zeptierten Plattform steht: so wurde zum Beispiel aus dem Passus »Gleichberechtigung der hebräischen und jüdi sehen Sprache« die Forcierung nach Hebräisierung des jü dischen Lebens, was eine negative Beziehung z\ Jiddisch bedeutet. * Der Verteter des rllitachdut-Büros, Herr Dr. Arjeh Tartakover, war in seiner Rede sehr bemüht, die poalczionistische Bewegung herabzusetzen; er Führte u.'a. aus, der Ichud in Palästina sei ein Sieg des Hapvel Hazair, die Poale-Zieon sei eine Galuthpartei, die Hitachdut sei die Partei der Chaluziut und des konstruktiven Aufbaus. Zur Frage der Chaluziut. stellt unsere Bruderorganisätion fest, »'daß in den letzten 7—8 Jahren die Zahl der Hifaclidut-Chaltizim aus Lettland nicht ein Zwanzigstel der Zahl der poale-zionistischen Chaluzim betrug. Interessant ist, daß unsere lettländische »Borochovjugend«, die von der Hitachdut wegen ihrer Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Spitzenorganisation als vom zionistischen Standpunkt geringwertig bezeichnet wird nach den August-Ereignissen 30 Genossen nach Palästina ^entsandt hat, während die »chaluzische« Gordonia erst jetzt einige wenige ihrer Leute entsendet.« / Brasilien. Unsere Bruderpartei hat an den Präsidcntschaftswahlen sehr , aktiven Anteil genommen, Sie hat in Uebereinstimmung mit der stärksten sozialistischen Gruppe in Bra- ' silien, der Partida Arobalistay den Kandidaten Parestida , unterstützt, der auch tatsächlich gewählt wurde. Die Partei hat durch Gen. Rapaport aus Palästina Verstärkung erfahren. Gen. Rapaport hat das Sekretariat übernommen und .bereist das Land. Die verstärkte jüdische Einwanderung stellt an die Partei größere Anforderung. .Rumänien. In einer Anzahlvon Orten steht die Partei vor Geuieindevvahlen/Dic Exekutive hat sich an das Zentralkomitee der sozialdemokratischen Partei wegen gemeinsamen Vorgehens bei den Wahlen gewendet. Zuerst wurde der Vorschlag sehr freundlich aufgenommen, dann setzte aber der Bund mit seinen Intriguen ein und die SP. hat unser Anerbieten zurückgewiesen. Wir sind also gezwungen, mit eigenen Listen in den Wahlkampf einzutreten; die Verantwortung für die Schwächung der proletarischen Front haben die rumänischen Sozialdemokraten zu tragen. — In Radewiz hat die Partei bei der Wahl zur jüdischen Gemeinde vier Mandate erworben. —■ Eine sehr rührige Tätigkeit entwickelt unsere Gruppe in Bukarest 30 Jahre dichterisches Schaffen. In diesen Tagen feierte der hebräische Dichter T s c h e r n i c h o \v s k i sein 30jähriges Dichterjubiläuni. Sein Erstlingsband, „Chesjonotli umanginoth", war ein Novum in der hebräischen Literatur. Der Dichter erschien "dem Leserpublikum als ein Qoj (die Kritiker sagten Hellene) in jüdischem Gewände, dessen Denken und Fühlen all dem, was man als Judentum bezeichnete, diametral entgegengesetzt zu sein schien- Liebe und Natur, "worüber die Dichter bisher mir räsoniert hatten, waren hier zum erstenmal als wirkliches Erlebnis von einem Dichter gestaltet , worden, der sogar den Kampf gegen den Gott der Tefiillin aufgenommen hatte und vor dem Griechengott das Knie beugte- Doch wie oberflächlich war jenes Urteil- Wenn man als nationalen Dichter nur den gelten laßt, der in romantischer Weise die Vergangenheit verherrlicht oder nationale Hymnen singt, dann erhebt Tschernichowski sicherlich keinen Anspruch auf diesen Titel; gilt jedoch als nationaler Dichter derjenige, der, die Vergangenheit beiseite lassend, das ' Streben einer neuen Generation verdolmetscht, dann ist Tschernichowski das Gewissen der Nation selbst. Und es ist kein Wunder,«daß insbesondere in Evez- Israel der Dichter, der für sein Volk eine Zukunft nicht im Himmel, sondern auf Erden herbeisehnt; auf dem Boden, wo die jüdische Arbeiterschaft, wie der junge Arbeiter in einem seiner Gedichte, „eine neue Wahrheit" schafft, sich einer Beliebtheit erfreut, wie kein anderer Dichter der modernen jüdischen Literatur. Möge es Schani Tschernichowski vergönnt sein, bald in Erez-Israer sein Schaffen fortzusetzen. K. Jüdische