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Der Jüdische Arbeiter · 1930-03-14 · Heft 6 (14.3.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 6 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Der jüdische Arbeifer ' Wie gewöhnlich' in einer neuen, geistigen Sammelschrift, bildet auch im »Cusehtajer« die Poesie den über-* wiegenden Teil. Eingeleitet wird die Zeitschrift mit einem Gedicht David K ö n i g b e r g s das eine Proklamation ist, ein Manifest dieses einsamen Dichters. Dieses Gediehe ist charakteristisch für den Dichter Königsberg (aber keinesfalls für die ganze »Cuschtajer«-Gn:ppc, wie.es von manchen fälschlicherweise aufgefaßt wurde!) und kann als eine Erklärung seines jahrelangen Schweigens gelten, nachdem er mit seinen ersten dichterischen Schöpfungen allgemeine Anerkennung geerntet hat. In diesem Gedicht drückt er seine Unzufriedenheit mit der jiddischen Poesie aus, die er für angesteckt vom dekadenten Europa hält. Er sehnt sich »nach einem Lied voll innigen Inhaltes«, er mag nicht die im Schweiße schwer erarbeiteten Themen und Motive; er mag auch den Papierberg nicht, etwas Kerniges will er, »ein eigenes Lied singet, daß auf Pergament, für Generationen verewigt bleibe«. Daß Jisruel Aschen dorf ein heranreifendes Talent ist, beweist sein »Herscheie Ostropolicr«. Schon das Motiv zeugt von Geschmack und Verständnis. Herscheie Ostropolicr ist ein darfkbarer Stoff für dichterische Gestaltung. Aschendorf hat manche ganz entzückende Verse, es läßt sich jedoch manchmal eine technische Unbeholfenheit erkennen und wenn man die Verse liest, ist es, als ob man in eine unreife Frucht beißen würde, der Saft jedoch, der trotz der Unreife hervorquillt, läßt noch weite Entwicklungsmöglichkeiten ahnen. Ber Sch na per hat das Leben nicht gerade von seiner .besten Seite gesehen. Er ist in der Peripherie des Lebens heimischer als in seinem Zentrum. Seine »Pariasgesänge« und seine Gfidichtesammlung »Apschojm« (Abschaum), die vor ungefähr einem Jahre in Wien erschienen ist, zeugen davon. Er strotzt von Wucht, Kraft und ungeheurer innerer Dynamik, denen er formal noch nich! gewachsen ist. Er kann das überschäumende Temperament nicht meistern. Er hat Verse von starker bildlicher Originalität verfaßt, durch die Unfähigkeit jedoch, dem inneren Gehalt die angemessene Horm zu geben, wirken manche Verse wie dumpfe, wild hervorgestossene Schreie, deren Eindruck schnell vergeht. Ber H o r o vv; i t z ist schon eine Marke in der jiddischen Poesie mit einem ausgeprägten eigenen Charakter. Sein prächtiges Gedicht »Hast einen festen Punkt im Raum?« reiht sich" würdig der rRcihc seiner noch vor ■ Jahren veröffentlichten Gedichte *an. N u c h y m B o m s e scheint (inwiefern m?m nach den zwei Gedichten in ->Cuschtaier'< urteilen kann) auf seiner Entwicklungsleiter eine Stufe höher erklommen zu haben. In seinem Gedichtbändchen /Wochentags« ist er von der- Großstadt angekiänkelt. Ein leiser Pessimismus umschleicht ihn, ein Hauch der seichten Kleinstadt- Romantik, die weder originell noch fruchtbar ist. Sein »Sonntag in der Stadl« im »Cuschtajer«, mit .seiner Farbenpracht und der Freude am Leben, die zwischen den Zeilen herauszulesen ist, soll als Zeichen der Gesundung begrüßt werden. Es sind zwei besonders schöne Gedichte. Jakow Sehudrichs »Barton Hulian« (Fragmente eines Poems) läßt den Wunsch