Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 7 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4. Der jüdische Arbeiter Die englischen Konsumgenossen schatten importierten die Oran genernte der jüdischen Arbeiter wirtschaften in Palästina! Die Orangentransporte 'der „Jafk'ap" kommen fast mit jedem Schiff nach England und! geben Zeugnis von dem Wuchs der landwirtschaftliclieu Produktivgenossenschaften, in Palästina. Die Transporte gehen an:' die große englische Konsumentenorgauisation, die 6 Millionen Mitglieder zählt, Der „Harnaschbir" die Zentralinstitution der jüdischen" Genossenschaftsbewegung m' Palästina ........ hat sich im Jahre 1929 zum ersten Male mit der englischen GenossenscTiaTtsbewe gung m 'Verbindung gesetzt und'"hat an "diese 7000 -Kisten Orangen abgesetzt, heuer schickt der Maschbir schon 30.000 Kisten Orangen, davon 7000 allein aus Gan Schmuel. Es ist das Ziel der, Histadruth und des Hamaschbir,- für 'die jüdischen Arbeiterwirtschaftem einen Markt zu schaffen. Damit auch die Arbeiter, die kleine OrangenpfTanzungen besitzen und auch die Kwuzoth gute Preise erzielen können, ist ein sicherer Markt" und ein reeller Käufer im Ausland notwendig. Die , englischen Konsumvereine wollen ihrerseits ihre" Orangen direkt von den Arbeiterproduzenten beziehen, und deshalb haben sie ein besonderes Interesse, an diesem Geschäft. Dieser Verbindung: mit der genossenschaftlichen Organisation in Manchester kommt prinzipielle Bedeutung zu: sie zeugt von"proletarischer Solidarität und der Herausbildung des internationalen gemein wirtschaftlichen Güteraustausches. Wichtige Tagungen in London. Während des Erscheinens dieser Nummer unseres BJattes tagen in London das Aktionskomitee der zion. Organisation, das Adininistiationskomitee der Jewish Agency und unser Verbandsbureau. Gen. Singer und Gen. Doktor Sokol nehmen an der Tagung des Bureaus teil. .Wir werden über die Konferenzen in der ■• nächsten Nummer berichten. Aus unserer Weltbewegung. Brasilien. 'Unsere Bruderpartei entfaltet in Brasilien seit der Weltkonferenz eine sehr rührige Tätigkeit.* Eswurde ein Sekretariat eingerichtet, dessen Leiter die jüdischen Siedlungen im Lande besucht.. In der letzten Zeit Hat die Partei einen schweren Kampf gegen die Kommunisten zu bestehen gehabt,, die ihre Angriffe auf unsere Partei konzentriert haben, jetzt bereiten die Kommunisten einen Angriff auf den Immigrahtenschutzverein, wo ein Genosse unserer Partei Sekretär ist und wir so auf die Immigranten Einfluß zu gewinnen vermögen. Auch die bürgerlichen Zionisten, die sieh mit unserem Sieg bei den Kongreßwahlen noch niefit beruhig.t Ifaben, führen einen scharfen Kampf gegen unsere Partei. Nach den Geschehnissen im Lande und anläßlich des Todestages Boro.chovs wurden große Versammlungen veranstaltet, die. von Hunderten von Personen besucht worden sind, wie überhaupt unsere Veranstaltungen immer mehr Menschen anziehen. Letztens hat unsere Partei in der Hauptstadt des Landes, in Rio de Janeiro, eine Diskussion über die Ichudfrage im Galut und in Palästina veranstaltet, die sich auf drei Abende erstreckte; der Hauptzweck dieser Veranstaltung war, die .Rolle der H i t a c h cl u t aufzuzeigen, die in Brasilien an der Seite des bürgerlichen Zionismus gegen uns kämpft. Nach Abschluß der Diskussion wurde eine Resolution mit folgendem Inhalt gefaßt: «Wir begrüßen die Einheit der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. . Wir vertrauen dem poale-zionistischen Weltverband, wissend, daß unsere Weltbewegung bereit ist, alle zionistischsozialistischen Kräfte zu vereinigen; wir wissen, daß es in Brasilien nur eine Organisation -der poale-zionisti- Lettiand., Anfangs Jänner fand die Beratung unserer Jugendorganisaiton »Ber Boroehov« statt. In der Konferenz wurden acht Gruppen von 19 Delegierten vertreten. Außer dem Berieht der Z trale wurden folgende Referate ge halten: 1. Das Wesen der Borochov-Jugend; 2. Die Lage in Palästina; 3. Das Wesen des Kibuz; 4. Das Wesen der zion.