Arbeiterjugend. Neue Aufgaben unserer Jugendorganisation. Unsere Jugendorgan isation, der Verband der jüdisch - sozialistischen Arbeiterjugend, ist in der Zeit» der schwersten Krise in Palästina gegründet worden. Die älteren Chawerim der Jugendbünde sahen keine Möglichkeit zu Alijah, andererseits waren sie der Arbeit in den Bünden bereits entwachsen. In dieser Situation fanden diese Chawerim in der Gründung einer politischen Jugendorganisation, der JSAJ. ihren Ausweg. Diese Organisation, die sich sofort dem poale-zionistischen Programm anschloß, nahm bald großen Aufschwung. Es gelang, ihr nicht müden größten Teil der älteren Chawerim der linken Bünde an sich heranzuziehen, sie organisierte auch viele Chawerim aus den» Lager der SAj. Auch hat sie ideologisch, außerhalb iehrer Mitgliedschaft sowohl im sozialistischen, wie im zionistischen Lager erfolgreiche Propaganda betrieben* Es ist nicht zu .verkennen, daß die Organisationen der österreichischen Arbeiterschaft uns heute viel verständnisvoller gegenüberstehen, als vor vier Jahren. Das ist gewiß zu einem beträchtlichen Teil der Arbeit der JSAJ. zuzuschreiben.. .Andererseitshat die JSAJ. erreicht, daß alle linken, jüdischen Jugendbünde in einem Kartell zusammengefaßt sind; daß diese Bünde bis auf einen sich alle zur poale-zionistischen Idee bekennen; daß die Leitung des Chaluz und der größte Teil seiner Mitglieder poalc-zionistisch gesinnt sind. Man kann die Bedeutung dieser Tatsachen eist würdigen, wenn man sie mit der politischen Stellung dieser Organisationen in anderen Ländern vergleicht. So ist der Weltverband des Haschomer Hazair noch immer nicht von der schändlichen Stellungnahme seiner palästinensischen Chawerim abgerückt, die sich der Vereinigten Jüdischen Arbeiterpartei nicht ausschließen wollen. Und die Leitung des Weltchaluz findet es noch immer für richtig, in allen Ländern die Gruppen dieses, »unpolitischen« Haschomer Hazair gegenüber den Organisationen der poalczionistis.chcn Jugend in jeder Beziehung zu bevorzugen. Daß sich demgegenüber in Oesterreich sowohl die Leitung des Cha-o luz, als auch der Schomer und die anderen linken Bünde zu unserer Idee bekennen! ist wohl hauptsächlich der JSAJ. zu danken. Freilich muß man Wagen, ob dieses platonische Bekenntnis genügt. Es zeichnet den marxistischen Sozialismus aus, daß er von seihen Anhängern nicht nur ein Bekenntnis verlangt, sondern eine rege Mitarbeit in Partei und Gewerkschaft, eine politische und organisatorische Schulung. Darum können wir die Chawerim der Jugendbünde, auch wenn sie sich zu uns bekennen, nicht als vollwertige Poale-Zionisten ansehen, solange sie nicht auch in unseren Organisationen, organisiert sind. Man sage nicht, daß komme für die Chawerim, die sich zur Alijah vorbereiten, nicht in Betracht. Gerade im Gegenteil: wir glauben, daß die organisatorische und politische Schulung einen wichtigen Bestandteil jeder Hachscharah bilden müßte. Zweifelt jemand daran, daß die Chawerim der letzten Alijah durch ihre langjährige Mitarbeit bei der Poale-Zion oder JSAJ. und außerdem bei Partei und Gewerkschaft, sich vieHeichter in die Organisation der palästinensischen Arbeiter einfügen werden als andere, daß sie in Kampf und Not viel gefestigter dastehen werden, daß sei viel weniger leicht enttäuscht und entmutigt sein werden als Chawerim, die nur mit der romantischen Erziehung des jugendbundes ins Land gekommen sind! Die Notwendigkeit der politischen und organisatorischen Hachscharah wird jetzt, jn einer Zeit gesteigerter Alijahmöglichkeit, viel dringender als früher. Und damit entsteht für die JSAJ. eine neue, große Aufgabe. Sie muß erreichen, daß alle älteren Chawerim der Jugendbünde, ob sie sich nun unmittelbar auf die Alijah vorbereiten oder nicht., ihr angehören und bei ihr mitarbeiten. Diese Chawerim können und sollen weiter ihrem Jugendbund angehören; die JSAJ. soll aber ihre politische und organisatorische Schule sein. . ...