zurück, das ganze Poem zu lesen. Der Anfang ist von plastischer Originalität, sollte es aber ganz in dieser Form fortgesetzt werden, müßte es monoton wirken. Der Anfang verspricht viel. D w o j r y Vogels Gedicht ist ebenso elastisch und biegsam wie der von ihr besungene Mann. Ruche! K o r n hat sieh in einer verhältnismäßig kurzen Zeit eine feste Position in der jiddischen Literatur erobert. Und mit Recht! Ihre Lieder sind ein Neues in der jiddischen Poesie.. »Dorf« heißt das vor Monaten im Klczkm-Verlag (Wäischau) erschienene Bändchen ihrer Gedichte, die uns in die Welt'der primitiven echten Weiblichkeit einführen. Zwei Motive sind es, die ihr Schaffen charakterisieren: die eigene ungekünstelte weibliche Welt mit all ihren Leiden und Freuden, mit den Leidenschaften, die sturma/tig die Seele des Weibes aufpeitschen und als zweites Motiv: die. Natur, das Dorf, die schwarze Muttererde. Bei keiner jiddischen Dichterin haben wir bis nun eine so echte, tiefe, unbändige Leidenschaftlichkeit und Sehnsucht nach dem Manne wahrgenommen. Auch ihre Naturverbundenheil ist von weiblicher Zartheit und Feinfühligkcit. Ihre Gefühle sind echt und ungekünstelt, sie läuft aber Gefahr, sieh selbst zip wiederholen und zu kopieren. Ihr Gedicht im »Cuschtajcr« ist eine schöne Dorfsidylle »Am Neujahrstag«. Es kommen noch kleinere Gedichte von Jose] P a 1 k, G r ü n s e i t, B e r g e r, H e f n e r und (Wende! N c u - »gros chl. Der letzte hat »blaße Brüder wie der Nebel« 'gesd'! icbi'ii. Der Prosateil ist von d>';i Wiener Exponenten der galizischen Literatur beherrscht. Außer dem Anfang einer Erzählung von J. S. Lcwinsohn, die wir erst nach der Vollendung besprechen werden, ist die Erzählung J. A. Liskis besonders zu erwähnen. Dieser junge Prosaiker erobert sich langsam; aber sicher eine feste Position in der jiddischen Prosa. Er besitzt eine melodische, fein kultivierte Sprache, wodurch er sich von den meisten jungen Prosaikern auszeichnet, einen sehr reichen und originellen Bilderreichtum und ein gutes Verständnis gerade das Interessante und Wichtigste einer Situation herauszuarbeiten. »Yn der behuie« heißt seine Erzählung, die die Wirkung des Krieges aufs galizische Städtchen schildert. Es kommen noch ein nicht vollendeter Essay Dr. 0. Vogels über Chagaü, ein Poem in Prosa von Ascheiyian, ein glänzender, kultivierter, mit Verständnis und Talent geschriebener Essay Auerbachs über Martha* Ostenso, Artikel über die ukrainische Literatur, über das jüdische Kulturleben in Galizicn, Notizen, Bilder und Besprechungen. Im allgemeinen; eine gelungene, begrüßenswerte Erscheinung: Die Gordonfeier. Am 27. Februar fand im Hotel »Post« die vom zionistisch-sozialistischen Kartell veranstaltete Gordonfeicr statt. Nach einer einleitenden Rezitation aus Martin Bubers Werken ergriff Prof. Dr. Kellner das Wort zu einer eindrucksvollen Rede, deren Inhalt wir hier auszugsweise bringen: Gordon war der erste Clialuz. Er war bereits ein fast fünfzigjähriger ..Mann, als er sich vom Golus wegriß, nach Erez Israel ging und seinem Ideal, nicht bloß mit Worten, sondern durch schwerste körperliche Arbeit diente. Seine-Sehnsucht war eine neue Weltordnung, ein neuer Himmel und eine neue Erde, eine soziale und nationale Erneuerung, welche ihre Heiligung in der Arbeit findet. Gleich den Sozialisten des 19. Jahrhundert erkannte Gordon den Eigenwert