-soz. Jugendbewegung; 5. Organisalionsfragen; 6. Kultur lind Erziehungsarbeit. In allen Referaten wurden in Vordergrund gestellt die Chaluzarbeit, die Notwendigkeit der Anteilnahme an der gewerkschaftlichen Bewegung und die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse der' jüdischen Arbeiterjugend. Aus dem Bericht ist zu ersehen', daß unsere Jugend großen Anteil an der Alijah hat, aus ihr sind mehr Olim hervorgegangen als aus den übrigen Organisationen zusammen. Auch für die neue Alijah bereiten sich viele Genossen vor. Unsere Icttländische Partei hat mit der dortigen Zeire-Zionpartei, der Landespartei 'der Hitachduth inoffizielle Besprechungen wegen der Vereinigung im Landesmaßstabe angebahnt. Es sind Aussichten auf die Schaffung einer unserem Weltverband sich anzuschließenden vereinigten Partei vorhanden. Litauen. Die litauische Poale-Zion steht in sehr engen Bezie Innigen zur sozialdemokratischen Partei Litauens — trot. aller Gegenarbeit der kleinen bundistischen Gruppe, die Litauen besteht." Kürzlich hat Genosse ' Friedmann litauischen sozialistischen Studentenverein einen aufklärenden Vortrag über .den zionistischen Sozialismus halten und wurde dabei von Bundistcn angegriffen. Die sozialistische Partei stellt uns ihre Presse für unsere In formationen bereitwilligst zur Verfügung. Unsere Partei führt jetzt einen Prozeß wegen der unrechtmäßigen Auflösung ihrer Organisation. Das Gericht hat bereits ausgesprochen, daß die administrative Behörde die Akten an das Gericht zu übergeben habe — was bereits einen -halben Prozeßerfolg darstellt. Tschechoslovakei, Nachdem die bürgerlichen Parteien die Forderung unserer B r ü n n e r Genossen nach einer Gelialtregulierung der Kultusgemeindebeamten akzeptiert hatten, verzichtete unsere Bruderpartei auf den Wahlkampf und schloß ein Kompromiß auf Grund dessen sie zwei Mandate (früher ein Mandat) erhielt. In Preßburg (Bratislava) vyurde eine poalc-zicnistische. Lokalorganisation geschaffen, Diese hat den Kampf gegen die orthodoxe Kultusgemeinde eröffnet, die für ihre Maz.^othbäckerci nichtjüdische Arbeiterinnen aus der Provinz holt, während hunderte jüdischer Famili-.n in Bratislava, der größten Not ausgesetzt sind.' Waad leumi die Stellung des Jischu zu den Ereignissen dokumentarisch festgelegt. Den Abschluß bildet, der Abdruck von Trumpeldors ■ markantesten Aussprüchen Kein j i d d i s c hlesende r Genosse — und dies sollten alle Mitglieder unserer Organisationen sein, versäume, das Büchlein zu lesen; es ist beim Chaluz, l., Kärntnerstraße 28, erhältlich. Piatoli, der Vorkämpfer der Emanzipation des polnischen Judentums. •Dr. Gelbe r hielt im Rahmen d e s V c r e i n e s f ü r j ü d i s c h e Geschichte u n d L i t e r a tu r einen außerordentlich interessanten Vortrag über den im Aller von 22 Jahren nach- Polen gekommenen Florentiner Piatoli, der Während der Regierungszeit Stanislav Poniatovskys (1764—1795) bestrebt war, den Juden die bürgerliche Gleichberechtigung zu geben. Zwei Motive waren für Piatolis Judenpolitik bestimmend: der Einfluß der Ideen der französischen Revolution, vor allem aber die finanziellen Schwierigkeiten des Königs. Es War der Plan Piatolis, die