•»Wir verkennen nicht, daß diesem Ziel große Schwierigkeiten gegenüberstehen. Vor allem herscht ein den Jugenbünden großes Mißtrauen gegen die JSAJ. wegen ihrer kulturellen Arbeit. Soweit dieses Mißtrauen einen sachlichen Grund hat, beruht es auf dem Umstand, daß die Arbeit der JSAJ. seit ihrer Gründung zum großen Teil von Genossen geführt worden ist, die für ihre Person keine Möglichkeit zur Alijah gesehen haben* Es: ist aber kein Zweifel, daß gerade in letzter Zeit unter dem Eindruck der Alijah der Einfluß der Chaluzida in der JSAJ. immer mehr gestiegen ist. Soll die Mitarbeit der Chawerim der Bünde in der JSAJ. Wirklichkeit werden, so werden sicherlich gewisse Aenderungen in den Arbeitsmethoden, und der Leitung der JSAJ. Platz greifen müssen. Andererseits wird diese Mitarbeit auch auf die Jugendbünde im Sinne einer engeren Zusammenarbeit der Bünde untereinander zurückwirken. Diese Zusammenarbeit kann sicherlich von allen Seiten nur begrüßt werden, werin sie nicht unter dem Einfluß einer der.palästinensischen Arbeiterpartei fernstehenden Organisation, sondern unter dem Einfluß der auf dem Bochjn der Arbeiterpartei stehenden JSAJ. erfolgt. In wetcher Wiese die JSAJ. die Organisierung *tJer älteren Chawerim der Bünde erreichen will, darüber muß sie sich selbst und müssen sich die Jugendbünde klar werden. Die Notwendigkeit steht nach unserer Meinung für beide außer Zweifel. Man hat, nicht mit Unrecht, als Vorzug derjetzten Alijah hervorgehoben, daß sie rein sozilaistisch war, weil fast alle Olim der Poale Zion oder der JSAJ. angehörten, Dieser Vorzug darf keine Ausnahme mehr bilden. Wl und insbesondere die JSAJ. müssen erreichen, daß von nun an alle weiteren Alijoth immer rein sozialistische sein werden! Grb. Außerordentliche Generalversammlung der JSAJ. Am Donnerstag den 17. April findet eine Generalversammlung der jüd.-soz. Arbeiterjugend statt, die sich mit der Reorganisierung unserer Jugendorganisation und der Form der Uebcrführung der älteren Genossen in die Poale Zion zu beschäftigen haben wird. Versicherungsaktion! Unseren Genossen ist bekannt, daß der KKL. sei vielen Jahren mit der Lcbensversicherungsgesellschaft »Phönix« im Vertragsverhältnis steht. Wir erlauben uns, Ihnen diese Tatsache in Erinnerung zu bringen, da wir uns entschlossen haben, die Aktion, die *den KKL. als Hauptinstrument der Kolonisationsarbeit zugute kommt mit größerer Intensität als bisher zu fördern. Wir werden Mitglieder der KKL. Versicherungsabteilung mit Empfeh hingen unserer Leitung ausrüsten und unsere Genossen fyon ihnen besuchen lassen. Wir betrachten es als Pflicht aller Genossen und Freunde den Vertretern der KKL.-Ab teilung an die Hand zü gehen, den Abschluß von Versicherungen zu erleichtern und in Bekanntenkreisen weiter zu empfehlen. Isban in Wien. Der junge palästinensische jiddische Prosaiker Sch, Isban ist in Wien eingetroffen und wird hier eine .längere Zeit verweilen. Sch. Isban hat« bis nun zwei Bücher herausgegeben: einen Roman »Massen« und ein zweites Buch »Erzählungen aus den Palästinaleben«. für jeden Sporer die «MSHU der Buniiie Kien ii Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse - - - - Lebe nsversicherungs^Gesell schaft PHÖNIX Zentrale': Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Veraicherungsbestand Ende Juni 1929: 8 JB.OOQ.OÜO.OQO- - Garantiemittel Ende 1928: H 242,000.000; PrämieD-"und'2inseae]nnabnien im Jahre 1928: Auszahlung an die Versicherten im Jata-c 1924: 8 97,500.000 - 8 26.500.000- TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavlen, Bulgarien.Griechcnland.Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions- Versicherung JJgjjmit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs * A ktien^Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, ScheIHnggasse Nr. 1 , Eigentümer, Verleger/Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, 11., Gr, Sperlgasse 19. — Druck: »Adria«, Wien, IL, Taborstraße 52b. de G be ch zu Ai ge sei Ai Cfc Lö ba Wi\ so ihr zui siel ten für in '< y.u ten t'ass pol Bec Pro 1

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