der Arbeit, der schöpferischen Arbeit in der Gemeinschaft und für sie. Die Arbeitenden werden über die Parasiten der nationalen und sozialen Ausbeutung kraft dieser Arbeit und n u r durch die Arbeit siegen. Alles'Tun soll n'ii" diese Arbeit eingestellt sein, auf Nationalismus und nicht auf So/ialisnnis; Gordon sagte, Nationalismus beeinhaltet Sozialismus, der wahre Nationalismus ist nicht Nationalegoismus. Das Wesen des Nationalen ist im tiefsten Inneren des Menschen verborgen. Jedes Volk hat einen eigenen Sozialismus; das moralische Gesetz d& engsten Kreises spricht nur für eine sozialistische Arbeit im eigenen Volk. Gordon war für den Frieden zwischen den Völkern und gegen den Militarismus, in welchem er einen Ausdruck des Machtstrebens erkannte. Dun völkerbefreienden internationalen Sozialismus hat Gordon auch nach Ansicht Prof. Kellners in seiner wahren' Bedeutung zweifellos nicht erkannt, dies war auch der Grund, warum sich Gordon seinerzeit gegen den Ichud der Arbeiterparteien ausgesprochen hatte. Gordons Größe lag in seinem Leben, einem Leben, das von seinen Schülern in Erez Israel jetzt fortgelebt wird. Nach der Rede folgten einige Rezitationen aus Gordons Werken, dann eine stimmungsvolle Szenenaufführung und <%i gut gelungener Sprechchor. Mit der Teeh'sakna schloß die gutbesuchte Veranstaltung. Stander. Theater, | Abraham Sonnenblum. | Die »Wünaer« in Wien. Der »Dybuk« — »Grüne Felder« — »Der Abschied« Die WÜnaer führten den »Dybuk« in der bekannten Inszenierung David Hermanns auf. Diese Inszenierung, die zweifellos mehrere, sehr interessante und wertvolle Einzelheiten aufweist, scheint aber als Ganzes ziemlich überholt zu sein. ÄDic »Habimah«. und Granowsky haben uns gelehrt, an moderne, Theaterkunst die Forderung nach strenger innerer Konsequenz zu stellen. Die Inszenierung Hermanns, so reich' sk? auch an EiuräUen sein mag, erfüllt diese Forderung nicht. Die Aufführung des »Dybuk« war gut. Die wertvolle Leistung Steins als CJumon ist uns noch von der früheren Wifnaer Truppe gut in Erinnerung. Als Miropolie konnte eivuns nicht voll befriedigen. Es fällt nicht leicht, an den Miropolier Moreuskis zu vergessen. Auch Somb als Meschulach' konnte nicht die Erinnerung an Nachbuschs Glanzleistung auslösten, ''.bor »for von großem Talent strotzende Schauspieler hat auch hier seinen-Mann gestellt. -Scheffel Bund und Kollegen in den kleinen Rollen waren vorzüglich. Der äußerst sympathische Schauspieler und schönste Sprecher dieser Truppe Kamai schuf als Sender Bignitzer eine schöne, glaubwürdige „Gestalt. Frau Altbaum a!s Bobischi gut und eindrucksvoll". Besonders hervorheben wollen wir die Lea der Frau Pikus. Eine so echte, fein abgetönte, edle Gestalt haben wir noch nicht gesehen. In der Frau Pikus hat die Truppe eine schauspielerische Kraft, von der man die größten Leistungen erwarten darf. Ein Meisterstück war die Aufführung von Hirschbeins »Grüne Felder«. Hier kam das Idyllenhafte voll zum Ausdrucke. Die Regie vermochte hier eine restlose Harmonieherzustellen. Auch der Humor lügte sich in den Rahinen des Ganzen. Es erübrigt sich, die einzelnen Rollen anzuführen. Alle, insbesondere die Träger der Hauptrollen: Frau Altbaum, Frau Pikus, Fräulein Wituch, die Herren: Domb, Bund, Stein, Scheitel und Kamaj waren vorzüglich'. . Es fiel nicht leicht, von den Wilnaern Abschied zu nehmen. Die Freunde des judischen Theaters haben mit wahrem Heißhunger, die Kunstleistungen dieser Truppe genossen. Es ist unser sehnlichster Wunsch, diesen ehrlichen Künstlern "die Möglichkeit zu schaffen in unserer Mitte auch weiterhin wirken zu können. Das jüdische Wien bedarf eines solchen Theaters dringend. Mit dieser Frage sollten sieh jene Gruppierungen, für die die Erhaltung des j ü d i s c^ii e n Wien eine ernste Sache ist, befassen. 