Juden durch Gewährung von Rechten zur Tilgung der persönlichen Schulden des Königs zu bewegen, Ueberdies wollte Piatoli die Juden durch die Reformin den polnischen Staatskörper eingliedern und diesem so eue Energien zuführen. Er verhandelte mit den Vertretern der Kehilot, mit -dem nur noch inoffiziell bestehenden Waad arba arzot und es kommt ein Entwurf des Judenreformgesetzes zustande. Die Reform sollte den Juden die Gewährung des Rechtes, Grundbesitz zu erwerben, eines besonderen Bürgerstandes und der eigenen Gerichtsbarkeit bringen; sie sollten sich zur Tilgung der königlichen Schulden verpflichten. Der Entwurf kam zur Durchbera Zeitschriftenschau. In der sozialdemokratischen Monatsschrift »Der Kampf.« (Heft 3; publiziert Gen. Hugo Steiner einen Aufsatz »D e r Ka in p f d e r j ü d i s c h e n A r b e i t e i«, in welchem er auf Grund neuesten statistischen Materials den Poale-Zionismus gegen Abramovicz mit Erfolg verteidigt. »Der österreichische Volkswirt« vom 1. März bringt einen Artikel Kurt G r u n d w. a 1 d s über »P a l ä s t i n a s W i \\t s e.h a I* t i in J a h r e 1929«. Grundwald stellt fest, daß trotz der August-Ereignisse und trotz des Krachs in Wallstreet (von Amerika kam ein großer Teil des Koionisationskapitals) die Wirtschaftslage nicht ungünstig ist. Die Erteilung der Konzessionen zur Ausbeutung der Schätze des Toten Meeres an die Gruppe Novomcysky- Tullach, zur Verwertung der heißen Quellen von Tiberias sind von-großer Bedeutung. Das Jordan-Kraftwerk hat im März mit der Stroiuliefcrung begonnen. Die Industrie (3800 Industrie- und Handwerksbetriebe mit 18.000 Ar-* heitern, investiertes Kapital 3.7 Millionen Pfund, ■ jährliche Produktion 3,885.000 Pfund) hat trotz Boykott Fortschritte gemacht und' neue Märkte gewonnen. Drei Kreditinstitute befriedigen die Krcditbedrüfnisse der Industrie. Die Arbeiten am Hafenbau in Haifa schreiten vorwärts, ein Teil dürfte schon in einem Jahre für den Verkehr freigegeben werden. Die Zollunion mit Syrien wurde erneuert. Der Außenhandel zeigt ein Ansteigen1 der Einfuhr. Der Motorverkehr hat sieh sehr gesteigert, im Verhältnis zur Bevölkerung steht Palästina an sechster Stelle. Wichtige Fortschritte wurden auf dem Gebiete der Landwirtschaft erzielt, Orangerien mit großen Flächen angelegt, das erste Packhau serrichtet. Bis Ende 1929 wurden 500.000 Kisten gegenüber 387.000 iem Vorjahre nach England verschafft. Durch Ankauf der Haifa Bay durch den Keren "Kajemet und die.Palestine Economic Corporation wurde diese so wichtige Skecke des Landes der Spekulation entzogen. Der Staatshaushalt schließt mit einen Ueberschuß ab. Das Zentralorgan der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale »Die internationale Gewerkschaftsbewegung« (Jänner 1930), hat einen wesentlichen Teil des MeV morandums, das die »jüdische Arbeiterorganisation Palä- ' stinas« der Gewcrkschaftsinternationale überreicht hat, zum Abdruck gebracht-. Im Jännerheft des Zcntraiorgans'des internationalen Genossenschaflsbundes (London, englisch-deutsch-französisch) veröffentlichte Gen. Zaborsky. einen Aufsatz über die jüdische Genossenschaftsbcwcg^ung in Palästina., Der Aufsatz ist sehr umfangreich und stellt die Genossenschaften in der Landwirtschaft, Industrie, öffentlichen. Arbeiten, Kredit und Verbrauch dar. ■ tung in die Reiehstagskominission, stieß hier aber auf sehen Weltbewegung gibt, die verbunaden ist mit dem großen Widerstand, insbesondere der konservativen arbeitenden Palästina und der sozialistischen Intcrnatio- ( Kreise. Die Juden waren vor allem an der Erteilung des nale. Die Liga für das arbeitende Palästina, die in Rio de ( Wohnrechtes und der Lösung der ./Kehilahschuldenfrage, Janeiro von, unserer Partei gegründet wurde, zählt, 300 ein Erbe des alten Waad arba arzot, interessiert, die Geg- Mitglieder. und schickt' ihre Eingänge regelmäßig nach ner der Judenreform kämpften für die Erlassung des a 1! Palästina. Im Monat November hatte die Liga 600 'Milreis Eingänge aus Mitgliedsbeiträgen. Die Liga, die von der linken Poale-Zion gegründet wurde, hat sich aus Mangel an Mitgliedern aufgelöst. England. Die Anwesenheit des Gen. Katzenelson in England ist von unserer Bruderpartei ausgenützt worden durch öffentliche Versammlungen, die zur Stärkung ihres Einflusses beigetragen haben. Der Vorsitzende unserer Bruderpartei ist zum Präsident.des »Arbeiterringes« in England gewählt worden — ein Symptom dafür, daß unsere Partei unter den organisierten jüdischen Arbeitern in England immer mehr Sympathie gewinnt. Es gibt nunmehr auch in• England die Anfänge einer poale-zionistischen Jugendbewegung, die im Wachsen ist. Die Partei gibt ein wöchentliches Bulletin heraus, in welchem sie Nachrichten über ihre Arbeit und über-die Geschehnisse in der Weltbewegung bringt. Von den Resolutionen der Konferenz der englischen Partei sind die Beschlüsse hervorzuheben, die Arbeit für den Kereu Kajemet zu intensivie-. ren und die Chaluzbewegung in, England zu fördern. e m e i n e n Schankverbotes. Mit großer Hingabe sucht Piatoli die Judenemair/ipation, die er auch als ein Mittel der Lösung der polnischen Staatskrise betrachtete,- durchzusetzen; doch all seine Weltgewandtheit nützte nicht, seine Idee blieb unverwirkliclit. Das nicht sehr zahlreich erschienene Publikum dankte Herrn Dr. Gelber für die Mitteilung, eines Teiles seiner Forschungsergebnisse mit herzlichem Beifall. Literatur. Anläßlich des zehnten Jahrestages der tragischen Ereignisse in Tei Chai hat der-Hechaluz eine »T e 1 C h a i« betitelte Broschüre (jiddisch) herausgegeben. Vergleicht man den Inhalt«des Heftes mit seinem Umfang, so muß es als sehr reichhaltig bezeichnet werden. Zw. Rosenstein weist in einem kurzen Aufsatz die Leichenschändung der Revisionisten an Truinpeldor zurück, Lipovelzky gibt eine ausführliche Leidensgeschichte Trumpeldors. Weiters werden die Ereignisse des elften Adar dargestellt und durch die Veröffentlichung des Protokolls einer Sitzung des Die K.-K.-Aktton geht zu Ende! Alle Genossen und Genossinnen, die noch Sammelbogeu haben, werden aufgefordert, dieselben in der Woche vom 1. bis 5. April täglich , von 8 bis 9 Uhr abends im Sekretariat BlumauergassL' 1 zu verrechnen. , Nützet noch die letzten Tage aus! ■ Sammelt fleißig! ' ä Genossen! Verlanget in den Kaffeehäusern und Restaurants den „Jüdischen Arbeiter". Lebensvers icherungs^Gese 1*1 s ch af t PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Vergicherungsbestand Ende Juni 1929: 8 2,000,000.000* - Garantiemittel Ende 1928: 8 242,000,000'- Präralen- und Zinseneinnahtnen im Jahre 1928: 8 97.SOO.OOO — Auszihlung qn die Versicherten im Jah e 1923: S 26.500.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarlen,Griechenland,Türkel, Aegypten, Palästina. Pensions- Versicherung ll^ll - mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei frflhei er BERUFS-UNFÄH1GKE1T. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^Äkt ien* G es el 1 schaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I; Schellinggasse Nr. 1 .Eigentümer, Verleger, Heraiisgeber u. veraiitvvortl. Redakteur: Markiis^Uichs, Angestellter, Wien, IL, Gr. Sperlgasse 19. — Druck: »Adria«, Wien, II., Taborstraße 52 b,