1 Nacli der letzten Vorstellung richtete Dr. Rosenfeld von der Bühne Abschiedsworte an die wackere Truppe. Ein enger Kreis nahm Sonntag abends von den Wilnaern Abschied. E »sprachen; Meiseis, Singer, Dr. Glanz, Domb und Stein. Alle waren von der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit neuen Repertoire beseelt. Menachem. Wir haben erst jetzt in Erfahrung gebracht, daß vor einigen Wochen in Meran unser Genosse Abraham Sonnenblum gestorben ist. Sonncnblum war länger als zehn Jahre Mitglied unserer Organisation und diente ihr treu. Die proletarische Krankheit behinderte ihn leider in den letzten Jahren, sich der Organisationsarbeit zu widmen. Er starb im Alter von 38 Jahren. Wir wollen ihm. ein treues Andenken bewahren. Spenden (Nationalfondsaktion) I. Ausweis. Dr. Berthold Hirsch!, IL, S 10.—- Abraham Moses Wallach, XX., S 10.—; Abraham Horowitz, XX., S 10.— Adolf Kampf, XX., S 10.—; Jakob Struniwasscr, XX. S 10.—; Dr*. Emii Gaster, XX., S 10 —; Hermann Wiener XX., S 10.—; Paul Hirsch!, XX., S 10.—; Samuel Wallach XX., S 10.—; David Wenkert, XX., S 10. —; Salem Mayer XV., S 10.—; Ungenannt S .'50.--; Schwarz Moses, I S 10.—; Josef Schargel: XX., S 10.—; Mendel Singer IX., S 10.—; Dr. L. Kantor, V., S 10. —; Abraham Mohrer S 10.—; Chaiin Morer, XX., S 10.—; Elly Hotbauer, IX. S |ü.—; Dr. Norbert Lubasch, S 10.--; Pinchas Sorokin S 30—; Feiwel Blam, IL, S 10.—; Dr. Löwenson, I S 10.—; Dr. Adolf Bcinay, L, S 10.—; Dr. Johann Hell mann, I., S 20.—. Trumpeldorfeiern. Sonnlag den iö. März ]/2\0 Uhr vormittags Jugendmassenmeeting im Festsaale des Alien Rathauses, I., Wipplihgcrstraße 8 * Montag den 17. März um 7 Uhr abends Kunstlerische Feier in den »Kunstspielen«, L, Ricmergasse._ mit reichhaltigem Programm unter Mitwirkung von namhaften Künstlern. Karten sind zu haben: Hechaluz, L, Kärntnerstraße Nr. 28; Poalc-Zion-Sekretariat, IL, Blumauergasse S. Praftiisdie Gasgeräte in den der Wiener stäOüsdien Gasweri VIII., JosefstädterstraPe 10 XU., Therestengasse 3 XX., Denisgasse 39 8 bis 13 Uhr Teilzahlungen Lebensversicherungs^G es ellschaft Zentrale: Wien, I-, Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand Ende Juni 1929; 8 2,000,000.000' - Garantiemiticl Ende 1928: S 242,000.000 - Prämicn- und Zinaeneinnahmen im Jahre 1928: w 97,500.000 — Auszahlung an die Versicherten im Jah e 192): » 26..SOO.OOO"— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Prankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien.Grie« henland Türkei.Aegypten,Palästina, Pensions-Versicherung Neu* n11* Rentenansamrnlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei frühei er BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^Ak: ien => Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schelllnggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, 11., Gr. Sperlgasse 19. — Druck: »Adria«, Wien, iL,-Taborstraße 52 b

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